Was ist eine Order und wie funktioniert eine Börse?

In  diesem kurzen, aber voll mit interessantem Inhalt gefüllten Artikel wollen wir dir zwei Dinge erklären. Es geht um die Frage, was eigentlich eine Order ist und wie eine Börse funktioniert? – Bei diesem Artikel handelt es sich um eine Ergänzung zu unserem Grundlagenartikel mit dem Titel „Was ist eine Aktie?“. In diesem Sinne starten wir direkt mit dem Content. Viel Spaß!

Vom manuellem Handel bis zu vollautomatisierten Systemen

Vor dem Siegeszug des Internets und der Gründung der US-Börse Nasdaq im Jahr 1971 ging es an einer Börse laut, chaotisch und abenteuerlich her. Es wurden Kurse mit Kreide an Tafeln geschrieben, in der nächsten Sekunde durch Schwämme wieder gelöscht und all das lief auf Zuruf der Investoren an die Wertpapierhändler.

Wie du dir sicherlich vorstellen kannst, hat das mit dem modernen Börsenhandel nichts mehr zu tun. Hier siehst du die Entwicklung der Börse vereinfacht und im Schnelldurchlauf:

  • 1409: Gründung der ersten Börse in Brügge
  • 1867: Das weltweit erste Börsenticket wird in Form eines Telegraphen eingeführt.
  • 1886: Die New York Stock Exchange verbucht einen Rekord: Mehr als eine Million gehandelter Aktien an einem Tag!
  • 1971: Gründung der ersten computergestützten Börse Nasdaq. Damit wurde das “Händlerparkett” durch den Computer abgelöst
  • 1997: Ein neuer Weltrekord – Mehr als eine Milliarde Aktien wurden an einem Tag gehandelt.
  • 2020: Enorme Volumina an Aktien werden vollautomatisiert in Millisekunden gehandelt.

Der Handel an der Börse hat sich von der Tafel über den Telegraph mit einer Zwischenstation beim Telefon bis zum Internet weiterentwickelt. Heute ist es unvorstellbar, dass vor gut 30 Jahren ohne Börsenbücher gearbeitet wurde. Anstatt dieser Bücher gab es Börsenzeitungen, in denen die Kurse notiert waren. Dabei hat sich im Laufe der Zeit natürlich nicht nur das Medium der Abwicklung hat geändert. Der Aktienhandel selbst ist natürlich auch viel sicherer und vor allem transparenter geworden. Genug der Historie. Beginnen wir mit dem Inhalt!

Wie funktioniert eine Börse?

Die modernen Wertpapierbörsen wickeln Ihre Aufträge, also Käufe und Verkäufe, zum größten Teil über sogenannte Orderbücher ab. Diese sind digital und führen automatisiert Käufe und Verkäufe aus. Außerdem werden dadurch die Preise gebildet. Jeder Börsenplatz, zum Beispiel die Frankfurter Wertpapierbörse, hat dabei sein eigenes Orderbuch (engl. Orderbook).

Der Preis bildet sich nicht ausschließlich durch Angebot und Nachfrage, sondern vor allem dadurch, wo der größtmögliche Umsatz bei der Börse gebildet werden kann.

Außerdem möchten wir noch auf einen sehr wichtigen Aspekt hinweisen. Dieser sollte eigentlich logisch sein, wenngleich sich viele Anleger folgender Tatsache nicht bewusst sind:

Damit ein Kauf und/oder Verkauf zu einem bestimmten Preis stattfinden kann, muss es für jeden Käufer auch einen Verkäufer und vice versa geben. Dies kann sowohl eine Privatperson, als auch eine juristische Person sein. Investoren, die eine große Menge an Liquidität bereitstellen nennt man Market-Maker. 

Was ist eine Order?

Wenn also eine Order (der Auftrag zum Kauf oder Verkauf eines Wertpapieres) abgegeben wird, muss es genau für diese Menge und diesen Preis sowohl einen Käufer als auch einen Verkäufer geben. Das elektronische Orderbook vergleicht nun Käufer- und Verkäuferpositionen und sucht nach einem Match (engl. für übereinstimmen oder zusammenpassen).

Am Besten schauen wir uns das an einem Beispiel an:

Dieses Bild erklärt die Frage was eine Order ist und wie eine Börse funktioniert. Zu sehen sind unterschiedliche Marktteilnehmer.

An der Superbörse wird die Bitcoin2Go Aktie gehandelt. Dort gibt es aktuell 6 Akteure mit den unterschiedlichsten Meinungen zum Börsenkurs. Das magische Orderbook muss jetzt alle Preise der Akteure miteinander vergleichen, um den aktuellen Kurs zu bilden.

Dabei sind die Akteure bereit folgende Mengen zu bestimmten Preisen zu kaufen und verkaufen:

Was ist eine Order? - Diese Grafik zeigt den Prozess der Preisfindung

Spätestens hier wird eines klar: Nicht jeder Akteur handelt gleich und nicht jeder Akteur handelt rational. Aquaboy geht von einem stabilen Preis aus, ist aber bereit seine Position zu erhöhen und mehr Bitcoin2Go Aktien zu kaufen, während Heinz den Markt bebachten willl, aber auch Aktien verkaufen möchte.

Börse und Order: Der Prozess der Preisfindung

Doch was ist nun der aktuell gehandelte Preis? – Um den Prozess der Preisfindung zu verstehen, wollen wir bei unserem vereinfachten Beispiel bleiben. Schauen wir uns also an, was genau passiert:

Diese Grafik zeigt wie sich der Preis einer Aktie berechnet

Der aktuelle Kurs der Bitcoin2Go Aktie läge in unserem Beispiel bei 96€ pro Stück, da hier der größtmögliche Match stattfindet.

Selbstverständlich findet heutzutage diese Preisfindung innerhalb von Bruchteilen von Sekunden statt und ändert sich ständig. Außerdem giibt es Market-Maker, die Überhänge an Käufen und/oder Verkäufen abfangen. Das Grundprinzip bleibt jedoch erhalten.

Die wichtigsten Informationen im Blick

Damit haben wir auch schon die wichtigsten Antworten zu den Fragen was ist eine Order und wie funktioniert eine Börse? – Wir fassen die wichtigsten Erkenntnisse sowie weitere Fakten hier nochmal zusammen:

  • An modernen Börsen wird in Bruchteilen von Sekunden durch ein Orderbook der Handel ausgeführt und der aktuellste Preis berechnet.
  • Es gibt sehr viele Akteure mit unterschiedlichsten Meinungen und Einschätzungen eines Aktienkurses.
  • Jede Börse hat ihr eigenes Orderbook und somit auch ihren eigenen Preis einer Aktie. Damit ist der Preis einer Aktie nicht vollständig einheitlich, sondern unterschiedlich. Das ‚Abfischen‘ dieser Preisunterschiede wird im Übrigen als Arbitragehandel bezeichnet.
  • Durch die hohe Informationstransparenz und die schnelle Verarbeitung von Informationen sind die weltweiten Preise an den verschiedenen Börsen jedoch nahezu identisch.
  • Mittlerweile gibt es Börsen, die sich auf den Handel spezieller Wertpapiere spezialisiert haben.

Zum Autor:

Marcel Kunz ist 30 Jahre jung und lebt mit seiner Frau und den beiden Kindern in Heidelberg. Durch erste Semester Informationswirtschaft am Karlsruher Institute of Technology und einem folgenden Dualen Studium bei der Bank sind die Finanzwelt und er untrennbar. Seit er 15 Jahre ist beschäftigt er sich zusätzlich in seiner Freizeit mit Thema Finanzen und Geldanlage. 

Neben den rechtlichen Anforderungen bringt er durch sein Interesse an neuen Assetklassen, wie z.B. Bitcoin, neuen Wind in die sonst sehr angestaubte Branche. Marcel beschäftigt sich bei der InVertas GmbH vor allem mit den Themenfeldern Ruhestandsplanung, Geldanlage und private Krankenversicherung. Zu seinen Kunden zählen Unternehmer, Selbständige und leitende Angestellte.

Kontakt: http://invertas.de/kontakt/

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