Cardano bald 100x dezentraler als Bitcoin? ADA und der Grad der Dezentralisierung

Der Cardano (ADA) Kurs konnte in einem Monat fast 100% gut machen. Dieser enorme Kurs-Anstieg geht mit dem bevorstehenden Shelley Update einher und lässt die Herzen der Investoren schneller schlagen. Nun läuft das Marketing von Cardano auf Hochtouren. In einem offiziellen Tweet von IOHK Media wurde nicht nur das Shelley Update angepriesen, sondern auch eine gewagte Aussage getroffen – Cardano soll mit dem Shelley Update 100x dezentraler werden als Bitcoin.

In diesem Artikel wollen wir uns anschauen, ob die Aussage in Bezug auf die Dezentralität stimmt und was man dabei beachten sollte. Viel Spaß!

Cardano (ADA) soll 100x dezentraler als Bitcoin werden

Cardano, einer der Hauptkonkurrenten von Ethereum, versucht das Feld der Smart Contracts zu revolutionieren. Mit dem integrierten Proof-of-Stake (PoS) Konsensalgorithmus sollen nicht nur Investoren in den Genuss eines passiven Einkommens durch Staking kommen, sondern dazu auch die Sicherheit und Dezentralität von Cardano erhöhen.

In dem offiziellen Tweet von IOHK Media heißt es:

Es ist offiziell: Das größte Upgrade der Cardano Blockchain hat mit der Veröffentlichung des Shelley-Codes begonnen, der die Blockchain 100 Mal dezentraler als Bitcoin machen wird.

Diese Aussage sorgt natürlich für die nötige Aufmerksamkeit in der Krypto-Community aber ist durchaus gewagt. Denn Cardano steckt immer noch in den Kinderschuhen und hat noch einen langen Weg vor sich. Daher lässt sich so eine Aussage in keinster Weise verifizieren.

Proof-of-Stake birgt Risiken im Grad der Dezentralisierung

Hierbei stützt sich Cardano vor allem auf den Proof-of-Stake Konsensalgorithmus, der den Grad der Dezentralität in Vergleich zu Bitcoin erhöhen soll. Im Gegensatz zu BTC werden neue Blöcke durch sogenannte Staker verifiziert. Also durch Personen und Unternehmen, die einen bestimmte Menge an ADA in ihrer Wallet bereitstellen, um die Gültigkeit der Transaktionen und Blöcke zu gewährleisten. Dafür bekommen die Staker für einen gefundenen Block eine Belohnung in Form der nativen Kryptowährung ADA. Das sorgt in der Theorie für eine hohe Verteilung der Validatoren und benötigt keine spezialisierte Hardware mit einem hohen Energieverbrauch wie es bei Bitcoin der Fall ist.

Das hört sich nach einem enormen Vorteil an aber hierbei werden die Risiken nicht ausreichend deutlich gemacht. Denn PoS hat zwar einige Vorteile gegenüber PoW aber beinhaltet auf der anderen Seite Probleme, die es in PoW Netzwerken in der Form nicht gibt.

Hierbei tritt vor allem das Problem auf, dass Early Adopter, die bereits frühzeitig in Cardano eingestiegen sind und viele ADA halten, im Netzwerk die Macht auf sich konzentrieren. Dadurch verdienen diese Staker im Vergleich zu den kleineren Stakern weitaus mehr ADA und werden so mit der Zeit nicht nur reicher, sondern auch mächtiger. Es gibt keine Möglichkeit diese Machtstrukturen aufzubrechen außer einer der großen Staker entscheidet sich dazu seine ADA zu verkaufen.

Wenn wir nun in die ferne Zukunft blicken und die Rede ist hier nicht von 5 oder 10 Jahren, sondern von 50 oder 100 Jahren, dann ergibt sich ein ähnliches Bild, welches wir bereits aus unserem traditionellen Finanzsystem kennen – die Reichen werden reicher und die Armen werden ärmer. Das kann im schlimmsten Fall zu einer extrem starken Zentralisierung im System führen.

Nutzer halten ihre Coins bei zentralisierten Anbietern

Hinzu kommt, dass die meisten Nutzer wohl eher an den Staking Rewards als an der Dezentralisierung interessiert sind. Demnach werden viele Nutzer ihre ADA bei zentralisierten Anbietern halten, die den gesamten Staking Prozess übernehmen. Hierbei geht es nicht nur darum, dass man die Kontrolle über seine Coins in fremde Hände gibt, sondern dass man den Drittanbietern durch die eigenen Coins Macht im Netzwerk verleiht, die im schlimmsten Fall ausgenutzt werden kann. Das reduziert den Grad der Dezentralität zusätzlich.


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Zum Vergleich

 


Ein ähnliches Szenario haben wir bereits beim Projekt STEEM gesehen. Hier wurden die Coins der Nutzer, die auf zentralisierten Börsen lagen, genutzt, um bestimmte Regeln im Netzwerk zu verändern. Das hat letztendlich zu einer Abspaltung (Fork) geführt, woraus die Kryptowährung HIVE entstanden ist.

Bitcoin vs Cardano – Unterschiede bei der Dezentralisierung

Der Grad der Dezentralisierung hängt nicht nur von dem jeweiligen Konsensalgorithmus oder der Anzahl der teilnehmenden Validatoren ab. Hier spielen auch weitere Faktoren eine Rolle, die den Grad der Dezentralisierung verbessern oder verschlechtern können. Darunter fällt auch wie groß die Community ist, wie viele aktive Entwickler es gibt, wie stark die Abhängigkeit vom Unternehmen oder Person dahinter ist und ob ausreichend Interessen berücksichtigt werden, um diese Gesamtheit abzubilden.

Dabei kann Bitcoin auf ganzer Strecke punkten und den aktuell höchsten Grad an Dezentralisierung vorweisen. Die Entscheidung über den Konsensus bei Bitcoin findet nämlich auf Basis von 5 Kräften statt: Miner, Entwickler, Exchanges, Merchants und Nutzer. Erst wenn hier die Mehrheit auf einen Nenner kommt, können bestimmte Regeln oder Code-Updates implementiert werden. Auf der anderen Seite haben wir Cardano, wo die hauptsächliche Entwicklung in der Foundation selbst stattfindet und dadurch eine hohe Abhängigkeit vom Projekt besteht.

Wir sind bereits in unserem Artikel „Bitcoin vs. Ethereum – Wer hat die bessere Geldpolitik?“ auf die Unterschiede in der Geldpolitik von BTC und ETH eingegangen, die auch für Cardano gelten. Cardano ist immer noch in der frühen Entwicklung und daher lässt sich eine Aussage über den Grad der Dezentralisierung gar nicht treffen. Daher sind solche Marketing-Aktionen, in denen behauptet wird, dass Cardano 100x dezentraler als Bitcoin sein soll, immer mit Vorsicht zu genießen. Denn so einfach, wie es wohl die Marketing Abteilung von Cardano sieht, ist es am Ende leider nicht. Wir bleiben wie immer dran und berichten täglich für euch!

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[Bildquelle: Shutterstock]

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