• Bitget-Hack kostet 387,5 Millionen US-Dollar:
    Chainalysis verfolgt die gestohlenen Coins über mehrere Netzwerke und schreibt den Angriff Akteuren mit Verbindungen nach Nordkorea zu.
  • Gestohlene XRP wurden in Bitcoin getauscht:
    Ermittler konnten einen Teil der Beute bis zu BTC-Adressen verfolgen, die nun überwacht werden.
  • Rund 842.000 US-Dollar sind gesperrt:
    NEAR Intents sowie Circle und Tether hielten Gelder fest. Sie wurden bislang nicht an Bitget zurückgegeben.
  • Weitere Rückholung bleibt offen:
    Ob mehr Coins gesichert werden können, hängt von ihren nächsten Stationen ab. Bitget will Kundenguthaben unabhängig davon über seinen Schutzfonds decken.

Bitget sucht gestohlene Millionen

Seit dem Angriff vom 24. September verfolgen Bitget und Blockchain-Analysten die gestohlenen Kryptowährungen. Die Börse beziffert den Verlust auf rund 387,5 Millionen US-Dollar.

Eine neue Analyse von Chainalysis zeichnet nach, wie die Angreifer gestohlene Coins zwischen verschiedenen Netzwerken verschoben und einen Teil davon in Bitcoin (BTC) getauscht haben. Der Angriff wird Akteuren mit Verbindungen nach Nordkorea zugeschrieben.

Mehrere Wege der Beute ließen sich bis zu aktuellen Adressen verfolgen - ob und wie viele Gelder sich dort sichern und an Bitget zurückgeben lassen, ist dabei noch offen.

Wohin flossen die gestohlenen Coins?

In den ersten drei Stunden verließen laut Chainalysis rund 387 Millionen US-Dollar in 23 Transfers die Börse. Die Analysten ordnen die anfänglichen Abflüsse vier Hauptgruppen zu: Ethereum (ETH) mit 49,7 Prozent, Ripple (XRP) mit 40,8 Prozent, Zcash (ZEC) mit 7,6 Prozent und Tron (TRX) mit 1,8 Prozent.

Bitget nennt weitere betroffene EVM-Netzwerke. Die vier Angaben von Chainalysis fassen den Geldfluss zusammen, bilden aber nicht jede betroffene Blockchain einzeln ab.

Die Grafik zeigt, über welche Netzwerke die gestohlenen Gelder zunächst abflossen
Die Grafik zeigt, über welche Netzwerke die gestohlenen Gelder zunächst abflossen. Quelle: Chainalysis

Angreifer tauschen gestohlene XRP in BTC

Besonders aufwendig war die Spur der XRP: Die Angreifer tauschten sie über ein Cross-Chain-Protokoll in Bitcoin, statt sie direkt an eine Börse zu schicken. Chainalysis konnte die Einzahlungen den Auszahlungen auf der Bitcoin-Blockchain zuordnen und Gelder im Wert von mehreren zehn Millionen US-Dollar bis zu Adressen verfolgen, die nun überwacht werden.

Dafür entwickelte das Unternehmen mit interner KI Werkzeuge, die einen sonst mehr als 20 Stunden dauernden Abgleich nach eigener Schätzung auf weniger als zehn Minuten verkürzten. Ermittler bestimmten und überprüften die Suchlogik dabei weiterhin selbst.

Gestohlene XRP wurden über einen Cross-Chain-Dienst in Bitcoin getauscht.
Gestohlene XRP wurden über einen Cross-Chain-Dienst in Bitcoin getauscht. Quelle: Chainalysis

Was konnte gesichert werden?

NEAR Intents lehnte einem X-Post zufolge Tauschanfragen für mehr als 50 Millionen US-Dollar aus dem Hack ab. Diese Coins blieben jedoch bei den Angreifern und konnten über andere Dienste weiterbewegt werden. Tatsächlich festgehalten hat NEAR Intents rund 503.000 US-Dollar, die sich bereits in laufenden Swaps befanden.

Hinzu kommen laut Bitquery etwa 339.000 US-Dollar in Stablecoins, die Circle und Tether eingefroren haben. Damit sind bislang Gelder im Wert von rund 842.000 US-Dollar gesperrt, aber noch nicht an Bitget zurückgegeben. Ein Teil der gestohlenen ZEC gelangte unterdessen in einen geschützten Pool; wohin diese Coins danach flossen, ist öffentlich nicht mehr sichtbar.

Nach einem Börsenhack beginnt für Kunden oft das Warten: Wann sind Auszahlungen wieder möglich, und sind die eigenen Coins betroffen? Spätestens dann wünschen sich viele, sie hätten ihre Bestände längst selbst verwahrt. Warte mit dieser Entscheidung nicht bis zur nächsten Schlagzeile: Sichere Deine Coins mit einem Ledger Signer* und nimm bei der aktuellen Aktion 10 Euro in Bitcoin mit.

Bitget-Hack: Wie geht die Suche weiter?

Chainalysis will neu entdeckte Adressen kennzeichnen und seine Erkenntnisse an Bitget, Börsen und Strafverfolger weitergeben. So können die Beteiligten reagieren, wenn gestohlene Coins bei einem Dienst eintreffen, der sie sperren oder einen Tausch verweigern kann.

Bitget selbst bietet eigenen Angaben zufolge zudem Prämien für Hinweise und Maßnahmen, die zur Sicherstellung oder Rückholung führen. Die schnelle Nachverfolgung verschafft den Ermittlern Zeit, doch über die Coins verfügen sie dadurch noch nicht.

Fazit: Rückholung bleibt Stückarbeit

Die Ermittler haben die Spur bis zu Bitcoin-Adressen verlängert. Solange die Coins dort unter Kontrolle der Angreifer bleiben, kann ihre Kenntnis allein aber nichts zurückholen. Eine Chance entsteht, wenn die Beute bei einer Börse, einem Stablecoin-Emittenten oder einem Tauschdienst ankommt, der eingreifen kann.

Die bisher eingefrorenen Beträge zeigen, dass das punktuell gelingt; gemessen an 387,5 Millionen US-Dollar ist es bislang wenig.

Eine vollständige Rückholung lässt sich daraus nicht ableiten. Für Bitget ist deshalb entscheidend, Kunden aus dem angekündigten Schutzfonds abzusichern. Jeder später zurückgeholte Betrag würde zunächst den Schaden der Börse verringern, statt Voraussetzung dafür zu sein, dass Kunden wieder über ihre Guthaben verfügen können.