Bitcoin hat unbestritten viele revolutionäre Vorteile. Ein immer wiederkehrender Kritikpunkt an der ältesten Kryptowährung ist allerdings der hohe Energieverbrauch, der aus dem Proof-of-Work (PoW) Verfahren resultiert. Kann Bitcoin sein schlechtes Umwelt-Image verändern?

Der aktuelle jährliche Energieverbrauch des Bitcoin Netzwerkes wird laut dem Cambridge Bitcoin Electricity Consumption Index mit ca. 130 Terawattstunden angegeben, zum Vergleich: Deutschland hat in 2020 etwa 544 Terawattstunden Strom verbraucht.

Natürlich wird diese riesige Menge Strom von verschiedenen Seiten immer wieder als Kritikpunkt an Bitcoin genannt. So erst kürzlich, passend zum Earth Day, hat sich dazu einer der beiden Gründer von Ripple Labs, Chris Larsen, geäußert.

Er kritisierte dabei den großen Energiebedarf von Bitcoin und nannte Ethereum und die hauseigene Währung Ripple als Vorbilder, da Ethereum zum Beispiel auf das Proof-of-Stake (PoS) Verfahren umsteigen wird, welches wesentlich energieeffizienter sein wird.

Proof-of-Stake keine Alternative für Bitcoin

Natürlich musste er dabei auch Ripple (XRP) promoten und betonte, dass das XRP Netzwerk jährlich etwa so viel Strom benötigt, wie etwa 50 amerikanische Haushalte – im Gegensatz zu den 12 Millionen Haushalten, die Bitcoin aktuell braucht. Diese Kritik kommt natürlich nicht ganz uneigennützig, greift aber einen Punkt auf, der immer wieder gegen Bitcoin ins Feld geführt wird.

Chris Larsen ging sogar soweit und schlug vor, Bitcoin sollte auch in Zukunft in ein Proof-of-Stake Verfahren übergehen, was jedoch bei näherer Betrachtung abwegig erscheint: Das Proof-of-Work Verfahren bei BTC ist die Basis und der entscheidende Sicherheitsaspekt der ältesten Kryptowährung. Zudem führt Proof-of-Stake zu anderen Problemen, die bei PoW nicht entstehen.

In den Anfangsjahren von Bitcoin war es noch nahezu jedem Menschen möglich, den eigenen Rechner laufen zu lassen und so Bitcoin zu minen. Heute ist dazu spezielle Hardware notwendig. Diese Hardware steht heute zumeist in großen Rechenzentren, wovon sich etwa 70% in China befinden.

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Bitcoin Mining setzt Anreize für erneuerbare Energien

In der Fachzeitschrift „Nature“ äußern chinesische Wissenschaftler, dass ohne staatlichen Eingriffe oder neue Gesetze der Energiebedarf des Bitcoin Netzwerks 2024 seinen Peak erreichen wird. Jährlich soll der Energiebedarf circa 296 Terawattstunden betragen, wobei 130 Millionen CO2 produziert werden. Diese Menge CO2 ist Vergleichbar mit dem Ausstoß von Tschechien.

In China wird für die Stromerzeugung vor allem Kohle genutzt. Die chinesischen Wissenschaftler sind der Meinung, dass Regierungen die Mining-Farmen nicht mit einer CO2-Steuer „bestrafen“ sollten, sondern den Unternehmen Anreize bieten sollten, ihre Strombedarf in der Zukunft durch erneuerbare Quellen zu decken.

Somit würden Mining Unternehmen aktiv in den Prozess eingebunden werden, Schritte zu einer nachhaltigeren und klimaneutralen Zukunft zu gehen. Zudem führt der hohe Konkurrenzdruck beim BTC-Mining automatisch dazu, dass immer mehr erneuerbare Energiequellen eingesetzt werden, da es sich hierbei in den meisten Fällen um die günstigste Energiequellen handelt.

Ein positives Vorbild dafür ist zum Beispiel Island: Dessen Energiebedarf wird fast vollständig über erneuerbare Energien gedeckt und Bitcoin-Mining ist dort somit eine „saubere Sache“.

Somit bleibt festzuhalten, dass sowohl für das Bitcoin-Netzwerk als auch unser aller Stromverbrauch nicht unbedingt entscheidend ist, wie viel Strom verwendet wird, sondern vor allem wie dieser erzeugt wird.