- Glamsterdam besteht erste Generalprobe:
Ethereum hat das kommende Netzwerk-Upgrade erstmals in Devnet-11 unter den neuen Regeln getestet. Auch nach der Umstellung bestätigte das Netzwerk weiterhin Blöcke. - Gaslimit steigt auf 200 Millionen:
Im Testnetz wächst das Rechenbudget pro Block von 60 auf 200 Millionen Gas-Einheiten, mehr als das Dreifache der bisherigen Kapazität. - Mehr Kapazität könnte DeFi entlasten:
Größere Blöcke können bei hoher Nachfrage Gebührenspitzen reduzieren, machen Transaktionen aber nicht automatisch günstiger. - Sepolia wird zum nächsten Prüfstein:
Am 6. Oktober soll der nächste öffentliche Test folgen. Ein Termin für die Aktivierung von Glamsterdam im Mainnet steht noch nicht fest.
Glamsterdam besteht Generalprobe
Ethereum (ETH) bereitet mit Glamsterdam sein nächstes großes Netzwerk-Upgrade vor. Es soll die Verarbeitung von Transaktionen effizienter machen und höhere Kapazitäten auf der Hauptchain ermöglichen. Nun haben Entwickler die Umstellung im Testnetz Devnet-11 erprobt: Das Netzwerk bestätigte auch nach der Aktivierung der neuen Regeln weiterhin Blöcke.
Die Testkonfiguration umfasst laut ethereum.org eine Anhebung des Gaslimits von 60 auf 200 Millionen pro Block. Damit wächst das Rechenbudget auf mehr als das Dreifache. Die Transaktionszahl steigt allerdings nicht zwingend im selben Verhältnis, weil sich auch die Gasbewertung einzelner Operationen verändert.
Die Generalprobe fand zudem ohne gezielte Angriffssimulationen statt; die höhere Kapazität ist noch nicht für das Mainnet beschlossen.

Wie Ethereum mehr Leistung gewinnt
Um größere Blöcke effizient zu verarbeiten, setzt Glamsterdam ethereum.org zufolge unter anderem auf Block-Level Access Lists. Diese erfassen, welche Konten und Speicherbereiche die Transaktionen eines Blocks berühren. Clients können benötigte Daten dadurch vorab laden und unabhängige Arbeit parallel erledigen.
Ein separat gemeldeter Nethermind-Benchmark veranschaulicht das Potenzial: Der Client bestand 2.302 Tests und verarbeitete 570,7 Milliarden Gas-Einheiten in drei Minuten und 15 Sekunden. Das misst die Leistung der getesteten Software, nicht den Durchsatz des gesamten Netzwerks.
I am not sure you are prepared for Glamsterdam on Ethereum pic.twitter.com/O57rRe7XDr
— Ben {chmark} Adams ⟠ (@ben_a_adams) September 16, 2026
Ergänzend verankert ePBS die Trennung von Blockvorschlag und Blockbau im Protokoll. Laut Ethereum-Roadmap soll das Zeitfenster zur Verbreitung der Blockdaten von ungefähr zwei auf neun Sekunden wachsen. Größere Blöcke bekommen so mehr Zeit, die Validatoren zu erreichen.
Wird DeFi dadurch günstiger?
Für dezentrale Börsen und Kreditprotokolle könnte die zusätzliche Kapazität vor allem bei starker Handelsaktivität helfen. Passen mehr Transaktionen in einen Block, konkurrieren bei vergleichbarer Nachfrage weniger Nutzer um knappen Platz. Das kann den Druck auf die Basisgebühr verringern.
Eine feste Ersparnis lässt sich daraus jedoch nicht ableiten. Neben der Auslastung bestimmt der Ressourcenbedarf einer Transaktion ihre Kosten. Glamsterdam soll außerdem dauerhafte Datenspeicherung stärker nach ihren langfristigen Hardwarekosten bepreisen.
Nicht jede Aktion wird deshalb automatisch günstiger, selbst wenn Ethereum insgesamt mehr verarbeiten kann.
Was das für ETH bedeutet
Für ETH hat die Gebührenentwicklung eine zweite Seite: Die Basisgebühren werden verbrannt. Sinkt die Basisgebühr bei unverändertem Gasverbrauch, verschwindet weniger ETH aus dem Umlauf.
Zusätzliche Aktivität kann diesen Effekt ausgleichen. Eine höhere Transaktionszahl allein belegt jedoch keinen steigenden Burn. Dafür zählen der gesamte Gasverbrauch und die gezahlten Basisgebühren. Ob das ETH-Angebot wächst oder schrumpft, hängt außerdem von der laufenden Ausgabe an Validatoren ab.
Fazit: Mehr Kapazität braucht Nachfrage
Die Generalprobe bringt Ethereum einer höheren Kapazität näher. Ob DeFi dadurch günstiger wird, entscheidet sich jedoch erst im Zusammenspiel von verfügbarer Rechenleistung, tatsächlicher Nachfrage und neuer Gasbewertung.
Für Nutzer liegt die Chance in geringeren Gebührenspitzen; für ETH entsteht ein wirtschaftlicher Vorteil erst, wenn die zusätzliche Kapazität auch genutzt wird.
Der für den 6. Oktober vorgesehene Sepolia-Test ist deshalb der nächste Prüfstein auf dem Weg zur praktischen Umsetzung. Ein Mainnet-Termin steht noch nicht fest.

