Bitcoin Münze auf Kante

Wie viele Bitcoins gibt es noch und wie viele BTC sind für immer verloren?

Mit Bitcoin ist der Menschheit eine Revolution gelungen – das erste freie, dezentrale und zensurresistente Geld. Dabei spielen nicht nur die bekannten Vorteile von Bitcoin eine entscheidende Rolle, sondern vor allem seine Knappheit. BTC ist nämlich auf maximal 21 Millionen Einheiten begrenzt und bietet daher, durch seine Grundeigenschaften, eine Alternative zu bekannten Wertaufbewahrungsmitteln wie Gold und anderen Edelmetallen.

Bis zum heutigen Tag wurden insgesamt 18.412.481 BTC erschaffen und in Umlauf gebracht. Die restlichen 2.587.519 BTC werden erst innerhalb der nächsten ca. 120 Jahre durch den Prozess des Minings entstehen. Dabei stellt sich aber jetzt schon die Frage, ob all die Bitcoin, die sich bereits in Umlauf befinden, wirklich zur Verfügung stehen oder bereits einige davon in der Zwischenzeit verloren gegangen sind.

In diesem Artikel wollen wir der Sache auf den Grund gehen und durch verschiedene On-Chain Daten herausfinden, wie viele Bitcoin für immer verloren gegangen sind. Viel Spaß!

Bitcoins maximale Anzahl durch Inflationsrate festgelegt

Vor über 11 Jahren wurde das Bitcoin Whitepaper zum ersten Mal veröffentlicht. Genau dort wurde auch die maximale Anzahl von 21 Millionen BTC festgelegt. Hier die magische Formel, die Bitcoin seine Knappheit verleiht:

int64 CBlock: :GetBlockValue(int64 nFees) const
{
int64 nSubsidy = 50 * COIN;
// Subsidy is cut in half every 4 years
nSubsidy >>= (nBestHigh / 210000);

return nSubsidy + nFees;
}

Hiermit wird festgelegt, dass der jeweilige Block Reward bei 50 BTC liegt und alle 210.000 Blöcke halbiert wird. Viele wissen nicht, dass es im Bitcoin Quellcode keine Überprüfung der maximalen Anzahl von 21 Millionen BTC gibt. Diese Grenze ergibt sich automatisch aus der oben genannten Funktion. Es wird somit nur überprüft, ob pro gefundenen Block nicht mehr BTC ausgegeben werden als vorgeschrieben. Demnach ist nur die Inflationsrate vorgegeben, aus der eine maximale Anzahl an BTC resultiert.

Die umlaufende Menge ist in der Realität geringer

In unserer Analyse schauen wir uns die Anzahl der BTC an, die bis zum Block 630.000 (Zeitpunkt vom 3. Halving) entstanden sind. Mit der oben genannten Formel können wir somit genau sagen, wie viele Bitcoin bis zu diesem Zeitpunkt entstanden sind.

210.000 Blöcke * 50 BTC + 210.000 Blöcke * 25 BTC + 210,000 Blöcke * 12.5 BTC = 18.375.000 BTC

Somit hätten in der Theorie bis zum 3. Halving insgesamt 18.375.000 BTC entstehen müssen. Doch in der Realität sieht es etwas anders aus. Bereits vor 8 Monaten hat einer der bekanntesten Bitcoin Entwickler Pieter Wuille darauf aufmerksam gemacht, dass die tatsächliche Anzahl der Bitcoins, die sich in Umlauf befinden, geringer ist.

Das hat uns Grund genug gegeben um der Frage nachzugehen warum das Angebot geringer ist als es sein sollte. Zudem wollen wir herausfinden wie viele Bitcoins in der Zwischenzeit möglicherweise verloren gegangen sind und wie viele nachweislich für immer weg sind. Jeder verlorene BTC verringert die umlaufende Menge, macht die beliebteste Kryptowährung noch knapper und somit die restlichen BTC wertvoller.

Nachweislich verlorene Bitcoins

Genesis Coins

Der Bitcoin Ledger (Hauptbuch) besteht aus dem sogenannten UTXO-Set. Genauer gesagt verbergen sich hinter dem Begriff „Unspent Transaction Outputs“, also nicht ausgegebene Transaktionen. Genau dieses UTXO-Set bestimmt den Status Quo des Bitcoin Ledgers. In anderen Worten: Es zeigt die Summe aller Guthaben im Bitcoin Netzwerk und somit auch die Anzahl an BTC, die sich in Umlauf befinden.

Dennoch gibt es Bitcoins, die in dem UTXO-Set nicht auftauchen und somit nachweislich für immer verloren sind. So auch der 50 BTC Block Reward aus dem Genesis-Block von Satoshi Nakatomo. Hierbei handelt es sich um den allerersten Block im Bitcoin Netzwerk. Die Belohnung in Höhe von 50 BTC ist im UTXO-Set nicht enthalten. Es ist immer noch unklar, ob es ein Versehen oder Absicht war.

Doch damit sind wir noch nicht am Ende der Fahnenstange angekommen.

Bitcoins verloren: 50 BTC

Doppelte Coinbase-Transaktionen

Weitere Verluste sind auf Basis einer fehlerhaften Handhabung von doppelten Transaktionen entstanden. Obwohl doppelte Transaktionen im Bitcoin Netzwerk als unmöglich erscheinen, ist es dennoch möglich doppelte Transaktionen zu erstellen.

Die am einfachsten zu duplizierenden Transaktionen sind die Coinbase-Transaktionen, die die ersten Transaktionen jedes Blocks sind und es dem Miner ermöglichen, seinen Block Reward zu beanspruchen. (die Firma Coinbase ist nach diesen Coinbase-Transaktionen benannt!) Das ist nur möglich, weil diese Transaktionen keine digitalen Signaturen oder Verweise auf frühere Transaktionen enthalten. Wenn ein Miner nun eine Coinbase-Transaktion erstellen würde, bei der genau der gleiche Betrag an BTC an die gleichen Adressen und mit der gleichen zusätzlichen Nonce (ein kleiner Bereich der Coinbase-Transaktion, der zur Unterstützung des Minings verwendet wird) ausgezahlt wird, wäre die Transaktion identisch.

Das geschah aber bis jetzt nur zweimal in der frühen Geschichte von Bitcoin

  • Die Transaktion d5d2..8599 war der Coinbase Output für die Blöcke 91.812 und 91.842
  • Die Transaktion e3bf…b468 war der Coinbase Output für die Blöcke 91.722 und 91.880

In beiden Fällen wurden die vorherigen Outputs durch die der identischen Transaktionen überschrieben. Das Ergebnis ist, dass die beiden überschriebenen Ausgaben nicht im UTXO-Set enthalten sind. Diese 100 BTC befinden sich nicht im Ledger von Bitcoin.

Obwohl es wie ein harmloses Versehen aussieht, identifizierte Russell O’Connor dies bereits 2012 als einen möglichen Angriffsvektor. Durch die Nutzung doppelter Transaktionen könnte ein Angreifer die früheren Transaktionen anderer Benutzer aus dem Ledger entfernen.

Als Reaktion darauf wurde 2012 das BIP-30 (Bitcoin Improvement Proposal) eingeführt, um neue doppelte Transaktionen zu verbieten, bis die Outputs der älteren Transaktion vollständig aufgebraucht sind. Die Handhabung der vorhandenen Duplikate wurde jedoch nicht geändert. Dadurch bleiben diese 100 Bitcoins für immer verloren.

Bitcoins verloren: 100 BTC

Nicht beanspruchte Belohnungen

Unter den verlorenen Bitcoins reihen sich auch einige nicht beanspruchte Block Rewards (Belohnungen) der Miner ein. Im Bitcoin Protokoll ist festgeschrieben, dass ein Miner, der einen gültigen Block findet, den dazugehörigen Block Reward und die Fees, der im Block enthaltenen Transaktionen, für sich beanspruchen kann. Jeder Full Node überprüft, ob die Miner nicht versuchen mehr für sich zu beanspruchen, als denen eigentlich zusteht. Den Full Nodes ist es jedoch egal, ob ein Miner weniger beansprucht hat als vorgesehen.

Es macht natürlich absolut keinen Sinn, dass Miner sich nur einen Teil ihrer Block Rewards krallen und den Rest einfach verwerfen. Doch genau das ist erstaunlicherweise bereits oft passiert. Das erste Mal geschah es im Mai 2011 in Block 124.724 und das letzte Mal bis jetzt in Block 564.959 Ende Februar 2019. Insgesamt sind diese Anomalien 1.221 Mal aufgetreten. Dabei sind insgesamt 28,955027063 Bitcoins auf der Strecke geblieben.

Der Grund für so viele Anomalien liegt wahrscheinlich in einer fehlerhaften Software der Miner, die zur Erstellung der Coinbase-Transaktion verwendet wurde.

Bitcoins verloren: 28,955027063 BTC

OP_RETURN Outputs

Es gibt eine spezielle Art der Outputs von Bitcoin-Transaktionen namens OP_RETURN. Sie ermöglichen es den Benutzern, Daten in die Blockchain einzubetten. Dabei wird das UTXO-Set in der Regel nicht angerührt.

Während die große Mehrheit solcher Outputs mit einem Wert von 0 Satoshis erzeugt wird, gibt es auch einige, die dafür einiges auf den Tisch gelegt haben. Insgesamt wurden 3,723039 BTC bis Block 600.000 an OP_RETURN Outputs gesendet. Diese Coins können nicht mehr ausgegeben werden und gelten als verloren.

Bitcoins verloren: 3,723039 BTC

Insgesamt sind somit nachweislich 182,678066 BTC für immer verloren. Demnach haben wir bei Block 630.000 keine 18.375.000 BTC in Umlauf gehabt, sondern nur 18.374.817,321934 BTC.

Wahrscheinlich verlorene Bitcoins

„Bogus“ Adressen

Vor der Standardisierung der OP_RETURN Outputs gab es keine leicht zugängliche, nachweisbare Möglichkeit, Bitcoins zu „vernichten“. Infolgedessen griffen Benutzer auf „Bogus Adressen“ zurück. Dabei handelt es sich um Adressen, die keinen bekannten privaten Schlüssel haben. Also auch keinen Besitzer haben.

Normalerweise wird eine Bitcoin Adresse aus der Transformation des privaten Schlüssel in einen öffentlichen Schlüssel erzeugt. Dieser Prozess macht es sehr schwierig, benutzerdefinierte Bitcoin Adressen zu erzeugen. Man muss im Grunde genommen nach einem privaten Schlüssel durch suchen (minen), deren Adresse mit dem gewünschten Präfix beginnt.

Bei „Bogus Adressen“ besteht jedoch nicht der Wunsch jemals wieder an die Coins zu kommen. Jeder kann sich eine „Bogus Adresse“ ausdenken. Diese muss kann mit einem beliebigen Präfix beginnen (muss mit dem Base58-Alphabet geschrieben werden). Die letzten Zeichen der Adresse sind jedoch zufällig.

Mittlerweile gibt es so viele „Bogus Adressen“, dass es unmöglich ist alle Adressen zu durchforsten. Hier aber eine kurze Übersicht der größten und bekanntesten:

Bitcoin größte Bogus Adressen

Allein diese drei Adressen machen 2213,19538012 BTC aus. Theoretisch sind diese Coins nicht für immer verloren – jemand könnte den dazugehörigen privaten Schlüssel finden. Die einzige bekannte Möglichkeit einen privaten Schlüssel zu finden der zu einer bestimmten Adresse gehört, besteht nur darin zufällig zu raten bis man die richtige Kombination findet (Bruteforce). 

In der Praxis ist die Wahrscheinlichkeit, dass dies in der Lebenszeit unseres Planeten geschieht, ziemlich gering. Noch letzte Woche haben wir einen Artikel zu einem kürzlich ausgeführten Brute Force Angriff geschrieben.

Bitcoin wahrscheinlich verloren: 2.213,19538012 BTC

Bugs (Fehler)

Die heutigen Bitcoin Wallets sind sozusagen das Tor in das BTC Netzwerk. Heutzutage findet man nur noch selten Fehler in ihnen. Doch das war nicht immer der Fall. Im November 2011 fiel MtGox einem Fehler in diesem Teil ihrer Software zum Opfer. Sie schickten 2.609,36304319 BTC an ein „Bogus Skript“ und wussten keinen Weg wieder an diese Coins zu kommen. Sowas kann passieren, wenn man Coins an einen „leeren“ öffentlichen Schlüssel schickt und die jeweilige Software nicht darauf programmiert ist zu erkennen, dass dies zu einem Problem führen wird.

Es gab weitere ähnliche Fehler in anderen Kryptowährungen, die die Coins unbrauchbar machten. Vor allem in Ethereum mit dem Parity-Selbstzerstörungs-Problem (513.000 ETH verloren).

Bitcoin wahrscheinlich verloren: 2609,36304319 BTC

Zombie Coins oder Satoshis Bitcoin

Oft werden auch Bitcoins als verloren angesehen, wenn sie sich seit vielen Jahren nicht mehr bewegt haben. Hier ist es aber unmöglich zu wissen, ob ihre Besitzer die Schlüssel noch haben oder nicht. Daher werden sie oft als „Zombie Coins“ bezeichnet – weder lebendig, noch tot.

Um hier dennoch nicht zu spekulativ zu werden, schauen wir uns nur die BTC an, die zuletzt bewegt wurden bevor Bitcoin an der ersten Börse gehandelt wurde (Juli 2010). Der Grund für dieses Zeitfenster ist denkbar einfach: damals hatte Bitcoin noch keinen offiziellen Preis und demnach hatten die Besitzer nur wenig Anreiz ihre Wallets ausreichend zu sichern.

Bei Block 630.000 gab es 1.496.907,88 BTC, die zuletzt vor Juli 2010 bewegt wurden. Verschiedenen Schätzungen zufolge besitzt Satoshi Nakamoto angeblich mehr als die Hälfte dieser Coins. Das liegt daran, dass Satoshi selbst in diesem Zeitraum der dominierende Miner war.

Da es bis heute schon mehrere Bitcoin Kurs Blasen gab, hätten die Coins in einer dieser Blasen bewegt werden müssen, um Gewinne mitzunehmen. Entweder haben die Besitzer also ihre Schlüssel verloren oder haben einen extrem langfristigen Zeithorizont.

Bitcoin wahrscheinlich verloren: 1.496.907,88 BTC

Belastete Coins

Bei dieser Kategorie handelt es sich um Bitcoins, die als verloren gelten oder sich zumindest vorläufig nicht mehr im Umlauf befinden. Dabei geht es hauptsächlich um gestohlene BTC. Denn diese Coins sind allen Börsen bekannt und machen es sehr schwierig bis unmöglich diese wieder in Umlauf zu bringen. Vor allem weil es sich hierbei um teilweise sehr große Beträge handelt.

In der Geschichte von Bitcoin gab es viele größere Hacks und Diebstähle, aber zwei sind hier besonders zu nennen – der Diebstahl von 80.000 BTC von MtGox im Jahr 2011 und der Diebstahl von 120.000 BTC von Bitfinex im Jahr 2016.

Bis heute wurden die gestohlenen BTC aus dem MtGox Hack nicht mehr angerührt. Der Grund, warum die Beute (im Wert von 73.000 US-Dollar zur Zeit des Diebstahls, heute 700 Millionen US-Dollar) nie ausgegeben wurde, ist unbekannt. Höchstwahrscheinlich ist der Dieb nicht mehr in der Lage auf den privaten Schlüssel zuzugreifen. Vielleicht gibt es aber auch einen ganz anderen Grund.

Im August 2016 verlor Bitfinex 119.756 BTC durch einen Hack. Bis heute sind nur sehr wenige dieser gestohlenen Coins bewegt worden. Zum Zeitpunkt des Blocks 630.000 hatten die Adressen, an die die gestohlenen Coins geschickt wurden, noch 117.091,31922097 BTC.

Gestohlene Bitcoins: 197.047,31922097 BTC

Fazit – Bitcoin ist knapper als gedacht

Bitcoin wird niemals eine umlaufende Menge von 21 Millionen BTC erreichen. Alleine die nachweislich verlorenen Bitcoin machen das unmöglich. Doch die Summe der verlorenen BTC könnte weitaus höher sein, wenn wir die verschiedenen Probleme, Fehler und andere Ereignisse im Laufe der Zeit berücksichtigen.

Die finale Berechnung sieht wie folgt aus:

  • Theoretischer Bestand bis zum Block 630.000 = 18.375.000 BTC
  • Nachweislich verlorene Bitcoins = 182,678066 BTC
  • Wahrscheinlich verlorene Bitcoins = 1.501.730,43842331 BTC
  • Gestohlene Bitcoins = 197.047,31922097 BTC

Somit kommen wir auf eine Summe von 16.676.039,6 BTC, die sich aktuell tatsächlich in Umlauf befinden. Insgesamt könnten also 1.698.960,4 Bitcoins für immer verloren sein.

Es gibt viele weitere Möglichkeiten das tatsächliche Angebot von Bitcoin zu beurteilen. Hier gibt es viel Interpretationsspielraum und demnach unterscheiden sich die Ergebnisse teilweise enorm. Daher haben wir versucht in diesem Artikel die einzelnen Faktoren herunterzubrechen, um ein realistisches Bild der Lage zu bekommen. Wir werden für euch weiterhin die verlorenen Bitcoins beobachten und euch wie immer auf dem Laufenden halten. Schaut unbedingt in unserer Wissensbibliothek vorbei! – Dort tragen wir alles Relevante zusammen, um im Bitcoin Space informiert zu bleiben.

Was denkst du über die verlorenen BTC und das tatsächliche verfügbare Angebot von Bitcoin? Komm in unseren Telegram Chat, sag uns deine Meinung und verbinde dich mit der Community!

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Trading Monitor mit Candle Sticks

Bitcoin UTXO: Was ist das und welche Informationen liefern sie uns?

Immer wieder tauchen spannende Informationen über die Bitcoin Blockchain in Zusammenhang mit sogenannten UTXOs auf. Doch was ist ein UTXO und welche Informationen können sie für die Bitcoin On-Chain Analyse liefern? In diesem Artikel wollen wir nicht nur erklären was UTXOs sind, sondern wie sie funktionieren und wie sie eingesetzt werden können, um an bestimmte Informationen in der BTC Blockchain zu kommen.

Hinter dem Begriff UTXO verbirgt sich übrigens „Unspent Transaction Output“. Um nun zu verstehen, welche Bedeutung der UTXO in der Bitcoin Blockchain hat, müssen wir erstmal verstehen, wie eine Transaktion grundsätzlich funktioniert.

Wie sind Bitcoin Transaktionen aufgebaut?

Eine Bitcoin Transaktion besteht aus beliebig vielen Eingaben (Inputs) und beliebig vielen Ausgaben (Outputs). Dabei stellt ein Output einer Transaktion den Input der nächsten Transaktion dar. Hier findest du ein Beispiel, um den Zusammenhang zwischen Output und Input von zwei Transaktionen besser zu verstehen.

Bitcoin Transaktionen mit Inputs und Outputs

Hierbei ist es wichtig, dass die Summe aller Outputs nicht die Summe aller Inputs überschreiten darf. Anders formuliert: es können nicht mehr Bitcoins ausgegeben werden, als zuvor eingegangen sind. Zudem fällt bei jeder Transaktion eine Transaktionsgebühr an, die an den jeweiligen Miner geht, der die Transaktion in seinen Block aufnimmt.

Es gibt jedoch eine Ausnahme und das sind die sogenannten Coinbase Transaktionen. Diese Transaktionen spiegeln den Block Reward wider, den die Miner für das Finden eines gültigen Blocks erhalten. In der Coinbase Transaktionen werden sozusagen die neuen Bitcoins kreiert, die die Miner als Belohnung für ihre Arbeit erhalten. Daher gibt es hier auch keine Inputs, sondern nur Outputs.

Bei der Durchführung einer Transaktion kommt es immer wieder dazu, dass ein bestimmter Input nicht ausreicht um einen bestimmen Output zu decken oder größer ist als der Output. Dieses Problem hat damit zu tun, dass Inputs innerhalb der Transaktion nicht einfach aufgebrochen werden können. Am besten lässt sich das an dem folgenden Beispiel nachvollziehen.

Beispiel

Du hast in deiner Bitcoin Adresse zwei verschiedene Eingänge (Inputs) – 1 BTC und 2 BTC. Somit umfasst deine Bitcoin Adresse Unspent Transaction Outputs (UTXOs) in Höhe von 3 BTC. Nun willst du 2,5 BTC auf eine andere Wallet transferieren. Für diesen Vorgang werden nun drei Outputs erstellt:

  1. Output in Höhe von 2,5 BTC an die Zieladresse
  2. Output in Höhe von 0,1 BTC als Transaktionsgebühr für den Miner (Beispiel)
  3. Output mit dem Restbetrag in Höhe von 0,4 BTC zurück an deine Bitcoin Adresse

In deiner Bitcoin Adresse taucht nun ein neuer Input in Höhe von 0,4 BTC auf. Somit umfasst deine Bitcoin Wallet UTXOs in Höhe von 0,4 BTC, da diese von dir noch nicht ausgegeben wurden.

Was ist ein Bitcoin UTXO?

Nachdem wir nun den grundsätzlichen Aufbau und Funktion einer Transaktion verstanden haben, können wir wieder zu der Ursprungsfrage „Was ist ein Bitcoin UTXO?“ zurückkehren.

Wie bereits oben erwähnt, heißt UTXO ausgeschrieben „Unspent Transaction Output“. Es umschreibt einen Output, der noch nicht ausgegeben wurde, also bei keiner anderen Transaktion als Input auftaucht. Outputs, die hingegen bereits ausgegeben wurden und in einer anderen Transaktion als Input auftauchen, heißen demnach „Spent Transaction Output“. Nach dieser Definition ist das Guthaben einer Bitcoin Adresse die Summe seiner UTXOs.

In der Bitcoin Blockchain wird die Summe aller UTXOs als UTXO-Set bezeichnet. Dieses Set stellt die minimale Datengrundlage dar, um nachzuvollziehen, ob ein bestimmter BTC bereits ausgegeben wurde oder nicht. Das verhindert, dass Bitcoins doppelt ausgegeben werden können. Das gegenwärtige UTXO-Set beschreibt den aktuellen Zustand der Bitcoin Blockchain. Sobald eine neue Transaktion getätigt wurde, verändert sich dementsprechend das UTXO-Set und der Zustand der Blockchain.

Das UTXO-Set ist einer der wichtigsten Datensätze von BTC und beschreibt die Summe aller Bitcoins im Netzwerk.

UTXO Age Distribution

Kommen wir aber nun zu dem spannenden Teil dieses Artikels – UTXO Age Distribution. In der Blockchain sind nicht nur alle UTXOs für jedermann einsehbar, sondern auch deren Alter. Also auch wann der jeweilige BTC oder ein Bruchteil davon zum letzten Mal ausgegeben oder besser gesagt transferiert wurde. Das bietet uns eine Grundlage, um verschiedene Verhaltensmuster der Bitcoin Investoren besser zu verstehen. Dazu zählen auch Fragen wie „Wie viele Bitcoin sind für immer verloren?“ oder „Wie viele BTC wurden mehr als ein Jahr nicht mehr bewegt?“. In diesem Abschnitt wollen wir auf die letzte Frage näher eingehen und aufzeigen, wie viele BTC wie lange nicht mehr bewegt wurden.

Dafür nutzen wir den sogenannten UTXO Age Distribution Chart. Dieser zeigt uns nicht nur wann jeder einzelne BTC das letzte mal bewegt wurde, sondern wie sich das über die letzten Jahre in Zusammenhang mit dem Bitcoin Kurs entwickelt hat. Schauen wir am besten direkt rein.

Bitcoin Age Distribution Chart mit Bitcoin Kurs und verschiedenen Farbbändern

Da dieser Chart auf den ersten Blick teilweise zu Verwirrungen führt, schauen wir uns die einzelnen Komponenten erstmal genauer an.

Die schwarze Linie beschreibt den Bitcoin Kurs Verlauf seit 2011 bis heute. Da die Bitcoin Blockchain bereits Anfang 2009 gestartet ist, gibt es einen Bereich in diesem Chart, wo es noch keinen offiziellen Bitcoin Preis gab.

Auf der linken Seite des Charts sehen wir die Legende der sogenannten Altersklassen (engl. Age Bands). Die verschiedenen Farben repräsentieren das jeweilige Alter der UTXOs (Bitcoins). Angefangen mit der Farbe rot, die die UTXOs repräsentiert, die weniger als einen Tag alt sind. Bis hin zu der Farbe dunkelblau, die die UTXOs repräsentiert, die älter als 5 Jahre sind. Alle Farben zusammen repräsentieren zu jedem Zeitpunkt 100% aller umlaufenden Bitcoins.

Wie viele Bitcoins wurden länger als 1 Jahr nicht mehr bewegt?

Nachdem wir nun den Bitcoin UTXO Age Distribution Chart verinnerlicht haben, schauen wir uns an, was wir aktuell an Informationen daraus ziehen können. Am besten gehen wir zuerst auf die Frage ein „Wie viele BTC wurden länger als ein Jahr nicht mehr bewegt?“. Für einen besseren Überblick deaktivieren wir alle Farben der Altersklassen unter 12 Monaten.

Bitcoin Age Distribution Chart mit Bitcoin Kurs und Farbverläufen der Altersklassen über 12 Monaten

Dieser Bitcoin UTXO Age Distribution Chart zeigt die Bitcoins im Laufe der Zeit, die länger als ein Jahr nicht mehr bewegt wurden. Die Prozentzahlen auf der rechten Seite der jeweiligen Altersklassen zeigen, wie viel der aktuell umlaufenden BTC seit mehr als einem Jahr nicht mehr bewegt wurden.

Insgesamt befinden sich aktuell ca. 18.376.700 BTC bereits in Umlauf. Wenn wir nun die Prozentzahlen auf der rechten Seite summieren, dann erhalten wir 63%. Das heißt also, dass aktuell ca. 11 577 261 BTC seit mehr als einem Jahr nicht mehr transferiert wurden. Genauer gesagt wurden 11% aller BTC das letzte mal zwischen 12-18 Monaten bewegt, 5% zwischen 18-24 Monaten, 15% zwischen 2-3 Jahren, 10% zwischen 3-5 Jahren und 22% länger als 5 Jahre.

Das ist ein spannender Indikator, um das Anlageverhalten der BTC Investoren zum jeweiligen Zeitpunkt zu analysieren. Aus diesem Bitcoin UTXO Age Distribution Chart lassen sich zudem auch wiederkehrende Verhaltensmuster erkennen, auf die wir in dem folgenden Abschnitt näher eingehen.

Bitcoin Hodl Waves

Die Rede ist von sogenannten Bitcoin Hodl Waves. Damit sind die wellenartigen Erscheinungen vor den jeweiligen Bitcoin Kurs Allzeithochs gemeint. Während sich diese Wellen aufbauen, fangen immer mehr Investoren an ihre BTC langfristig zu halten. Diese Informationen lassen sich ebenfalls aus dem UTXO Age Distribution Chart entnehmen. Dazu schauen wir uns am besten den Chart mit den jeweiligen Hodl Waves etwas genauer an.

UTXO Age Distribution Chart mit Hodl Waves der letzten 11 Jahre

Aus dem Chart können wir entnehmen, dass es bis jetzt drei verschiedene Hodl Waves gab. All diese Wellen zerbrechen kurz vor einem neuen Preispeak. Kurze Zeit später baut sich die nächste Hodl Wave auf. Eine Ausnahme stellt die erste Hodl Wave dar (Genesis Hodl). Diese entstand wohl, als die Mehrheit der damaligen Bitcoiner gemerkt hat, dass bald ein offizieller Bitcoin Preis entstehen und steigen könnte.

Jede Welle ist von der Zuversicht der Investoren getrieben, die auf einen steigenden Bitcoin Kurs in den nächsten Jahren hoffen und anfangen BTC zu akkumulieren und ihre Position auszubauen. Dadurch werden viele Bitcoins langfristig gehalten und bewegen sich bis zum nächsten BTC Preis Allzeithoch oft nicht mehr. Das können wir schön im Chart an den Veränderungen in den jeweiligen Altersklassen erkennen.

The Great Hodl anhand des UTXO Age Distribution Charts

Für ein besseres Verständnis schauen wir uns die letzte Hodl Wave, die Mitte 2017 zu zerbrechen anfing, mal genauer an.

UTXO Age Distribution Chart mit der letzten Hodl Waves in 2017

Nachdem ein neues Bitcoin Kurs Allzeithoch in 2013 von ca. 1.000 USD erreicht wurde und die letzte Hodl Wave mehrere Monate zuvor zerbrach, baute sich im ersten Quartal 2014 die bisher längste Hodl Wave auf – Great Hodl of 2014. Anhand der farblichen Altersklassen können wir erkennen, wie immer mehr BTC für immer längere Zeit nicht mehr bewegt wurden. Je breiter die jeweilige farbliche Altersklasse wird, desto mehr BTC umfasst sie.

Bis ca. Juli 2017 nahm die Anzahl der BTC stark zu, die länger als 2-3 Jahre nicht mehr bewegt wurden. Das zeigt, dass viele Investoren nach dem Bitcoin Kurs Allzeithoch in 2014 angefangen haben ihre BTC zu halten, um auf das nächste Allzeithoch zu warten. Im Juli 2017 sehen wir dann deutlich, wie fast alle Altersklassen nach oben ausbrechen. Das bedeutet, dass zu diesem Zeitpunkt viele BTC, die lange unberührt blieben, wieder bewegt wurden. Wahrscheinlich fanden diese BTC ihren Weg auf eine der vielen Krypto Börsen (Exchanges), um Gewinne zu realisieren.

Sind wir bereits in der nächsten Hodl Wave?

Aktuell befinden wir uns wohl bereits in der vierten Hodl Wave. Diese fing sich einige Monate nach dem Allzeithoch im Dezember 2017 an aufzubauen. Überraschenderweise blieb diese Welle durch die starke Volatilität des BTC Kurses mehr oder weniger unverändert und baute sich weiter auf. Im Juni 2019 gab es einen kurzfristigen Bitcoin Kurs Anstieg auf ca. 13.800 USD und einen starken Preiseinbruch von über 50% im März 2020 aufgrund der Corona-Krise. Diese ganzen Ereignisse halten die Investoren anscheinend nicht davon ab, auf das nächste Allzeithoch zu hoffen und ihre Bitcoins in der Zwischenzeit sicher zu lagern und nicht mehr zu bewegen.

Wir sind gespannt, wie stark die aktuelle Hodl Wave sich zeigen wird und zu welchen Zeitpunkt sie anfängt zu zerbrechen. Aus dem Bitcoin UTXO Age Distribution Chart können wir demnach auch ablesen, wann die langfristigen Investoren anfangen ihre BTC abzuverkaufen. Vielleicht ein wichtiges Indiz dafür, wann es an der Zeit ist auch seine eigenen Bitcoins abzustoßen, um Gewinne mitzunehmen.

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[Bildquelle: Shutterstock, Plus-Plural, Unchained-Capital]

 

Häufig gestellte Fragen (FAQ)

Ein UTXO bedeutet Unspent Transaction Output. Damit sind Outputs einer Transaktion gemeint, die noch nicht ausgegeben wurden.

Das UTXO-Set umfasst die Summe aller UTXOs auf der Bitcoin Blockchain. Es beschreibt den aktuellen Zustand der Blockchain.

Anhand der UTXO Age Distribution lässt sich ablesen, wie viele Bitcoins schon seit mindestens 12 Monaten nicht bewegt wurden. Es zeigt, dass die Investoren BTC halten.

Bitcoin Münze und Stapel an US-Dollar Geldscheinen

Wer verkauft eigentlich Bitcoin? – So stellt sich das Angebot bei BTC zusammen

Das Bitcoin Halving liegt nun wenige Stunden hinter uns. Im Vorfeld wurde in alle Richtungen wild spekuliert. Sei es der mögliche Bitcoin Kurs Einbruch oder eine bevorstehende Miner Kapitulation, den verschiedenen Theorien waren keine Grenzen gegeben. Doch heute wollen wir uns nicht mit irgendwelchen wilden Spekulationen auseinandersetzen, sondern das Verhalten der Investoren und der Miner in der aktuellen Situation näher anschauen. Vor allem wollen wir die Fragen klären: „Wie stellt sich das aktuelle Angebot von Bitcoin auf dem Markt zusammen?“ und „Was passiert mit den Block Rewards der Miner und welchen Einfluss haben sie auf den Bitcoin Kurs?“.

Halving verpasst? Dann schaue doch in den Stream von gestern und feier mit uns Block Nr. 630.000:

Bitcoin UTXO Age Distribution Chart

Das Verhalten der Bitcoin Investoren ist wohl einer der wichtigsten Indikatoren, um das Angebot auf dem Markt zu bestimmen. Dabei kann uns der sogenannte Bitcoin UTXO Age Distribution Chart helfen. Dieser Chart zeigt uns an, wann jeder einzelne Bitcoin das letzte mal bewegt wurde. Das gibt uns Aufschluss darüber, wie die Stimmung der Bitcoin Investoren über die letzten Jahre sich entwickelt hat. Halten oder verkaufen sie BTC?

Bitcoin UTXO Age Distribution Chart mit dem jeweiligen Bitcoin Kurs

Die verschiedenen Farbverläufe im Bitcoin UTXO Age Distribution Chart zeigen, wie lange die jeweiligen BTC im Laufe der Zeit nicht mehr bewegt wurden. Wenn wir nun den Bitcoin Kurs hinzuziehen, können wir erkennen, wie sich das Verhalten der Bitcoin Investoren zu den jeweiligen Preispeaks verändert hat.

Dieser Chart kann uns Aufschluss darüber geben, wann Bitcoin Investoren ihre BTC eher halten oder verkaufen. Aktuell befinden wir uns wohl in der vierten Welle des „Haltens“ (Hodl Wave). Investoren bauen ihre langfristige Position in BTC aus und warten auf das nächste Allzeithoch. Insgesamt wurden bis zum jetzigen Zeitpunkt 63% aller in Umlauf befindlichen Bitcoins mehr als ein Jahr nicht mehr bewegt. Das sind umgerechnet ca. 11.576.250 BTC. Somit können wir aktuell davon ausgehen, dass das Angebot an BTC auf den Märkten von Investorenseite rückläufig ist.

Bitcoin Hodl Waves

Die Hodl Waves sind ein bekanntes Phänomen und bauen sich immer wieder vor den jeweiligen Preispeaks auf. Nachdem ein neues Allzeithoch erreicht wurde und die letzte Welle zusammengebrochen ist, baut sich die nächste auf. Bis jetzt gab es drei Wellen. Die letzte große Welle bauschte sich einige Monate nach dem damaligen Allzeithoch in 2013 auf und zerbrach im Dezember 2017, als der Bitcoin Kurs sein bisheriges Allzeithoch von ca. 20.000 USD erreichte.

Bitcoin UTXO Hodl Waves der letzten Jahre

An dieser Stelle sei aber gesagt, dass viele Investoren ihre Bitcoins auf zentralen Börsen liegen haben. Dadurch kann ein Verkauf stattfinden, ohne dass sich die jeweiligen BTC auf der Blockchain bewegen. Dennoch ist es ein beliebter Indikator, um das aktuelle Verhalten der Bitcoin Investoren besser zu verstehen.

Coinbase Transaktionen der Miner

Miner haben einen großen Einfluss auf das aktuelle Angebot von Bitcoin. Für jeden gefundenen Block bekommt der Miner eine Belohnung (Block Reward) in Form einer sogenannten Coinbase Transaktion. Das ist die erste Transaktion in jedem Block und kann erst nach 100 weiteren Blöcken ausgegeben werden.

Diese Block Rewards stellen den Anreiz für die Miner dar, um ihre Leistung dem Netzwerk zur Verfügung zu stellen und das Netzwerk damit zu sichern. Dabei entstehen Kosten in Form von Hardware, Infrastruktur, Strom, Wartung und Mitarbeitern, die die Miner decken müssen. Dadurch sind Miner gezwungen einen Teil ihrer BTC, die sie als Belohnung erhalten haben, auf dem Markt zu verkaufen.

Wie viel von der jeweiligen Belohnung verkauft wird, ist abhängig von dem jeweiligen Miner. Hier spielen vor allen die Produktionskosten eine wichtige Rolle. Also wie teuer es für einen Miner tatsächlich ist einen BTC zu erwirtschaften. Je kleiner der jeweilige Miner ist, desto höher sind grundsätzlich seine Produktionskosten und desto mehr von seiner Belohnung muss er verkaufen. Das hängt vor allem maßgeblich von dem jeweiligen Standort und den damit einhergehenden Stromkosten ab.

Miner haben einen langfristigen Zeithorizont

Miner haben grundsätzlich ein langfristiges Interesse an Bitcoin. Das liegt vor allem an den hohen Investitionskosten, die für ein profitables Mining Business getätigt werden müssen. Dabei wird eine sehr spezialisierte Hardware (ASIC), die explizit für das Mining von Bitcoin konstruiert wurde, genutzt. Zwar kann man diese Hardware auch für andere Kryptowährungen nutzen, die ebenfalls auf dem SHA256-Hash-Algorithmus basieren aber letztendlich konzentrieren sich die Miner fast nur auf BTC. Zudem gibt es keinen großen Markt für gebrauchte ASICs, da diese nicht mehr so effizient sind wie die neuen Modelle und deren Usecase einzig und allein auf das BTC Mining limitiert ist.

Nicht nur der normale Investor spekuliert auf einen steigenden Bitcoin Kurs, sondern auch die Miner. Durch das Zusammenspiel aus den hohen Investitionskosten, der spezialisierten Hardware und den Erwartungen an einen steigenden Bitcoin Kurs in der Zukunft, versuchen die Miner so viele BTC wie möglich zu halten. Teilweise werden die Kosten für die jeweilige Mining Farm durch andere Geschäftszweige gedeckt, um die eigene Bitcoin Position weiter auszubauen.

Wann verkaufen Miner ihre Block Rewards?

Was letztendlich mit den Coinbase Transaktionen passiert, ist nicht klar identifizierbar. Das liegt vor allem daran, dass mittlerweile Mining Pools das Mining Business übernommen haben. Ein Mining Pool beinhaltet demnach eine große Anzahl aus verschiedenen, unabhängigen Minern. Teilweise bleiben die Block Rewards der Mining Pools über Jahre unberührt und man muss davon ausgehen, dass die kleineren Miner aus anderen Quellen bezahlt werden.

Es gibt eine interessante Analyse von TokenAnalyst Pro, die die monatlichen Verkäufe der verschiedenen Mining Pools (ca. 40% der Hashrate) über die letzten Jahre analysiert haben. In der Darstellung können wir erkennen, dass die verschiedenen Mining Pools ihre angesammelten Block Rewards vor und nach dem starken Bitcoin Kurs Anstieg in 2017 verkauft haben. Das hat für einen zusätzlichen Verkaufsdruck gesorgt aber diesen nicht ausgelöst.

Bitcoin Coinbase Transaktionen auf Exchanges der verschiedenen Mining Pools

Welche Auswirkungen haben Miner auf den Bitcoin Kurs?

Die Hashrate orientiert sich grundsätzlich am Bitcoin Preis. Je höher der BTC Kurs ist, desto motivierter sind die Miner ihre Maschinen anzuschmeißen. Daher hängt die Profitabilität der Miner hauptsächlich vom jeweiligen Bitcoin Kurs ab. Wenn dieser unter die Produktionskosten fällt, dann müssen einige Miner nicht nur abschalten, sondern vielleicht auch an ihre BTC Reserven dran.

Bei der Darstellung der monatlichen Verkäufe der verschiedenen Mining Pools wurden insgesamt im Jahr 2019 ca. 8500 BTC auf Börsen verkauft. Insgesamt wurden in dieser Zeit ca. 657.000 BTC abgebaut. Davon entfallen 270.000 BTC auf die analysierten Mining Pools. Demnach liegen die Verkäufe der beobachteten Mining Pools im Jahr 2019 bei ca. 3,15%. Das bedeutet also, dass die Miner entweder den Großteil ihrer Block Rewards halten oder diese außerhalb einer offiziellen Exchange direkt verkaufen.

Miner haben kein Interesse den BTC Preis künstlich nach unten zu drücken. Daher werden die Block Rewards, falls sie auf einer Exchange verkauft werden sollen, in kleinen Tranchen verkauft, um den Verkaufsdruck nicht unnötig zu erhöhen. Demnach haben Miner nur einen geringen Einfluss auf den Bitcoin Kurs.

Wie stellt sich das Angebot auf dem Markt zusammen?

Auf der Angebotsseite können wir verschiedene Player identifizieren: Investoren, Miner, Händler und Exchanges. Die Investoren haben wir im ersten Abschnitt abgedeckt. Aktuell befinden wir uns in der vierten Hodl Wave und Investoren tendieren dazu ihre Bitcoins bis zum nächsten Allzeithoch zu halten. Demnach ist das Angebot durch Investoren auf dem Markt mehr als begrenzt.

Händler sind relativ neutral und handeln nach verschiedenen Trends und Indikatoren. Demnach hängt das Verhalten der Händler von den aktuellen Marktbedingungen ab. Also haben Händler nur einen kurzzeitigen Einfluss auf der Angebotsseite.

Exchanges haben ebenfalls einen gewissen Einfluss auf die Angebotsseite. Viele Bitcoin Börsen wie zB. die Derivate-Plattform BitMEX nehmen ihre Gebühren in BTC ein und verkaufen einen Teil davon, um ihre Kosten zu decken. Der Rest wird ähnlich wie bei den Minern langfristig gehalten. Es lassen sich aber an dieser Stelle keine verlässlichen Daten finden, um das Verhältnis zwischen verkauften und gehaltenen BTC im Detail zu analysieren.

Jetzt bleiben nur noch die Miner. Diese verkaufen aktuell ebenfalls nur einen geringen Teil ihrer BTC über Exchanges. Somit hält sich auch hier das Angebot in Grenzen. Es ist davon auszugehen, dass auch Miner auf einen steigenden Kurs spekulieren und ihre Block Rewards horten. Aktuell verkaufen Miner ca. 3% ihrer Block Rewards. Somit hat auch das Bitcoin Halving keinen großen Einfluss auf die Angebotsseite der Miner.

Fazit: Das Angebot an BTC ist begrenzter als wir glauben

Zusammenfassend können wir sagen, dass das Angebot von BTC auf den öffentlichen Märkten extrem stark begrenzt ist und das letzte Bitcoin Halving wohl kurzfristig daran nichts ändern wird. Wir können sogar soweit gehen und sagen, dass sich das Angebot in den nächsten Monaten kaum verändern wird. Natürlich solange der Bitcoin Kurs keine extremen Sprünge nach unten oder oben macht.

Daher sollten wir uns auf die Nachfrageseite fokussieren und die Adoption noch stärker vorantreiben. Denn letztendlich ist im Bitcoin Ökosystem vor allem die Nachfrage für die Preisgestaltung entscheidend.

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[Bildquelle: Shutterstock]