- Buterin plant den großen Wallet-Umbau:
EIP-8141 soll Validierung, Ausführung und Gebührenzahlung direkt im Ethereum-Protokoll programmierbar machen. - Bis zu 64 Aktionen pro Transaktion:
Frame Transactions können mehrere Schritte bündeln und als atomaren Batch gemeinsam ausführen oder zurücksetzen. - Apps können Gasgebühren übernehmen:
Absender und Gebührenzahler müssen nicht identisch sein, sodass Nutzer Anwendungen ohne eigenes ETH-Guthaben verwenden könnten. - Hegotá soll EIP-8141 bringen:
Der Vorschlag ist für das Upgrade vorgesehen, ein konkreter Termin für die Mainnet-Aktivierung steht jedoch noch nicht fest.
Ethereum rüttelt am Kontomodell
Ethereum (ETH) will eine seiner ältesten Grenzen beseitigen: Klassische Wallets sind fest an einen privaten Schlüssel gekoppelt und Transaktionen folgen einem starren Ablauf. Mit EIP-8141 sollen Accounts ihre Validierung, Ausführung und Gebührenzahlung künftig programmieren können. Das Konzept heißt native Account Abstraction.
Ethereum-Mitgründer Vitalik Buterin hält die Umsetzung laut eines X-Beitrags nach mehr als zehn Jahren Forschung inzwischen innerhalb eines Jahres für möglich. Der Vorschlag ist offiziell für die Aufnahme in das Hegotá-Upgrade vorgesehen. Einen Termin für die Mainnet-Aktivierung nennt der zugehörige Meta-EIP allerdings noch nicht.
Frames statt starrer Abläufe
EIP-8141 führt dafür einen neuen Transaktionstyp ein. Sogenannte Frame Transactions zerlegen eine Transaktion in einzelne Abschnitte, die jeweils eine bestimmte Aufgabe übernehmen. Ein Frame prüft etwa die Berechtigung, ein weiterer genehmigt die Gaszahlung und ein dritter führt die gewünschte Aktion aus.

Bis zu 64 Frames können innerhalb einer Transaktion kombiniert werden. Dadurch lassen sich beispielsweise Token freigeben, tauschen und anschließend in ein DeFi-Protokoll einzahlen.
Als atomarer Batch ausgeführt, werden zusammengehörige Schritte rückgängig gemacht, wenn einer davon scheitert. Nutzer müssten damit weniger einzelne Transaktionen signieren und vermeiden isolierte Freigaben ohne anschließenden Swap.
Ethereum-Wallets werden programmierbar
Der Umbau löst außerdem Absender und Gebührenzahler voneinander. Anwendungen oder andere Accounts könnten die Gasgebühren übernehmen, ohne dass dafür ein zentraler Relayer erforderlich ist. Nutzer könnten dadurch mit einer Anwendung interagieren, ohne vorher selbst ETH für Gas bereitzuhalten, sofern ein Sponsor die Zahlung übernimmt.
Accounts sollen zudem eigene Signaturregeln definieren können. Das eröffnet Wallets Funktionen wie Schlüsselrotation, mehrere Autorisierungswege und künftig quantenresistente Signaturen. Bestehende Accounts ohne eigenen Smart-Contract-Code bleiben über einen vorgesehenen Standardpfad kompatibel.
Bisher stellt ERC-4337 vergleichbare Smart-Wallet-Funktionen über separate Bundler und einen EntryPoint-Contract bereit. EIP-8141 verlagert diese Logik direkt in das Ethereum-Protokoll.
Was das für ETH verändert
EIP-8141 würde die Nachfrage nach ETH als Gas-Asset nicht abschaffen, sondern neu verteilen. Nutzer könnten Anwendungen verwenden, ohne selbst ETH in ihrer Wallet vorzuhalten. Die benötigten Token lägen stattdessen bei Anwendungen, Paymastern oder anderen Sponsoren, die Gebühren für viele Nutzer gebündelt übernehmen.
Für ETH entsteht daraus ein zweigeteilter Effekt. Einfachere Wallets und gesponserte Transaktionen könnten mehr Onchain-Aktivität ermöglichen. Gleichzeitig fassen atomare Batches mehrere Aktionen in einer Transaktion zusammen, wodurch einzelne Arbeitsschritte effizienter abgewickelt werden.
Nach der Aktivierung wären deshalb vor allem zwei Kennzahlen relevant:
- Gesponserte Gasgebühren: Wie häufig übernehmen Anwendungen oder Paymaster die Kosten?
- Nutzung der Frame Transactions: Erzeugen Smart Accounts zusätzliche Aktivität oder ersetzen sie hauptsächlich bestehende Transaktionsabläufe?
Der Vorschlag verändert damit weniger den Zweck von ETH als vielmehr, wer die Token für die Nutzung des Netzwerks bereithalten muss.
Fazit: Smart Accounts werden Infrastruktur
EIP-8141 adressiert eine zentrale Hürde der Ethereum-Nutzung: Nutzer müssen bislang private Schlüssel verwalten, ETH für Gebühren bereithalten und komplexe Abläufe einzeln bestätigen. Smart Accounts könnten diese Prozesse im Hintergrund organisieren, ohne die Kontrolle vollständig an eine zentrale Plattform abzugeben.
Der Erfolg des Upgrades hängt deshalb nicht allein von der technischen Aktivierung ab. Relevant wird EIP-8141, wenn Wallets und Anwendungen Gas-Sponsoring, atomare Batches und flexible Signaturregeln tatsächlich zum Standard machen.
In diesem Szenario bleibt ETH das technische Zahlungsmittel des Netzwerks, während Nutzer deutlich weniger mit dessen Komplexität konfrontiert werden.

