Die nach Tradingvolumen größte Krypotbörse der Welt, Binance, steckt in zunehmendem Schwierigkeiten. Erst hatten im letzten Monat Kanada, Japan sowie Großbritannien und letzte Woche auch Thailand Ermittlungen gegen die Börsen aufgenommen. Als wäre das nicht schon genug, schließt sich jetzt auch die englische Großbank Barclays an und verbietet Transaktionen mit Bitcoin und Co. für ihre Nutzer.

Die Behörden in diesen Ländern wollen der Börse mehr Regulationen aufzwingen. Der Vorwurf lautet dabei meistens, dass Binance Geschäfte mit digitalen Vermögenswerten anbietet, jedoch dafür keine Lizenz hat. Der US-amerikanische Rivale von Binance, Coinbase, ist da schon einen Schritt weiter. Coinbase hat erst vor einer Wochen eine Lizenz für Handel und Verwahrgeschäfte in Deutschland von der BaFin bekommen.

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Für Binance waren die letzten Monate und Wochen nicht einfach. Regulierungsbehörden aus Japan, Kanada, Singapur, Thailand und Großbritannien wollen die Geschäfte der größten Kryptobörse der Welt stärker beschränken. Aus all diesen Ländern sind Anträge und Verfahren der dortigen Behörden bekannt, die teilweise Binance schon verboten haben weiter Geschäfte anzubieten.

Binance hat dieses Jahr schon einiges einstecken müssen

So zum Beispiel in Kanada, wo die Regulierungsbehörde in Ontario dem dortigen Ableger von Binance verboten hat, weiter Handel mit Bitcoin und Co. anzubieten. Die dort lebenden Kunden können jedoch immer noch über die amerikanische Seite von Binance auf ihre Konten zugreifen, müssen diese jedoch bis zum Ende des Jahres schließen und offene Positionen beenden.

Die englische Großbank Barclays hat sich jetzt dem Sturmlauf gegen Binance angeschlossen und führt keine Transaktionen zu oder von Binance auf Konten der Bank aus. Auch Zahlungen mit Kreditkarten sind davon betroffen. Binance steht damit jetzt wirklich unter Druck, auch was seinen ersten Platz in der globalen Rangliste der Kryptobörsen angeht.

Das die englische Barclays Bank sich jetzt auch dazu entschlossen hat, Geschäfte mit Binance vorerst zu blockieren, erscheint logisch. Vor etwa zwei Wochen hat die englische Finanzaufsicht FCA angekündigt, den Handel mit Derivaten von digitalen Tokens zu verbieten. Kryptowährungen sind zwar in UK nicht reguliert, jedoch fallen laut der FCA Derivate unter die Kontrolle der Finanzbehörde.

Bei Regulierung geht es um Macht und Einfluss

Die Firma von CEO Changpeng Zhao steht dieses Jahr im Fokus von Regulierungsbehörden weltweit. Ein Grund dafür ist, dass Binance keinen klaren Firmensitz nachweisen kann. Am Anfang war Binance eine in China registrierte Firma und Börse, jedoch verließ sie das Reich der Mitte schon 2017. Damals gab es einen ersten Rundumschlag der chinesischen Regierung gegen die dort ansässige Kryptoindustrie, speziell gegen die Miner.

Diese China FUD hat dieses Jahr wieder ordentlich Futter bekommen. Die chinesische Regierung setzt die neuen Gesetze gegen Mning so strikt um, wie nie zuvor. Deshalb gibt es zurzeit auch die größte Hashrate Migration in der Geschichte von Bitcoin. Dies hat bedeutende Auswirkungen für Bitcoin.

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Hauptkritikpunkt der verschiedenen Regulierungspunkte ist vor allem der unklare Firmensitz von Binance. Es gibt dadurch keine klare Hauptgeschäftsstelle und auch keine klare rechtliche Situation rund um die Gerichtsbarkeit von Binance. Zwischenzeitlich wurde sowohl Malta als auch die Cayman Inseln als Ort des Firmensitzes gehandelt. Geht man auf die deutsche oder die amerikanische Seite von Binance finden sich entweder eine Adresse in Hannover oder eine in San Francisco.

Binance ist Kryptobörse Nummer 1 – Wie lange noch?

Ob damit aber die Regulierungsbehörden zufrieden sind? Wahrscheinlich eher nicht. Hinter den Ermittlungen und den Anstrengungen für mehr Regulation steckt auch noch etwas anderes. Mit steigendem Tradingvolumen und verwalteten Vermögen steigt auch der Einfluss der größten Kryptobörse der Welt – natürlich wollen dann Nationalstaaten ihre Macht sichern und der Börse mit möglichst strengen Vorgaben etwas die Zähne ziehen.

Wenn Binance mit seinem CEO CZ zu mächtig wird, ist es klar, dass sich Regierungen und Behörden weltweit gegen ihn engagieren. Letztlich geht es damit auch wieder um den Kampf des etablierten Finanzsystems, welches auf nationalstaatlich regulierten Währungen fußt, gegen den „neuen Wilden Westen“, die Kryptobranche, die sich durch den dezentralen Aufbau nicht an Ländergrenzen aufhalten lässt.