Es ist geschehen: Die U.S. Securities and Exchange Commission (SEC) hat offiziell eine Anklage gegen Ripple, CEO Brad Garlinghouse und Mitgründer Christian Larsen eingereicht. Der Vorwurf: mehrere Verstöße gegen Gesetze aus dem Börsenhandels- und Wertpapierbereich.

Im Wesentlichen geht es um die Sektionen 5(a) und 5(c) des Securities Act von 1933. Die US-amerikanische Börsenaufsicht wirft Ripple Labs, Brad Garlinghouse und Christian Larsen dabei vor, dass XRP nicht als Wertpapier bei der SEC registriert und Veräußerungen nicht gemeldet wurden.

Insgesamt soll es sich hierbei um 1,38 Mrd. USD handeln. Diese sollen Garlinghouse und Larsen a) zur eigenen Bereicherung genutzt und b) für die Aufrechterhaltung von Operationen rundum XRP eingesetzt haben. Unter anderem soll Ripple auch für Listings von XRP an Krypto Börsen gezahlt haben, oder um „Volumenmetriken“ zu erreichen.

Bereits gestern berichteten wir über die Anklage gegen Ripple:
XRP illegal? – Ripple wird von SEC geprüft und angeklagt

Ripple soll durch XRP „illegalen Wertpapierhandel“ betrieben haben

Seit 2013 schon soll Ripple Labs, CEO Brad Garlinghouse und Mitgründer Christian Larsen mehr als 14,6 Mrd. XRP verkauft haben. Und jeder dieser Verkäufe soll gegen geltendes Recht in den USA verstoßen haben. So sieht es zumindest die SEC in ihrer offiziellen Anklage. Die Einnahmen sollen sich dabei auf 1,38 Mrd. USD belaufen haben.

Genutzt wurden diese Summen zur persönlichen Bereicherung der beiden Angeklagten und auch zur Finanzierung der Operationen von Ripple Labs. Die SEC sieht XRP als ein Wertpapier, welches nicht zum Handel bei der Börsenaufsicht registriert wurde. Somit sieht die SEC das Angebot und den Verkauf von XRP seitens Ripple als illegal.

Quelle: SEC

Weiter wirft die SEC Garlinghouse und Larsen vor, dass durch die fehlende Registrierung keine ausreichenden Informationen über XRP existierten. Stattdessen sollen die Angeklagten ein „Informationsvakuum“ erzeugt haben. Dies verstoße gegen Gesetze zum Schutz von Investoren.

Die SEC nennt das Vorgehen von Ripple daher ein „illegales Angebot von Wertpapieren“, obwohl Ripple Rechtshinweise bereits im Jahr 2012 erhalten haben soll. Diese Hinweise sollen ignoriert worden sein und Garlinghouse, als auch Larsen, sollen vorsätzlich ohne Registrierung weitergemacht haben.

Quelle: SEC

Garlinghouse und Co. bereicherten sich, zahlten für Listings und Tradingvolumen

Auch wirft die SEC den beiden Ripple Offiziellen vor, dass sie weiterhin „signifikante Mengen“ an XRP halten und davon „profitieren“. Sie sollen XRP gezielt gekauft und verkauft haben, um so künstliches Tradingvolumen zu erzeugen.

Die Wichtigkeit des Handels von XRP an Krypto Börsen und des Tradingvolumens haben sowohl Garlinghouse, als auch Larsen immer wieder betont. Und die SEC geht noch einen Schritt weiter und führt aus, dass Ripple für Listings an Exchanges und Volumenmetriken gezahlt haben soll.

Quelle: SEC

In einem Beispiel sollen so 17 Mio. XRP an eine nicht weiter benannte Exchange gezahlt worden sein, damit XRP gelistet und zum Handel freigegeben würde. Weitere große Summen sollen monatlich geflossen sein, als „Incentivierung für die Händler“.

Demnach hätte Ripple nicht nur ein illegales Wertpapier angeboten, sondern auch noch für dessen Bereitstellung auf Handelsplattformen gezahlt. Ob sich solche Vorwürfe bewahrheiten können oder nicht muss sich zeigen. Aber solcherlei Vorwürfe können durchaus für einen langfristigen Vertrauensbruch mit den Investoren führen.

Es wird nicht so heiß gegessen, wie gekocht wurde

Brad Harlinghouse und Christian Larsen haben sich also persönlich bereichtert, Investoren in Gefahr gebracht und ein generell illegales Finanzprodukt zum Handel angeboten. So sieht das jedenfalls die SEC und deren Anklage. Was sich davon bewahrheiten und vor Gericht Bestand haben wird, muss sich erst noch zeigen.

Wenn es überhaupt zu einem Gerichtsverfahren kommt! Eine außergerichtliche Einigung wäre durchaus denkbar, zusammen mit ein paar Millionen an Strafzahlung durch Ripple. Laut SEC sollen sich Garlinghouse und Larsen um mindestens 600 Mio. USD bereichert haben, also ist da ja was zu holen.

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XRP Kurseinbruch – Erholung schon in Sicht?

Der XRP Preis reagierte erwartungsgemäß negativ auf die Veröffentlichung der Anklage durch die SEC. Insgesamt ging es seit gestern bereits um rund 30 % nach unten. Aus rein charttechnischer Sicht könnte sich der Preisverlauf aber erholen, wenngleich womöglich nur kurzfristig.

Auf der anderen Seite herrscht immer noch Bullenmarkt-Stimmung an den Märkten und viele rein technische Trader könnten die News entweder nicht verfolgen oder gar ignorieren. Fundamental wird die Anklage durch die SEC aber Folgen haben. Deren Schwere muss sich jedoch erst noch zeigen.

Quelle: Tradingview

Der XRP Kurs befand sich zum Zeitpunkt dieses Artikels bei rund 0,36 USD. Zwei signifikante Kursmarken aus dem Wochenchart wurden dabei bereits nach unten durchbrochen. Anscheinend findet der Preis aber zunächst wohl halt beim 200-Tage gleitenden Durchschnitt und einer steigenden Unterstützungslinie.

Die kritische Unterstützung bei 0,30 USD befindet sich noch ein Stück weit entfernt. Erst ein Fall darunter würde einen weiterhin bärischen Verlauf direkt nahelegen. Die Feiertage und die letzten Tage des Jahres werden für XRP jedenfalls spannend.

Aufgrund einer Anklage ist auch weiterhin mit Verkaufsdruck zu rechnen, ehe eine Wideraufnahme eines bullischen Preisverlaufs stattfinden könnte. In unserer Prognose für den XRP Kurs für Januar, die in den nächsten 10 Tagen veröffentlicht wird, werden wir näher auf die Situation eingehen und eine Neubewertung der Ripple Prognose durchführen!

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Schlusswort zur Ripple Anklage

Die US-amerikanische Börsenaufsicht macht also Ernst mit ihrer Anklage gegen Ripple. Es geht um den Verstoß gegen Gesetze zum Investorenschutz und das illegale Angebot eines nicht registrierten Wertpapiers. Zusätzlich wurden weitere Details bekannt, die Ripple und die beiden Offiziellen nicht gerade im besten Licht dastehen lassen.

Am Ende muss aber auch festgehalten werden, dass eine Strafzahlung vonseiten Ripple die Rechtsstreitigkeiten höchstwahrscheinlich beilegen könnte. Den USA fehlen nach wie vor einheitliche, klare Regulationen zu Kryptowährungen und die SEC ist eine der bedeutendsten Regulationsbehörden diesbezüglich.

Heute Abend wird es um 18:00 Uhr einen Livestream auf YouTube unteranderem zu diesem Thema geben! Schaut vorbei oder schaut euch die aufgezeichnete Version an.