Blockchain Use Cases: Von Finance über Supply Chain bis hin zu IoT

In den vergangenen Jahren entstand ein regelrechter Hype um Blockchain. Dabei wurde der Technologie ein Potential attestiert, welches bereits in die Richtung eines ‚Allheilmittels‘ ging. Daher möchten wir mit diesem Artikel Rationalität in diese Debatte bringen und die wichtigsten Blockchain Use Cases beleuchten. Vom klassischen Anwendungsgebiet im Bereich Finance über die Prozessoptimierung beim Supply Chain Management bis hin zum Internet of Things.

Wir zeigen dir dabei die Vielfalt der Blockchain Use Cases sowie aktuelle Beispiele von Firmen, die etwaige Lösungen bereits implementieren. Ziel ist es, dir einen Überblick zu geben, was Blockchain kann und in welchem Kontext der Einsatz überhaupt sinnvoll ist. Beginnen wir mit einem Überblick.

Blockchain Use Cases: Von Finance bis hin zu IoT

Falls du dich noch nicht zu 100% mit dem Begriff ‚Blockchain‘ vertraut bist, empfehle ich dir zunächst unseren Grundlagen Artikel, in dem wir auf die technischen Besonderheiten einer Blockchain eingehen. Dieser Artikel hilft ein erster Verständnis aufzubauen, um somit auch besser nachvollziehen zu können, wann und in welchem Kontext die Nutzung einer Blockchain Sinn macht.

Bevor wir uns nun also den eigentlichen Use Cases widmen, werfen wir noch einen generellen Blick auf deren Nützlichkeit. Anders formuliert: wann brauchen wir überhaupt eine Blockchain?

Blockchain als dezentrale Datenbank, die Vertrauen garantiert

Um herauszufinden, wann sich der Einsatz einer Blockchain lohnt, sollte man sich zunächst einige Fragen stellen. Für die später im Artikel folgenden Blockchain Use Cases sind diese Fragen und die damit verbundenen Antworten relevant. Denn die Implementierung einer Blockchain bedeutet nicht nur Vorteile bei der korrekten Verwendungen, sondern auch immer Kosten. Firmen oder öffentliche Institutionen werden also nicht einfach aus ‚Spaß an der Freude‘ eine solche Technologie einsetzen. Sie tun dies nur, wenn sie einen Mehrwert aus den jeweiligen Blockchain Use Cases ziehen können. Werfen wir nun einen Blick auf die Fragen.

Die erste Frage lautet, ob überhaupt eine Datenbank benötigt wird. Wird diese Frage bereits verneint, brauchen wir auch keine Blockchain. Schließlich ist diese nichts anderes als eine verteilte Datenbank.

Die zweite Frage lautet, ob mehrere Personen Schreibzugriff (engl. write-access) auf die Datenbank haben müssen. Wird dies bejaht, kommen wir zur nächsten Frage.

Die dritte Frage ist eine der wichtigsten Fragen, da sie einen der klassischen Blockchain Use Cases beinhaltet: die Frage nach dem Vertrauen. Wenn wir wissen, dass mehrere Menschen Schreibzugriff auf die Datenbank benötigen und sich dabei vertrauen können, dann ist eine Blockchain obsolet.

Das gleiche gilt, wenn die Personen sich untereinander nicht trauen können, aber eine Person/Entität/Institution haben, der sie alle vertrauen. Erst wenn all diese Fragen mit ‚Nein‘ beantwortet wurden, macht der Einsatz einer Blockchain Sinn.

Du solltest nun grundsätzlich verstanden haben, wann sich der Einsatz einer Blockchain überhaupt lohnt. Im Folgenden schauen wir uns nun die häufigsten Blockchain Use Cases an.

Die wichtigsten Blockchain Use Cases im Überblick

Bevor wir nun wirklich ins Detail gehen und uns einige, einzelne Gebiete anschauen, beginnen wir mit einer Übersicht. Diese Übersicht gibt bereits einen guten ersten Eindruck über die Breite an tatsächlichen Blockchain Use Cases: die Spannweite reicht von der Prozessautomatisierung über die Nutzung im Rahmen von Wahlen bis hin zum Supply Chain Management.

Gehen wir nun näher ins Detail. Dabei schauen wir uns für diesen Artikel die Bereich FinanceSmart Contracts und Versicherungen, das Internet of Things (IoT)Supply Chain Management (SCM) sowie Wahlen/Abstimmungen an.

Blockchain Use Cases: Finance und FinTech

Seit Satoshi Nakamoto im Oktober 2008 sein Whitepaper mit dem Titel Bitcoin: A Peer-to-Peer Electronic Cash System veröffentlicht hat, wissen wir, dass digitales Geld bzw. Finance einer der Blockchain Use Cases sein kann.

Mit Hilfe einer verteilten Datenbank lässt sich ohne die Notwendigkeit einer zentralen Instanz eine Grundlage schaffen, mit deren Hilfe wir weltweit digitales Geld versenden können. Eine öffentliche und für jedermann zugängliche Blockchain schafft hierbei Vertrauen und sorgt für die beim Entfall eines Intermediäres notwendige Manipulationssicherheit. Doch neben der Möglichkeit Blockchain als Medium für Transaktionen zu nutzen, gibt es weitere Blockchain Use Cases im Rahmen des Bereichs Finance.

So setzen beispielsweise Banken selbst auf die Implementierung einer Blockchain, um beispielsweise Anleihen oder Optionsscheine darüber zu emittieren. Beispiele hierfür sind die Santander Bank oder die Commerzbank.

Im weiteren Sinne gehört auch der Bereich der Decentralized Finance (DeFi) zu einem der typischen Blockchain Use Case. Hierbei werden Elemente aus dem klassischen Bankenwesen, wie beispielsweise die Vergabe von Krediten, durch die Nutzung von Smart Contracts und einer Blockchain abgebildet. Der Vorteil besteht unter anderem darin, dass Privatpersonen sich gegenseitig Gelder leihen können, ohne eine etwaige Vertrauensperson zu benötigen. Aus Sicht des Darlehensnehmers ergibt sich außerdem der Vorteil, dass es keiner Prüfung (bspw. Schufa) benötigt.

Thematisch hierzu passt nun auch die Anwendung von Blockchains im Bereich von Versicherungen.

Blockchain Use Cases: Smart Contracts &  Versicherungen

Einer der Hauptgründe für die Revolution im Bereich von automatisierten Versicherungen war die Einführung von Ethereum und Smart Contracts. Bevor wir zu den Anwendungsbeispielen kommen, nochmals eine kurze Zusammenfassung was wir unter dem Begriff Smart Contracts verstehen:

Ein Smart Contract ist nichts anderes als eine Vereinbarung zwischen zwei Personen. Diese Vereinbarung liegt jedoch nicht in schriftlicher Form, sondern in Form von Computercode vor. Dieser Code läuft wiederum auf der Blockchain. Er wird also in einer öffentlichen und verteilten Datenbank gespeichert und kann damit nicht geändert werden. Im Smart Contract formulieren die beiden Parteien (bzw. Personen) dann Bedingungen. Sind diese Bedingungen erfüllt, werden Transaktionen automatisch ausgeführt und auf der Blockchain verarbeitet.

Welcher Mehrwert und Vorteil entsteht dadurch?

Die Antwort ist einfach – auch hier entfällt die vertrauenswürdige dritte Partei, die die Einhaltung der Verträge und damit verbundenen Transaktionen kontrolliert. Stattdessen werden die Verträge (oder Transaktionen) selbstständig in einem vertrauenswürdigen Netzwerk ausgeführt, welches nun vollständig von Computern verwaltet wird.

Daher ist das Potential von Smart Contracts besonders für Versicherer interessant: über intelligente Versicherungsverträge können zeit- und kostenintensive Bereiche von Versicherern automatisiert und Zahlungen und Transaktionen direkt abgewickelt werden. Die dafür notwendigen Bedingungen werden in den Smart Contracts festgehalten und bei Erfüllung der Bedingungen ausgeführt.

Ein klassisches Anwendungsbeispiel hierfür ist das Produkt Fizzy von der AXA-Versicherung. Hierbei handelt es sich um eine automatisierte Versicherung für Flugverspätungen bzw. -ausfälle. Dabei werden allgemeine Flugdaten von Flightstats benutzt; trifft das Ereignis einer Verspätung oder gar eines Ausfalls ein, erhält der Versicherte automatisierte via Smart Contract und Blockchain eine Kompensationszahlung. Neben AXA nutzen auch Versicherer wie die Münchner Rück oder die Allianz Lösungen auf Basis der Blockchain.

Werfen wir einen Blick auf weitere Blockchain Use Cases.

Das Internet of Things (IoT) in Kombination mit Blockchains

Der Begriff Internet of Things (IoT) wurde – ähnlich wie der Begriff der Blockchain – in den letzten Jahren zu einem regelrechten Buzzword. Dabei beschreibt IoT zunächst einfach ein Netzwerk, welches verschiedene Dinge (engl. things), die sowohl eine physische als auch virtuelle Repräsentation haben, miteinander verbindet. Das mag zunächst kompliziert klingen, ist es aber wirklich nicht:

Ein klassisches Beispiel hierfür ist das vernetzte Haus (engl. smart home), in welchem der intelligente Temperatursensor, die smarte Glühbirne und der Sprachassistent in der Küche miteinander verbunden sind. Doch in welchem Maß kann Blockchain hierbei helfen und welche Vorteile ergeben sich?

Die Antwort hierauf ist ebenso einfach: Beim Internet der Dinge tauschen verschiedene digitale Instanzen – egal ob Maschine, Kühlschrank, Temperatursensor oder elektronische Geldbörse – Daten oder Geld miteinander. Um nun sicherzustellen, dass diese Daten bzw. Gelder sicher, zuverlässig und kostengünstig miteinander ausgetauscht werden können, verwendet man die Blockchain.

Dabei halten wir fest, dass Blockchain von Machine-as-a-Service bis hin zu Micro-Payments den Vorteil bietet, Transaktionskosten zu reduzieren und dabei Transparenz sowie Sicherheit schafft. Damit ergänzt die Technologie der Blockchain das Konzept von IoT und erweitert dessen Potential.

Supply Chain Management und globale Lieferketten

Der vorletzte Punkt unserer Blockchain Use Cases heißt Supply Chain Management (SCM). Unter dem Begriff SCM verstehen wir – einfach gesprochen – die Koordination der Lieferketten eines Unternehmens. Im Rahmen der Globalisierung sind diese Lieferketten nicht nur regional, sondern global verteilt. Wir können also bereits erahnen, dass hierbei viele einzelne Akteure involviert sind.

Dabei ist der Bereich SCM einer der häufigsten Blockchain Use Cases, der auch tatsächlich Verwendung findet. Um es etwas pathetischer zu formulieren: Blockchains helfen uns als Endkunde ein Produkt nicht nur aufgrund dessen Namens gut zu finden, sondern hauptsächlich, weil wir die komplette Lieferkette von A bis Z transparent nachvollziehen können. Auf der anderen Seite hilft eine Blockchain ebenso den Empfängern von Produkten die Qualität und Integrität nachzuvollziehen.

Die Firma International Business Machines – besser bekannt als IBM – ist besonders aktiv und bietet Lösungen für einzelne Blockchain Use Cases an. So bietet IBM beispielsweise das Produkt IBM Food Trust an. Hierbei wird eine Blockchain eingesetzt, um die Lieferketten der Lebensmittelindustrie nachzuverfolgen. Ebenso erwähnenswert ist das Produkt IBM Trade Lens, das insbesondere für den globalen Handel genutzt wird.

Folgende Grafik, die aus dem offiziellen Prospekt von IBM übernommen ist, verdeutlicht die Funktionsweise von IBM Food Trust entlang der Produktions- und Lieferkette:

Kommen wir nun zum letzten unserer Blockchain Use Cases – der Verwendung einer Blockchain im Rahmen von Wahlen. Ein besonders interessanter Aspekt, da er eine äußerst politische und gesellschaftliche Komponente aufweist.

Ein Gedankenexperiment: sichere und transparente Wahlen

Laut Artikel 38 des deutschen Grundgesetzes werden die Abgeordneten des Bundestages in „allgemeiner, unmittelbarer, freier, gleicher und geheimer Wahl“ gewählt. Diese Grundsätze und das Vertrauen in diese stellen die Basis unserer Demokratie dar.

Schaut man über den Tellerrand in Länder wie die USA oder Brasilien, so liest und hört man – gerade in den vergangenen Wahlen – immer wieder vom Vorwurf der Wahlmanipulation und -fälschung. Die daraus resultierenden Konsequenzen liegen klar auf der Hand: weniger Wahlbeteiligung, Misstrauen, das Gefühl der Ungerechtigkeit und ausufernde Gewalt oder Proteste bis hin zu einer möglicherweise nicht einmal legitimen Regierung.

Kannst du dir vorstellen, wie es wäre Wahlen abzuhalten, von denen du zu 100% sicher sein kannst, dass sie fair und transparent ablaufen?

Mit Hilfe einer Blockchain könnten wir genau diese Kriterien sicherstellen. Denn der Einsatz der Technologie würde eine Menge fundamentaler Vorteile bieten:

  • Transparenz: bei einer Public Blockchain könnte jeder Wähler (und auch Nicht-Wähler sowie außenstehende Personen) die Gesamtanzahl an Stimmen sehen. Dadurch können alle an diesem Vorgang interessierten Personen die korrekte Erfassung der Stimmen ermitteln.
  • Privatsphäre: Trotz der Transparenz kann die Privatsphäre jedes einzelnen Wählers mit Hilfe von kryptographischen Verfahren sichergestellt werden. Dabei kann jede einzelne Stimme verifiziert werden ohne dass der Wähler selbst seine Identität preisgeben muss.
  • Manipulationssicherheit: aufgrund der Transparenz gäbe es keine doppelten Stimmen. Dadurch entfällt die Möglichkeit der Wahlmanipulation bzw. -fälschung.

Die größte Hürde für einen solchen Blockchain Use Case liegt wohl darin, dass für jeden Wähler die Notwendigkeit besteht mit einem Computer bzw. internetfähigen Gerät zu interagieren.

Fazit: Innovation in hohem Maß, aber kein Allheilmittel

Mit diesem Artikel solltest du nun einen guten Überblick der wichtigsten Blockchain Use Cases haben. Die Erkenntnis hierbei könnte sein, dass es viele gute Anwendungen für eine Blockchain gibt. In bestimmten Szenarien kann die Technologie ihr volles Potential entfalten. Dabei spielen vor allem die Aspekte Vertrauen, Transparenz und Fälschungssicherheit eine große Rolle.

Sie ist jedoch bei Weitem kein Allheilmittel und nur weil eventuell der Ruf nach einer Blockchain-Lösung laut wird, muss diese noch lange keinen Vorteil bieten. Die Anwendungsbereich einer Blockchain beziehen sich hierbei nicht nur auf technische Bereiche (IoT), sondern betreffen auch unser tägliches, gesellschaftliches Zusammenleben (Wahlen). Fest steht, dass die Anwendung von Blockchains – trotz einiger Anwendungsbeispiele – noch in den Kinderschuhen steckt. Den Einfluss der Technologie auf die täglichen Lebensbereiche sehen wir wohl in den nächsten Jahren noch deutlicher.

Wie sieht deine Reaktion aus?
Like2
Bullish0
Bearish0
REKT0
Lustig0
Wichtig0
HODL0
Buy Bitcoin0
Schreib uns dein Feedback