Die größte Gefahr für Bitcoin ist keine 51% Attacke, sondern…

Was sind eigentlich die größten Gefahren für Bitcoin? Genau dieser Frage wollen wir in diesem Artikel auf den Grund gehen und erklären, welche Gefahren dem Bitcoin Netzwerk drohen, welche wirklich ernst zunehmen sind und welche Rolle der Faktor Mensch dabei einnimmt. Menschen die schon länger im Bitcoin Space unterwegs sind, haben mittlerweile ein dickes Fell aufgebaut und sind entspannter geworden bezüglich des kursierenden FUD. Allerdings gibt es laut Andreas Antonopoulos eine ernstzunehmende Gefahr.

Bitcoin in Gefahr: Eine 51% Attacke – wirkungslos und teuer?

Eine der bekanntesten Gefahren für Bitcoin ist die 51% Attacke. Hier können wir aber schnell relativieren: Bitcoin hat mittlerweile eine so hohe Rechenleistung erreicht, das eigentlich Niemanden (kein Land, keine Organisation, kein Unternehmen) in der Lage wäre eine höhere Rechenleistung als das Bitcoin Netzwerk bereitzustellen. Sie müsste also erst zusammengeschlossen und extrem präzise koordiniert werden um eine 51% Attacke auszuführen und die Rechenleistung von Bitcoin zu übertrumpfen.

Die Unterhaltung dieser Rechenleistung und die Durchführung der Attacke würde aber wiederum so viel Geld kosten, dass es sich gar nicht lohnt. Das gilt insbesondere auch für Quantencomputer. Denn selbst bei einer erfolgreichen Attacke hätten die Hacker eben nur Kontrolle über die nächsten 10 Minuten bzw. den nächsten Block der Bitcoin Blockchain. Die Angreifer könnten also einen Doublespend ausführen, welcher aber höchstwahrscheinlich nicht die Kosten des Angriffs zurückbringt.

Warum eine 51% Attacke sinnlos ist und was es kostet

Die langfristige Übernahme des Bitcoin Netzwerkes ist sinnlos, weil alle Miner und Nodes dann auf eine Fork der Bitcoin Blockchain umsteigen würden. Niemand würde die gehackte Version der Bitcoin Blockchain benutzen und somit würde das Netzwerk und die BTC für die Angreifer keinen Wert mehr haben. Dennoch würde es für Bitcoin und das Vertrauen in das Netzwerk wohl einen erheblichen Rufschaden mit sich bringen. Vielleicht ist das ja auch das Ziel eines Angreifers. Ein teurer Spaß und nicht zwingend das Ende, dennoch wie gesagt äußerst unwahrscheinlich.

Andreas Antonopoulos schätzt übrigens die Kosten einer 51% Attacke auf etwa 1 Milliarde US-Dollar. Die „Hacker“ müssten also mehr als 100.000 Bitcoin erbeuten und diese bei einem Preis von 10.000 US-Dollar verkaufen um allein die Kosten zu decken. Das dies ohnehin nicht aufgehen kann wurde ja bereits oben beschrieben.

Außerdem gibt er in seinem Video sogar noch eine Empfehlung für die Angreifer: Anstatt das Risiko einer missglückten oder unprofitablen 51% Attacke einzugehen, sollten die Hacker ihre Rechenleistung benutzen um Bitcoin zu minen, das wäre ganz einfach und funktioniert in jedem Fall.

Naturkatastrophen und Elektromagnetische Impulse (EMP)

Widmen wir uns nun weiteren Gefahren für das Bitcoin Netzwerk, denn diese sind wie die Corona Krise bewiesen hat, nicht zu unterschätzen. Dazu zählen eben auch großflächige Stromausfälle, die durch Naturkatastrophen oder Elektromagnetische Impulse verursacht werden. Aber länderübergreifende Stromausfälle würden nicht nur dem Bitcoin-Netzwerk, sondern vor allem dem traditionellen Finanzsystem schaden. Für einen Angriff auf das Bitcoin Netzwerk selbst eignet sich ein EMP also nicht wirklich. Eine dezentrale Struktur zu schädigen bzw. wieder aufzubauen ist nämlich viel einfacher als eine Zentrale und ich glaube wir haben andere Probleme, sollte es zu einem weltweiten Blackout kommen.

Für Bitcoin wäre auch die Motivation und das Incentive in Form der Mining Rewards viel größer als das einer Bank. Wer würde schon, selbst wenn er könnte der eigenen Hausbank nach einem Stromausfall seine Rechenleistung zur Verfügung stellen, ohne das er dafür entlohnt wird?

Die größte Gefahr für Bitcoin: Der Mensch und die Politik bzw. Regulierung

Die größte Gefahr sieht Andreas Antonopoulos in der Politik. Auch wenn er ein komplettes Verbot von Bitcoin in der westlichen Welt für relativ unwahrscheinlich hält, kann Bitcoin aber auch dort durch langsame Unterwanderung gefährdet werden. Dabei könnten Regierungen die rechtliche Handhabe von Bitcoin schleichend verändern oder immer höhere Steuern und Abgaben auf den Besitz von BTC erheben.

Zusätzlich könnte durch digitales Zentralbankgeld eine vermeintliche Alternative zu Bitcoin geschaffen werden. Vermeintlich, da die aktuellen Ideen hinter digitalem Zentralbankgeld nicht wirklich besser als das aktuelle Fiat-Geld sind und die Freiheiten der Bürger sogar noch deutlicher einschränken könnten.

Wenn wir uns nun außerhalb unserer westlichen Welt umschauen, merken wir, das fast die Hälfte der Erdbevölkerung von totalitären und teilweise diktatorischen und korrupten System regiert wird. Dort hält Andreas Antonopoulos es für deutlich wahrscheinlich, dass Bitcoin für illegal erklärt wird. Geltendes Recht und Gesetze zu brechen nur um Bitcoin zu benutzen oder zu besitzen? Eher unwahrscheinlich, vor allem weil in solchen Ländern drohen wohl auch deutlich schlimmere Strafen drohen könnten.

Fazit

Andreas Antonopoulos liegt mit seinen Überlegungen erstaunlich aktuell am Tagesgeschehen: So gibt es aktuelle Gerüchte über ein geplantes Bitcoin Verbot in Russland, welches aus einem durchgesickerten Gesetzentwurf stammt. Des Weiteren stehen Spekulationen im Raum, dass dem zweitgrößten chinesischer Miner der Betrieb untersagt wird und dadurch 9% der Bitcoin Hashrate auf dem Spiel stehen. Alles Spekulationen und viel FUD, der aber wie auch schon die Vergangenheit beweist, dass die größte Gefahr für Bitcoin der Faktor Mensch darstellt.

Wer sich jetzt fragt wo denn Preis Manipulationen durch Whales, Hashrate Einbrüche oder Pandemien wie das Corona Virus sich in diesem Bild wiederfinden, dem sei gesagt, dass diese „Gefahren“ zwar den Bitcoin Kurs beeinflussen, aber eben nicht die grundlegenden Eigenschaften des Netzwerks.

Wem das noch nicht reicht, dem lege ich das komplette Video von Andreas Antonopoulos ans Herz. Zwar auf Englisch, aber äußerst informativ:

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[Bildquelle: Shutterstock]

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