Gestern fanden in den USA die Zwischenwahlen, die sogenannten Midterms, statt. Im Laufe der Nacht zeichnete sich das Ergebnis ab: Die Demokraten gewinnen die Mehrheiten im Repräsentantenhaus und im Senat. Für Donald Trump bedeutet das einen erheblichen Verlust an politischem Spielraum.

Für die Kryptobranche stellt sich damit die Frage, wie viel von seinen regulatorischen Versprechen in den verbleibenden zwei Amtsjahren noch umgesetzt werden kann.

Bitcoin (BTC) reagierte zunächst mit einem Rückgang unter 76.000 US-Dollar, erholte sich anschließend aber deutlich. Aktuell notiert der Kurs bei 78.476 US-Dollar und damit rund zwei Prozent höher als vor 24 Stunden.

Während Trump seine Mehrheiten verliert, gewinnt Bitcoin also wieder Boden – das wirkt zunächst widersprüchlich, zeigt aber, dass für Bitcoin mehr zählt als die Parteizugehörigkeit der Wahlsieger.

Neue Machtverhältnisse: Trump muss mit den Demokraten verhandeln

Künftig ist nicht der Kongress zwischen den Parteien geteilt, sondern die Macht zwischen Kongress und Präsident. Die Demokraten können Trumps Gesetzesvorhaben bremsen und über die Ausschüsse eigene politische Schwerpunkte setzen. Trump bleibt wiederum Präsident und kann Gesetze mit einem Veto aufhalten.

Fakt ist: Wer Krypto klare Regeln geben will, muss sich deshalb mit politischen Gegnern einigen, die gerade wenig Anlass sehen, einander einen Erfolg zu gönnen.

Die Kurserholung zeigt zunächst, dass sich der Verkaufsdruck der Wahlnacht nicht fortgesetzt hat. Bitcoin hat den Rücksetzer aufgeholt und liegt inzwischen sogar im Tagesplus. Für Anleger ist das ein ermutigendes Signal: Der Markt verkraftet den Machtwechsel im Kongress bislang gut.

Ob daraus auch politischer Fortschritt entsteht, entscheidet sich nun an den Verhandlungen über die künftigen Kryptoregeln.

Bitcoin erholt sich nach dem Rücksetzer in der US-Wahlnacht und steigt auf rund 78.476 US-Dollar
Bitcoin erholt sich nach dem Rücksetzer in der US-Wahlnacht und steigt auf rund 78.476 US-Dollar.

CLARITY Act: Kommt jetzt eine neue Abstimmung?

Im Mittelpunkt dieser Verhandlungen dürfte der CLARITY Act stehen. Er soll die Zuständigkeiten von SEC und CFTC klären und Regeln für Kryptounternehmen schaffen. Nach der Wahl stellt sich vor allem die Frage, ob der bisherige Kongress das Vorhaben noch vor dem Mehrheitswechsel verabschieden kann.

Ein neuer Versuch ist zumindest parlamentarisch vorbereitet: Nachdem die Verfahrensabstimmung am 15. September mit 49 zu 50 Stimmen gescheitert war, stellte der republikanische Senator Thom Tillis einen Antrag auf erneute Prüfung. Damit bleibt ein weiterer Anlauf im bisherigen Kongress möglich.

Die entscheidende Hürde bleibt allerdings dieselbe: Für den Verfahrensschritt werden 60 Stimmen gebraucht, und bis Januar stimmen weiterhin die bisherigen Senatoren ab. Die Befürworter müssen deshalb genügend bislang ablehnende Kollegen überzeugen. Den gleichen Entwurf einfach noch einmal vorzulegen, schafft noch keine neue Mehrheit.

Ein neuer Abstimmungstermin ist bislang nicht bestätigt – wird das Vorhaben vor Beginn der neuen Legislaturperiode am 3. Januar 2027 nicht Gesetz, muss es erneut eingebracht werden.

Die Uhr tickt also: Wer das bisherige Verhandlungsergebnis retten will, muss sich noch vor dem Mehrheitswechsel einigen. Danach können die Demokraten stärker bestimmen, welche Fassung überhaupt zur Beratung kommt.

Washington verhandelt noch, der Kryptomarkt wartet nicht: Neue politische Signale können Kurse bewegen, lange bevor ein Gesetz beschlossen ist. Wer die Entwicklungen verfolgt, kann seine nächste Marktidee schon vorbereiten, während andere noch die Schlagzeilen sortieren.

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Warum die Demokraten nicht pauschal gegen Kryptogesetze sind

Welche Hürde ein Kompromiss überwinden müsste, zeigt die Position des demokratischen Senators Mark Warner. Nach seinem Nein im September erklärte er:

„Ich möchte einer verantwortungsvollen Gesetzgebung zu digitalen Vermögenswerten zustimmen.“

Seine Ablehnung begründete er insbesondere mit unzureichenden Regeln gegen Interessenkonflikte durch die Kryptogeschäfte des Präsidenten.

Der Streit dreht sich damit auch darum, wer von politischen Entscheidungen persönlich profitieren darf. Das ist für die weitere Entwicklung relevant: Eine neue Mehrheit bedeutet nicht zwangsläufig, dass jede Marktstrukturgesetzgebung vom Tisch ist. Sie verändert aber, welche Bedingungen ein Entwurf erfüllen muss.

Nach Warners Stellungnahme dürften strengere Vorgaben zu Interessenkonflikten ein wichtiger Teil solcher Verhandlungen bleiben.

Wenn das Gesetz stockt: SEC und CFTC rücken in den Fokus

Bleibt eine Einigung aus, gewinnen die Entscheidungen von SEC und CFTC für die Branche weiter an Bedeutung. Beide Behörden können innerhalb bestehender Gesetze Regeln konkretisieren, wie ihre gemeinsame Auslegung zur Behandlung von Kryptowerten aus dem März zeigt.

Unternehmen müssten ihre nächsten Schritte dann stärker an diesen Behördenentscheidungen ausrichten, während ein umfassender gesetzlicher Rahmen weiter aussteht.

Was der Ausgang der Wahl für den Kryptomarkt bedeutet

Für Kryptounternehmen und Tokenprojekte, deren US-Expansion neue gesetzliche Freiräume voraussetzt, können längere Verhandlungen einen späteren Geschäftsstart und ausbleibende Umsätze bedeuten. Wer auf dieses Wachstum gesetzt hat, muss womöglich länger warten, bis aus politischen Versprechen ein verfügbares Angebot wird.

Bitcoin selbst braucht dagegen keine neue Betriebserlaubnis aus Washington. Relevant bleibt aber, unter welchen Bedingungen Banken und Handelsplätze Bitcoin anbieten können und wie einfach Anleger dadurch Zugang erhalten.

Daneben wirkt sich die Wirtschafts- und Finanzpolitik auf den Markt aus. Bremst der Kongress zusätzliche Staatsausgaben, könnte das den Inflations- und Zinsdruck dämpfen, zugleich aber die Konjunktur schwächen. Für Bitcoin hätte das zwei mögliche Folgen: Sinkende Renditen sicherer Anlagen machen risikoreichere Investments attraktiver, während wachsende Wirtschaftssorgen Anleger eher zum Rückzug bewegen können.

Für Dein Portfolio lohnt deshalb ein Blick hinter die politische Schlagzeile. Soll ein Token vor allem deshalb zulegen, weil sein Anbieter in den USA expandieren will, hängt diese Hoffnung womöglich an einem noch nicht verabschiedeten Gesetz. Bei Bitcoin ist stärker entscheidend, ob die finanziellen Bedingungen neue Käufer anziehen. Ein Wahlsieg allein bringt schließlich noch kein frisches Geld in den Markt.

Fazit: Trumps Niederlage ist kein Urteil über Bitcoin

Für mich zeigt diese Wahl vor allem, wie wenig die Nähe zu einem Präsidenten als langfristige Investmentthese taugt. Die Kryptobranche muss sich auf schwierigere Verhandlungen einstellen, doch daraus folgt nicht automatisch eine schlechtere Zukunft für Bitcoin. Dass der Kurs seinen nächtlichen Rücksetzer aufgeholt hat, ist zumindest ein ermutigender Anfang.

Die größere Bewährungsprobe sehe ich bei Projekten, deren Wachstumsversprechen auf schnellen politischen Erleichterungen beruhen. Wenn sich diese verzögern, zeigt sich, welches Geschäftsmodell schon heute Nachfrage findet und welches vor allem von Erwartungen lebt.

Für Bitcoin dürften dagegen Zinsen, Kapitalzuflüsse und die Risikobereitschaft der Anleger stärker ins Gewicht fallen. Washington bleibt damit wichtig, aber die Vorstellung, ein kryptofreundlicher Präsident werde schon für steigende Kurse sorgen, war ohnehin ein ziemlich bequemer Ersatz für eine eigene Einschätzung.