Was ist derzeit eigentlich am Kryptomarkt los? Nach dem milliardenschweren Angriff auf Binance werden immer mehr Sicherheitsvorfälle bekannt. Inzwischen steht sogar ein möglicher Millionenraub bei einem europäischen Finanzinstitut im Raum. Wie sicher sind die eigenen Kryptowährungen noch?

Nach Binance-Hack trifft es weitere Krypto-Anbieter

Der Angriff auf Binance vom vergangenen Donnerstag hat die Branche ordentlich erschüttert. Innerhalb von rund 20 Minuten konnten Hacker Kryptowährungen im Wert von etwa 6,36 Milliarden US-Dollar aus den Wallets der weltweit größten Kryptobörse abziehen.

Laut dem Analyseunternehmen TRM Labs steckt die nordkoreanische Hackergruppe TraderTraitor hinter dem Angriff. Die Täter hatten offenbar Zugriff auf interne Systeme und konnten anschließend große Mengen Bitcoin, Ethereum und weitere Kryptowährungen entwenden.

Binance hat inzwischen angekündigt, die Verluste selbst zu tragen und seine Kunden vollständig abzusichern. Auch die zwischenzeitlich ausgesetzten Auszahlungen werden seit Sonntag schrittweise wieder freigegeben.

Doch damit war die Serie an Angriffen noch lange nicht vorbei. Am Montag erwischte es die brasilianische Kryptobörse Mercado Bitcoin, bei der Hacker Kryptowährungen im Wert von rund 49 Millionen US-Dollar erbeuteten. Die Plattform setzte daraufhin Ein- und Auszahlungen vorübergehend aus.

Durch die Zusammenarbeit mit dem Blockchain-Analyseunternehmen Chainalysis, Behörden und weiteren Partnern konnten bereits fast 10 Millionen US-Dollar der gestohlenen Gelder eingefroren werden.

Auch beim Bitcoin-Zahlungsdienst BTCPay Server wurden Gelder gestohlen. Hier hatten es die Angreifer auf ältere Softwareversionen abgesehen und konnten laut einer Blockchain-Analyse Bitcoin und Litecoin im Wert von rund 1,6 Millionen US-Dollar entwenden.


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Auch in Europa steht ein Millionenraub im Raum

Brisant sind allerdings neue Hinweise aus Europa. Der bekannte Blockchain-Ermittler ZachXBT berichtete zunächst über einen mutmaßlichen Diebstahl von mehr als 106 Millionen US-Dollar. Inzwischen hat er weitere verdächtige Abhebungen entdeckt, womit die mögliche Schadenssumme auf über 133 Millionen US-Dollar gestiegen ist.

Nach seiner Einschätzung könnte ein größeres Finanzinstitut in Westeuropa betroffen sein, dessen Konten bei mehreren Kryptobörsen offenbar kompromittiert wurden. ZachXBT vermutet sogar, dass der Vorfall bislang bewusst verschwiegen wird.

Durch die fehlende öffentliche Meldung hätten die Täter bereits mehr als 30 Millionen US-Dollar der mutmaßlich gestohlenen Gelder weiter verschieben können. Diese hätten nach Ansicht des Ermittlers möglicherweise noch von europäischen Behörden eingefroren werden können.

Allerdings sind sowohl die Identität des betroffenen Instituts als auch die tatsächliche Schadenshöhe und der Vorwurf einer Vertuschung bislang nicht unabhängig bestätigt.

Hinzu kommt ein weiterer Sicherheitsvorfall beim Blockchain-Analyseunternehmen Chainalysis. Dort verschaffte sich ein Angreifer laut Unternehmensangaben mithilfe KI-gestützter Methoden Zugang zu internen Systemen. Dabei wurden unter anderem Namen und E-Mail-Adressen von Kunden abgerufen. Für einen Zugriff auf sensible Ermittlungsdaten oder Zugangsdaten gibt es nach bisherigen Erkenntnissen keine Hinweise.

Damit zeigt sich auch, dass künstliche Intelligenz bei Cyberangriffen zunehmend eine Rolle spielen kann. Beim großen Binance-Hack haben die Ermittler bislang allerdings keine Belege für einen KI-gesteuerten Angriff gefunden. Die beobachteten automatisierten Transaktionen lassen sich nach Einschätzung von Experten auch durch herkömmliche Skripte erklären.

Innerhalb weniger Tage sind somit gleich mehrere größere Sicherheitsvorfälle bekannt geworden. Hinweise darauf, dass sämtliche Angriffe miteinander zusammenhängen, gibt es bislang nicht.

Wie sicher sind Bitcoin und andere Kryptowährungen noch?

Nach den jüngsten Nachrichten fragen sich natürlich auch viele Anleger in Deutschland, wie sicher ihre eigenen Bitcoin und andere Kryptowährungen noch sind. Schließlich nutzen hierzulande zahlreiche Menschen Handelsplattformen wie Binance, Coinbase, Kraken oder OKX, um Kryptowährungen zu kaufen und zu verwahren.

Bei den jüngsten Angriffen gibt es immerhin eine gute Nachricht. Sowohl Binance als auch Mercado Bitcoin haben angekündigt, ihre Kunden vor finanziellen Verlusten zu schützen. Allerdings kann man sich nicht bei jedem Anbieter darauf verlassen, dass im Ernstfall sämtliche Schäden übernommen werden.

In Deutschland gibt es für Bitcoin und andere Kryptowährungen auch keine gesetzliche Einlagensicherung, wie man sie beispielsweise vom klassischen Bankkonto kennt. Mit der europäischen MiCA-Verordnung gelten inzwischen zwar strengere Vorgaben für Krypto-Dienstleister, ein vollständiger Schutz vor Hackerangriffen ist damit aber nicht verbunden.

Einige Kryptobörsen bieten deshalb inzwischen zusätzliche Schutzmaßnahmen an. Ein Beispiel ist OKX. Mit dem neuen Programm OKX Shield können berechtigte Nutzer bei bestimmten unbefugten Kontoübernahmen eine Erstattung von bis zu 100.000 € erhalten. Voraussetzung ist allerdings, dass das Programm zuvor aktiviert wurde und die jeweiligen Bedingungen erfüllt sind. Eine garantierte Entschädigung ist damit nicht verbunden.

Trotz solcher Angebote sollten sich Anleger nicht allein auf die Sicherheitsmaßnahmen einer Handelsplattform verlassen. Ein sicheres Passwort, die Zwei-Faktor-Authentifizierung und ein vorsichtiger Umgang mit verdächtigen E-Mails gehören weiterhin zu den wichtigsten Grundlagen.

Auch die Wahl des Anbieters spielt eine Rolle. Anleger können beispielsweise prüfen, ob eine Kryptobörse über eine entsprechende Zulassung in der EU verfügt und welche Maßnahmen zum Schutz der Kundengelder angeboten werden.

Wer größere Beträge langfristig halten möchte, kann sich außerdem mit einer eigenen Hardware-Wallet beschäftigen. Damit übernimmt man die Verwahrung seiner Kryptowährungen selbst und ist weniger von der Sicherheit einer Handelsplattform abhängig.

Das bringt allerdings auch mehr Verantwortung mit sich. Wer seinen Wiederherstellungsschlüssel verliert oder diesen versehentlich weitergibt, kann im schlimmsten Fall ebenfalls sein gesamtes Guthaben verlieren. Für viele Anleger kann deshalb auch eine Kombination sinnvoll sein. Kryptowährungen, mit denen regelmäßig gehandelt wird, bleiben auf einer Börse, während längerfristige Bestände bei Bedarf selbst verwahrt werden.

Die jüngsten Hackerangriffe sind also kein Grund, überstürzt alle Kryptowährungen zu verkaufen oder sofort von den Handelsplattformen abzuziehen. Vielmehr zeigen sie, wie wichtig es ist, sich auch mit der sicheren Aufbewahrung der eigenen Coins zu beschäftigen.

Fazit: Wie sicher sind Kryptowährungen noch?

Die vergangenen Tage haben gezeigt, dass selbst große Krypto-Unternehmen nicht vollständig vor Hackerangriffen geschützt sind. Mit dem mutmaßlichen Millionenraub in Europa kommen weitere Sicherheitsfragen hinzu. Immerhin haben einige betroffene Anbieter bereits angekündigt, ihre Kunden vor finanziellen Verlusten zu schützen.

Für Anleger in Deutschland lohnt es sich deshalb, die eigenen Sicherheitsmaßnahmen zu überprüfen und sich mit den verschiedenen Möglichkeiten der Verwahrung zu beschäftigen. Zusätzliche Schutzprogramme wie OKX Shield können dabei hilfreich sein, ersetzen aber nicht die eigene Vorsicht. Schließlich geht es beim Investieren in Bitcoin und andere Kryptowährungen nicht nur um mögliche Kursgewinne, sondern auch darum, das eigene Guthaben möglichst gut abzusichern.