Elliott-Wellen: Das Wichtigste in Kürze
- Was sind Elliott-Wellen? Die Elliott-Wellen-Theorie ordnet Kursbewegungen in wiederkehrende Impuls- und Korrekturwellen ein. Sie gehört zur Chartanalyse und basiert auf der Annahme, dass sich kollektives Marktverhalten in ähnlichen Mustern zeigt.
- Wie sieht das Grundmuster aus? Ein vollständiger Zyklus besteht im Grundmodell aus fünf Wellen in Richtung des übergeordneten Trends und einer anschließenden ABC-Korrektur mit drei Wellen.
- Welche drei Regeln gelten? Welle 2 darf nicht über den Ausgangspunkt von Welle 1 hinaus korrigieren, Welle 3 darf nie die kürzeste der Impulswellen sein und Welle 4 darf sich beim klassischen Impuls nicht mit Welle 1 überschneiden.
- Welche Rolle spielt Fibonacci? Fibonacci-Retracements und Extensions helfen, mögliche Rücklaufzonen und Kursziele zu messen. Sie liefern Orientierungsbereiche, aber keine garantierten Wendepunkte.
- Funktionieren Elliott-Wellen zuverlässig? Die Methode kann plausible Marktszenarien strukturieren. Ihre größte Grenze ist der Interpretationsspielraum, denn mehrere regelkonforme Zählungen können gleichzeitig möglich sein.
Du schaust lieber Videos? Auf unserem YouTube-Kanal Trading2Go haben wir ein knapp einstündiges Tutorial zum Thema Elliott-Wellen veröffentlicht. Dort lernst du alle Grundlagen und erhältst Tipps zur Anwendung.
Was ist die Elliott-Wellen-Theorie?
Elliott-Wellen sind eine Methode der Chartanalyse. Du ordnest Hochs, Tiefs und die Richtung einzelner Kursbewegungen in wiederkehrende Muster ein. Daraus entsteht eine Wellenzählung, auch Wave Count genannt. Sie beschreibt, an welcher Stelle eines möglichen Marktzyklus sich der Kurs befinden könnte.
Die Elliott-Wellen-Theorie beschreibt Marktbewegungen als Abfolge von Impuls- und Korrekturwellen. Eine Wellenzählung überträgt dieses Modell auf einen konkreten Chart.
Ralph Nelson Elliott entwickelte den Ansatz in den 1930er-Jahren. In seiner Studie von 1938 nannte er die beobachteten Kursstrukturen The Wave Principle. Das Elliott-Wellen-Prinzip führt die Muster auf den wiederkehrenden Wechsel kollektiver Stimmung zwischen Optimismus und Pessimismus zurück. Die Theorie erklärt damit, woher die angenommenen Wellen stammen, liefert aber noch keine eindeutige Prognose für den nächsten Kursverlauf.
Im Unterschied zu klassischen Trading-Indikatoren ordnen Elliott-Wellen den Chart anhand eines zusammenhängenden Regelwerks ein. Wir verstehen die Methode deshalb vor allem als umfassendes Trading-System mit festen Ausschlussregeln und Richtlinien.
Wie funktionieren Elliott-Wellen?
Um einen konkreten Chart in dieses Modell einzuordnen, bestimmst du zuerst den übergeordneten Trend. Das Grundmodell verbindet eine Impulsfolge aus fünf Wellen mit einer anschließenden Korrektur. In einem Abwärtstrend verlaufen dieselben Strukturen spiegelverkehrt.

Dafür schauen wir uns vier Bausteine der Reihe nach an:
- Impulswellen: die fünf Bewegungen in Richtung des übergeordneten Trends
- ABC-Korrektur: die anschließende Bewegung gegen den vorherigen Impuls
- Korrekturmuster: die Grundformen Zigzag, Flat und Triangle
- Fraktale Struktur: die Verschachtelung der Wellen auf verschiedenen Zeitebenen
Wie verlaufen die fünf Wellen eines Impulses?
Die Wellen 1, 3 und 5 bewegen den Kurs in Richtung des übergeordneten Trends. Die Wellen 2 und 4 unterbrechen diese Bewegung mit vorübergehenden Rückläufen.
- Welle 1 beginnt die mögliche neue Trendbewegung.
Zu diesem Zeitpunkt kann der Anstieg noch wie eine gewöhnliche Erholung im vorherigen Abwärtstrend wirken. - Welle 2 korrigiert einen Teil der ersten Bewegung.
Der Kurs gibt einen Teil des Anstiegs aus Welle 1 wieder ab. Viele Marktteilnehmer rechnen weiterhin mit einer Fortsetzung des alten Abwärtstrends. - Welle 3 setzt den neuen Trend meist besonders deutlich fort.
Mehr Marktteilnehmer erkennen die Richtung, sodass die Bewegung häufig breiter getragen wird. - Welle 4 unterbricht den Trend erneut.
Der Rücklauf oder eine seitliche Bewegung schafft eine Pause vor dem letzten Teil des Impulses. - Welle 5 schließt den angenommenen Impuls ab.
Sie setzt den Trend ein letztes Mal fort und beendet die fünfteilige Folge.

Zusammen bilden die fünf Bewegungen einen Impuls in Richtung des übergeordneten Trends. Mit Welle 5 ist diese Impulsfolge abgeschlossen. Im Grundmodell folgt nun die Korrektur gegen den vorherigen Trend.
Wie funktioniert die ABC-Korrektur?
Diese Korrektur besteht in ihrer einfachen Form aus den Wellen A, B und C.
- Welle A beginnt die Bewegung gegen den bisherigen Trend. Zunächst kann sie wie ein gewöhnlicher Rücklauf innerhalb des alten Trends aussehen.
- Welle B läuft noch einmal in Richtung des vorherigen Impulses. Dadurch kann der Eindruck entstehen, dass sich der alte Trend bereits fortsetzt.
- Welle C nimmt die Korrekturrichtung wieder auf. Sie beendet die einfache ABC-Struktur und führt häufig über das Ende von Welle A hinaus.
Die Buchstaben A, B und C kennzeichnen, an welcher Stelle eine Bewegung innerhalb der Korrektur steht. Wie die einzelnen Wellen aufgebaut sind, hängt vom jeweiligen Korrekturmuster ab. Deshalb sieht nicht jede Korrektur wie ein gleichmäßiges Auf und Ab aus.

Welche Korrekturmuster gibt es?
Für den Einstieg reichen drei Grundformen. Sie helfen dir dabei, eine scharfe Gegenbewegung von einer seitlichen Pause im Trend zu unterscheiden.
- Ein Zigzag verläuft deutlich gegen den vorherigen Trend.
Die innere Struktur wird als 5-3-5 bezeichnet. Das bedeutet, dass sich Welle A und Welle C jeweils in fünf kleinere Wellen und Welle B in drei kleinere Wellen unterteilen. - Ein Flat bewegt sich eher seitwärts.
Seine innere Struktur lautet 3-3-5. Welle B läuft häufig ungefähr bis zum Ausgangspunkt von Welle A zurück, bevor Welle C die Korrektur abschließt. - Ein Triangle besteht aus den Wellen A bis E.
Die fünf Bewegungen überschneiden sich und verlaufen meist seitwärts. Bei einem zusammenlaufenden Triangle werden die Ausschläge nach und nach kleiner.
Die Zahlenfolgen beschreiben nur die Unterwellen innerhalb des jeweiligen Musters. Du musst diese feine Ebene am Anfang noch nicht vollständig zählen. Wichtiger ist, dass du die Form der Korrektur erkennst und sie nicht mit einem neuen fünfteiligen Impuls verwechselst. Komplexe Kombinationen wie WXY oder WXYXZ bauen auf diesen Grundformen auf.
Was bedeutet die fraktale Struktur?
Jede Impuls- oder Korrekturwelle kann selbst aus kleineren Wellen bestehen. Gleichzeitig bildet sie nur einen Teil einer größeren Struktur. Die Elliott-Wellen wiederholen ihr Grundmuster dadurch auf mehreren Größenebenen. Diese Größen heißen Wellenebenen oder Wave Degrees.
| Größenbereich | Wellenebenen von groß nach klein | Bedeutung |
|---|---|---|
| Große Ebenen | Grand Supercycle, Supercycle, Cycle | Bilden sehr große, übergeordnete Marktbewegungen ab |
| Mittlere Ebenen | Primary, Intermediate, Minor | Unterteilen größere Trends in einzelne Marktphasen |
| Kleine Ebenen | Minute, Minuette, Subminuette | Beschreiben die feineren Unterwellen innerhalb einer Bewegung |
Die Bezeichnungen geben keine feste Dauer vor. Sie ordnen die Wellen ausschließlich relativ zueinander ein: Eine Primary-Welle kann Intermediate-Wellen enthalten, die sich wiederum in Minor-Wellen gliedern. Lege deshalb vor der Analyse den Zeitrahmen fest und bleibe bei einer Wellenebene. Sonst vermischst du leicht Strukturen verschiedener Größe.
Welche Elliott-Wellen-Regeln gibt es?
Sobald du auf der gewählten Zeitebene einen möglichen Impuls gezählt hast, prüfst du ihn an drei festen Regeln. Verletzt die Zählung eine davon, solltest du den Wave Count verwerfen oder neu ansetzen.
- Welle 2 korrigiert höchstens bis zum Ausgangspunkt von Welle 1.
In einem Aufwärtsimpuls darf Welle 2 also nicht unter den Startkurs von Welle 1 fallen. Geschieht das trotzdem, war die angenommene Welle 1 kein gültiger Beginn dieses Impulses. - Welle 3 ist nie die kürzeste der Wellen 1, 3 und 5.
Welle 3 muss außerdem über das Ende von Welle 1 hinauslaufen. Ihre endgültige Länge kannst du erst beurteilen, sobald auch Welle 5 erkennbar ist. - Welle 4 überschneidet sich beim Impuls nicht mit Welle 1.
In einem Aufwärtsimpuls bleibt das Tief von Welle 4 oberhalb des Hochs von Welle 1. Eine Überschneidung spricht gegen den angenommenen klassischen Impuls.
Daneben gibt es Richtlinien. Häufig korrigiert Welle 2 tiefer als Welle 4, Welle 3 zeigt eine starke Dynamik und Welle 5 verliert gegenüber Welle 3 an Kraft. Solche Merkmale können eine Zählung stützen. Sie sind keine Bedingungen, die in jedem Chart erfüllt sein müssen.
Als Anfänger solltest du die beiden Kategorien deshalb nicht gleich gewichten. Regeln schließen eine Zählung aus. Richtlinien helfen dir nur dabei, zwischen mehreren zulässigen Zählungen abzuwägen.
Welche Rolle spielt Fibonacci bei Elliott-Wellen?
Erfüllt eine Zählung die drei Regeln, kannst du die Länge einzelner Wellen mit Fibonacci-Verhältnissen vergleichen. Dafür kommen vor allem Fibonacci-Retracements und Extensions zum Einsatz.
- Retracements messen Rückläufe.
Für Welle 2 oder Welle 4 prüfen Analysten häufig Bereiche wie 38,2 Prozent, 50 Prozent oder 61,8 Prozent der vorherigen Bewegung. - Extensions messen Fortsetzungen.
Für eine mögliche Welle 3 oder Welle 5 dienen unter anderem 100 Prozent und 161,8 Prozent einer früheren Welle als Orientierungsmarken.
Diese Verhältnisse berechnen keine Welle automatisch. Sie helfen dir, eine bereits erkannte Struktur zu vermessen. Berührt der Kurs ein Fibonacci-Level, bestätigt das allein weder einen Wendepunkt noch einen vollständigen Wave-Count.

Ein einfaches Zahlenbeispiel macht die Messung greifbarer. Angenommen, eine mögliche Welle 1 steigt von 50.000 auf 60.000 US-Dollar. Die Bewegung ist damit 10.000 US-Dollar lang. Ein Rücklauf um 50 Prozent läge bei 55.000 US-Dollar, ein Rücklauf um 61,8 Prozent bei 53.820 US-Dollar. Diese Marken bilden mögliche Bereiche für Welle 2. Sie sagen noch nicht voraus, dass der Kurs dort tatsächlich dreht.
Für eine Extension misst du ebenfalls die Länge einer abgeschlossenen Welle und projizierst sie vom Ende der Korrektur aus in Trendrichtung. Endet Welle 2 im Beispiel bei 55.000 US-Dollar, entspräche eine Extension von 161,8 Prozent der ersten Welle einem möglichen Kursbereich um 71.180 US-Dollar. In der Praxis arbeitest du besser mit Zonen als mit einer einzelnen exakten Marke. So bleibt sichtbar, dass Fibonacci eine Orientierung für dein Szenario liefert und kein festes Kursziel verspricht.
Einfach gesagt: Die drei Elliott-Wellen-Regeln entscheiden, ob ein Impuls gültig sein kann. Fibonacci zeigt dir mögliche Zonen, in denen sich die nächste Welle entwickeln könnte.
Elliott-Wellen-Analyse lernen: So gehst du vor
Wenn du Elliott-Wellen lernen möchtest, brauchst du neben Regeln und Fibonacci einen festen Analyseablauf. Er hilft dir, einen Wave Count nachvollziehbar aufzubauen und Fehler später gezielt auszuwerten.
Wie lernst du die Elliott-Wellen-Analyse?
- Wähle Markt und Zeitrahmen.
Du kannst Elliott-Wellen auf den Charts verschiedener Märkte untersuchen, zum Beispiel bei Bitcoin, dem DAX, einzelnen Aktien, Devisen oder Rohstoffen. Öffne einen übersichtlichen Kerzenchart und entscheide, ob du zum Beispiel den Stunden- oder Tageschart untersuchst. Bleibe während der ersten Zählung auf dieser Ebene. - Markiere eine klare Trendbewegung.
Suche eine gut erkennbare Folge höherer Hochs und höherer Tiefs oder das umgekehrte Muster in einem Abwärtstrend. Beginne mit einer bereits weitgehend abgeschlossenen Struktur, weil sich die Wendepunkte dort leichter prüfen lassen. - Zähle fünf mögliche Impulswellen.
Beschrifte die Bewegungen mit 1 bis 5 und prüfe anschließend jede der drei festen Regeln. Verwirf die Zählung , wenn eine Regel verletzt ist. - Suche nach einer anschließenden ABC-Korrektur.
Markiere nach dem Impuls die Bewegungen gegen den vorherigen Trend. Prüfe, ob die Korrektur als Zigzag oder Flat aus A, B und C besteht oder als Triangle bis Welle E weiterläuft. - Formuliere Hauptszenario und Alternative.
Wähle die Zählung als Hauptszenario, die neben den festen Regeln auch die meisten Richtlinien erfüllt. Halte mindestens eine zulässige Alternative fest, damit du neue Kursbewegungen nicht in eine einzige Annahme pressen musst. - Lege die Ungültigkeitsmarken fest.
Notiere für beide Zählungen den Kurs, der sie widerlegt. Leite erst danach einen möglichen Einstieg, einen Stop-Loss und die Positionsgröße aus deinem Trading-Risikomanagement ab. Speichere den Chart mit Datum und Zeitrahmen, damit du später nachvollziehen kannst, weshalb du dich für die Zählung entschieden hast.
Welche Tipps helfen dir beim Lernen von Elliott-Wellen?
- Nutze historische Charts im Wiedergabemodus.
Halte den Chart an einem früheren Zeitpunkt an und erstelle deine Zählung, ohne die folgenden Kerzen zu sehen. Blende den weiteren Verlauf schrittweise ein und prüfe, wann dein Szenario bestätigt oder ungültig wird. - Begrenze anfangs die Komplexität.
Konzentriere dich auf das 5-3-Grundmodell, die drei Regeln und grundlegende Korrekturen. Seltene Kombinationen wie WXY oder WXYXZ ergänzt du erst, wenn du einfache Impulswellen und ABC-Korrekturen sicher erkennst. - Bewerte deinen Ablauf statt nur das Ergebnis.
Prüfe nach jeder Übung, ob du die Regeln eingehalten, eine Alternative notiert und die Ungültigkeitsmarke vorab festgelegt hast. Eine falsche Erwartung mit sauberer Wellenzählung liefert dir mehr Lernwert als ein zufällig richtiges Kursziel.
Elliott-Wellen bei Bitcoin: Ein Beispiel
Ein realer Chart macht deutlicher als eine Reihe beispielhafter Kursmarken, wie eine Wellenzählung in der Praxis aussieht. Der folgende Screenshot stammt aus einer Bitcoin-Analyse von Trading2Go, dem Trading-Kanal von Bitcoin2Go. Er zeigt einen historischen Analysezeitpunkt und ist keine aktuelle Kursprognose.

Die Aufwärtsbewegung nach dem Bitcoin-Tief Ende 2022 wird im Chart in mehrere Wellen unterteilt. Römische Ziffern wie i, ii und iv markieren kleinere Unterwellen innerhalb der größeren Bewegung. Dadurch wird die fraktale Struktur praktisch sichtbar: Eine übergeordnete Welle kann selbst aus mehreren kleineren Impuls- und Korrekturwellen bestehen.
Auf der rechten Seite skizziert der Chart mit A, B und C einen möglichen Korrekturverlauf und mehrere Kurszonen. Diese Einzeichnung ist ein Szenario, aber kein festes Kursziel. Neue Kursbewegungen können die Zählung bestätigen, verändern oder ungültig machen. Deshalb prüfen Analysten fortlaufend, ob die Wellenregeln weiterhin erfüllt sind und welche alternative Zählung den Verlauf ebenfalls erklären könnte.
Auf unserem Trading-Kanal Trading2Go übertragen wir die theoretische Methode auf reale Märkte. Die Videos ergänzen diese Lektion um drei praktische Perspektiven:
- Praxisnahe Elliott-Wellen-Analysen:
Wir erklären die Einzeichnungen direkt am Chart und begründen, warum ein Szenario plausibel ist. - Aktuelle Marktbeispiele:
Du siehst die Methode an aktuellen Kursentwicklungen verschiedener Kryptowährungen und Aktien. - Fortlaufende Einordnung:
Wir zeigen, wie neue Kursdaten einen Wave-Count bestätigen, verändern oder ungültig machen.
Wenn du die Methode in weiteren Charts sehen möchtest, findest du die Videos auf unserem Trading-Kanal. Für Fragen und den Austausch über aktuelle Analysen kannst du unseren Discord nutzen.
Welche Tools helfen bei der Elliott-Wellen-Analyse?
Für Elliott-Wellen brauchst du vor allem eine Charting-Plattform mit passenden Zeichenwerkzeugen. TradingView bündelt die wichtigsten Funktionen für eine manuelle und automatische Wellenanalyse in einem Chart. Die TradingView-Dokumentation zu Elliott-Wellen beschreibt folgende Werkzeuge:
| TradingView-Werkzeug | Nutzen für Elliott-Wellen |
|---|---|
| Impuls- und Korrekturwellen | Markiert die Folgen 1 bis 5 und A bis C direkt im Chart |
| Triangle und Kombinationen | Zeichnet ABCDE, WXY und WXYXZ für komplexere Korrekturen |
| Elliott-Wellen-Indikator | Sucht automatisch nach Impulsen und Zigzags |
| Fibonacci-Retracement | Misst mögliche Korrekturverhältnisse einer Bewegung |
| Trendbasierte Fibonacci-Extension | Projiziert mögliche Kursbereiche nach einer Korrektur |
Aus unserer Sicht ist TradingView für Anfänger besonders passend, weil du deine Zählung zuerst manuell einzeichnen und anschließend mit dem Indikator vergleichen kannst. Einen Elliott-Wellen-Rechner mit eindeutigem Ergebnis ersetzt die Plattform nicht. Der Indikator berechnet seine Muster mit neuen Kursdaten erneut. Nutze ihn deshalb als zweite Meinung und prüfe jeden Wave Count selbst anhand der drei Regeln.
Unser Überblick zu Trading-Tools zeigt dir weitere Lösungen für Chartanalyse und Planung.
Vorteile, Risiken & Grenzen von Elliott-Wellen
Zeichenwerkzeuge erleichtern die Wellenzählung. Der Interpretationsspielraum der Methode bleibt bestehen. Elliott-Wellen können dabei helfen, einen unübersichtlichen Chart in prüfbare Szenarien zu gliedern.
Die festen Ausschlussregeln zwingen dich dazu, den betrachteten Trend sowie den Zeitrahmen klar zu benennen. Eine garantierte Prognose oder eine allgemein belastbare Trefferquote liefern sie aber nicht.
- Klare Struktur für Marktszenarien
- Drei feste Regeln für Impulswellen
- Auf mehreren Zeitebenen anwendbar
- Mit Fibonacci kombinierbar
- Großer Interpretationsspielraum
- Mehrere plausible Zählungen möglich
- Im Rückblick leichter zu erkennen
- Hoher Lernaufwand bei Korrekturen
Aus unserer Sicht wiegt die subjektive Wellenzählung am schwersten. Derselbe Chart kann zu unterschiedlichen, regelkonformen Ergebnissen führen.
Eine Studie in Resources Policy prüfte das Elliott-Wellen-Prinzip mit einer Monte-Carlo-Simulation auf Gold, Silber, Kupfer und einem Metallpreisindex. Für diese Rohstoffzyklen erwies sich das Modell nicht als starker Analyseansatz. Die Autoren sahen mögliche Einflüsse der Massenpsychologie, aber keine belegte Ursache-Wirkungs-Beziehung.
Das Ergebnis lässt sich nicht direkt auf Bitcoin übertragen. Es zeigt aber, weshalb eine Trefferquote nur zusammen mit Markt, Zeitraum und Regeln aussagekräftig ist.
Im Rückblick wirken viele Wendepunkte eindeutig, weil du den weiteren Kursverlauf bereits kennst. In Echtzeit fehlt diese Information. Eine vermeintlich abgeschlossene Welle kann sich fortsetzen, eine Korrektur kann komplexer werden und eine bisher bevorzugte Zählung kann ihren Platz mit der Alternative tauschen. Das ist kein seltener Sonderfall, sondern Teil der Arbeit mit der Methode.
Nutze einen Wave Count deshalb als bedingtes Szenario. Halte vor dem Einstieg fest, welche Kursmarke deine Annahme widerlegt. Dokumentiere außerdem alternative Zählungen. So verringerst du das Risiko, einen Chart nachträglich an deine ursprüngliche Meinung anzupassen. Unser Beitrag zur Trading-Psychologie erklärt, wie solche Bestätigungsfehler entstehen.
Unser Fazit zur Elliott-Wellen-Theorie
Elliott-Wellen bieten ein umfangreiches Modell, um Trends und Korrekturen strukturiert zu beschreiben. Für Anfänger liegt der größte Nutzen in den drei festen Regeln und der klaren Trennung zwischen Impuls und Korrektur. Verlässliche Prognosen entstehen daraus noch nicht, denn der Wave Count bleibt eine Interpretation des Charts.
- Das Grundmodell verbindet fünf Impulswellen mit einer dreiteiligen ABC-Korrektur.
- Die drei Impulsregeln zeigen, wann du eine Wellenzählung verwerfen solltest.
- Fibonacci-Verhältnisse helfen beim Vermessen möglicher Rückläufe und Fortsetzungen.
- Jede Wellenzählung braucht einen festen Zeitrahmen und eine alternative Zählung.
- Die größte Grenze bleibt der Interpretationsspielraum in Echtzeit.
Beginne mit historischen Charts und prüfe jede Zählung konsequent an den drei Regeln. Wenn du dein Szenario und seine Ungültigkeitsmarke klar benennen kannst, eignet es sich als Baustein einer Handelsentscheidung. Unser Überblick zur Trading-Analyse ordnet weitere Analysemethoden ein und zeigt, welche Fragen sie beantworten.
Häufige Fragen zu Elliott-Wellen
Hier beantworten wir häufig gesuchte Fragen zur Elliott-Wellen-Theorie, ihren Regeln und ihrer Anwendung.
-
Was sind Elliott-Wellen einfach erklärt?
Elliott-Wellen teilen Kursbewegungen in wiederkehrende Trend- und Korrekturphasen ein. Das Grundmodell besteht aus fünf Wellen in Richtung des größeren Trends und einer anschließenden ABC-Korrektur mit drei Wellen. -
Welche drei Regeln gelten bei Elliott-Wellen?
Welle 2 darf nicht über den Ausgangspunkt von Welle 1 hinaus korrigieren. Welle 3 darf nie die kürzeste der Wellen 1, 3 und 5 sein. Welle 4 darf sich beim klassischen Impuls nicht mit Welle 1 überschneiden. Verletzt eine Zählung eine dieser Regeln, ist der angenommene Impuls ungültig. -
Lassen sich Elliott-Wellen beim DAX anwenden?
Ja, du kannst das Elliott-Wellen-Modell auch auf den DAX-Chart übertragen. Die Regeln bleiben dieselben: Lege zuerst einen Zeitrahmen fest, suche nach Impuls und Korrektur und bestimme die Kursmarke, an der deine Wellenzählung ungültig wird. Der Wave Count beschreibt dabei ein mögliches Szenario und ist keine verlässliche DAX-Prognose. -
Wie hoch ist die Trefferquote der Elliott-Wellen?
Eine allgemein belastbare Trefferquote gibt es nicht. Das Ergebnis hängt unter anderem vom Markt, Zeitrahmen, Regelwerk und der konkreten Wellenzählung ab, weshalb mehrere Analysen nur mit denselben Bedingungen sinnvoll vergleichbar sind. -
Wie kann ich Elliott-Wellen lernen?
Beginne mit dem 5-3-Grundmodell und den drei Regeln für Impulswellen. Übe anschließend an abgeschlossenen historischen Kursbewegungen, notiere alternative Zählungen und ergänze komplexe Korrekturmuster erst später. -
Gibt es einen Elliott-Wellen-Rechner?
Chartplattformen können Wendepunkte erkennen und mögliche Wellen automatisch markieren. Da die Auswahl der relevanten Hochs, Tiefs und Zeitebenen Interpretationsspielraum lässt, solltest du das Ergebnis immer manuell anhand der drei Regeln prüfen.
