Die Europäische Zentralbank (EZB) hat beschlossen, ein 24-monatiges Projekt für eine digitale Zentralbankwährung (CBDC) zu starten. Damit soll das Potential eines digitalen Euros untersucht werden. Bis zur Einführung wird es aber dann noch eine Weile dauern.

In Zeiten, in denen die Bitcoin-Adoption immer weiter voran schreitet, will auch die Europäische Zentralbank am Ball bleiben. Am 14. Juli 2021 hat der Rat der EZB nun bekannt gegeben, die Untersuchungsphase eines digitalen-Euro-Projektes zu starten. Das ist ein wichtiger Schritt, der zur Ausgabe einer CBDC in der Eurozone führen könnte.

Digitaler Euro soll Bargeld ergänzen – nicht ersetzen

Die Ankündigung markiert den Beginn eines zweijährigen Untersuchungsprozesses. In dieser Zeit wird die EZB daran arbeiten, ein funktionales CBDC-Design zu entwickeln. Gleichzeitig will die Zentralbank sich mit Fragen zu den Auswirkungen eines digitalen Euros auf die Geldpolitik, Finanzstabilität und eventuelle illegale Aktivitäten befassen.

Christine Lagarde, EZB-Präsidentin, hat entschieden, dass die Zeit reif ist, das Projekt „digitaler Euro“ zu starten. Das Projekt soll sich darauf konzentrieren, sicherzustellen, dass digitale Zahlungen weiterhin in den Zuständigkeitsbereich der Zentralbanken fallen. Damit soll vermieden werden, dass der digitale Zahlungsverkehr gänzlich dem privaten Sektor überlassen werde. Die EZB wies außerdem darauf hin, dass der digitale Euro das Bargeld ergänzen und nicht ersetzen solle.

Unsere Arbeit zielt darauf ab, sicherzustellen, dass Bürger und Unternehmen auch im digitalen Zeitalter Zugang zur sichersten Form des Geldes, dem Zentralbankgeld, haben.

Lesetipp: Apple kauft BTC für 2,5 Mrd. USD? Die Ungewissheit im Bitcoin Kurs

Die Reise der Europäischen Zentralbank zur CBDC ist lang

Die EZB diskutiert schon nun seit mehreren Jahren über die mögliche Ausgabe des digitalen Euros. Im Januar 2021 arbeiteten die Europäische Kommission und die EZB bereits zusammen, um die potentiellen Probleme zu bewerten, die durch einen digitalen Euro entstehen könnten. Der Schutz der Privatsphäre ist eine der Hauptsorgen in Bezug auf CBDC. Regierungen kämpfen damit, ein Gleichgewicht zwischen der Verhinderung illegaler Finanzaktivitäten und der Wahrung von Vertraulichkeit zu finden.

Nichtsdestotrotz will sich die EZB, laut Lagarde, den Problemen stellen, die ohne eine CBDC auf die Zentralbank zukommen könnten. Für Lagarde besteht so nämlich das Risiko, dass private digitale Währungen, wie Bitcoin oder Stablecoins, weiter dominieren. In einem solchen Szenario würde es für die EZB schwieriger werden, die Geldpolitik in Europa zu kontrollieren und die Finanzstabilität aufrecht zu erhalten.

Die Zahlungsinfrastrukturen werden zunehmend von großen globalen Unternehmen wie Visa, Mastercard oder Big Tech dominiert. Die Europäische Zentralbank ist hier aber bestrebt, eher einheimische Zahlungsinfrastrukturen zu fördern.

Ein digitaler Euro hätte erheblichen Einfluss auf die europäische und globale Wirtschaft. Der Euro ist die am zweithäufigsten gehandelte Währung nach dem US-Dollar. Außerdem ist er die offizielle Währung von 19 der 27 Mitgliedstaaten der Europäischen Union – mit über 26 Mrd. Euro-Banknoten im Umlauf.

EZB muss im Rennen um CBDC aufholen

Dennoch wächst die Konkurrenz auf der ganzen Welt. Im Jahr 2020 führten die Bahamas die erste CBDC, den Sand Dollar, ein. Auch die People‘s Band of China arbeitet seit 2014 an einem digitalen Yuan – und führt damit eines der fortschrittlichsten Programme der Welt durch.

China führte bereits reale Tests durch und gab Anfang der Woche bekannt, dass 10 Mio. chinesische Bürger berechtigt sein, an Versuchen mit dem digitalen Yuan im Einzelhandel teilzunehmen.

Ähnlich wie andere Zentralbanken und politische Entscheidungsträger in den USA, scheint auch Lagarde kein Gefühl von Dringlichkeit zu verspüren, wenn es darum geht, die erste große Wirtschaftsmacht zu sein, die eine CBDC einführt. Es macht aber den Eindruck, dass sie eine digitale Zentralbankwährung mittlerweile als Zukunft des europäischen Zahlungssystems anerkennt.