• Bitcoin vor möglichem Chain-Split:
    Ab Block 961.632 beginnt das verpflichtende Signaling für BIP-110. Bei anhaltend geringer Miner-Unterstützung könnte eine separate Minderheits-Chain entstehen.
  • Replay-Angriffe gefährden echte BTC:
    Ohne technischen Replay-Schutz könnten Transaktionen mit Fork-Coins auch auf der ursprünglichen Bitcoin-Blockchain gültig sein.
  • Nur 2,6 Prozent Miner-Unterstützung:
    BIP-110 liegt weit unter der vorgesehenen Schwelle von 55 Prozent. Michael Saylor rechnet deshalb damit, dass die Fork-Chain kaum Relevanz entwickelt.
  • Streit um Bitcoins Funktion:
    Befürworter wollen nicht zahlungsbezogene Daten stärker begrenzen und Bitcoin auf seine monetäre Funktion fokussieren. Kritiker warnen vor Zensur und einem gefährlichen Präzedenzfall.
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Bitcoin vor möglicher Spaltung

Bei Bitcoin (BTC) könnte es bereits in den kommenden Tagen zu einem ungewöhnlichen Chain-Split kommen. Auslöser ist BIP-110, offiziell „Reduced Data Temporary Softfork“.

Das BIP (Bitcoin Improvement Proposal) soll die Speicherung nicht zahlungsbezogener Daten auf der Bitcoin-Blockchain für rund ein Jahr stärker begrenzen.

Ab Block 961.632, der laut Simple Mining um den 9. August erwartet wird, beginnt die verpflichtende Signaling-Phase - zum aktuellen Zeitpunkt steht Bitcoin laut mempool.space bei Block 961.596. Für eine frühzeitige Aktivierung müssten 1.109 von 2.016 Blöcken Zustimmung signalisieren, entsprechend 55 Prozent. Davon ist BIP-110 weit entfernt.

Der Zeitplan von BIP-110: Das verpflichtende Signaling startet um den 9. August, die Aktivierung ist für Anfang September vorgesehen
Der Zeitplan von BIP-110: Das verpflichtende Signaling startet um den 9. August, die Aktivierung ist für Anfang September vorgesehen. Quelle: simplemining.io

Zuletzt lag die Unterstützung der Miner bei lediglich rund 2,6 Prozent. Trotzdem akzeptieren BIP-110-Nodes ab Block 961.632 nur noch Blöcke mit entsprechendem Signal. Produzieren Miner auf dieser Seite weiter Blöcke, könnte dadurch eine separate Minderheits-Chain entstehen. Die eigentlichen Datenbeschränkungen sollen ab Block 965.664 greifen.

Fork-Coins als BTC-Falle

Für Bitcoin-Halter liegt das größere Risiko nicht im Split selbst, sondern in sogenannten Replay-Angriffen. Nach einem Fork existiert der bisherige Kontostand auf beiden Chains weiter. Wer vor der Abspaltung beispielsweise 10 BTC besitzt, kann danach auf beiden Netzwerken über die entsprechenden Coins verfügen.

Problematisch wird es beim Verkauf der neuen Fork-Coins. Da beide Chains dieselbe Historie teilen, können auch dieselben Private Keys die Coins bewegen. Fehlt ein technischer Replay-Schutz, kann eine für die neue Chain signierte Transaktion deshalb auch auf der ursprünglichen Bitcoin-Chain gültig sein.

Ein Angreifer könnte diese Transaktion kopieren und dort erneut ausführen. Statt nur die Fork-Coins zu verkaufen, könnten so unbeabsichtigt auch echte BTC bewegt werden.

Entwickler warnt Bitcoin-Halter

Bitcoin-Entwickler Kevin Loaec warnte deshalb auf X vor übereilten Verkäufen. Er schrieb: „In den nächsten Tagen wird sich ein neuer Shitcoin von Bitcoin abspalten.“ Besonders riskant sei die Vorstellung, die Fork-Coins anschließend wie einen kostenlosen Airdrop verkaufen zu können.

Große BTC-Halter könnten dabei besonders attraktive Ziele für Replay-Angriffe darstellen. Solange die Coins auf beiden Chains nicht sicher voneinander getrennt werden können, reduziert Nichtstun das Risiko. Ohne signierte Transaktion gibt es nichts, was auf der anderen Chain erneut ausgespielt werden kann.

BIP-110 bleibt Außenseiter

Ob überhaupt eine relevante zweite Blockchain entsteht, ist derzeit offen. Die geringe Miner-Unterstützung spricht gegen eine Spaltung in zwei annähernd gleich starke Netzwerke. BIP-110 könnte stattdessen lediglich als kleine Minderheits-Chain weiterlaufen oder mangels ausreichender Rechenleistung kaum Bedeutung entwickeln.

Auch Strategy-Gründer Michael Saylor positionierte sich auf X gegen BIP-110. Er bezeichnete den Vorschlag als Konsensänderung, die aus dem Streit über Spam auf der Bitcoin-Blockchain hervorgegangen sei, und warnte vor einem gefährlichen Präzedenzfall.

BTCs Funktion als monetäres Netzwerk im Fokus

Unterstützung erhält BIP-110 dagegen weiterhin von Bitcoin-Entwickler Luke Dashjr. Auf X schrieb er, BIP-110 stelle „die Regeln wieder her, unter denen Bitcoin 17 Jahre lang funktioniert hat“. Befürworter des Vorschlags wollen nicht zahlungsbezogene Daten stärker begrenzen und Bitcoin damit stärker auf seine Funktion als monetäres Netzwerk ausrichten.

Für BTC-Halter bleibt deshalb vor allem der tatsächliche Ausgang des Forks relevant. Wer nicht sicher feststellen kann, ob seine Coins auf beiden Chains technisch getrennt wurden, sollte laut den Entwicklern zunächst abwarten, bis Wallet-Anbieter, Börsen und Miner klargestellt haben, welche Chain sie unterstützen.

Fazit: Bitcoin-Fork ist kein Gratisgeld

BIP-110 macht sichtbar, wie Bitcoin bei fundamentalen Regelkonflikten funktioniert. Entwickler können neue Regeln definieren und Nodes können sie durchsetzen, doch daraus entsteht noch kein wirtschaftlich relevantes Bitcoin-Netzwerk.

Mit aktuell nur 2,6 Prozent Miner-Unterstützung dürfte eine mögliche BIP-110-Chain zunächst kaum mit der bestehenden Blockchain konkurrieren können. Ob sie überhaupt Bestand hat, entscheiden letztlich Hashrate, Nodes, Krypto-Börsen, Wallet-Anbieter und Nutzer gemeinsam.

Für Anleger ist deshalb weniger die Existenz eines Forks entscheidend als dessen tatsächliche Akzeptanz. Eine neue Chain erzeugt zwar zusätzliche Coins, aber nicht automatisch zusätzlichen Wert. Solange unklar ist, welche Infrastruktur sie unterstützt und ob ein sicherer Schutz vor Replay-Angriffen besteht, kann der Versuch, vermeintliches Gratisgeld einzusammeln, echte BTC gefährden.

Gerade bei einem Minderheits-Fork kann Nichtstun deshalb wertvoller sein als der schnelle Verkauf der neuen Coins.