Die Nachricht aus El Salvador im Juni machte weltweit Schlagzeilen: Als erstes Land der Welt hatte Präsident Nayib Bukele in seinem Land Bitcoin als offizielle Währung eingeführt. Nun hat eine Umfrage unter Bürger in El Salvador festgestellt, dass 77 % der Befragten die Einführung von BTC als Währung kritisch sehen. Allerdings haben auch viele angegeben, nahezu nichts über die Kryptowährung zu wissen.

Die Studie, die von Wissenschaftlern der Francisco Gavidia Universität in San Salvador durchgeführt wurde, fragte, wie die Bürger die Einführung von Bitcoin bewerten. 3 von 4 Befragten oder 77 % gaben an, dass sie das Vorhaben von Präsident Bukele „nicht besonders schlau“ oder „überhaupt nicht schlau“ finden. Nur knapp 20 % der Befragten äußerten sich positiv gegenüber der Entscheidung für BTC.

Auch wenn die Studienteilnehmer nach Altersgruppen sortiert werden, gibt es keine Gruppe, die sich mehrheitlich positiv gegenüber der offiziellen Bitcoin-Adoption zeigt. Bei der Studie befragten die Wissenschafter 1233 Menschen zwischen dem 1. und 4. Juli, wobei darauf geachtet wurde, dass jede befragte Person aus einer anderen Familie kam, damit eine möglichst hohe Stichprobenvielfalt erreicht werden konnte.

Studie findet vor allem fehlende Aufklärung über BTC heraus

Die Ergebnisse der Studie stehen im starken Kontrast zum weltweiten Echo aus der Kryptobranche. Diese feierte die Entscheidung von Präsident Bukele natürlich ungemein. Bei all den Vorteilen, die eine Adoption BTC als offizielles Zahlungsmittel mit sich bringt, wurde von der Regierung in El Salvador leider das fehlende Wissen der Bevölkerung über Kryptowährungen außer Acht gelassen.

61 % der Händler in El Salvador sagte, dass sie keine Bezahlung in Bitcoin annehmen wollen und 64 % gaben an, dass sie keine Lohnzahlungen in BTC akzeptieren wollen. Wichtig anzumerken dabei ist, dass neben dem US-Dollar BTC damit eine vollständig akzeptierte Währung in dem Land ist.

Lesetipp: Bitcoin wird zum gesetzlichen Zahlungsmittel: El Salvador startet die Hyperbitcoinization

Vorteile von Bitcoin müssen besser kommuniziert werden

In der breiten Bevölkerung in El Salvador scheinen die vielen Vorteile von Bitcoin noch nicht wirklich angekommen zu sein. Jedoch könnten sowohl fehlende Bildung, schlechter Internetzugang und generelle Armut Gründe für die ablehnende Haltung gegenüber Bitcoin sein.

In einem armen Land wie El Salvador, bei dem das kaufkraftbereinigte BIP pro Kopf bei etwa 9100 US-Dollar liegt, sind Menschen möglicherweise schlechter von den Vorteilen eines digitalen und dezentralen Wertspeichers zu überzeugen als in Nationen, die schon länger und intensiver Kontakte in diese Welt haben.

Bitcoin Adaption kann nicht über Nacht zum Erfolg werden

Ein weiterer Punkt, der die kritische Haltung in der Bevölkerung gegenüber der Einführung von BTC erklären könnte, ist der autoritäre Politikstil von Präsident Bukele sein. Auch wenn er vollmundig versprochen hatte, mit der Adaption von Bitcoin auch finanzielle und soziale Freiheiten in dem Land zu fördern, ist eher das Gegenteil der Fall.

Im Demokratie-Index von The Economist wird El Salvador als ein „Hybrid Regime“ bezeichnet. Das ist nur einen Rang über echter Autokratie, und weiter weg von echter Demokratie. Deshalb ist auch die Entscheidung für die Einführung von Bitcoin von Präsident Bukele mehr oder weniger im Alleingang gefällt worden. Die Diskussion im Parlament dauerte nur wenige Stunden, dann wurde das Gesetz genau so bestätigt wie von Bukele vorgeschlagen.

Bildung und Aufklärung sind der Schlüssel zum Erfolg

Die Studie fand auch einigermaßen kuriose Fakten heraus: Von den älteren Befragten in der Studie glauben viele, dass Bitcoin eine Währung aus Metall ist. Dadurch wird deutlich, was nötig ist, damit Bitcoin in El Salvador langfristig zum Erfolg wird: Bildung und Aufklärung in der breiten Bevölkerung.