• Warsh bleibt bei den Zinsen hart:
    Auf eine Entscheidung für September legte sich der Fed-Chef nicht fest. Gleichzeitig machte er aber deutlich, dass die aktuellen Finanzierungsbedingungen aus seiner Sicht kaum restriktiv sind und bei anhaltend hoher Inflation weitere Schritte nötig werden könnten. 
  • Der Anleihemarkt reagiert direkt:
    Nach der Rede ging es bei den kurzfristigen US-Renditen nach oben. Für Bitcoin ist das nicht ganz unwichtig, denn höhere Renditen machen Staatsanleihen wieder attraktiver und können damit Druck auf riskantere Anlagen bringen. 
  • Bitcoin hält sich trotzdem weiter gut:
    Nach der starken Rally ist BTC von über 80.000 US-Dollar wieder etwas zurückgekommen. Der wichtige Bereich um 77.000 US-Dollar hält bisher aber und erst darunter würde die aktuelle Korrektur charttechnisch interessanter werden.
  • 👉 Bitcoin sicher verwahren:
    Während Zinsen, US-Renditen und die Fed weiter für Bewegung bei Bitcoin sorgen, kannst Du Deine BTC unabhängig davon selbst verwahren. Kaufe jetzt Deine Hardware-Wallet bei Ledger und sichere Dir bis zu 20 US-Dollar gratis in Bitcoin*.

Warsh macht wenig Hoffnung auf schnelle Zinssenkungen

Kevin Warsh ist mittlerweile rund 100 Tage als Fed-Chef im Amt und entsprechend gespannt wurde am Freitag auf seine erste große Rede beim jährlichen Notenbanktreffen in Jackson Hole geschaut. Wer sich dabei eine klare Ansage für die nächste Zinsentscheidung im September erhofft hatte, wurde allerdings enttäuscht. Warsh legte sich auf keine konkrete Entscheidung fest und machte stattdessen ziemlich deutlich, dass ihm die Inflation weiterhin zu hoch ist. 

Interessant war vor allem seine Einschätzung der aktuellen Finanzierungsbedingungen. Obwohl der Leitzins mittlerweile bei 3,50 bis 3,75 Prozent liegt, fällt es Warsh nach eigener Aussage schwer, die Bedingungen überhaupt als restriktiv zu bezeichnen. Dazu verwies er unter anderem auf niedrige Risikoaufschläge bei Unternehmensanleihen, eine weiterhin lockere Kreditvergabe der Banken und kräftige Investitionen der Unternehmen. 

Und auch bei der Inflation sieht Warsh das Problem noch lange nicht als erledigt an. Der PCE-Preisindex liegt aktuell bei 3,7 Prozent und damit weiterhin deutlich über dem Zwei-Prozent-Ziel der Fed. Warsh schaute sich dabei auch die einzelnen Bestandteile des Preisindex an und kam zu dem Ergebnis, dass ungefähr die Hälfte weiterhin Preissteigerungen von mehr als 3 Prozent aufweist. Die Inflation hängt damit nicht nur an ein paar einzelnen Bereichen, sondern steckt weiterhin ziemlich breit in der Wirtschaft. 

Auch die zuletzt schwächeren Arbeitsmarktdaten scheinen für ihn noch kein Grund zu sein, schnell gegenzusteuern. Im Juli gingen 23.000 Stellen verloren, Warsh führte die schwache Entwicklung aber unter anderem auf das geringe Wachstum des Arbeitskräfteangebots zurück und sieht den Arbeitsmarkt weiterhin nahe an der Vollbeschäftigung. 

Damit hat Warsh eine Zinserhöhung zwar nicht angekündigt, vom Tisch ist sie aber genauso wenig. Die Reaktion sieht man bisher vor allem am Anleihemarkt. Die Rendite zweijähriger US-Staatsanleihen sprang nach der Rede auf rund 4,29 Prozent, während Aktien deutlich ruhiger reagierten. 

Auch bei Anleihekäufen wird Warsh ziemlich deutlich

Größere Anleihekaufprogramme möchte er vor allem echten Krisen vorbehalten und ansonsten nur sehr sparsam einsetzen. Gleichzeitig rückte er die Entwicklung der Geldmenge wieder stärker in den Mittelpunkt seiner Analyse und fasste das ziemlich einfach mit „Money matters“ zusammen. 

Das passt zu dem Kurs, den Warsh seit seiner Amtsübernahme fährt. Weniger Hinweise darauf, was die Fed als Nächstes machen könnte, und dafür sollen sich die Märkte wieder stärker an den Wirtschaftsdaten orientieren. Für Anleger macht das die kommenden Inflations- und Arbeitsmarktdaten natürlich nochmal wichtiger, weil von der Fed selbst deutlich weniger Orientierung kommen soll. 

Wichtig ist aber auch, worüber Warsh heute nicht gesprochen hat. Die zuletzt angekündigte Ausweitung der Anleiherückkäufe durch US-Finanzminister Scott Bessent spielte in der Rede keine größere Rolle. Dabei hatten genau diese Rückkäufe zuletzt für Bewegung bei den langfristigen Renditen gesorgt und waren damit auch für Bitcoin ziemlich wichtig.

Bitcoin hält sich bisher erstaunlich gut

Für Bitcoin ist so eine Rede erstmal nicht unbedingt das, was man sich nach einer starken Rally wünscht. Bleibt die Fed länger bei hohen Zinsen oder müsste sogar nochmal nachlegen, werden sichere US-Staatsanleihen wieder attraktiver und genau das kann Anlagen wie Bitcoin entsprechend unter Druck setzen.

Die Reaktion hält sich bisher aber ziemlich in Grenzen. Bitcoin ist von über 80.000 US-Dollar auf zeitweise unter 79.000 US-Dollar zurückgekommen, von einem größeren Abverkauf kann bisher allerdings keine Rede sein. Das ist nach der Bewegung der vergangenen Tage durchaus im Rahmen, denn BTC hatte innerhalb einer Woche rund 9 Prozent zugelegt und war zwischenzeitlich bis auf etwa 81.300 US-Dollar gestiegen. 

Dazu kommt, dass Bitcoin aus charttechnischer Sicht sowieso an einer ziemlich schwierigen Stelle angekommen ist. Zwischen ungefähr 81.000 und 82.500 US-Dollar wartet der Bereich, an dem die Rally bereits im Mai ins Stocken geraten war. Dass nach dem schnellen Anstieg dort erstmal Gewinne mitgenommen werden, sollte deshalb keine allzu große Überraschung sein.

Direkt unter dem aktuellen Kurs wartet bei ungefähr 77.000 US-Dollar bereits die erste Unterstützung. Kann sich Bitcoin dort halten, wäre aus charttechnischer Sicht erstmal noch nicht viel passiert und der starke Ausbruch der vergangenen Tage würde weiterhin ordentlich aussehen.

Bitcoin-kurs auf TradingView
Bitcoin-kurs auf TradingView

Fazit: Bitcoin steckt die Warsh-Rede gut weg

Warsh hat sich heute zwar nicht konkret auf die nächste Zinsentscheidung festgelegt, seine Richtung war aber ziemlich deutlich. Die Inflation bleibt für ihn das größere Problem und eine weitere Zinserhöhung ist damit weiterhin möglich. Bitcoin steckt die Rede bisher trotzdem ziemlich gut weg. Nach der starken Rally und dem erneuten Anlaufen der Widerstandszone um 82.000 US-Dollar ist der Rücksetzer unter 79.000 US-Dollar erstmal noch überschaubar. Spannender wird es, wenn die 77.000 US-Dollar nicht mehr halten.