Trotz First Mover Advantage, vermuten große Teile der Krypto-Community, dass Polygon in Zeiten von Arbitrum und Optimism bald hinten anstehen wird. Die vielen Partnerschaften des Networks scheinen aber eine andere Sprache zu sprechen. Auf Twitter hat Polygon jetzt angekündigt, auch das NFT-Game intensiver bespielen zu wollen.

Bei Polygon, ehemals Matic, handelt es sich um eine indische Blockchain-Skalierbarkeitsplattform. Es adressiert einige Herausforderungen, mit denen Ethereum heutzutage konfrontiert ist. Dazu gehören z.B. hohe Transaktionsgebühren und eher langsame Transaktionen.

Das Ziel von Polygon ist es, ein Multi-Chain-Ökosystem von Ethereum-kompatiblen Blockchains zu schaffen. Und das klingt doch eigentlich ganz gut, oder? Wie trotzdem Zweifel aufkommen konnten, wollen wir uns in diesem Artikel mal genauer anschauen.

Was ist Polygon überhaupt?

Vor allem in den letzten sechs Monaten ist die Transaktionsnachfrage bei Ethereum fast schon explodiert. Damit ging gleichzeitig auch eine Erhöhung der Transaktionsgebühren einher. Wer mehr zahlt, dessen Transaktion wird auch schneller abgewickelt. Und das hat natürlich einigen Unmut bei den Ethereum-Nutzern ausgelöst.

Als Lösung haben sich in den letzten Monaten Layer-2-Skalierungslösungen etabliert. Dazu gehört auch Polygon, das wie eine Sidechain funktioniert. Quasi ein völlig unabhängiger Proof-of-Stake-basierter Ethereum-Klon. Die Gebühren hier sind niedrig und die Transaktionsgeschwindigkeit schnell. Klingt nach einer Win-Win-Situation oder?

Leider hat die Medaille wie immer zwei Seiten. Eine bessere Skalierbarkeit hat unweigerlich Auswirkungen auf die Sicherheit und Dezentralität des Systems. Auch Polygon kann nicht die Sicherheit bieten, die Ethereum auf dem Mainnet bereitstellt. Damit wird das System automatisch anfälliger.

Lösen Rollups Polygon bald ab?

Jetzt werden Stimmen in der Krypto-Community sicherlich laut. Rollups könnten hierfür schließlich die Lösung sein. Arbitrum und Optimism funktionieren ebenfalls als Layer-2-Lösungen, aber hier ist die Sicherheit des Ethereum Mainnets gegeben. Auch fällt hier der Wechsel von einem Netzwerk auf das andere Weg, was Polygon-User in der Vergangenheit viel Zeit gekostet hat.

Aber können hier wirklich schon handfeste Vergleiche gezogen werden? Schließlich hat Polygon sich bereits in der Community etabliert und auch einige namhafte Partner an Land gezogen, während Arbitrum und Optimism noch in den Kinderschuhen stecken und erste Tests starten.

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Namhafte Partner schwören auf die Layer-2-Lösung

Vor kurzem gab Polygon bekannt, dass es eine Partnerschaft mit dem Beratungsflügel des indischen Tech-Riesen Infosys Ltd. eingehen wird. Die Zusammenarbeit wird es Unternehmenskunden ermöglichen, die Ethereum-Blockchain cross-operativ zu nutzen.

Polygon wird auch durch eine DeFi-Partnerschaft mit Aave gestärkt. Der Kreditriese ist im April 2021 auf Polygon gestartet und hat bereits rund 66 Tsd. Nutzer auf die Layer-2-Version gelockt. Kreditgeber haben seit Start fast 12 Mrd. USD eingezahlt, 7 Mrd. USD werden aktuell verliehen.

Erst am 13. Juli 2021 erklärte Coinbase, dass das Polygon Netzwerk jetzt auf der Coinbase Wallet Mobile App verfügbar sei. Das Unternehmen hat in diesem Zug noch mal auf hohen Transaktionsgebühren auf Ethereum hingewiesen und auch eingeräumt, dass die eigenen Gebühren die Nutzung des Exchanges zu einem teuren Spaß gemacht haben.

Mit der Verwendung eine Layer-2-Skalierungsmöglichkeit wolle man versuchen, dem entgegen zu wirken. Die Verwendung von Polygon soll hierbei so einfach sein, wie die Auswahl eines aktiven Netzwerkes in der Wallet-App. Leider müssen zuvor erst Token auf der Polygon-Plattform erworben werden. Es kommt also noch ein Zwischenschritt dazu.

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Polygon als attraktives Netzwerk für NFT-Plattformen

Auch in andere Richtungen streckt das Network seine Fühler weiter aus und versucht, im NFT-Game einen Fuß in die Tür zu kriegen. Non-Fungible-Token sind interessant wie eh und je und aus jeder Richtung hört man Ankündigungen zu neuen NFT-Projekten. Gestärkt wird Polygon in dem Bereich auch durch eine Partnerschaft mit dem Trace Network. Derzeit wird Trace für DeFi und NFT verwendet. Alles in der Hoffnung, eine zuverlässige Plattform für Händler zu etablieren, um NFT erfolgreich an die Öffentlichkeit zu bringen.

Und auch auf Twitter stehen NFT für das Unternehmen hoch im Kurs.

Italienische Luxusmode auf dem Network

Und über uninteressante Projekte kann sich Polygon nicht beschweren. Erst vergangene Woche hat das italienische Modelabel Dolce&Gabbana angekündigt, den Sprung ins NFT-Game zu wagen. Die Markteinführung wird von UNXD, einem von Polygon betriebenen NFT-Marktplatz, mitbetreut.

Die Stücke der Collectzione Genesi werden vom 28. bis 29. August auf den D&G-Schauen Alta Moda (High-Fashion), Alta Sartoria (High-Formalwear) und Alta Gioielleria (High-Jewelry) gezeigt. Nach Abschluss dieser Shows wird die Collezione Genesi ab dem 1. September auf dem UNXD-Marktplatz erhältlich sein.

Das erste Stück, das als Teil der Collectzione Genesi enthüllt wird, heißt ‚Dress for a Dream‘. Das Konzept dreht sich um einen lebhaften Traum, den die Gründer D. Dolce & S. Gabbana hatten. Der Rest der Mode-NFTs wird in den Wochen vor den August-Schauen enthüllt.

Ein neues Zuhause für Beeple

Auch in Bereich Digital Art konnte Polygon eine attraktive Partnerschaft an Land ziehen. Mike Winkelmann alias Beeple hat Polygon als got-to-Ethereum-Skalierung ausgewählt, um die Umweltauswirkungen seiner NFT-Plattform WeNew zu reduzieren. Beeple hat im März 2021 ein NFT für 69 Mio. USD verkauft.  Seine kommende Kollektion wird NFT mit dem Wimbledon-Sieger von 2013, Andy Murray, enthalten, die auf Polygon geprägt werden.

https://twitter.com/jack/status/1415765941904941061

Der Start von WeNew ist eine große Bereicherung für Polygons exponentiell wachsendes NFT-Ökosystem. Es umfasst bereits NFT-Tooling, Marktplätze, große Marken und Prominente.

Polygon bei Usern und Partnern beliebt

Das klingt alles so, als wäre das Network noch lange nicht auf dem Abstellgleis angelangt. Wie immer in der Krypto-Szene gilt auch hier: alles hat seine Daseinsberechtigung. Ist es also wirklich notwendig Vergleiche zwischen Polygon und den auf uns zu kommenden Rollups zu ziehen? Es bleibt abzuwarten, was passiert, wenn Arbitrum und Optimism endgültig ins Krypto-Universum integriert sind. Aber Polygon scheint im NFT-Game und auch in der Community bereits einen Stein im Brett zu haben.