Circle hat seine neuen Quartalszahlen veröffentlicht und mit einem kräftigen Gewinnanstieg überzeugt. Doch auch die Entwicklung des Stablecoins USDC liefert einige Erkenntnisse über die aktuelle Lage am Kryptomarkt. Wie viel Wachstum steckt noch in USDC und was können Anleger daraus mitnehmen?
Circle meldet starke Quartalszahlen – doch es gibt einen Haken
Circle hat am Mittwoch seine Geschäftszahlen für das dritte Quartal 2026 veröffentlicht und dabei die Erwartungen der Analysten übertroffen. Die gesamten Einnahmen einschließlich der Zinserträge aus den Reserven stiegen gegenüber dem Vorjahr um 17 % auf 865 Millionen US-Dollar. Beim bereinigten operativen Gewinn (EBITDA) ging es sogar um 85 % auf 317 Millionen US-Dollar nach oben.
Auf den ersten Blick sind das ziemlich starke Ergebnisse. Allerdings lohnt sich ein Blick darauf, woher der kräftige Gewinnanstieg kommt. Circle nahm im vergangenen Quartal allein durch den Vorverkauf des neuen Arc-Tokens rund 182 Millionen US-Dollar ein.
Ohne diese zusätzlichen Einnahmen hätte der bereinigte operative Gewinn lediglich bei rund 135 Millionen US-Dollar gelegen. Der starke Anstieg ist also zu einem erheblichen Teil auf diesen Sondereffekt zurückzuführen.
Das bisherige Kerngeschäft entwickelte sich etwas schwächer. Die Einnahmen aus den Reserven, mit denen Circle einen großen Teil seines Geldes verdient, gingen gegenüber dem Vorjahr um 8 % auf 658 Millionen US-Dollar zurück. Verantwortlich dafür waren vor allem niedrigere Zinserträge.
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Results are out for Q3, which brought platform milestones and strong financial results.
— Circle (@circle) November 4, 2026
→ Arc Mainnet launched Sept 16 with 11 founding validators and 100+ apps
→ CPN annualized TPV grew 15.2x YoY, with 205 financial institutions enrolled
→ Announced the planned acquisition… pic.twitter.com/ODPv9yHsfu
Wie entwickelt sich der Stablecoin USDC?
Circle verdient einen großen Teil seiner Einnahmen mit den Reserven, die den Stablecoin USDC absichern. Vereinfacht gesagt tauschen Nutzer US-Dollar gegen USDC, während Circle die entsprechenden Reserven unter anderem in kurzfristigen US-Staatsanleihen hält und damit Zinserträge erzielt. Deshalb spielt die Menge an USDC im Umlauf für das Unternehmen eine wichtige Rolle.
Ende September waren rund 73,9 Milliarden USDC im Umlauf. Gegenüber dem Vorjahr hat sich dieser Wert praktisch nicht verändert. Auch im Vergleich zum zweiten Quartal, als es noch 73,3 Milliarden USDC waren, fiel der Anstieg gering aus.
Bei den Transaktionen sieht es etwas anders aus. Im dritten Quartal wurden USDC im Wert von rund 13,9 Billionen US-Dollar über die Blockchain bewegt. Das entspricht einem Anstieg von 49 % gegenüber dem Vorjahr. Vergleicht man die Zahlen allerdings mit dem zweiten Quartal, zeigt sich ein Rückgang. Damals lag das Transaktionsvolumen noch bei 14,8 Billionen US-Dollar.
USDC wird also weiterhin intensiv genutzt, allerdings hat die Aktivität im Vergleich zum vorherigen Quartal etwas nachgelassen. Trotzdem gibt es auch positive Entwicklungen. Die Zahl der Wallets mit mehr als 10 USDC stieg gegenüber dem Vorjahr um 16 % auf 7,3 Millionen.
Auch die durchschnittliche Menge an USDC im Umlauf legte im Jahresvergleich um 8 % zu. Beim Marktanteil musste Circle dagegen etwas abgeben. Unter den größeren, durch US-Dollar gedeckten Stablecoins sank der Anteil von USDC auf rund 27 %.
Circle setzt auf Unternehmen und den Zahlungsverkehr
Circle möchte mit USDC künftig auch außerhalb des klassischen Kryptohandels stärker wachsen. Dazu arbeitet das Unternehmen unter anderem mit Visa und Binance zusammen und baut seine eigene Blockchain Arc weiter aus.
Circle-Chef Jeremy Allaire erklärte dazu bei der Veröffentlichung der Quartalszahlen sinngemäß:
„Im dritten Quartal haben wir erneut gesehen, dass Unternehmen und institutionelle Anbieter zunehmend auf USDC setzen und ihre Aktivitäten damit ausbauen.“
Mit Arc möchte Circle unter anderem die Abwicklung internationaler Zahlungen erleichtern. Das Netzwerk wurde im September gestartet und zählt laut Unternehmen inzwischen mehr als 100 beteiligte Unternehmen und Entwickler aus dem Finanz- und Blockchain-Bereich.
Auch für die kommenden Jahre bleibt das Management optimistisch. Circle rechnet weiterhin damit, dass die Menge an USDC im Umlauf langfristig durchschnittlich um 40 % pro Jahr wachsen könnte.
Bis dahin ist es allerdings noch ein weiter Weg. Zuletzt hat die Menge an USDC im Umlauf kaum zugenommen, weshalb Circle in den kommenden Quartalen erst einmal wieder mehr Wachstum zeigen muss.
Was bedeuten die USDC-Zahlen für den Kryptomarkt?
Die neuen Ergebnisse lassen sich auch mit den jüngsten Quartalszahlen von Coinbase vergleichen. Die US-Kryptobörse hatte Ende Oktober bereits von einer schwächeren Handelsaktivität berichtet. So sank die Zahl der monatlich aktiven Nutzer von 9,3 auf 7,4 Millionen. Auch die Einnahmen aus dem Handel mit Kryptowährungen gingen im Jahresvergleich deutlich zurück. Viele Anleger scheinen sich beim aktiven Handel also weiterhin zurückzuhalten.
Die Circle-Zahlen passen zumindest teilweise zu dieser Entwicklung. Das Transaktionsvolumen von USDC ging gegenüber dem vorherigen Quartal zurück, während die Menge der umlaufenden Stablecoins kaum zunahm. Dabei spielen Stablecoins eine wichtige Rolle für die Liquidität am Kryptomarkt. Viele Anleger nutzen USDC, um Kapital auf Kryptobörsen bereitzuhalten, zwischen verschiedenen Handelsplattformen zu bewegen oder vorübergehend aus schwankungsanfälligen Kryptowährungen auszusteigen.
Eine steigende Umlaufmenge kann deshalb ein Hinweis darauf sein, dass wieder mehr Kapital in Form von Stablecoins im Krypto-Ökosystem gehalten wird. Bleibt dieses Wachstum dagegen aus, fehlt zumindest von dieser Seite ein zusätzlicher Impuls. Allerdings ist USDC nur ein Teil des Stablecoin-Marktes. Auch Tether mit seinem Stablecoin USDT spielt eine große Rolle. Um die Entwicklung der Liquidität besser einschätzen zu können, lohnt sich deshalb ein Blick auf den gesamten Stablecoin-Markt und nicht nur auf Circle.
Für die kommenden Monate wäre es ein positives Zeichen, wenn die umlaufende Menge an Stablecoins wieder stärker wächst und gleichzeitig die Handelsvolumina an den Kryptobörsen zunehmen. Bislang liefern die jüngsten Zahlen von Circle und Coinbase dafür allerdings noch keine klaren Hinweise.
Fazit: Was bedeuten die Circle-Zahlen für Anleger?
Circle hat insgesamt gute Quartalszahlen vorgelegt. Allerdings wurde der kräftige Gewinnanstieg erheblich durch die Einnahmen aus dem Arc-Token-Vorverkauf unterstützt. Bei USDC selbst fällt die Entwicklung etwas gemischter aus. Die Nutzung ist im Jahresvergleich gestiegen, während die umlaufende Menge zuletzt kaum gewachsen ist.
Aus meiner Sicht passen die Zahlen deshalb auch zu dem, was wir bereits bei Coinbase gesehen haben. Der Kryptomarkt wird weiterhin intensiv genutzt, aber von einer größeren Belebung der Nachfrage ist bislang wenig zu erkennen.
Ich werde in den kommenden Monaten deshalb darauf achten, ob die Menge an USDC im Umlauf wieder stärker zunimmt und gleichzeitig die Handelsaktivität an den Kryptobörsen anzieht. Das wäre für mich ein positives Zeichen.
Langfristig sehe ich weiterhin viel Potenzial für Stablecoins, auch weil sie zunehmend außerhalb des klassischen Kryptohandels eingesetzt werden. Kurzfristig liefern mir die Circle-Zahlen allerdings noch keinen Hinweis auf eine neue, breite Nachfragewelle am Kryptomarkt.

