Trading-Analyse lernen: So bewertest Du Märkte systematisch
Eine Trading-Analyse ist kein einzelner Indikator und keine Prognose mit Erfolgsgarantie. Sie ist ein Prozess, mit dem Du Informationen auswählst, eine überprüfbare Annahme formulierst und daraus einen möglichen Handelsplan entwickelst.
Dieser Prozess ist für Aktien, Kryptowährungen, Devisen und andere Märkte grundsätzlich ähnlich. Die verwendeten Daten unterscheiden sich jedoch. Bei einer Aktie können Unternehmenszahlen wichtig sein, bei Bitcoin zusätzlich Blockchain-Daten und bei kurzfristigen Trades vor allem Kurs, Volumen und Liquidität.
Wenn Du zunächst einen allgemeinen Überblick zum Thema Trading möchtest, beginne in unserer kostenlosen Trading-Akademie. Die folgenden Kapitel konzentrieren sich darauf, wie Du Informationen auswertest, bevor Du eine Position eröffnest.
Was ist eine Trading-Analyse?
Eine Trading-Analyse ist die planmäßige Untersuchung eines Marktes vor, während und nach einem möglichen Trade. Ihr Ziel besteht nicht darin, die Zukunft sicher vorherzusagen. Sie soll Dir helfen, wahrscheinliche Szenarien zu unterscheiden und für jedes Szenario passende Regeln festzulegen.
Eine vollständige Analyse beantwortet möglichst konkret:
- Welchen Markt und welchen Zeitraum untersuche ich?
- Welche Daten sind für meine Fragestellung relevant?
- Welche Entwicklung halte ich für wahrscheinlich und warum?
- Woran erkenne ich, dass meine Annahme falsch ist?
- Wo liegen Einstieg, Kursziel und maximales Risiko?
Damit wird aus einer allgemeinen Meinung eine überprüfbare Trading-Idee. Ob daraus tatsächlich ein Trade entsteht, hängt anschließend von Deiner Strategie und Deinen Risikoregeln ab.
Welche Arten der Trading-Analyse gibt es?
Die wichtigsten Methoden unterscheiden sich vor allem durch ihre Datenbasis und die Fragen, die sie beantworten sollen.
Chartanalyse und technische Analyse
Die Chartanalyse untersucht unter anderem Kursverläufe, Handelsvolumen, Trends, Unterstützungen und Widerstände. Technische Trader suchen wiederkehrende Strukturen und Bedingungen, aus denen sich mögliche Ein- und Ausstiege ableiten lassen.
Ihre Stärke liegt vor allem im Timing und in klar messbaren Kursmarken. Sie erklärt jedoch nicht automatisch, warum sich ein Markt bewegt oder ob ein Vermögenswert langfristig wirtschaftlich attraktiv ist.
Fundamentalanalyse
Die Fundamentalanalyse bewertet Faktoren, die Angebot, Nachfrage und den möglichen Wert eines Vermögenswertes beeinflussen. Bei Aktien gehören dazu beispielsweise Umsatz, Gewinn, Verschuldung und Wettbewerb. Bei Kryptowährungen können Technologie, Tokenomics, Netzwerknutzung, Entwickleraktivität und Regulierung relevant sein.
Fundamentale Daten eignen sich besonders zur Einordnung des übergeordneten Umfelds und längerfristiger Thesen. Für den exakten Zeitpunkt eines Einstiegs liefern sie häufig weniger präzise Signale als die Chartanalyse.
On-Chain-Analyse
Die On-Chain-Analyse nutzt öffentlich verfügbare Daten aus Blockchains. Dazu zählen etwa Transaktionsvolumen, aktive Adressen, Bestände bestimmter Marktgruppen oder Zu- und Abflüsse von Krypto-Börsen.
Sie ist eine zusätzliche Analyseebene für Kryptowährungen und kann Hinweise auf Netzwerknutzung oder Kapitalbewegungen liefern. Einzelne Kennzahlen sollten jedoch nie isoliert als Kauf- oder Verkaufssignal interpretiert werden.
Chartanalyse, Fundamentalanalyse und On-Chain-Analyse im Vergleich
| Methode |
Datenbasis |
Zentrale Frage |
Typische Stärke |
| Chartanalyse |
Kurs, Volumen und Marktstruktur |
Welche Szenarien und Kursmarken sind relevant? |
Timing von Einstieg und Ausstieg |
| Fundamentalanalyse |
Wirtschaftliche, technologische und projektspezifische Daten |
Welche Faktoren treiben Angebot, Nachfrage und Wert? |
Marktkontext und längerfristige These |
| On-Chain-Analyse |
Öffentliche Blockchain-Daten |
Was geschieht im Netzwerk und mit den Coins? |
Einordnung von Nutzung und Kapitalflüssen |
Chartanalyse oder Fundamentalanalyse: Was ist besser?
Chartanalyse und Fundamentalanalyse sind keine direkten Konkurrenten. Sie betrachten denselben Markt aus unterschiedlichen Perspektiven. Welche Methode geeigneter ist, hängt von Deiner Fragestellung ab.
Für einen kurzfristigen Trade können Kursstruktur, Liquidität und Volumen wichtiger sein als eine langfristige Bewertung. Wer dagegen eine Bewegung über Wochen oder Monate handeln möchte, sollte auch verstehen, welche wirtschaftlichen oder projektspezifischen Faktoren den Markt beeinflussen.
Bei Kryptowährungen kann die On-Chain-Analyse beide Ansätze ergänzen. Sie zeigt beispielsweise, ob sich die Aktivität eines Netzwerks verändert oder größere Mengen an Coins zu Börsen übertragen werden. Daraus entsteht jedoch erst gemeinsam mit Kontext und Kursstruktur eine belastbare Einschätzung.
Trading-Analyse in fünf Schritten
1. Markt, Frage und Zeithorizont festlegen
Bestimme zunächst den Vermögenswert, den Hauptzeitrahmen und die Entscheidung, die Du treffen möchtest. Eine konkrete Frage lautet beispielsweise: „Liegt im Tageschart ein intakter Aufwärtstrend vor, in dem ich einen Einstieg für einen mehrwöchigen Swing Trade planen kann?“
2. Relevante Daten auswählen
Nutze nur Informationen, die zur Frage passen. Für einen kurzfristigen Trade können Kurs, Volumen und Volatilität genügen. Für eine längerfristige These können fundamentale Kennzahlen, Nachrichten oder On-Chain-Daten hinzukommen.
Beschreibe, welche Entwicklung Du erwartest und welche Beobachtungen dafür sprechen. Formuliere anschließend ein Gegenszenario. So zwingst Du Dich, nicht nur nach Argumenten für Deine bevorzugte Richtung zu suchen.
4. Handelsplan und Risiko definieren
Lege mögliche Einstiegsbereiche, Kursziele und die Marke fest, an der Deine These ungültig wird. Die Positionsgröße ergibt sich nicht aus Deiner Überzeugung, sondern aus dem maximalen Verlust, den Du für diesen Trade akzeptierst.
Wie Du diese Regeln praktisch umsetzt, lernst Du im Handbuch zum Trading-Risikomanagement.
5. Ergebnis dokumentieren und auswerten
Halte Analyse, Entscheidung und Ergebnis in einem Trading-Tagebuch fest. Prüfe nach dem Trade nicht nur Gewinn oder Verlust, sondern auch, ob Du Deine Regeln eingehalten hast und welche Annahmen richtig oder falsch waren.
Wie lassen sich Analysemethoden kombinieren?
Eine Kombination ist sinnvoll, wenn jede Methode eine klar definierte Aufgabe übernimmt. Ein möglicher Top-down-Prozess sieht so aus:
- Die Fundamentalanalyse ordnet das wirtschaftliche oder projektspezifische Umfeld ein.
- Die On-Chain-Analyse prüft bei Kryptowährungen Netzwerknutzung und Kapitalbewegungen.
- Die Chartanalyse identifiziert Trend, relevante Kurszonen und mögliche Einstiege.
- Das Risikomanagement bestimmt Positionsgröße und maximalen Verlust.
Widersprechen sich die Ergebnisse, musst Du keinen Trade erzwingen. Du kannst abwarten, die Positionsgröße reduzieren oder festlegen, welche Bedingung zuerst erfüllt sein muss. Auch der Verzicht auf einen Trade ist eine valide Entscheidung.
Von der Analyse zum konkreten Trade
Eine Analyse liefert noch keine vollständige Strategie. Eine Strategie legt zusätzlich fest, welche Setups Du handelst, wann Du einsteigst, wann Du aussteigst und wie viel Du riskierst. Im Handbuch zu den Trading-Strategien lernst Du, diese Bestandteile zu einem festen Regelwerk zu verbinden.
Trading-Indikatoren können Deinen Analyseprozess unterstützen. Verwende sie jedoch nur, wenn Du verstehst, welche Daten sie verarbeiten und welche Aussage sie tatsächlich ermöglichen. Mehrere ähnliche Indikatoren erzeugen keine unabhängigen Bestätigungen.
Für die praktische Umsetzung benötigst Du außerdem einen Anbieter, der zu den gehandelten Märkten und Produkten passt. Unser Vergleich der besten Trading-Plattformen hilft Dir, Angebote nach Kosten, Funktionen und Regulierung einzuordnen.
Wenn Du Analysen diskutieren und Fragen stellen möchtest, kannst Du außerdem unserer kostenlosen Trading-Community auf Discord beitreten.
Fazit zur Trading-Analyse
Eine gute Trading-Analyse soll nicht möglichst kompliziert aussehen. Sie soll eine klare Frage beantworten, relevante Daten von unwichtigen Informationen trennen und zu einem überprüfbaren Szenario führen.
Chartanalyse, Fundamentalanalyse und On-Chain-Analyse haben dabei unterschiedliche Aufgaben. Nutze die Methode, die zu Deinem Markt, Deinem Zeithorizont und Deiner Strategie passt. Wenn Du mehrere Ansätze kombinierst, sollte jeder davon eine eindeutige Funktion erfüllen.
Beginne mit einer einfachen Analyse, dokumentiere Deine Annahmen und werte sie regelmäßig aus. So entwickelst Du einen reproduzierbaren Entscheidungsprozess, statt einzelne Signale oder fremde Prognosen nachzuhandeln.
Im Folgenden lernst du nun die einzelnen Arten besser kennen, beginnend bei der Chartanalyse.