Bitcoin On-Chain Analyse: Glassnode Report KW 23/2021

Das Sentiment im Bitcoin Kurs ist vielleicht nicht direkt bärisch, aber wohl eher im unsicheren bis ängstlichen Bereich angesiedelt. Die Käufer und Verkäufer scheinen sich in ihren eigenen Reihen uneinig und so kam es zuletzt zu weniger dominanten Preisbewegungen. Die On-Chain Daten von Glassnode zeigen derweilen einen Einbruch.

Der Bitcoin Kurs konsolidierte eine weitere Woche, diesmal innerhalb einer Preispanne von 39.242 und 34.942 USD. Dabei bildete der Preis durch tiefere Hochs und höhere Tiefs einen Triangel, aus dem es bisweilen mehrere Ausbruchsversuche in beide Richtungen gab. Die On-Chain Daten zur Netzwerkaktivität, zu Transfervolumen und den Transaktionsgebühren fielen derweilen für BTC und ETH zurück auf Niveaus aus 2020 bzw. Anfang 2021.

Ein klares bullisches oder bärisches Sentiment ist derweilen nicht zu erkennen. Der Kampf zwischen Käufern und Verkäufern geht weiter und die Emotionen fahren Achterbahn. Die möglichen Szenarien in Sachen Preisentwicklung sind also vielseitig und ein langfristiger Abwärtstrend alles andere, als bestätigt.

Disclaimer: Dieser Report basiert auf Daten und dem wöchentlichen Newsletter in englischer Sprache von Glassnode und wird in dieser Form nur bei Bitcoin2Go erscheinen. Wir freuen uns euch jede Woche die frischen Glassnode On-Chain Daten für den Bitcoin präsentieren zu dürfen.

Bitcoin Kurs von GlassnodeQuelle: Glassnode

BTC-Netzwerkaktivitäten im Rückgang

On-Chain sind die Charakteristiken eines Bullenmarktes in vielen Metriken zu suchen. In jedem Fall gehört aber eine steigende Nachfrage nach Transaktionsabwicklungen und Wertetransfers dazu. Das resultiert dann in höheren Transaktionskosten, weil viele Marktteilnehmer ihre Transaktionen gerne „priorisiert“ sehen würden. Denn die Nachfrage nach BTC steigt an und Langzeitinvestoren wollen womöglich schrittweise Coins in die steigenden Preise verteilen.

Doch diese Nachfrage ließ in der vergangenen Woche teils stark nach. Eine ganze Reihe an On-Chain Daten zeigt dabei signifikante Einbrüche. Seit Januar 2021 bspw. hielt sich das Niveau aller aktiven Bitcoin-Adressen bei rund 1,15 Millionen. Das ist in etwa das Niveau des Bullenmarktes 2017. Damals hielt dieses Niveau an Netzwerkaktivität aber lediglich für ein paar Tage, ehe es zu einem 33-prozentigen Einbruch kam.

Aktive Adressen im Bitcoin-NetzwerkQuelle: Glassnode

Im aktuellen Marktzyklus konnte dieses Niveau hingegen für 5 Monate gehalten werden, ehe es nun zu einem 18-prozentigen Einbruch kam. Es kam also lediglich zur Hälfte des Einbruchs, den wir 2017 beobachteten. Es besteht also immer noch Nachfrage, wenngleich die Aktivität im BTC-Netzwerk fällt. Das könnte durchaus andeuten, dass hier noch Luft nach oben ist.

Aktive Entitäten im Bitcoin-NetzwerkQuelle: Glassnode

Die Anzahl der aktiven Entitäten im Bitcoin-Netzwerk zeigt einen ähnlichen Einbruch von ca. 375.000 auf 250.000. Auch hier decken sich die Daten mit den Werten aus 2017/2018, als Interesse an BTC aufgrund der fallenden Preise im Bitcoin Kurs nachgelassen hatte.

Nachfrage nach Abwicklungen von Transaktionen via BTC und ETH fällt

Das Transfervolumen des BTC-Netzwerks brach noch drastischer ein. In den letzten zwei Wochen sahen wir eine 65-prozentige Reduktion von über 43 Mrd. USD pro Tag (Durchschnitt) auf 15 Mrd. USD pro Tag (Durchschnitt). Nur das Ende des Bullenmarktes 2017 ist ein vergleichbares Events aus der jüngeren Historie. Damals brach das Transfervolumen um 80 % im Verlauf von rund 3 Monaten ein.

Angepasstes Transaktionsvolumen für BTCQuelle: Glassnode

Und nicht nur bei Bitcoin beobachten wir einen solchen Rückgang. Das Transaktionsvolumen via Ethereum brach ebenfalls ein, um mehr als 60 % innerhalb der letzten 14 Tage. Einzig vergleichbares Event: Der Einbruch aus 2018. Doch dieser fiel mit -95 % weitaus extremer aus. Auch hier gilt also: Es scheint noch Nachfrage zu bestehen, die Frage ist nur, ob diese wieder steigt und für mehr Momentum sorgt oder nicht.

Angepasstes Transaktionsvolumen für EthereumQuelle: Glassnode

Lesetipp: Bitcoin als Zahlungsmittel für El Salvador – Beginn der BTC Revolution?

Transaktionskosten bei den beiden größten Kryptowährungen auf Mitte 2020 Niveaus

Während die Nachfrage nach Abwicklung von Transaktionen nachlässt, sehen wir auch einen Rückgang in den Transaktionskosten auf dem Bitcoin- und Ethereum-Netzwerk. Allzeithochs in den Transaktionskosten wurden im April und Mai 2021 markiert. 60 USD und mehr waren dabei keine Seltenheit. Mittlerweile sind die Transaktionskosten aber wieder auf Niveaus aus Mitte 2020 zurückgekehrt.

Transaktionskosten via BTC und ETHQuelle: Glassnode

Nahezu durch die Bank stellt der vergangene Mai 2021 einen starken Rückgang dar. Wir beobachten demnach in vielen On-Chain Daten einen rapiden Übergang von ehemals Boom mit Allzeithochs zu stark nachlassender Nachfrage. Ist das schon ein Bärenmarkt? Nun, noch ist eine anhaltende, langfristige Phase fallender Preise noch nicht bestätigt. Der Markt zeigt dafür noch zu wenig Entschlossenheit.

Liquide Bitcoins nehmen insgesamt weiter ab

Über das vergangene Monat hinweg kamen rund 160.700 BTC in den liquiden Umlauf. Das gibt uns einen Hinweis auf die Menge des Angebots, welches Marktteilnehmer im Bitcoin Kurs zunächst absorbieren müssten, ehe ein Wiederanstieg möglich würde.

Liquide und hoch liquide BitcoinsQuelle: Glassnode

Viel wichtiger hierbei ist aber die Tatsache, dass diese ca. 160.700 BTC lediglich 22 % von der Menge ausmachen, welche von liquide zu illiquide wechselte. Seit März 2020 wurden ca. 744.000 BTC aus dem liquiden Umlauf entfernt. 78 % dieser Menge bleibt bis heute illiquide und verursacht demnach keinen direkten Verkaufsdruck. Und das trotz der Panik unter Privatanlegern und anderer Unsicherheiten am Markt.

Anzahl an Adressen mit Guthaben auf dem Bitcoin-NetzwerkQuelle: Glassnode

Die Anzahl aller Adressen mit Guthaben im Bitcoin-Netzwerk nahm im Verlauf des vergangenen Monats aber ab. Insgesamt ließ diese Anzahl um rund 1,2 Mio. Adressen nach. Das entspricht lediglich einem Minus von 3 Prozent. Im Bullenmarkt 2017 sahen wir nach Erreichen des endgültigen Allzeithochs einen Einbruch dieser Metrik um 33 %. Es bleibt also scheinbar dabei: schwache Hände verkaufen, starke Hände akkumulieren und halten.

Schwache Hände dominieren weiterhin den Bitcoin Kurs

Gehen wir diesem Narrativ der letzten On-Chain Reports nach. Dies gelingt uns durch die sog. Spent Output Profit Ratio (SOPR). Uns interessieren dabei zwei Fragen:

    • Verkaufen immer noch großteils Kurzzeitinvestoren?
    • Realisieren die Verkäufer weiterhin Verluste?

Der nachfolgende Chart vergleicht dazu die angepasste SOPR mit der SOPR für Kurzzeitinvestoren (Haltedauer von BTC unterhalb von 155 Tagen). Beide Werte sind dabei unterhalb von 1.0, was bedeutet, dass (weiterhin) Verluste realisiert werden. Die SOPR für Kurzzeitinvestoren ist allerdings deutlich unterhalb der angepassten SOPR. Der größere Anteil an realisierten Verlusten liegt also aufseiten der „schwachen Hände“.

aSOPR und STH-SOPR für BitcoinQuelle: Glassnode

Die Gesamtmenge an Bitcoin gehalten durch Langzeitinvestoren nimmt hingegen zu. Nachdem diese Gruppe an Marktteilnehmern in der jüngeren Vergangenheit noch Gewinne realisiert hatte, kehrten die sog. HODLer zurück zur Akkumulation. Auch hier sehen wir ein ähnliches Verhalten wie schon 2017/2018. Langzeitinvestoren akkumulieren die jetzt „günstigen“ Coins.

Gesamtmenge an BTC gehalten durch LangzeitinvestorenQuelle: Glassnode

Das gespannte warten auf Entschlossenheit am Markt

Die On-Chain Daten von Glassnode zeigen uns eine simple Realität. Höhere Preise erfordern mehr Liquidität, um diese Preise auch zu halten bzw. weiter zu steigern. Die Distribution von vergleichsweise wenigen Coins kann dann lokale Hochs erzeugen, da die Nachfrage das Angebot entweder nicht absorbieren kann oder aber frischer Geldfluss fehlt.

Bitcoin und die anderen Kryptomärkte befinden sich in einer spannenden Zeit. Und die Kursverläufe der nächsten Wochen werden zeigen, wohin die Reise gehen wird. Bisweilen bleibt alles beim Alten: Verkäufer sind dominanter als die Käufer, allerdings nur auf einer isolierten Ebene. Sollte frisches Geld in den Markt fließen, könnte das Sentiment und die Preisbewegungen schnell wieder flippen.

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