Immer mehr Bitcoin-Miner verabschieden sich von ihrem bisherigen Geschäftsmodell und setzen stattdessen auf KI-Rechenzentren. Einige Unternehmen haben ihre Mining-Anlagen bereits abgeschaltet, während andere Milliarden in neue Infrastruktur investieren. Dahinter steckt nicht nur der KI-Boom, sondern auch ein handfestes Problem. Für viele Betreiber lohnt sich das Schürfen neuer Bitcoin inzwischen kaum noch.

Warum Bitcoin-Mining für viele Unternehmen unattraktiver wird

Die Zeiten, in denen sich mit Bitcoin-Mining vergleichsweise einfach Geld verdienen ließ, sind für viele Betreiber längst vorbei. Seit dem letzten Halving im April 2024 erhalten Miner nur noch 3,125 BTC pro gefundenem Block. Gleichzeitig bleiben die Stromkosten hoch, während moderne Mining-Hardware immer größere Investitionen erfordert.

Wie schwierig die Lage inzwischen geworden ist, zeigt eine aktuelle Studie des Vermögensverwalters CoinShares. Demnach lagen die durchschnittlichen zahlungswirksamen Kosten der untersuchten börsennotierten Miner im zweiten Quartal 2026 bei rund 75.500 US-Dollar pro geschürftem Bitcoin. Steuern wurden dabei nicht berücksichtigt.

Bitcoin-Mining-Kosten im Vergleich. Quelle: CoinShares/Bloomberg (2026)
Bitcoin-Mining-Kosten im Vergleich. Quelle: CoinShares/Bloomberg (2026)

Viele Unternehmen konnten ihre laufenden Kosten damit kaum noch decken. Hinzu kam der deutliche Rückgang beim sogenannten Hashprice, der beschreibt, wie viel Umsatz Miner mit ihrer eingesetzten Rechenleistung erzielen. Im Juni fiel dieser Wert im Monatsdurchschnitt auf ein Rekordtief von nur noch 27,70 US-Dollar pro Petahash und Tag.

Für die Betreiber wird es dadurch zunehmend schwieriger, ihre hohen Investitionen zu rechtfertigen. Schließlich hängen ihre Einnahmen stark vom Bitcoin-Kurs, der Konkurrenz im Netzwerk und den Strompreisen ab. Vor allem ältere Mining-Anlagen können unter solchen Bedingungen schnell unrentabel werden.

Ganz anders sieht es derzeit bei der Nachfrage nach Rechenleistung für künstliche Intelligenz aus. Große Technologiekonzerne investieren Milliarden in den Ausbau ihrer KI-Infrastruktur und suchen nach Standorten, an denen sie ihre Server möglichst schnell betreiben können. Für viele Bitcoin-Miner eröffnet sich damit plötzlich ein neues Geschäftsfeld, das langfristig sogar deutlich lukrativer sein könnte.


👉 Während immer mehr Mining-Unternehmen auf KI-Rechenzentren setzen, können Anleger auch direkt in Bitcoin investieren. Über Bitvavo lässt sich BTC einfach kaufen und verkaufen. Jetzt anmelden und 20 € Willkommensbonus sichern


Bitcoin-Miner setzen zunehmend auf KI-Rechenzentren

Wie weit der Wandel bereits fortgeschritten ist, zeigt das Unternehmen IREN. Der frühere Bitcoin-Miner baut sein Geschäft inzwischen konsequent in Richtung KI-Cloud um. Im letzten Geschäftsquartal erzielte IREN mit KI-Dienstleistungen bereits 70,5 Millionen US-Dollar Umsatz und damit erstmals mehr als mit Bitcoin-Mining, das noch 66,7 Millionen US-Dollar einbrachte.

Bis Ende Dezember 2026 möchte das Unternehmen seine Umstellung auf KI-Cloud-Dienste weitgehend abgeschlossen haben. Dafür werden bestehende Mining-Anlagen schrittweise abgeschaltet und durch leistungsfähige KI-Infrastruktur ersetzt.

Auch andere Betreiber ziehen nach. Core Scientific zahlte im zweiten Quartal sogar 41,9 Millionen US-Dollar, um einen bereits vereinbarten Kauf neuer Mining-Hardware zu stornieren. Statt zusätzliche Rechenleistung für Bitcoin aufzubauen, konzentriert sich das Unternehmen zunehmend auf das Geschäft mit KI-Rechenzentren.

Noch einen Schritt weiter ist Keel Infrastructure, ehemals Bitfarms. Das Unternehmen hat seinen Mining-Betrieb Ende Juni vollständig eingestellt und richtet sein Geschäft inzwischen auf Rechenzentrumsinfrastruktur aus.

Dass der Trend längst nicht nur Unternehmen betrifft, die vollständig aus dem Mining aussteigen, zeigt CleanSpark. Der Konzern schürft weiterhin Bitcoin, hat sich aber gleichzeitig einen langfristigen Rechenzentrumsvertrag mit einem erwarteten Umsatzvolumen von rund 6,6 Milliarden US-Dollar gesichert. Anfang Oktober nahm das Unternehmen zusätzlich 2,28 Milliarden US-Dollar über Anleihen auf, um den Ausbau des Standorts zu finanzieren.

Viele frühere Bitcoin-Miner entwickeln sich damit zunehmend zu Infrastrukturunternehmen, die ihre Rechenzentren an KI-Anbieter vermieten oder selbst Rechenleistung bereitstellen.

Welche Bitcoin-Mining-Aktien gibt es? In unserer Übersicht der 15 besten Bitcoin-Mining-Aktien erfährst du, welche Unternehmen die Branche prägen, welche Strategien sie verfolgen und was Anleger wissen sollten.

Der Kampf um Strom und Rechenzentren nimmt Fahrt auf

Der große Vorteil vieler Bitcoin-Miner liegt dabei nicht einmal in ihrer bisherigen Hardware, sondern in den vorhandenen Stromanschlüssen und Standorten. Schließlich benötigen sowohl Mining-Anlagen als auch KI-Rechenzentren enorme Mengen an Energie.

Neue Rechenzentren lassen sich allerdings nicht einfach überall bauen. In den USA sind freie Netzkapazitäten knapp, Genehmigungsverfahren langwierig und der Anschluss großer Anlagen an das Stromnetz kann Jahre dauern. Bitcoin-Miner haben hier einen Vorsprung, weil sie bereits über geeignete Grundstücke, Stromverträge und teilweise auch die notwendige Infrastruktur verfügen.

Wie wertvoll dieser Zugang inzwischen geworden ist, bringt CoinShares-Researchchef James Butterfill in einem LinkedIn-Beitrag auf den Punkt:

„The underlying asset is increasingly not the mining fleet, but access to power.“

Damit macht Butterfill deutlich, dass für viele Unternehmen inzwischen nicht mehr die Mining-Hardware selbst den größten Wert darstellt, sondern der Zugang zu ausreichend Strom. Für KI-Unternehmen, die möglichst schnell neue Rechenzentren betreiben möchten, können solche Standorte daher ausgesprochen attraktiv sein.

Allerdings lassen sich die bisherigen Mining-Anlagen nicht einfach mit neuen KI-Chips bestücken. KI-Rechenzentren benötigen unter anderem leistungsfähigere Kühlsysteme, eine zuverlässigere Stromversorgung und deutlich mehr Netzwerktechnik. CoinShares schätzt die Kosten für den Aufbau entsprechender KI-Infrastruktur auf rund 8 bis 15 Millionen US-Dollar pro Megawatt.

Hinzu kommt, dass längst nicht jeder angekündigte Milliardenvertrag bereits Geld einbringt. Laut CoinShares verfügen die untersuchten Unternehmen inzwischen über vertraglich vereinbarte KI- und Rechenzentrumsaufträge im Wert von mehr als 100 Milliarden US-Dollar. Der daraus bislang erzielte hochgerechnete Jahresumsatz liegt allerdings erst bei rund 1,1 Milliarden US-Dollar, da ein Großteil der vereinbarten Kapazitäten noch gar nicht in Betrieb ist.

Für die Unternehmen geht der Strategiewechsel deshalb auch mit Risiken einher. Hohe Baukosten, neue Schulden und mögliche Verzögerungen können die Gewinne erheblich belasten. Dazu kommt die Frage, ob die enorme Nachfrage nach KI-Rechenleistung langfristig tatsächlich so stark bleibt wie derzeit erwartet.

Fazit: Bitcoin-Mining verschwindet nicht

Dass immer mehr Unternehmen auf KI-Rechenzentren setzen, bedeutet noch lange nicht das Ende des Bitcoin-Minings. Schließlich wird weltweit weiterhin Bitcoin geschürft und auch die Hashrate des Netzwerks liegt trotz zwischenzeitlicher Rückgänge auf einem hohen Niveau. Der Wandel betrifft damit hauptsächlich die Geschäftsmodelle einzelner großer Mining-Unternehmen und nicht das Bitcoin-Netzwerk insgesamt.

Für viele dieser Betreiber bietet das Geschäft mit KI-Rechenzentren derzeit allerdings deutlich bessere Verdienstmöglichkeiten. Ihre bereits vorhandenen Standorte und Stromanschlüsse werden dadurch zu wertvollen Ressourcen. Das klassische Mining bleibt bestehen, während sich ein Teil der Branche zunehmend zu Anbietern von KI-Infrastruktur entwickelt.