Die vergangene Woche war äußerst ruhig im Bitcoin Kurs. Die Volatilität ließ weiter nach, während der Preis pro BTC eine immer engere, kurzfristige Preisspanne annimmt. Eben diese Abnahme an Volatilität und Zunahme an Druck auf den Preis von beiden Seiten ist das Thema im heutigen Bitcoin On-Chain Glassnode Report.

Der Bitcoin Kurs setzte in der vergangenen Woche die Phase der niedrigen Volatilität fort. Pro BTC wurden so zwischen 31.125 und 34.564 USD bezahlt. Der Markt testete – und testet weiterhin – dabei hauptsächlich eine signifikante Unterstützung gemäß On-Chain Daten. Die Nachfrage nach Transaktionen ist dabei weiterhin gering, während das HODL-Verhalten den Marktwidrigkeiten zu trotzen scheint.

Insgesamt können wir anführen, dass der Markt extrem gespalten ist und das Einsetzen größerer Volatilität im wortwörtlichen Sinne um die Ecke sein könnte. Deswegen wollen wir uns anhand der On-Chain Daten von Glassnode diese Woche mal die bullischen und bärischen Begebenheiten im Bitcoin Kurs genauer ansehen.

Disclaimer: Dieser Report basiert auf Daten und dem wöchentlichen Newsletter in englischer Sprache von Glassnode und wird in dieser Form nur bei Bitcoin2Go erscheinen. Wir freuen uns euch jede Woche die frischen Glassnode On-Chain Daten für den Bitcoin präsentieren zu dürfen.

Bitcoin Kurs Verlauf im Candlestick-Chart
Bitcoin Kurs Verlauf im Candlestick-Chart

Vorbereitende Analysen: Unterstützung und Widerstand im Bitcoin Kurs

Die Grundlage einer solide Chartanalyse ist die Ermittlung von Unterstützungs- und Widerstandszonen. Bei der On-Chain Analyse können wir mit entsprechendem Kontext ebenso vorgehen und sehen uns bei Bitcoin dafür die „UTXO Realised Price Distribution“ Metrik an. Denn diese Metrik gibt uns Auskunft über Volumen in BTC in gewissen Preiszonen.

Und wie wir im nachfolgenden Chart erkennen können, sehen wir zwischen 31.000 und 34.300 USD ein Volumen in BTC äquivalent zu 10,5 % der gesamten Umlaufmenge (ca. 1,973 Mio. BTC). Dieses Volumen wurde zu diesen Preisen transferiert. Der aktuelle Marktpreis testet dabei die untere Grenze dieser Preisspanne und darunterliegend befände sich das nächste signifikante Volumen erst wieder bei 18.800 USD.

Chart zur Bitcoin „UTXO Realised Price Distribution“ Metrik
Chart zur Bitcoin „UTXO Realised Price Distribution“ Metrik

Auf der nördlichen Seite des Preises sehen wir aber auch, dass ein Durchbruch durch ca. 40.000 USD einen Anstieg auf bis zu 48.000 bis 50.000 nach sich ziehen könnte. Denn dort finden wir das nächste signifikante Volumen. Es sei anzumerken, dass rein charttechnisch noch mehr Unterstützungs- und Widerstandszonen ins Spiel kämen. Bleiben wir aber bei den fundamentalen On-Chain Daten.

Die Akte „Bärenmarkt“ für Bitcoin

Mit Unterstützung und Widerstand abgehakt, können wir uns der Akte „Bärenmarkt“ im Bitcoin Kurs zuwenden. Hier wollen wir zunächst auf die institutionellen Gelder blicken, welche den Bullenmarkt bisher maßgeblich mitbestimmt hatten. Vor allem der Grayscale Unlock mit rund 31.900 GTC-Anteilen steht hier stellvertretend für das institutionelle Sentiment im Vordergrund.

Der GBTC Marktpreis verlief dabei in der vergangenen Woche weiterhin mit einem beachtlichen Discount von -11 % bis -15,3 %. Dieser Discount gibt an, dass die Anteile am Grayscale Bitcoin Trust weniger Wert besitzen, als BTC selbst. Und anhaltender Discount bedeutet gleichzeitig auch niedrige Nachfrage. Und wenn keine Institutionen bei Grayscale kaufen, kauft Grayscale auch keine weiteren Bitcoin.

Bitcoin Grayscale Premium
Die Grafik zeigt den GBTC Discount, der in der vergangenen Woche bei -11 bis -15.3% lag

Auf der Seite der kanadischen Bitcoin ETFs, galt die Aufmerksamkeit zuletzt dem Purpose ETF. Also eines der wenigen Investmentprodukte basierend auf BTC, welches überhaupt noch Zuwachs sah. Und dieser Zuwachs scheint nun auch abzuflachen. Um genau zu sein, sahen wir in der vergangenen Woche den größten Outflow seit Mitte Mai 2021! Dies unterstreicht die mangelnde Nachfrage nach Bitcoin durch Institutionen, zumindest im Kontext der regulierten Finanzprodukte.

Purpose ETF Outflow
In der Grafik sehen wir den Outflow beim Purpose ETF

Eine weitere beliebte Einkaufsoption für Bitcoin durch Institutionen sind außerbörsliche Handelsplattformen, auch „OTC Desks“ genannt. Und diese Plattformen sahen einen Zuwachs an ca. 1.780 BTC über die letzten 2 Wochen. Diese Tatsache wendet sich dabei gegen den vorherrschenden Abwärtstrend der Reserven an BTC bei OTC Desks seit November 2020.

Es bleibt aber abzuwarten, ob hier wirklich eine Trendwende einsetzt oder wir lediglich kurzfristige Fluktuationen beobachten.

Bitcoin Balance für OTC-Handel
Im OTC-Markt scheint es eine erste Trendwende zu geben

On-Chain Aktivitäten für die Akte „Bärenmarkt“

Institutionelles Interesse scheint also gering zu sein und das spricht dann auch für zumindest unsicher-abwartendes Sentiment. Sehen wir uns also als Nächstes die Netzwerkaktivitäten an. Diese bleiben weiter ruhig. Transaktionsvolumen fällt, Mempools werden leerer und die durchschnittliche Größe der Blöcke fiel um 15 bis 20 %.

Diese Umstände legen uns nahe, dass die Nachfrage nach Nutzung des Bitcoin-Netzwerks weiter fällt. Die geschürften Blöcke durch BTC-Miner sind nicht mehr voll und die zu bearbeitenden Transaktionen werden weniger.

Das Transaktionsvolumen angepasst auf Entitäten (nachfolgend mit 14-Tage gleitendem Durchschnitt) bleibt rund 65,8 % unter den Höchstständen im April 2021. Das Bitcoin-Netzwerk wickelt demnach rund 5,3 Mrd. USD pro Tag ab, verglichen mit 15,5 Mrd. USD pro Tag beim ehemaligen Höchststand. Niedrige Nachfrage nach Zahlungsabwicklungen auf einem Zahlungsnetzwerk spricht für sich selbst.

Das dominante Transaktionsvolumen wickelt dabei übrigens Coins ab, welche im Verlust liegen. Wenn wir realisierte Gewinne und Verluste gegenüberstellen, dann sehen wir, dass Verluste (in Pink) anhaltend größer sind, als Profite (in Grün).

Mit diesen Daten wollen wir natürlich jetzt auch wissen, wie viel Prozent der aktuellen Umlaufmenge noch als potenzieller Verkaufsdruck existiert. Nun, der nachfolgende Chart gibt uns darüber schnell Aufschluss. Rund 6,2 Mio. BTC, also rund 33 % der Gesamtumlaufmenge, wird aktuell im Verlust gehalten.

Um die Akte „Bärenmarkt“ im Bitcoin Kurs zu schließen, wollen wir uns zum Abschluss noch die Zahlen der neuen Entitäten auf dem Bitcoin-Netzwerk ansehen. Das Netzwerkwachstum bleibt dabei mit 28,6 % unter den Hochs aus dem Februar 2021. Der Rückgang ist dabei noch nicht so stark wie noch 2017. Diese Metrik sollten wir im Auge behalten, da das Netzwerkwachstum maßgebliche Implikationen auf Netzwerkeffekte hat.

Zusammenfassung der Akte „Bärenmarkt“

  • Der Bitcoin Kurs wird am unteren Ende eines sehr hohen On-Chain Volumens gehandelt und findet womöglich weitere Unterstützung bei 31.000 USD. Falls nicht, sehen wir erst bei 18.800 USD wieder signifikantes Volumen.
  • Der GBTC Discount hält weiter an, während der Purpose ETF negative Daten ausgibt und OTC Desks Einzahlungen sehen. Institutionelles Interesse bleibt gering.
  • Die Netzwerknutzung lässt weiter nach, was für eine generell geringe Nachfrage nach Bitcoin spricht.
  • Realisierte Verluste überwiegen im Transaktionsvolumen, während noch weiterer Verkaufsdruck durch bisher nicht realisierte Verluste warten könnte.
  • Das Netzwerkwachstum lässt weiter nach, was sich negativ auf Netzwerkeffekte auswirken könnte.

Die Akte „Bullenmarkt“ im Bitcoin Kurs

Nachdem wir nun ein zugegeben düsteres Bild für die zukünftige Preisentwicklung bei Bitcoin (BTC) gezeichnet haben, wollen wir uns den bullischen Signalen zuwenden. Hier nehmen wir nochmal Anlauf auf das Netzwerkwachstum und damit verbundene Implikationen auf die Netzwerkeffekte. Denn Netzwerkwachstum lässt sich in drei Bereiche unterteilen:

  1. Sendende Entitäten (nachfolgend in Grün). Diese Entitäten transferieren BTC und werden üblicherweise mit Verkaufsdruck assoziiert. Aktuell sehen wir dabei weniger Zuwachs beim Verkaufsdruck, was für mehr HODL-Verhalten spricht.
  2. Empfangende Entitäten (nachfolgend in Pink). Diese Entitäten bekommen BTC, was für neue Nutzer und damit potenziell neue Akkumulation steht. Gerade der vergangene Juni und der aktuelle Juli 2021 sahen starkes Wachstum dieser Entitäten.
  3. Nettowachstum (nachfolgend in Blau). Hier nehmen wir die Sender und die Empfänger, um die Differenz festzustellen. Und diese Differenz zeigt, dass wir weniger Wachstum bei den Ausgaben sehen, dafür aber mehr Wachstum bei der Akkumulation.

Um diese Erkenntnis zu unterstreichen, können wir den Net Position Change auf Krypto Börsen betrachten. Dieser wechselte zu mehr Outflows, als Inflows. Rund 36.300 BTC verlassen Krypto Börsen laut dieser Metrik im Monat.

Zu diesen positiven Daten gesellen sich Metriken rundum die BTC-Miner. Denn diese zeigen eine beeindruckende Widerstandsfähigkeit gegenüber der Marktlage und dem anhaltenden Crackdown in China. Die betroffenen Miner aus China müssen zwar weiterhin Kosten decken, doch die Distribution wird abgedeckt durch die satte Profitabilität der verbleibenden Bitcoin-Miner am Netz.

Langzeitinvestoren bleiben bullisch

Wenn wir nach diesen allgemeinen Metriken ein wenig in die Tiefe gehen wollen, dann fangen wir am besten bei Langzeitinvestoren an. Denn diese Kategorie an Marktteilnehmern zeigte über die ganzen letzten Wochen hinweg eine äußerst robuste Widerstandsfähigkeit gegenüber der Marktlage. Und die starken Hände bleiben weiter stark! HODLer halten rund 75 % der Gesamtumlaufmenge an Bitcoin (6 % im Verlust, 69 % im Profit).

Short-Squeezes zeigen dabei historisch eine Korrelation zur Gesamtmenge in den Händen von Langzeitinvestoren. In vergangenen Bullenmärkten starteten diese stark bullischen Phasen meist ab einer Gesamtumlaufmenge von 65 % in den Händen von HODLern. Bei der aktuellen Rate an HODL-Verhalten, könnten Langzeitinvestoren in 2 Monaten bereits 80 % der Gesamtumlaufmenge halten. Angebotsknappheit? Möglich.

Wenn wir uns hierzu Daten über illiquide Umlaufmengen bei Bitcoin ansehen, dann bestätigen diese Daten unsere Observation von gerade eben. Die Metrik zur illiquiden Umlaufmenge machte eine vollständige Trendwende von Distribution im Mai 2021 zu Akkumulation in Juni/Juli 2021.

Um die Akte „Bullenmarkt“ im Bitcoin Kurs abzuschließen, wollen wir noch auf die HODL-Wellen schauen. Und diese Metrik zeigt uns ganz eindeutig (und frei anderer Interpretationen), dass HODL, Akkumulation und eine potenzielle Verknappung des Angebots mit hoher Wahrscheinlichkeit am Werk sind. Hier sind die beiden grundlegenden Beobachtungen:

  • Strukturelle, über Monate anhaltende Rückgänge der „jungen Coins“ (rot-orange) treten nur dann auf, wenn diese jungen Coins eine geringere Menge des gesamten, realisierten Wertes ausmachen.
  • Dies schafft einen Anstieg in der Menge der älteren Coins (gelb), während das Volumen dieser BTC in den starken Händen von Langzeitinvestoren wächst.

Zusammenfassung der Akte „Bullenmarkt“

  • Das Nettowachstum an neuen Entitäten im Bitcoin-Netzwerk bleibt positiv. Das legt uns nahe, dass Akkumulation stattfindet.
  • Krypto Börsen sahen mehr Outflows statt Inflows seit Mitte Mai 2021.
  • Bitcoin-Miner am Netz sind in der Akkumulation und absorbieren so den Verkaufsdruck von Minern, die sich noch im Umzug befinden.
  • Langzeitinvestoren sind von der aktuellen Marktlage scheinbar gänzlich losgelöst. Das Volumen an BTC in den „starken Händen“ nimmt weiter zu, was mehr und mehr Gesamtumlaufmenge illiquide werden lässt. Dies kann zu einer potenziellen Verknappung des Angebots an BTC führen und folglich zu Short-Squeezes.

Der Kampf zwischen Bullen und Bären geht weiter für Bitcoin

Sowohl die Bullen, als auch die Bären können momentan auf einige On-Chain Daten verweisen, die für einen positiven bzw. negativen Preisverlauf im Bitcoin Kurs sprechen. Die aktuelle Preisspanne zwischen 30.000 und 40.000 USD kann sich noch wochenlang hinziehen oder schon in wenigen Tagen ein Ende finden. Wir bleiben also gespannt und verbleiben rein persönlich übrigens weiter vorsichtig optimistisch.

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