Aller Voraussicht nach wird es spätestens Ende 2022 bei Ethereum so weit sein, dass die Blockchain im Zuge des Ethereum 2.0-Upgrades vollständig auf den Proof-of-Stake-Konsensmechanismus übergeht.

Statt eines aufwendigen Mining-Prozesses mit spezieller Hardware sollen in Zukunft Validatoren das Netzwerk von Ethereum aufrechterhalten. Dabei kannst auch Du ganz einfach mit Deinem Rechner oder Laptop mit dem Staken von ETH beginnen und damit zur Sicherheit des Netzwerkes beitragen. Doch wie funktioniert Ethereum Staking überhaupt?

Wenn Du Dich umfassend zum Staking-Verfahren bei Ethereum informierten willst und vielleicht sogar daran interessierst bist, selbst ETH zu staken, kannst Du diesen Artikel ideal für den Einstieg nutzen.

In diesem Artikel beantworten wir folgende Fragen:
  • Was ist (Ethereum) Staking?
  • Warum Staking?
  • Was sind die Vor- und Nachteile von Staking?
  • Wie hoch sind die Renditen beim Staking?
  • Wie kann ich Ethereum (ETH) staken?
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Was ist Ethereum Staking?

Bevor wir auf Ethereum Staking eingehen, möchten wir Dir einen kurzen Überblick zum Staking selbst geben.

Staking basiert auf dem Proof-of-Stake-Konsensmechanismus (Einsatznachweis). Durch einen Einsatz soll also nachgewiesen werden, dass es sich um eine echte Transaktion handelt, die sicher ist. Transaktionen werden hierzu in Blöcken zusammengefasst.

Für die Validierung neuer Blöcke werden also einfach bestehende Blöcke genutzt. Da die Blöcke zusammen eine Kette bilden, können die einzelnen Transaktionen ganz einfach verifiziert werden - Manipulationen sind ebenfalls ausgeschlossen, da immer nur an die Kette angehängt werden kann.

Welcher der bestehenden Blöcke nun einen neuen Block validiert, ist allerdings einem Zufallsprinzip überlassen. Da es sich um einen gewichteten Algorithmus handelt, ist es umso wahrscheinlicher, dass die Nutzer einen Block validieren, die mehr Ether (ETH) in der Wallet besitzen.

Ganz einfach ausgedrückt: Indem Du Deine Coins in Deinem Wallet „sperrst“ und das Wallet in der Zeit online ist, verdienst Du Zinsen in Form der jeweiligen Kryptowährung. Deine gelockten Coins werden für das Verifizieren neuer Blöcke bzw. Transaktionen benötigt. Je mehr Coins Du besitzt, umso mehr Coins erhältst Du als Reward.

Was ist mit den Steuern beim Staking?

Beachte jedoch unbedingt die steuerliche Handhabung in diesem Fall. Die Spekulations- bzw. Haltefrist erhöht sich in diesem Fall von einem auf zehn Jahre.

Ethereum Staking: Wieso plötzlich Proof of Stake?

Wir wissen nun, was Staking ist. Doch wieso haben sich die Entwickler nach Jahren dazu entschlossen, vom Proof-of-Work-Algorithmus (Pow) auf Proof-of-Stake (PoS) zu wechseln? Schließlich ist Ethereum ja weiterhin die zweitgrößte Kryptowährung auf dem Markt – keine Plattform wird mehr für dezentrale Anwendungen (dApps) genutzt.

So schlecht kann es also nicht funktioniert haben. Das stimmt so weit tatsächlich alles. Wir nennen Dir im Folgenden drei Gründe, wieso sich Ethereum für den Wechsel auf das Proof-of-Stake-Verfahren entschieden hat.

Die Gebührenstruktur ist problematisch

Dennoch hat sich im Laufe der Jahre gezeigt, dass das Ethereum-Netzwerk nicht dafür ausgelegt ist, so viele Transaktionen zu bearbeiten. Seit Jahren steigen die Gebühren an – ein Ende ist zumindest mit dem aktuellen PoW-Algorithmus nicht in Sicht.

Es werden immer mehr Non-Fungible-Token (NFT) erstellt und institutionelle Anleger erkennen den Nutzen von Decentralized Finance (DeFi). Wenn sich Ethereum im Massenmarkt etablieren möchte, geht dies nur mit einer besseren Gebührenstruktur.

Ein gutes Beispiel hierfür ist Yield Farming. Beim Ausführen von Yield Farming Protokollen sind die Gebühren teilweise höher als die Zinsen, die die Kreditgeber erhalten. Dass sich dezentrale Protokolle erst bei sehr hohen Summen auszahlen, entspricht nicht dem angestrebten Wunsch einer dezentralen Wirtschaft.

Ethereum wird durch Staking noch dezentraler

Für das Mining ist die Nutzung von spezieller und sehr teurer Hardware notwendig. Um am Mining-Prozess teilhaben zu können, ist also vorab eine große Investition nötig.

Staking ist jedoch, zumindest hardwaretechnisch, auch für den durchschnittlichen Nutzer möglich. Du brauchst also keinen Computer mit technisch besonders herausragenden Eigenschaften. Dein einfacher Laptop (mit ausreichend Speicherplatz) reicht vollkommen aus.

Da Staking auch ohne die Anschaffung teurer Hardware nötig ist, können theoretisch mehr Nutzer am Staking teilnehmen. Dies fördert die Dezentralität. Ein Gegenargument ist jedoch die Konzentration von Vermögen durch den erhaltenen Stake, was wiederum Dezentralität reduziert.

Bessere Umweltbilanz durch Proof-of-Stake

Einer der Hauptgründe für den Konsenswechsel ist zudem die drastische Reduzierung des Energiebedarfs. Das Team erwartet einen Rückgang des Energieverbrauches um rund 99,95 Prozent.

Du siehst also, dass es durchaus Gründe für den Wechsel von PoW auf PoS gibt. Zudem legt PoS auch den Grundstein für Shard Chains.

Ziel ist der Aufbau von mehreren parallellaufenden Chains, um die Transaktionslast effizient zu teilen.

In Kombination mit einer Second-Layer-Lösung, den sogenannten "Rollups", könnten diese Sharding-Ketten Ethereum in die Lage versetzen, bis zu 100.000 Transaktionen pro Sekunde zu verarbeiten - aktuell sind es 15.

Ethereum Staking: Wie funktioniert es?

Wir kennen nun die Gründe für den Wechsel auf Proof-of-Stake. Nun möchten wir Dir zeigen, wie das Staking bei Ethereum 2.0 genau funktioniert. Wichtig ist es, vorab zu wissen, dass Du für das Staking mindestens 32 ETH benötigst.

Epochen

Im Gegensatz zur PoW-basierten Blockchain bündelt die PoS-betriebene Blockchain 32 Transaktionsblöcke, während jeder Validierungsrunde, die im Durchschnitt 6,4 Minuten dauert.

Diese Blockbündel bezeichnen wir als „Epochen“. Eine Epoche gilt als abgeschlossen, wenn die Blockchain zwei weitere Epochen anfügt. Dadurch sind Transaktionen unumkehrbar, da stets nur an das Ende etwas hinzugefügt werden kann.

Attestierung

Zunächst gibt es den sogenannten Attestierungsprozess. Hierbei gruppiert die Beacon Chin die Staker nach dem Zufallsprinzip in Gruppen bzw. Komitees von 128 und weist sie einem bestimmten Shard-Block zu.

Jede Gruppe hat eine festgelegte Zeit für das Vorschlagen eines neuen Blocks und die Validierung der darin enthaltenen Transaktionen, einen sogenannten Slot. In jeder Epoche gibt es 32 Slots. Also sind 32 der oben vorgestellten Gruppen erforderlich, um den Validierungsprozess in jeder Epoche abzuschließen.

Sobald eine Gruppe einem Block zugewiesen ist, erhält ein zufälliges Mitglied das alleinige Recht, einen neuen Block von Transaktionen vorzuschlagen, während die übrigen 127 Mitglieder über den Vorschlag abstimmen und die Transaktionen bestätigen.

Sobald eine Mehrheit des Komitees den neuen Block bestätigt hat, wird er der Blockchain hinzugefügt und ein "Cross-Link" wird erstellt, um seine Einfügung zu bestätigen. Erst dann erhält der Staker, der für den Vorschlag des neuen Blocks ausgewählt wurde, seine Belohnung.

Wie wird dies realisiert?

Ethereum hat das Staking im Zuge des ETH 2.0-Upgrades am 1. Dezember 2020 mit der Beacon Chain eingeführt. So laufen aktuell das Mainnet und die Beacon Chain parallel zueinander. Im Zuge des Upgrades sollen die neuen Chains jedoch an die bisherige angedockt werden. Ohne zu sehr auf das Ethereum-Upgrade eingehen zu wollen, nehmen wir zum Abschluss noch die offizielle Erklärung für das Ethereum Staking von der offiziellen Webseite:

“Staking bezeichnet das Hinterlegen von 32 ETH zur Aktivierung der Validator-Software. Als Validator wirst du für Datenspeicherung, die Verarbeitung von Transaktionen und das Hinzufügen neuer Blocks zur Blockchain verantwortlich sein."

Das hält Ethereum sicher für alle und du kannst die dabei neues ETH verdienen. Dieser Prozess, genannt proof-of-stake, wird durch die Beacon Chain eingeführt.

Ethereum Staking: So kannst Du ETH staken

Genug von der Theorie. Wenn Du damit starten möchtest, Ethereum zu staken, nennen wir Dir nun die zwei Möglichkeiten, die dafür in Frage kommen.

Möglichkeit 1: ETH selbst staken

Wenn Du im neuen Ethereum-Netzwerk staken möchtest, ist es notwendig, dass Du einen Staking Node einrichtest, auf dem Ethereum 1.0- und Ethereum 2.0-Clients laufen.

Bei Ethereum-Clients handelt es sich um Software, die es Knoten ermöglicht, mit dem Ethereum-Netzwerk zu interagieren.

Zu den kompatiblen Software-Clients für Staking Nodes gehören:

  • Prysm
  • Nimbus
  • Teku
  • Lighthouse
  • Lodestar

Du kannst Staking prinzipiell mit Deinem Computer starten. Wichtig ist in diesem Fall, dass dieser genügend freien Speicherplatz besitzt, damit Du beide Ethereum-Blockchains (die neue sowie die alte) herunterladen kannst,

Ethereum 1.0 enthält bereits rund 900 Gigabyte an Daten und wächst mit einer Rate von etwa 1 GB pro Tag.

Von den Staking-Teilnehmern wird zudem erwartet, dass sie ihre Knoten rund um die Uhr mit der Blockchain verbunden halten. Du solltest daher über eine gute und unterbrechungsfreie Internetverbindung verfügen.

Anschließend sendest Du nach der Installation der Validator-Software 32 ETH an die Ethereum Staking Contract-Adresse.

Nun sind Deine ETH an dieser Adresse hinterlegt und gesperrt. Du generierst letztendlich zwei Schlüssel. Einen benötigst Du zum Signieren und Validieren von Transaktionsblöcken und den zweiten Schlüssel, um Deine ETH wieder abzuheben.

Achtung: Bis zum endgültigen Merge zwischen Eth 1.0 und Eth 2.0 kannst Du den Abhebungsschlüssel nicht erstellen. Voraussichtlich wird dies erst ab Ende 2o22 möglich.

Besuche vor dem Start unbedingt das ETH 2.0 Launchpad und folge den dortigen Anweisungen, wenn Du dich dazu entschließen solltest, 32 ETH zu versenden.

Möglichkeit 2: Staking-Pool

Du merkst, es handelt sich hierbei um einen langwierigen und komplizierten Prozess. Zudem ist der Einstiegspunkt mit 32 ETH aufgrund des aktuellen Kurses von rund 4.500 US-Dollar pro Ether (November 2021) ziemlich hoch angesetzt.

Die deutlich einfachere Methode, die auch für deutlich mehr Anleger infrage kommt, ist das Ethereum Staking durch einen Staking Pool. Hierbei handelt es sich um einen Zusammenschluss vieler Kleinanleger, die so auch mit geringen Mengen an Eth von den Staking-Ausschüttungen profitieren können.

Welche Staking Pools es gibt, ist in der folgenden Liste zusammengestellt.

Auch die großen Krypto-Börsen wie Coinbase bieten heutzutage an, dass Du Deine ETH 1.0 in ETH 2.0 "umwandelst", um an einem Staking-Pool teilzunehmen. Coinbase verspricht Dir dabei Zinsen in Höhe von fünf Prozent. Dabei werden die vorhandenen Risiken oftmals etwas minimiert (zu den Risiken kommen wir im folgenden Abschnitt).

Welche Risiken birgt Ethereum Staking?

Wenn es einen potenziellen Gewinn gibt, gibt es stets ein Risiko, an das Du denken solltest. So beschreibt Ethereum selbst die Risiken beim Ethereum Staking.

Obwohl Du Belohnungen für Arbeit bekommen kannst, die dem Netzwerk zugute kommt, kannst Du auch ETH verlieren, etwa für böswillige Taten, offline gehen und Versagen bei der Validierung.

Was das bedeutet, schauen wir uns nun genauer an.

Risiken durch Strafen beim Ethereum Staking

Mit der Zahlung von 32 ETH bestätigst Du, ein Validator zu sein. Gleichzeitig bietet sie dem Netzwerk die Möglichkeit, böswillige Validierer zu bestrafen, wenn diese beispielsweise die Gültigkeit der Ethereum-Blockchain untergraben - auch unabsichtlich.

Wann immer die Blockchain Unstimmigkeiten in den Aktivitäten der Validatoren feststellt, wird sie die eingesetzten Gelder der Schuldigen "slashen".

Slashing ist der Begriff, der verwendet wird, wenn ein Ethereum 2.0-Validierer absichtlich gegen die Netzwerkregeln verstößt und gewaltsam entfernt wird. Ein Teil der eingesetzten ETH wird ebenfalls als Strafe entfernt.

Du kannst beim Slashing sogar Deine gesamten 32 ETH verlieren

Ebenso werden Offline-Validierungsknoten mit kleineren Strafen belegt, um sie zu ermutigen, mit dem Netzwerk verbunden zu bleiben. Das Protokoll vergibt Strafen sowie die Belohnungen etwa alle sechseinhalb Minuten. Ein Problem mit Deiner Internetverbindung ist ebenfalls ein Risiko, das Du gar nicht selbst unter Kontrolle hast.

Entscheidest Du Dich hingegen für einen Staking-Pool von zum Beispiel Coinbase, werden die Risiken oft vom Anbieter übernommen, so dass Du in diesem Fall keine Strafe zu befürchten hast. Im Gegensatz dazu wird Deine Rendite leicht verringert.

Andererseits übergibst Du natürlich die Kontrolle Deiner Coins an eine Krypto-Börse.

Ethereum-Verlust: Risiko durch nicht vollendetes Update

Fakt ist: Bis zum endgültigen Rollout sind die eingesetzten ETH gesperrt und solange nicht zurückholbar, bis das Upgrade zu Ethereum 2.0 abgeschlossen ist. Erst dann erhältst Du den vorher angesprochenen Abhebungsschlüssel. Die endgültige Fertigstellung kann sich jedoch weiter nach hinten verschieben und könnte tatsächlich sogar komplett ausfallen. Auch dieses Szenario ist tatsächlich möglich.

Sinkender ETH-Kurs

Insbesondere gehst Du das Risiko ein, durch einen Kursrückgang von Ethereum Geld zu verlieren. Da Du bis zum Ende des Upgrades keine Möglichkeiten hast, um Deine gelockeden ETH wieder zu entsperren, trägst Du bis zum Rollout von ETH 2.0 das theoretische Risiko des Komplettverlustes.

Ethereum Staking Rewards: Lohnt es sich ETH zu staken?

Der Verdienst durch das Ethereum Staking schwankt. Dies ist abhängig davon, wie viel ETH gestaked wird. Du kannst Dir merken, dass die Rendite umso höher ist, je wenige Ethereum gestaked wird. So möchten die Entwickler die Nutzer zum Staking ermutigen.

Je mehr ETH gelocked sind, umso niedriger ist die Staking-Rate.

Aktuell beläuft sich die Staking-Rate auf 5,2 Prozent.  Genaue Daten findest Du stets auf der Webseite von stakingrewards.

Solange die Staking-Rate über dem Prozentbetrag ist, den der Ethereum Kurs verliert, machst Du also einen Gewinn und lässt Deine Coins für Dich arbeiten. Bei einem gleichbleibenden ETH Kurs schlägst Du auch die aktuelle Inflation in Deutschland, obwohl diese zuletzt ziemlich hoch ausfällt.

Wenn Dir die Rendite nicht ausreicht, kannst Du mit Ethereum auch andere Wege finden, um Geld zu verdienen. So stellt Yield Farming eine echte Alternative zum Staking dar.

Häufige Fragen zum Ethereum (ETH) Staking

In diesem Abschnitt geben wir Antworten auf die wichtigsten Fragen, die bezüglich des Ethereum Stakings aufkommen.

  • Warum wechselt Ethereum vom Mining zum Staking?

    Die Entwickler erhoffen sich durch den Wechsel von Proof-of-Work auf Proof-of-Stake geringere Gebühren und eine bessere Umweltbilanz sowie Dezentralität.
  • Wann kann ich meinen Staking Verdienst auszahlen?

    Entscheidest Du Dich dafür, mit dem Ethereum Staking zu beginnen, kannst Du Deine Coins erst dann abheben, wenn das Upgrade auf Eth 2.0 abgeschlossen ist. Das ist vorausslicht Ende 2022 der Fall.
  • Lohnt sich Ethereum Staking?

    Die aktuelle Staking-Rate beläuft sich auf knapp über fünf Prozent. Diese steigt jedoch, wenn weniger Ethereum gestaked wird.
  • Gibt es Risiken beim Ethereum Staking?

    Da Du Deine Coins bis zum Rollout von Ethereum 2.0 sperrst, gehst Du einerseits das Risiko des Totalverlustes ein, der bei einem Absturz des Kurswertes eintreten kann. Zudem hat das Ethereum-Team Strafen eingeführt, wenn Du beim Staking nicht durchgehend die Voraussetzungen erfüllst.