An der Wall Street kam es am Donnerstag zu einem der heftigsten Ausverkäufe seit Monaten. Vor allem KI-Aktien brachen massiv ein, nachdem politische Sorgen um den Ausbau neuer Rechenzentren und Zweifel an den milliardenschweren KI-Investitionen die Anleger verunsichert hatten. Auch Bitcoin fiel zeitweise auf 75.000 US-Dollar, wo allerdings wieder Käufer zugriffen. Ist die Panik an den Märkten übertrieben?

US-Aktien brechen ein – steckt der KI-Boom in der Krise?

Was für ein heftiger Handelstag an den US-Börsen! Der technologielastige Nasdaq verlor am Donnerstag rund -6 %, während der S&P 500 mit -4,4 % seinen stärksten Tagesverlust seit April 2025 verzeichnete. Noch schlimmer erwischte es zahlreiche KI-Aktien: Nvidia gab um -9,3 % nach, AMD verlor rund -17 % und bei Sandisk ging es sogar um etwa -22 % nach unten.

Der heftige Abverkauf erfasste nahezu den gesamten US-Aktienmarkt. | Stock Titan
Der heftige Abverkauf erfasste nahezu den gesamten US-Aktienmarkt. | Stock Titan

Doch was hat diesen plötzlichen Ausverkauf ausgelöst? Ein großes Thema waren die US-Zwischenwahlen, bei denen die Demokraten die Kontrolle über beide Kammern des Kongresses gewonnen haben. An den Märkten wächst nun die Sorge, dass neue politische Einschränkungen den Ausbau von KI-Rechenzentren in den USA bremsen könnten.

Das wäre für viele Technologieunternehmen problematisch, schließlich investieren Konzerne wie Microsoft, Amazon und Google derzeit enorme Summen in neue Rechenzentren. Sollte sich der Ausbau durch strengere Vorschriften oder längere Genehmigungsverfahren verzögern, könnten darunter auch Unternehmen leiden, die Chips, Speicherlösungen oder die notwendige Energieversorgung bereitstellen.


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KI-Boom: Sind die Sorgen der Anleger übertrieben?

Allerdings sollte man die politische Entwicklung nicht überbewerten. Die USA haben selbst ein großes wirtschaftliches Interesse daran, dass ihre KI-Industrie weiter wächst, zumal sich das Land mit China einen intensiven Wettbewerb um die technologische Führung liefert. Hinzu kommt, dass Donald Trump weiterhin Präsident ist und neue Bundesgesetze mit seinem Vetorecht blockieren kann. Einschränkungen auf Ebene einzelner Bundesstaaten bleiben trotzdem möglich.

Gleichzeitig war die Stimmung rund um KI-Aktien bereits vor den Wahlen angespannt. Nach den enormen Kursgewinnen der vergangenen Jahre hinterfragen Anleger zunehmend, ob sich die milliardenschweren Investitionen in künstliche Intelligenz tatsächlich auszahlen werden. Schwächere Ergebnisse einzelner Chipunternehmen und die hohe Bewertung vieler Technologiewerte haben diese Zweifel zuletzt verstärkt.

Der heftige Abverkauf könnte deshalb auch durch Gewinnmitnahmen und den Abbau stark gehebelter Positionen verstärkt worden sein. Wenn größere Marktteilnehmer gleichzeitig verkaufen und weitere Positionen automatisch aufgelöst werden, kann daraus schnell eine Verkaufswelle entstehen, die weit über das ursprüngliche Ausmaß der schlechten Nachrichten hinausgeht.

Bitcoin-Kurs fällt auf 75.000 US-Dollar

Auch Bitcoin konnte sich dem heftigen Abverkauf an den US-Börsen nicht entziehen, zeigte sich im Vergleich zu zahlreichen Technologie- und KI-Aktien allerdings relativ stabil. Zwischenzeitlich fiel der Kurs bis auf rund 75.000 US-Dollar, wo sich wieder verstärkt Käufer zeigten und einen weiteren Rückgang zunächst verhinderten.

Auch ein Blick in die Orderbücher zeigt, dass die Nachfrage in diesem Bereich weiterhin hoch ist. Noch mehr Kaufaufträge liegen allerdings bei rund 73.000 US-Dollar, wo sich eine größere Ansammlung von Liquidität befindet. Sollte Bitcoin erneut unter Verkaufsdruck geraten, könnte diese Region deshalb als nächste wichtige Unterstützung dienen, wobei solche Aufträge natürlich jederzeit wieder zurückgezogen werden können.

Bitcoin-Orderbuch mit Kauf- und Verkaufsaufträgen | Coinglass
Bitcoin-Orderbuch mit Kauf- und Verkaufsaufträgen | Coinglass

Bitcoin zeigt sich widerstandsfähig – Analyst bleibt optimistisch

Bemerkenswert ist die vergleichsweise stabile Entwicklung auch deshalb, weil am Kryptomarkt innerhalb von 24 Stunden gehebelte Positionen im Wert von mehr als 1 Mrd. US-Dollar liquidiert wurden. Der Großteil davon entfiel auf Anleger, die auf steigende Kurse gesetzt hatten. Die dadurch ausgelösten Zwangsverkäufe verstärkten den Abwärtsdruck zusätzlich, ohne dass Bitcoin in ähnlichem Ausmaß wie zahlreiche KI-Aktien einbrach.

Auch Jasper De Maere vom Krypto-Handelshaus Wintermute warnt davor, den Ausverkauf eines einzelnen Handelstages überzubewerten. Trotz der jüngsten Turbulenzen sieht er die mittelfristigen Aussichten für Kryptowährungen weiterhin positiv und erklärt sinngemäß:

„Mittelfristig sehe ich das Glas weiterhin halb voll. Anleger sollten angesichts der starken Verbindungen zwischen den Märkten nach Kaufgelegenheiten Ausschau halten, die sich mit der Zeit ergeben.“

Seine Einschätzung macht deutlich, dass der jüngste Abverkauf nicht zwangsläufig das Ende einer möglichen Erholung bedeuten muss. Dennoch bleibt das Marktumfeld angespannt, weshalb Anleger die weitere Entwicklung an den US-Börsen aufmerksam verfolgen sollten. Sollte sich der Verkaufsdruck fortsetzen, könnte auch Bitcoin erneut nachgeben und die größere Nachfragezone bei rund 73.000 US-Dollar anlaufen.

Fazit: Ist die Panik an den Märkten übertrieben?

Meiner Meinung nach sind die Sorgen der Anleger zwar nachvollziehbar, allerdings halte ich die heftige Marktreaktion bislang für übertrieben. Schließlich hängt inzwischen ein erheblicher Teil des US-Wirtschaftswachstums mit den Investitionen in künstliche Intelligenz zusammen. Ich kann mir deshalb kaum vorstellen, dass die Demokraten diesen wichtigen Wachstumsbereich ernsthaft ausbremsen wollen, zumal sich die USA mitten im technologischen Wettbewerb mit China befinden.

Natürlich sind strengere Auflagen und Verzögerungen beim Ausbau neuer Rechenzentren möglich. Einen grundsätzlichen Einbruch der KI-Investitionen halte ich derzeit aber für wenig wahrscheinlich. Kurzfristig könnte die Unsicherheit dennoch für weitere Rücksetzer sorgen. Bei Bitcoin sehe ich die bisherige Reaktion vergleichsweise positiv, auch wenn sich erst noch zeigen muss, ob die Käufer den Kurs nachhaltig stabilisieren können.