Heute wollen wir uns Bitcoin von der regulatorischen Seite anschauen und uns der Frage widmen: Kann Bitcoin verboten werden und wie realistisch wäre ein BTC Verbot eigentlich?

Das Narrativ von Bitcoin verändert sich: BTC war vor ein paar Jahren noch die Währung von Computer-Nerds, Hackern und Kriminellen im Darknet. Doch mittlerweile wissen wir es besser. BTC hat sich langsam aber sicher zu einem anerkannten Asset vorgearbeitet und verliert nach und nach seinen negativen Ruf der letzten Jahre.

Doch eine Sorge bleibt bei vielen Investoren bestehen: Was passiert, wenn Regierungen Bitcoin verbieten? Diese Frage wurde in den letzten Tagen wieder intensiver diskutiert, denn immer wieder wollen einzelne Länder Bitcoin und Kryptowährungen verbieten. Das letzte aktuelle Beispiel ist Indien und Nigeria, aber auch aus Russland, China und dem Libanon gibt es immer wieder Meldungen dieser Art.

Daher wollen wir uns in diesem Artikel genauer anschauen, ob und wie man Bitcoin verbieten könnte, und welchen Einfluss das auf den BTC Kurs und die allgemeine Adoption hätte.

Bitcoin Verbot ist kaum durchsetzbar

Bitcoin ist freies, dezentrales, neutrales und begrenztes Geld. Es hat das Potential unsere gesamte Finanzwelt auf den Kopf zu stellen. Zentralbanken und Regierungen würden ihre monetäre Macht verlieren und hätten somit weniger Kontrolle über das jeweilige Volk.

Demnach ist es nicht verwunderlich, dass Bitcoin vielen Regierungen ein Dorn im Auge ist und eigentlich bekämpft oder gar verboten werden sollte. Doch warum sehen wir aktuell genau das Gegenteil?

Um dieser Frage auf den Grund zu gehen, müssen wir erstmal verstehen, welche Möglichkeiten eine Regierung hat, um Bitcoin zu verbieten oder einzudämmen. Erst danach können wir abwägen, warum die meisten Regierungen aktuell gegenüber BTC und anderen Kryptowährungen positiv gestimmt sind.

1. Ein Protokoll ohne zentrale Instanz

Bei Bitcoin handelt es sich um ein unabhängiges Protokoll, ähnlich wie beim Internet „HTTP“. Es ist ein Open-Source Netzwerk, welches jedem die Möglichkeit gibt daran zu partizipieren oder es einfach zu nutzen. Bitcoin ist sozusagen das Internet des Geldes und stellt die nächste Stufe unserer monetären Grundlage dar.

Zum ersten Mal in der Geschichte wurde eine funktionierende Möglichkeit geschaffen, um echtes freies und zensurresistentes Geld für jeden zugänglich zu machen. Durch den dezentralen Charakter von BTC hat das Netzwerk keinen zentralen Angriffsvektor und kann somit nicht einfach angehalten werden.

Es gibt zudem niemanden der dafür in Verantwortung gezogen werden kann. Bitcoin hat keinen „Aus“-Knopf. Das Netzwerk von BTC ist anpassungsfähig und kann sich den äußeren Bedingungen relativ schnell anpassen. Es ist so, wie wenn man das gesamte Internet auf der Welt abschalten wollen würde.

Lesetipp: Bitcoin und Netzwerkeffekte: Steigt der Wert des BTC Netzwerks exponentiell mit der Nutzerzahl?

2. Bitcoin verbieten? – Verbote bewirken oft genau das Gegenteil

Viele wissen nicht, dass in den frühen Zeiten des Internets ebenfalls Vorschläge und sogar Versuche unternommen wurden, um das Internet zu stoppen. Am Ende sind diese Versuche alle kläglich gescheitert und man hat sich dazu entschieden nicht dagegen anzukämpfen, sondern alles daran zu setzen, um eine gewisse Kontrolle beizubehalten.

Staaten und Regierungen mussten sich unterordnen, weil die Auswirkungen dieser revolutionären Technologie zu weitreichend waren und nicht gestoppt werden konnten.

Darüber hinaus führen Verbote oftmals genau zum Gegenteil und erregen noch mehr Aufmerksamkeit, unabhängig davon dass Verbote in der digitalen Welt selten ihr Ziel erreichen. Das haben wir zuletzt ebenfalls in Russland gesehen. Dort wurde vor einigen Jahren die Nutzung vom Messaging-Dienst Telegram unterbunden und verboten.

Der Hauptgrund lag darin, dass Pavel Durov, Gründer von Telegram, sich geweigert hat mit der russischen Regierung bzw. dem Inlandgeheimdienst FSB zusammenzuarbeiten. Nach einigen Jahren musste die Regierung in Moskau aber feststellen, dass das Verbot nicht funktioniert hat und Telegram sich weiterhin reger Beliebtheit im Land erfreut.

Vor wenigen Monaten wurde das Verbot dann letztendlich offiziell aufgehoben. Wir können uns also vorstellen, dass das erneut aufkeimende Bitcoin Verbot bei der Bevölkerung auf wenig Interesse stößt.

Verbote führen zu Problemen

Wenn Menschen einen realen Nutzen in etwas sehen, dann werden sie sich von ihrer Regierung nicht ohne Weiteres einschränken lassen. Zwar könnten Regierungen nicht nur den Gebrauch verbieten, sondern auch unter Strafe stellen. Dies wiederum könnte aber in einem demokratischen Land schnell zu weiteren Problemen führen und das Vertrauen in eine faire Regierung untergraben.

Das ist so ähnlich wie wenn der Gebrauch des Internets unter Strafe gestellt werden sollte. Dann würden wir uns schnell in einem totalitären Staat wiederfinden und sollten unsere Regierung dann mehr denn je in Frage stellen.

3. Bitcoin Adoption wird langsamer, aber nicht aufgehalten

Unabhängig davon, dass Verbote langfristig nichts bringen und oftmals genau das Gegenteil bewirken, könnte eine staatliche Einschränkung dennoch passieren. Das würde die BTC Adoption ganz sicher verlangsamen oder gar komplett stoppen.

Menschen hätten keinen einfachen Zugang mehr zu Bitcoin und müssten komplizierte Umwege gehen, um das freie Zahlungsnetzwerk zu nutzen. Der Umtausch von nationaler Währung gegen Bitcoin müsste dann über andere Länder und über andere Währungen abgewickelt werden. Dazu sind weitere Modifikationen wie zum Beispiel ein VPN Service und Brückenwährungen wie Tether von Nöten.

Außerdem müssen Anbieter von Bitcoin auch ein Interesse daran haben, BTC gegen die nationale Währung einzutauschen. Bei Ländern wie Venezuela oder dem Iran ist dies oft ein Problem, weil die jeweiligen Länder extremer Hyperinflation ausgesetzt sind.

Für die Mehrheit der Menschen wären diese Umwege zu kompliziert und viele hätten Angst sich strafbar zu machen. Demnach könnte ein Bitcoin Verbot für die Nutzung und Aufbewahrung von BTC massive Folgen nach sich ziehen und die Adoption um Jahre nach hinten werfen. Bitcoin aber langfristig aus einen Land fernzuhalten scheint als fast unmöglich.

4. Hyperinflation: Bitcoin Verbot wäre das Spiel mit dem Feuer

Doch die Menschen würden sich sicherlich fragen, warum eine Regierung ein freies Netzwerk verbieten will. Man würde schnell darauf kommen, dass vor allem Zentralbanken, die Geld jederzeit aus dem Nichts in unbegrenzter Menge erstellen können, etwas gegen Bitcoin haben.

Das würde wiederum viele Menschen zum Nachdenken über unser aktuelles Geldsystem bringen und vielleicht sogar eine Revolution verursachen. Ähnlich hat es bereits Henry Ford gesehen:

Würden die Menschen das Banken- und Geldsystem verstehen, hätten wir eine Revolution noch vor morgen früh.

Zudem sehen wir bereits in Ländern wie Venezuela und dem Libanon, wo die eigene Währung bereits seit Jahren einer starken Hyperinflation unterliegt, dass die Bitcoin Verbote bzw. Einschränkungen nicht greifen. Diese Menschen haben nichts zu verlieren und suchen nach Auswegen aus der Geldentwertung – einer davon ist BTC.

In diesen Ländern wurden zum Beispiel über LocalBitcoins in den letzten Jahren Rekordsummen in Bitcoin gehandelt und es sieht nicht danach aus, dass dieser Trend in den nächsten Jahren abnehmen sollte.

Lesetipp: Was ist das Bitcoin Stock to Flow Verhältnis (S2F)? Ist ein BTC Kurs von 1.000.000 USD für 2025 möglich?

5. Weitere Gründe die gegen ein Verbot von Bitcoin sprechen

Es gibt aber noch weitere Gründe, warum die meisten Regierungen mittlerweile eher positiv gegenüber Bitcoin gestimmt sind.

Bitcoin treibt die Innovation der Distributed Ledger Technology (DLT) voran, dass im Volksmund unter Blockchain verallgemeinert wird. Mittlerweile gibt es unzählige Kryptowährungen und DLT-Infrastrukturen, mit denen bereits einige große Unternehmen erste Usecases testen.

Durch das Verbot von Bitcoin würde einer der größten Treiber in diesem Feld einen starken Dämpfer bekommen. Länder würden eine große Chance der Technologie Entwicklung verpassen, einschließlich erheblicher Einnahmeverluste durch Steuern und Mining. Zudem würde das Land Innovatoren, Unternehmer, Programmierer, Rechtsanwälte usw. verlieren, die in diesem Sektor arbeiten. Diese Menschen würden auf Länder ausweichen, die bessere Bedingungen bieten.

Das Netzwerk von Bitcoin ist pseudoanonym und ist für jedermann komplett transparent. Jede einzelne Transaktion lässt sich in der Blockchain für immer nachverfolgen. Genau das bietet vielen Staaten die nötige Transparenz, um gegen BTC nicht weiter vorzugehen.

Anders sieht es bei komplett anonymen Kryptowährungen wie Monero aus. Hier finden bereits erste regulatorische Einschränkungen statt. Bei BTC haben Staaten die Möglichkeit die Blockchain zu beobachten und zu analysieren und somit alle Zahlungen zurückzuverfolgen. Das ist sogar weitaus leichter, als die Geldflüsse mit Bargeld zu verfolgen. Es ist einfacher etwas zu kontrollieren, als es zu verbieten.

Weitere Gründe gegen ein für BTC Verbot

Regierungen verstehen Bitcoin nicht. Es ist kein Geheimnis, dass die meisten Menschen BTC nicht verstehen. Das ist nicht anders als beim Internet. Hier wissen die meisten ebenfalls nicht wie es funktioniert, aber nutzen es jeden Tag. Viele wissen nicht, dass Bitcoin programmierbar ist und sich den äußeren Bedingungen anpassen kann.

Demnach könnte sich Bitcoin in den nächsten 20 Jahren massiv weiterentwickeln und mit heute kaum mehr zu vergleichen sein. Regierungen sehen aktuell noch keine Gefahr in der aufstrebenden Kryptowährung und daher keinen Grund Bitcoin zu verbieten. Wenn BTC aber zu einer Gefahr werden sollte, dann könnte es bereits zu spät sein dagegen vorzugehen – wenn dies nicht bereits jetzt schon der Fall ist. Bitcoin ist wie ein Trojanische Pferd für das traditionelle Geldsystem.

Bitcoin ist noch kein Geld. Regierungen sehen in Bitcoin höchstens einen Store of Value (Wertaufbewahrungsmittel) wie Gold. Durch die starke Knappheit gilt Bitcoin für viele Menschen als Tauschmittel ungeeignet und wird sich als solches niemals durchsetzen können.

Das Grundgerüst von Bitcoin basiert nämlich auf der Österreichischen Schule und ist konträr zu dem Ansatz von Keynes bzw. dem Keynesianismus. Daher sehen viele Regierungen Bitcoin aktuell nicht als Bedrohung für das eigene Geld, welches weiterhin keine Begrenzung nach oben hat.

Lesetipp: Bitcoin Kurs Prognose 2021: Wie realistisch sind 100.000 USD pro BTC?

Fazit – Bitcoin nicht verbieten sondern fördern

Es gibt bestimmt noch unzählige weitere Gründe, warum die meisten Regierungen Bitcoin nicht verbieten, sondern sogar aktuell die nötigen Rahmenbedingungen setzten, um die Adoption zu beschleunigen. Am Ende kann so gut wie nichts verboten werden, was die Menschen nutzen wollen. Es werden immer Wege gefunden, um Verbote zu umgehen. Vor allem wenn es sich im digitalen Zeitalter abspielt.

Dennoch können wir abschließend nicht sagen mit 100%er Sicherheit vorhersagen, wie sich ein Bitcoin Verbot auswirken würde. Sicher ist aber eines – der Bitcoin Kurs würde negativ auf solche Nachrichten reagieren. Die Frage ist nur für wie lange und wie es sich in den nächsten Jahren weiterentwickeln würde. Zum Glück müssen wir uns aktuell darüber keine Sorgen machen und können weiterhin einer Bitcoin-freundlichen Umgebung entgegenblicken. HODL on und stack sats!