Diese Woche dreht sich alles um das Bitcoin-Mining und die BTC Hashrate. Denn die „große Migration“ hat begonnen mit rund 50 % aller Miner offline und Mitten im Umzug. Die On-Chain Daten von Glassnode nehmen uns dabei tief mit in die Materie, um das gesamte Ausmaß dieser geschichtsträchtigen Hashrate-Migration zu erörtern.

Der Bitcoin Kurs konnte sich in der vergangenen Woche leicht nach oben arbeiten, befindet sich aber nach wie vor innerhalb der Preiszone, die wir nun schon seit Mitte Mai 2021 sehen. Insgesamt bewegte sich der Preis pro BTC dabei zwischen einem Wochenhoch bei 36.460 USD und einem Wochentief bei 32.775 USD. Die Volatilität schien dabei abnehmend, der Preis insgesamt konsolidierend.

Gleichzeitig findet die größte Migration von Hashrate in der Geschichte des Bitcoin-Netzwerks statt. Mit rund 50 % aller Miner offline, gab es zudem die größte Anpassung des Schweregrads im Bitcoin-Mining mit -27,94 %. Deshalb konzentrieren wir uns in dieser Woche eben auf Mining, Hashrate und weitere On-Chain Daten, die uns Insights über das Ausmaß dieser Migration geben.

Disclaimer: Dieser Report basiert auf Daten und dem wöchentlichen Newsletter in englischer Sprache von Glassnode und wird in dieser Form nur bei Bitcoin2Go erscheinen. Wir freuen uns euch jede Woche die frischen Glassnode On-Chain Daten für den Bitcoin präsentieren zu dürfen.

Quelle: Glassnode

Die große Migration im Bitcoin-Mining

Während die Volatilität im Bitcoin Kurs in der vergangenen Woche nachgelassen hatte, nahm die Volatilität in den Metriken rundum das Bitcoin-Mining deutlich zu. Dies ist natürlich auf den regulatorischen Crackdown in China zurückzuführen. Wenn große Mengen an Hashrate plötzlich fehlen, wirkt sich dies zunächst maßgeblich auf die Geschwindigkeit aus, in welcher neue Blocks gefunden werden.

In der vergangenen Woche lag das Block-Intervall im 24-Stunden-Durchschnitt im Höchststand bei 1.958 Sekunden, also rund 32,6 Minuten. Das sind mal eben 226 % mehr, als das eigentliche Ziel von 600 Sekunden pro Block. Doch die größte Anpassung des Schweregrads im Bitcoin-Mining brachte die Block-Intervalle wieder runter auf 800 bis 900 Sekunden.

Quelle: Glassnode

Wenn wir rauszoomen, dann sehen wir, dass 32,6 Minuten pro Block das langsamste Block-Intervall der Geschichte von Bitcoin war. Die „Cypherpunk Ära“ aus 2009 lassen wir hier mal außen vor. Damals hatte BTC noch nicht mal einen Marktpreis. Die nächsten vergleichbaren Block-Intervalle beobachten wir zum Ende des Bullenmarktes 2017.

Quelle: Glassnode

Um die Ausmaße der Migration der BTC Hashrate weiter zu erörtern, orientieren wir uns am letzten Höchststand der Hashrate aus dem April und Mai 2021. Damals hatten wir so um die 180 EH/s und fielen dann auf ein lokales Tief bei 65 EH/s. Dies geschah – wenig verwunderlich – in Korrelation mit den hohen Block-Intervallen am 28. Juni 2021. Die Hashrate hat sich seither wieder erholt, befindet sich aber immer noch 38 bis 49 % unter dem Höchststand.

Quelle: Glassnode

Mit der größten Anpassung des Schweregrads im Bitcoin-Mining sehen die Difficulty Ribbon eine sog. Inversion. Dies ist ein sehr, sehr seltenes Event, in welchem die schnelleren gleitenden Durchschnitt (9-Tage, 14-Tage, etc.) unter die längeren gleitenden Durchschnitte fallen (128-Tage und 200-Tage).

Diese Difficulty Ribbon Inversion repräsentiert normalerweise eine Kapitulation der BTC Miner. Solche Events beobachten wir zum Beispiel in Bärenmärkten oder nach Halving Events. BTC Miner schalten in der Zeit ihre Maschinen ab, da die Kosten durch die Einnahmen nicht mehr gedeckt werden. Und historisch korrelieren diese Inversionen mit starker, bullischer Preisumkehr.

Quelle: Glassnode

Das Einkommen der verbleibenden BTC Miner steigt

Während Difficulty Ribbon Inversionen historisch starke Signale sind, ist 2021 alles ein wenig anders. Denn die immensen Kosten für den logistisch aufwändigen Umzug von China in andere Teile der Welt könnten dazu führen, dass BTC Miner ungewöhnlich viel Distribution betreiben müssen, um diese Kosten zu decken.

Quelle: Glassnode

Die verbleibenden BTC Miner im Netzwerk dürfen sich allerdings zwischenzeitlich über satte Mehreinnahmen freuen. Denn rund 25 bis 30 Mio. USD pro Tag fließen in deren Taschen. Diese Summen sind schon inkl. Block Rewards, dafür aber aufgeteilt zwischen weit weniger Mining Pools. Mining Pools, die nun Aufwertungen in der bereitgestellten Rechenpower sehen könnten, um von diesen Umsatzsteigerungen zu profitieren.

Ein Blick auf den Puell Multiple Indikator

Viele Analysten deuteten zuletzt auf den Umstand hin, dass der sog. Puell Multiple Indikator in der unterbewerteten Zone sei. Der Indikator misst die Profitabilität von BTC Minern, indem die täglichen Einnahmen der Miner in USD ins Verhältnis mit den Einnahmen der letzten 365-Tage (geglättet) gebracht werden.

Hohe Werte im Puell Multiple signalisieren dabei hohe Profitabilität der BTC Miner und dadurch auch mehr Incentivierung zu verkaufen, was wiederum die Menge an liquiden BTC auf dem Bitcoin Markt steigert. Niedrige Werte hingegen signalisieren geringe Einnahmen und damit auch geringere Incentivierung zum Verkauf.

Quelle: Glassnode

Na dann ist doch alles prima, oder? Unterbewerteter Puell Multiple führte stets zu Preisanstiegen. Nun, in der Tat kam ein unterbewerteter Puell Multiple nur 5 Mal in der Vergangenheit vor. Und jedes Mal korrelierte dieser Umstand mit darauf folgenden Preisanstiegen. Doch 2021 ist alles anders, wie schon mal erwähnt. Denn die Hintergründe für das Fallen des Puell Multiples sind rein technischer Natur:

    • Block-Intervalle erhöhten sich um 226 %
    • Dies führte dazu, dass nur 40 % der normalen Anzahl an Blocks gefunden wurden
    • Das wiederum führte auch zu weniger Block Rewards pro Tag
    • Die Anpassung des Schweregrads im Bitcoin-Mining hat diesen Umstand seither korrigiert

Fast schon logisch nachvollziehbar, dass der Puell Multiple aufgrund der dargelegten Umstände fallen musste. Denn die Rate an neuen BTC fiel in der Tat sogar auf ein Allzeittief von 0,71 %, was einem Stock-to-Flow-Verhältnis von 140 entspricht. Bitcoin war also kurzfristig betrachtet um rund 2,37x rarer als Gold… wenn auch nur für einen Tag.

Quelle: Glassnode