• US-Renditen drehen wieder nach oben:
    Nachdem die Ankündigung höherer Treasury-Rückkäufe die langfristigen Renditen zuletzt gedrückt hatte, sorgten die Aussagen von Fed-Chef Kevin Warsh am Freitag wieder für mehr Zinsdruck.
  • Fed hält weitere Zinserhöhung offen:
    Warsh sieht die Inflation weiterhin als zu hoch an und bezeichnet die aktuellen Finanzierungsbedingungen kaum als restriktiv. Eine weitere Zinserhöhung ist damit weiterhin nicht vom Tisch.
  • Bitcoin verliert einen Teil des Rückenwinds:
    Fallende Renditen und ein schwächerer US-Dollar hatten die Rally zuletzt unterstützt. Drehen beide Faktoren wieder in die andere Richtung, könnte genau diese Unterstützung für den Bitcoin-Kurs erstmal wieder kleiner werden.
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Am Anleihemarkt dreht sich die Stimmung wieder

In der vergangenen Woche kam für Bitcoin ziemlich viel Unterstützung aus einer Ecke, auf die viele Krypto-Anleger wahrscheinlich nicht jeden Tag schauen. Am 19. August kündigte US-Finanzminister Scott Bessent an, die Rückkäufe länger laufender Staatsanleihen deutlich auszuweiten. Statt bisher maximal 2 Milliarden US-Dollar sollen künftig mindestens 4 Milliarden US-Dollar je Rückkauf möglich sein und dabei geht es vor allem um Laufzeiten zwischen zehn und 30 Jahren.

Der Zeitpunkt war dabei alles andere als zufällig. Kurz zuvor war die Rendite der 30-jährigen US-Staatsanleihe bis auf 5,34 Prozent und damit auf den höchsten Stand seit 2007 gestiegen. Bei mittlerweile mehr als 40 Billionen US-Dollar Staatsschulden wird das für die USA irgendwann ziemlich teuer, denn höhere Renditen bedeuten am Ende auch höhere Finanzierungskosten. Nach Bessents Ankündigung kam die 30-jährige Rendite dann erstmal wieder auf rund 5,20 Prozent zurück.

Für Bitcoin war das eine ziemlich angenehme Entwicklung. Wenn Anleger mit vergleichsweise sicheren US-Staatsanleihen mehr als fünf Prozent verdienen können, gibt es schließlich eine ziemlich attraktive Alternative zu Bitcoin oder Aktien. Kommen die Renditen wieder runter, nimmt dieser Druck etwas ab und genau das hat BTC in der vergangenen Woche ordentlich geholfen. Dazu wurde auch der US-Dollar schwächer und gleichzeitig mussten immer mehr Trader ihre Short-Positionen schließen. Während der Rally wurden dadurch mehr als 4 Milliarden US-Dollar an bearishen Krypto-Positionen liquidiert, was den Anstieg nochmal zusätzlich beschleunigt hat.

Rendite der 30-jährigen US-Staatsanleihe Quelle: Kobeissiletter auf X
Rendite der 30-jährigen US-Staatsanleihe Quelle: Kobeissiletter auf X

Kevin Warsh bringt die Renditen wieder nach oben

Am Freitag kam dann allerdings wieder Bewegung in die andere Richtung rein. Fed-Chef Kevin Warsh hielt in Jackson Hole seine erste große Rede seit seinem Amtsantritt und auch wenn er sich nicht konkret auf die nächste Zinsentscheidung festgelegt hat, war seine Richtung ziemlich deutlich. Die Inflation ist ihm weiterhin zu hoch und sollte sich daran nicht schnell genug etwas ändern, sieht Warsh bei der Geldpolitik noch Arbeit vor sich.

Interessant war vor allem seine Einschätzung der aktuellen Finanzierungsbedingungen. Bei einem Leitzins von 3,50 bis 3,75 Prozent könnte man eigentlich meinen, dass die Wirtschaft schon ziemlich stark gebremst wird. Warsh sieht das aber anders und verwies unter anderem auf niedrige Risikoaufschläge bei Unternehmensanleihen, eine weiterhin lockere Kreditvergabe und kräftige Investitionen der Unternehmen. Dazu liegt die Inflation mit 3,7 Prozent noch immer deutlich über dem Zwei-Prozent-Ziel der Fed.

Am Anleihemarkt kam die Botschaft ziemlich schnell an. Vor allem bei den kürzeren Laufzeiten gingen die Renditen wieder deutlich nach oben und die zweijährige US-Staatsanleihe sprang am Freitag auf rund 4,35 Prozent. Gleichzeitig stieg am Markt die Wahrscheinlichkeit dafür, dass die Fed im September sogar nochmal die Zinsen anheben könnte.

Während die kurzfristigen Renditen nach Warshs Rede deutlich anzogen, kamen die längeren Laufzeiten teilweise sogar etwas zurück. Der Markt preist damit vor allem ein, dass die Fed kurzfristig härter gegen die Inflation vorgehen könnte und genau das wäre für Bitcoin erstmal nicht unbedingt hilfreich.

Bitcoin bekommt wieder Gegenwind von den Zinsen

Damit hat sich die Ausgangslage seit der Rally der vergangenen Woche wieder etwas verändert. Bessents ausgeweitete Anleiherückkäufe sprechen weiterhin dafür, dass zumindest bei den langfristigen Renditen etwas Druck rausgenommen werden könnte. Gleichzeitig hat Warsh am Freitag aber ziemlich deutlich gemacht, dass von der Fed erstmal keine Hilfe zu erwarten ist, solange die Inflation so hoch bleibt.

Für Bitcoin kommt das gerade zu einem eher ungünstigen Zeitpunkt. Nach dem schnellen Anstieg bis über 80.000 US-Dollar war der Kurs sowieso an einer größeren Widerstandszone angekommen und ist mittlerweile wieder deutlich zurückgekommen. Dass gleichzeitig die Zinserwartungen nach Warshs Rede wieder angezogen haben, macht einen neuen Anlauf nach oben erstmal nicht einfacher.

Bitcoin-kurs auf TradingView
Bitcoin-kurs auf TradingView

Ab dem 9. September starten dann die ausgeweiteten Treasury-Rückkäufe. Schaffen sie es, die langfristigen Renditen weiter nach unten zu drücken, wäre das für Bitcoin erstmal wieder eine gute Entwicklung. Gleichzeitig steht aber Warsh auf der anderen Seite und hat mit seiner Rede gerade erst dafür gesorgt, dass vor allem bei den kürzeren Laufzeiten die Renditen wieder angezogen haben.

Unterm Strich ziehen hier gerade zwei Seiten in unterschiedliche Richtungen. Kommen die langfristigen Renditen wieder runter und wird gleichzeitig der Dollar schwächer, würde das Bitcoin weiter in die Karten spielen. Ziehen die Renditen dagegen wieder breiter an und bleibt auch der Dollar stark, wäre ein wichtiger Teil der Unterstützung aus der vergangenen Woche erstmal wieder weg.


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