Was bedeutet passives Investieren im Kryptomarkt? Welche Vorteile bieten Krypto-ETPs und welche Risiken und Kosten sollten Anleger berücksichtigen? Darüber sprach Bitcoin2Go-Mitgründer Mirco Recksiek mit dem ETF- und ETP-Experten Jan Altmann.
Hinweis zur Einordnung: Das Interview wurde am 23. Oktober 2022 aufgezeichnet. Der begleitende Beitrag wurde am 26. Oktober 2022 veröffentlicht beziehungsweise zuletzt am 08. August 2026 aktualisiert. Jan Altmann war zum Zeitpunkt des Gesprächs Director Investment Strategy bei der ETC Group. Nach deren Übernahme durch Bitwise im August 2024 ist er heute Regional Director, Investment Strategy – Europe bei Bitwise Europe. Die europäischen Produkte der ETC Group wurden 2025 unter der Marke Bitwise zusammengeführt.
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Wer ist Jan Altmann?
Jan Altmann ist Spezialist für börsengehandelte Indexprodukte und beschäftigt sich seit mehr als 20 Jahren mit ETFs und ETPs. Während seiner Tätigkeit bei der Deutschen Börse wirkte er an der Entwicklung des ersten europäischen Handels- und Listingssegments für ETFs mit.
Später beriet er Vermögensverwalter und Indexanbieter zu Produktstrategie, Vertrieb und Marketing. Vor seinem Wechsel in den Kryptosektor war Altmann unter anderem als Senior ETF Analyst bei justETF tätig.
Zum Zeitpunkt des Interviews im Oktober 2022 arbeitete er als Director Investment Strategy bei der ETC Group. Heute ist Jan Altmann Regional Director, Investment Strategy – Europe bei Bitwise Europe.
Was wurde aus der ETC Group?
Die ETC Group bot europäischen Anlegern regulierte, börsengehandelte Produkte auf digitale Vermögenswerte an. Dazu gehörten physisch besicherte Krypto-ETPs auf Kryptowährungen wie Bitcoin und Ethereum.
Im August 2024 wurde die ETC Group vom US-amerikanischen Krypto-Vermögensverwalter Bitwise übernommen. Anfang 2025 wurden die europäischen Produkte unter der Marke Bitwise neu aufgestellt. Wenn im nachfolgenden Interview von der ETC Group gesprochen wird, bezieht sich dies daher auf den damaligen Unternehmensnamen.
Das verwaltete Vermögen der ETC Group lag zum Zeitpunkt des Interviews am 23. Oktober 2022 bei rund 400 Millionen Euro. Diese Zahl dient ausschließlich der historischen Einordnung und beschreibt nicht das heutige verwaltete Vermögen von Bitwise.
Weitere Informationen zu aktuell verfügbaren Produkten findest Du in unserem Vergleich der besten Krypto-ETFs und Krypto-ETPs. Wenn Du dich im Allgemeinen mehr für das Thema interessierst, empfehlen wir unseren kostenlosen Ratgeber zum aktiven und passiven Investieren am Kryptomarkt.
Was bedeutet passives Investieren in Kryptowährungen?
Passives Investieren war in den vergangenen Jahren ein wichtiges Thema. Wie lässt sich dieser Ansatz auf Kryptowährungen übertragen und lohnt sich ein passives Krypto-Investment?
Passives Investieren bedeutet, langfristig nach zuvor festgelegten Regeln zu investieren. Anleger können beispielsweise regelmäßig einen festen Betrag investieren oder einem Index folgen, statt fortlaufend aufgrund kurzfristiger Kursbewegungen zu kaufen und zu verkaufen.
Das ermöglicht es, mit den Risiken des Kapitalmarktes oder Kryptomarktes umzugehen.
Bei klassischen Aktienanlagen haben sich passive Strategien über viele Jahrzehnte etabliert. Sie sollen keine schnellen Gewinne ermöglichen, sondern langfristig von der Entwicklung eines wachsenden Marktes profitieren.
Auf den Kryptomarkt lässt sich dieser Ansatz nur eingeschränkt übertragen. Kryptowährungen verfügen über eine deutlich kürzere Historie und unterliegen stärkeren Kursschwankungen. Zudem ist bei einem Investment in eine einzelne Kryptowährung keine breite Diversifikation gegeben.
Wer regelmäßig einen festen Betrag in Bitcoin investiert, kann den Einstiegszeitpunkt über mehrere Käufe verteilen. Das schützt allerdings weder vor Verlusten noch garantiert der sogenannte Durchschnittskosteneffekt eine positive Rendite.
Wie sich regelmäßige Bitcoin-Käufe in der Vergangenheit entwickelt hätten, kannst Du mit unserem Bitcoin-Sparplanrechner nachvollziehen.
Ist jederzeit der richtige Zeitpunkt für den Vermögensaufbau?
Die Lage an den Finanzmärkten war zum Zeitpunkt des Interviews angespannt. War der Oktober 2022 trotzdem ein sinnvoller Zeitpunkt, um langfristig zu investieren?
Altmann beantwortete diese Frage grundsätzlich mit Ja:
Man sollte immer versuchen, langfristig Vermögen aufzubauen. Ob es im Nachhinein der beste Einstiegszeitpunkt war, weiß man erst später.
Regelmäßiges Investieren kann verhindern, dass die gesamte Anlagesumme zu einem einzigen möglicherweise ungünstigen Zeitpunkt eingesetzt wird. Bei niedrigeren Kursen werden für denselben Betrag mehr Anteile gekauft, bei höheren Kursen entsprechend weniger.
Dieser Durchschnittskosteneffekt reduziert das Timing-Risiko, garantiert aber weder Gewinne noch einen günstigeren durchschnittlichen Einstiegspreis. Entscheidend sind ein ausreichend langer Anlagehorizont, eine tragbare Sparrate und ein Risikoniveau, das zur persönlichen finanziellen Situation passt.
Gerade Kryptowährungen sollten aufgrund ihrer hohen Volatilität nur einen bewusst gewählten Teil eines diversifizierten Portfolios ausmachen.
Was ist ein Krypto-ETP?
Ein ETF ist ein börsengehandelter Investmentfonds, der üblicherweise einen diversifizierten Index abbildet. Ein Produkt, das ausschließlich in eine einzelne Kryptowährung wie Bitcoin investiert, erfüllt in Europa nicht die Diversifikationsanforderungen eines klassischen UCITS-ETF.
Entsprechende Produkte werden deshalb meist als Exchange Traded Products (ETPs) beziehungsweise als ETNs oder Krypto-ETPs angeboten. Sie lassen sich ähnlich wie ETFs über ein Wertpapierdepot an der Börse handeln, unterscheiden sich rechtlich jedoch von klassischen Investmentfonds.
Viele europäische Krypto-ETPs sind physisch besichert. Der Emittent hinterlegt dabei die entsprechende Menge der zugrunde liegenden Kryptowährung bei einer Verwahrstelle. Anleger sollten dennoch genau prüfen, wie das jeweilige Produkt konstruiert und besichert ist.
Mehr zu den Unterschieden erfährst Du in unserem Ratgeber zu ETPs, ETFs und ETNs.
Fazit zum Interview mit Jan Altmann
Das Interview zeigt, warum Krypto-ETPs für Anleger interessant sein können, die über ihr Wertpapierdepot in Bitcoin oder andere digitale Vermögenswerte investieren möchten. Sie reduzieren den technischen Aufwand und lassen sich ähnlich wie andere börsengehandelte Produkte kaufen.
Dem stehen laufende Kosten, begrenzte Börsenzeiten und die Abhängigkeit von der jeweiligen Produktstruktur gegenüber. Wer Kryptowährungen direkt kauft, kann sie dagegen selbst verwahren und innerhalb der Blockchain verwenden, trägt dafür aber auch die vollständige Verantwortung für die sichere Aufbewahrung.
Seit der Aufzeichnung des Interviews hat sich auch das Unternehmen hinter den vorgestellten Produkten verändert: Die ETC Group gehört inzwischen zu Bitwise und tritt in Europa unter der Marke Bitwise Europe auf. Jan Altmann ist dort aktuell als Regional Director, Investment Strategy – Europe tätig. Auf der offiziellen Teamseite von Bitwise findest du weitere Informationen.

