Die Abkürzung dApp steht für "dezentrale Applikation" oder "decentralized Application".

Anders als bei traditionellen Applikationen befinden sich bei einer dApp die einzelnen Bestandteile nicht auf einem Server oder Computer, sondern in einem Peer-to-Peer-Netzwerk. In der Regel handelt es sich um eine Blockchain.

In diesem Artikel beantworten wir dir folgende häufige Fragen zur dApp:
  • Was ist eine dApp?
  • Wie funktionieren dezentrale Applikationen?
  • Welche sind die bekanntesten dApps?

Was ist eine dApp? - Definition und Erklärung

Eine dApp lässt sich am einfachsten mit einem Beispiel erklären: Während "normale" Apps, etwa Handy-Apps wie WhatsApp, von einem einzelnen Anbieter betrieben, gespeichert, verwaltet, gewartet und entwickelt werden, sind dApps Blockchain-basierte Anwendungen, die von/in einem Peer-to-Peer-Netzwerk betrieben werden.

Kurzdefinition: Bei einer decentralized Application, kurz dApp, handelt es sich um eine Software-Anwendung, die auf einem dezentralen Peer-to-Peer-Netzwerk aufgebaut ist. (siehe: Zheng et al.)

Die Software einer dApp funktioniert daher dezentralisiert und nicht zentralisiert.

Für dApps gibt es noch weitere Definitionskriterien:
  • Open Source: dApps basieren auf einer Open-Source-Software. Dabei handelt es sich um Software mit einem frei zugänglichen Quelltext. Der Quelltext oder Code ist in einer bestimmten Programmiersprache verfasst und kann von jedem Nutzer verändert werden.
  • Blockchain: dApps speichern Daten und Quellcode auf einer dezentralisierten Blockchain. Daraus folgt, dass dApps sicher vor zentralen Eingriffen sind, da die Daten auf vielen verschiedenen, miteinander vernetzten Computern gespeichert sind.
  • Kryptografie: dApps nutzen kryptografisch verschlüsselte Token. Dabei handelt es sich um digitale Einheiten, die eine Kopie eines Datensatzes auf einer Blockchain darstellen.
  • Erstellung von Token: dApps nutzen einen Mechanismus, um kryptografisch verschlüsselte Token generieren zu können. Diese werden als Rewards genutzt.
  • Deterministisch: dApps können unabhängig von ihrer Umgebung die gleiche Funktion ausführen. Mit den erforderlichen Ressourcen kann eine dApp außerdem jede Aktion durchführen.
  • Isoliert: dApps werden in einer virtuellen Umgebung ausgeführt. Weist ein Smart Contract einen Fehler auf, schränkt dies daher nicht die Funktionalität der gesamten Blockchain ein.

Wie funktionieren dezentrale Applikationen?

Mit Ethereum kam die erste Blockchain, die für die Entwicklung von dApps geeignet war. Den Grundstein bilden die Smart Contracts, die auf der Ethereum-Blockchain genutzt werden können. Der Code einer dApp kann in jeder Programmiersprache erstellt sein und besteht aus diesen Smart Contracts, die auf der dezentralisierten Blockchain gespeichert sind.

Um die Funktion von dApps beschreiben zu können, muss näher auf die zugrunde liegenden Smart Contracts eingegangen werden. Nicht jeder Smart Contract ist automatisch eine dApp, denn ein "normaler" Smart Contract ermöglicht keine Benutzerinteraktion. Dafür ist eine so genannte Frontend-Anwendung notwendig.

Der Frontend-Code einer dApp kann in jeder Programmiersprache erstellt sein und unterscheidet sich kaum von einer beliebigen anderen App. Allerdings sieht der Backend-Code anders aus, denn dieser besteht bei dApps aus Smart Contracts.

Erst durch die Frontend-Anwendung wird daher eine Benutzerinteraktion ermöglicht. Für diese wird häufig eine Browsererweiterung benötigt, die es den Nutzern erlaubt, mit der Blockchain zu interagieren und die Benutzeridentität zu verwalten.

Am Beispiel von Ethereum kann die Funktionsweise von dApps wie folgt beschrieben werden:

Ethereum nutzt die Ethereum Virtual Machine, kurz EVM, die jeden Computeralgorithmus simulieren und ausführen kann. Der Code im Backend der EVM besteht aus Smart Contracts. Blockchain-Nodes führen die Berechnungen des Konsensalgorithmus aus, die für die Funktion der dApps notwendig sind. Dafür erhalten die Nodes bzw. die dahinterstehenden Nutzer Rewards in Form von Token.

Insgesamt lassen sich drei Typen von dApps unterscheiden:
  • dApps mit eigener Blockchain (z.B. Ethereum)
  • dApps, die auf einer fremden Blockchain laufen, etwa jener von Ethereum, gleichzeitig aber eigene Token verwenden (z.B. Augur oder Uniswap)
  • dApps, die sich eines bestehenden Protokolls bedienen, sich also auf eine bereits laufende dApp beziehen (z.B. das SAFE Network auf der Anwendung Omni)

Außerdem kann eine Unterscheidung der dApps nach deren Verwendungszweck vorgenommen werden. Es gibt Finanz-Apps, die Nutzern Instrumente bieten, um ihre Finanzen zu verwalten. Bei so genannten Teil-Finanz-Apps liegt der Verwendungszweck hingegen nicht primär bei den Finanzen, sondern bei Bonus- und Punktesystemen. Hierunter fallen beispielsweise Glücksspiel-Apps. Die dritte Kategorie sind nicht-finanzbasierte Apps. Hier stehen andere Dienste ohne Finanzbezug im Vordergrund, etwa Personenidentifikation, Datenspeicherung oder Spiele.

Die 5 bekanntesten Ethereum dApps

Es gibt zahlreiche dApps mit unterschiedlichen Funktionen. Die bekanntesten Ethereum dApps werden nachfolgend beschrieben.

Uniswap: Die bekannteste DeFi dApp auf Ethereum

Uniswap ist ein vollständig dezentralisiertes Protokoll mit der Funktion, eine automatisierte Bereitstellung der Liquidität auf Ethereum zu sichern. Die dApp kann zum Austausch von ERC-20-Token auf Ethereum genutzt werden.

Uniswap ist somit die bekannteste dezentrale Börse (DEX) auf Ethereum.

Da die dApp ohne Intermediäre läuft, kommt es zu einem schnelle, effizienten Handel. Der Token der dApp heißt UNI.

MetaMask als dezentrale Applikation

MetaMask ist ein Krypto-Swap von Wallet & Gateway. Die Funktion dieser dApp ist der jederzeit mögliche Austausch von Token direkt vom Desktop-Wallet oder dem mobilen Wallet aus. Die Swap-Funktion kombiniert Daten verschiedener dezentraler Börsen und Market Maker, um sicherzustellen, dass die Nutzer den besten Preis mit den niedrigsten Gebühren erhalten. Die dApp funktioniert ohne die Nutzung personenbezogener Daten, der Datenschutz ist daher ein wesentlicher Vorteil dieser dApp.

MetaMask ist die Eintrittskarte in den Bereich Decentralized Finance.

OpenSea: NFTs für Ethereum

OpenSea ist der erste und größte Peer-to-Peer-Marktplatz für Krypto-Sammlerstücke, beispielsweise Spielgegenstände oder andere virtuelle Güter. OpenSea ist somit der bekannteste Marktplatz für NFT. Um die dApp nutzen zu können, benötigen Nutzer ein Ethereum Wallet.

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SushiSwap: Die Weiterentwicklung von Uniswap

SushiSwap ist die Weiterentwicklung von Uniswap mit dem Sushi-Token. Bei dieser dApp wurde das Design von Uniswap übernommen und mit praktischen Funktionen erweitert. Die Grundfunktion ist dieselbe: Es geht um die Bereitstellung von Liquidität. Hierfür erhalten die Nutzer Rewards in Form von Sushi-Token. Im Gegensatz zu Uniswap berechtigen die Sushi-Token auch dazu, einen Teil der in Sushi-Token angesammelten Protokollgebühr zu verdienen, selbst dann, wenn nicht mehr aktiv an der Bereitstellung von Liquidität mitgearbeitet wird. Es handelt sich demnach um die Möglichkeit eines passiven Einkommens.

Polygon Bridge: dApp für Blockchains

Polygon Bridge ist die dApp für die Speicherung von und den Handel mit Polygon zwischen verschiedenen Netzwerken. Um die dApp zu nutzen, muss ein Wallet vorhanden sein, etwa Metamask, WalletConnect oder Coinbase Wallet.

Die 3 bekanntesten dApps auf Solana

Es gibt weitere dApps, die nicht auf der Ethereum-Blockchain, sondern auf Solana laufen. Die 3 bekanntesten werden nachfolgend vorgestellt.

Raydium: dApp mit zentralem Orderbuch

Raydium ist ein On-Chain-Orderbuch. Es handelt sich um einen sogenannten Automated Market Maker (AMM), der Nutzern den dezentralen Tausch ("Swap") auf Solana ermöglicht.

Der AMM basiert auf der Solana-Blockchain, das zentrale Orderbuch auf der dezentralen Börse Serum. Ziel der dApp ist es, schnelle Trades, gemeinsame Liquidität und die Erzielung von Renditen zu ermöglichen.

Während andere AMM nur auf die Liquidität innerhalb ihrer eigenen Pools zugreifen können und keinen Zugriff auf ein zentrales Orderbuch haben, bzw. der Zugriff mit hohen Gebühren verbunden wäre, bietet Raydium in genau diesen Aspekten Vorteile. Durch das zentrale Orderbuch hat Raydium Zugriff auf den Orderfluss und die Liquidität des gesamten Serum-Netzwerks.

Magic Eden: NFT-Marktplatz auf Solana

Magic Eden ist ein NFT-Marktplatz auf der Solana-Blockchain. Mit dieser dApp werden Kauf, Verkauf und Handel mit NFTs erleichtert. Es gibt keine Listungsgebühr, die Transaktionsgebühr ist mit 2 Prozent sehr niedrig angesetzt. Bezahlt wird mit dem Token SOL.

Orca: DEX auf Solana

Orca ist eine dApp zum Austausch von Kryptowährungen auf der Solana-Blockchain. Die Transaktionsgebühren sind minimal und Nutzer können einem Handelspool Liquidität zur Verfügung stellen, um einen Anteil der Handelsgebühren als Rewards zu verdienen.

dApps für die Binance Smart Chain

Nachfolgend werden die wichtigsten dApps auf der Binance Smart Chain vorgestellt.

Pancake Swap: Die bekannteste BSC DEX

Pancake Swap ist eine dezentrale Börse auf der Binance Smart Chain. Es handelt sich um einen AMM, der Nutzern den dezentralen Tausch auf der BSC ermöglicht.
Pancake Swap ist das Uniswap-Pendant für Binance. Der native Token heißt $CAKE.

1Inch: Plattformübergreifender DEX Aggregator

1Inch ist ein dezentrales Netzwerk für dezentrale Protokolle. Das ursprüngliche Protokoll des 1Inch-Netzwerks ist eine DEX-Aggregatorlösung, die Geschäfts über mehrere Liquiditätsquellen hinweg durchsucht und den Nutzern somit bessere Kurse bieten kann. Das Protokoll basiert auf dem so genannten Pathfinder-Algorithmus, der die besten Pfade zwischen den verschiedenen Märkten findet. Dadurch sind kosteneffiziente Swaps über mehrere Liquiditätsquellen hinweg möglich.

CryptoMines: Gaming dApp auf der Binance Smart Chain

CryptoMines ist ein SciFi-Play-to-Earn-NFT-Spiel, in dem Nutzer Arbeiter und Raumschiffe sammeln können, um durch das Universum zu reisen und nach $ETERNAL zu suchen. Dieses Mineral ermöglicht es den Nutzern, einen weiteren Tag im Spiel zu "überleben" und dabei Gewinne zu erzielen.

Avalanche dApps

Des Weiteren gibt es dApps die auf dem Avalanche-Protokoll basieren. Die bekanntesten werden nachfolgend vorgestellt.

Trader Joe: Die größte dApp für Avalanche

Bei Trader Joe handelt es sich um eine dezentrale One-Stop-Handelsplattform auf Avalanche. Die dApp wurde zunächst als DEX gestartet, kombiniert aber demnächst auch DeFi-Kredite. Die gehandelten Produkte werden von der Community betrieben. Dadurch wird es ermöglicht, die angefallenen Gebühren an die Nutzer zurückzugeben. Der Token heißt JOE.

AAVE: Plattformübergreifendes Lending-Protokoll

Bei AAVE handelt es sich um ein dezentralisiertes, quelloffenes und nicht verwahrtes Geldmarktprotokoll. Einleger können Zinsen verdienen, indem sie dem Pool Liquidität zur Verfügung stellen. Kreditnehmer können hingegen Kredite erhalten, indem sie die Pools in Anspruch nehmen. Einzahlungen werden in Echtzeit verzinst.

AAVE ist jedoch nicht nur auf Avalanche verfügbar, sondern auch auf weiteren Blockchains wie beispielsweise Ethereum.

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Pangolin Exchange: DEX auf Avalanche

Bei dieser dApp handelt es sich um eine dezentrale Börse für Avalanche- und Ethereum-Assets mit dem Ziel einer schnellen Abwicklung bei gleichzeitig niedrigen Transaktionsgebühren. Die dApp verwendet das gleiche AMM wie Uniswap und bietet einen Token namens PNG, der vollständig von der Community verteilt wird. Der Token kann außerdem mit allen auf Ethereum ausgegebenen Token gehandelt werden.

Fazit zu dezentralen Applikationen

Zwar steht die Entwicklung von dApps noch ganz am Anfang, doch es wird angenommen, dass sie den Kryptomarkt verändern werden, indem sie es Nutzern ermöglichen, an einem auf einer Blockchain basierenden sozialen Netzwerk teilzunehmen. Kryptowährungen stehen nicht mehr als solche im Vordergrund, sondern der Zweck der dApp, die mit Kryptowährungen läuft. DApps stellen daher die nächste logische Entwicklungsstufe aktueller Apps und Onlinedienste dar.

In der Zukunft könnten neben finanzbasierten dApps vor allem auch dezentrale Games in Kombination mit dem Play-to-Earn Mechanismus an Relevanz gewinnen.

Häufige Fragen (FAQ) zur Funktionsweise von dApps

In diesem Abschnitt geben wir Antworten auf die wichtigsten Fragen zu dApps.

  • Wie funktionieren dApps?

    dApps nutzen eine Frontend-Anwendung, die dazu dient, eine Benutzerinteraktion zu ermöglichen. Nutzern können dann mit der Blockchain interagieren. Eine dezentrale Applikation kann dabei eine Börse oder eine Finanz-App sein.
  • Welche dApps gibt es?

    Nach der Funktionalität gibt es dApps mit eigener Blockchains, dApps, die auf einer bereits bestehenden Blockchain laufen und dApps, die bereits bestehende Protokolle nutzen. Nach dem Verwendungszweck gibt es Finanz-Apps, Teil-Finanz-Apps und nicht-finanzbasierte Apps. Die bekanntesten dApps sind dezentrale Börsen (DEX) oder Anwendungen zum Verleihen von Geldern und Krediten, sogenannte Lending-Protokolle.
  • Auf welcher Blockchain laufen dApps?

    Die bekanntesten Blockchains für dezentrale Applikationen (dApps) sind Ethereum, die Binance Smart Chain, Avalanche und Solana. Ethereum ist mit Abstand die bedeutendste Plattform für dApps.