Mit dem Fall unter die psychologisch wichtige Kursmarke von 50.000 USD fragen sich viele Anleger in Bitcoin: „War es das jetzt mit dem Bullenmarkt?“ Und: „Wo ist der Boden?“ Zudem geht die Spurensuche los nach möglichen Hintergründen der anhaltenden Korrektur mit entschlossenem Verkaufsverhalten der Marktteilnehmer. Wir haben uns genauer umgesehen und wagen uns an Antworten und Erklärungsversuche.

Mit mehr als 25 % befindet sich Bitcoin (BTC) mittlerweile in einer scheinbar anhaltenden Korrektur seit Erreichen eines neuen Allzeithochs bei 64.854 USD. Dabei konnten die Käufer im Markt zuletzt die psychologisch wichtige Kursmarke von 50.000 USD nicht halten und der Preis befand sich zum Zeitpunkt dieses Artikels bei unter rund 48.000 USD. Die Fragen, die sich nun viele Marktteilnehmer stellen: „Warum kam es zu diesem Abverkauf, war es das mit dem Bullenmarkt und wo ist der Boden?“. Es folgen Antworten und Erklärungsversuche.

Einerseits galten die Kryptomärkte sowohl charttechnisch, als auch emotional als deutlich überhitzt. Die jüngsten irrationalen Kauforgien in Assets mit fragwürdigen Use Cases belegen das (Stichwort: Dogecoin und Safemoon). Zeitgleich verbreiten Pläne zu steuerlichen Änderungen in den USA scheinbar Angst unter den Anlegern. Steuern auf Einkünfte aus Kapitalanlagen sollen sich fast um das Doppelte erhöhen, was Investments in Kryptowährungen ebenfalls betreffen würde.

Charttechnische Erklärungsversuche für den Abverkauf bei Bitcoin

Die aktuelle Lage ist schnell zusammengefasst. Der Bitcoin Kurs befindet sich in einer offenbar anhaltenden Korrektur seit dem Erreichen eines neuen Allzeithochs bei 64.854 USD. Die Hintergründe sind vielfältig, aus charttechnischer Sicht aber eher simpel. Ein scheinbar steigender Keil gepaart mit bärischen Divergenzen im täglichen RSI Indikator. Die aktuelle Korrekturtiefe liegt bei ca. 25 Prozent. Im Anstieg zum Allzeithoch 2017 beobachteten wir mehrfach 30 bis 35 % Korrekturtiefe.

Quelle: Tradingview

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Und auch im aktuellen Bullenmarkt kam es schon mehrfach zu Korrekturen. Im obigen Chart sehen wir die möglichen Preisziele für eine 30 bzw. 35 % Korrektur. Diese wären bei ca. 45.100 bzw. knapp 42.000 USD. Letzteres Ziel würde den Bitcoin Kurs auch zum 200-Tage gleitenden Durchschnitt befördern… zum ersten Mal in diesem laufenden Bullenmarkt. Im Tageschart war zudem noch keine Preisumkehr ersichtlich, zumindest nicht zum Zeitpunkt dieses Artikels.

Bidens Steuerpläne verunsichern Anleger an den Märkten

Mit dem Bitcoin Kurs in der Korrektur kommen auch immer wieder Fragen nach dem „Warum“. Nun, die charttechnische Sicht ist offengelegt und für jeden selbst nachzuprüfen. Doch was an den Märkten weitaus wichtiger ist, sind die Emotionen der Marktteilnehmer. Und diese Emotionen sind aktuell eher ängstlich gepolt, wie es scheint. Nicht zuletzt wegen der Steuerpläne der US-Administration von US-Präsident Joe Biden.

Denn diese Pläne sehen u.a. eine mehr oder minder Verdopplung der Steuern auf Einkünfte durch Kapitalanlagen vor. 39,6 % sollen es werden, sofern Personen mehr als eine Million US-Dollar aus solchen Anlagen erzielen. Das versetzt vor allem größere Marktteilnehmer in eine gewisse emotionale Ungemütlichkeit. Da wird dann gerne mal das Risiko runtergefahren, was zu Verkaufsdruck führt. Privatanleger (Retail) überreagieren dann gerne mal und tätigen sog. Panikverkäufe.

Erste Umkehrsignale für BTC bereits in Sicht?

Auf der Suche nach Umkehrsignalen im Bitcoin Kurs stoßen wir im 4-Stunden-Chart auf erste Anhaltspunkte. Eine bullische Divergenz im RSI Indikator schürt hier Hoffnung, wenngleich keine Garantie besteht, dass der Markt diese Divergenz auch bestätigt. Der Preis von BTC fiel aus einem scheinbaren steigenden Keil und bestätigte den Fall aus dem bärischen Chartmuster mit einem erneuten Test der unteren Trendlinie. Keile gelten als starke Chartmuster, was einen weiteren Abverkauf nicht ausschließt.

Quelle: Tradingview

On-Chain sehen wir derweilen, dass die großen Transaktionen (ab einer Summe von 100.000 USD) im Bitcoin Netzwerk nachlassen. Dies deutet darauf hin, dass wir tatsächlich keinen oder nur sehr wenig Anteil an institutionellem Verkaufsdruck sehen. Wenig verwunderlich, denn institutionelle Investoren haben meist längere Zeithorizonte für ihre Investitionen und fallen impulsiven Handlungen nicht gar so leicht zum Opfer, wie Retail.

Schlusswort: Angst und Panik sind schlechte Ratgeber

Wenngleich Angst und Panik bei stärkeren Abverkäufen nicht zu vermeiden sind, so sollten die Signale der Chartanalyse dann doch dazu beitragen, dass die aktuelle Situation als das eingeordnet wird, was sie ist: eine Korrektur. Bullenmärkte verlaufen nicht einfach nur parabolisch am Stück, sondern eher wellenförmig mit Anstiegen und Korrekturen. Bis ca. 42.000 USD sehen wir also lediglich eine Korrektur, die am Ende womöglich weitere starke Hände in den Bitcoin Kurs zieht, um einen Wiederanstieg einzuleiten.