Vor wenigen Tagen gab Coinbase bekannt, russische Nutzer nicht generell zu sperren. Nun baut die Börse ihre Maßnahmen gegen russische Nutzer jedoch aus, während die staatlichen Russland-Sanktionen zunehmen. 25.000 Adressen sind bereits auf einer schwarzen Liste. Weitere Krypto-Börsen werden vermutlich ähnliche Schritte einleiten.

Russland-Sanktionen trafen zuerst vermehrt Führungspersonal

EU- und NATO-Staaten erklärten eine Vielzahl wirtschaftlicher Reaktionen auf die russische Kriegserklärung an die Ukraine. Dazu gehört der Ausschluss russischer Banken aus dem Zahlungsnetzwerk SWIFT.

Zudem haben die Kreditkartenunternehmen VISA und Mastercard erklärt, ihre Systeme für internationale Zahlungen im Zusammenhang mit russischen Nutzern zu sperren. Bis die jeweiligen Karten auslaufen, können Russen weiterhin mit ihren Karten im Inland bezahlen.

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Natürlich ließen die Behörden auch Kryptowährungen und insbesondere Krypto-Börsen nicht aus dem Blick, die sie selbst seit 2017 zunehmend zum zensierten Nadelöhr machten. Auch dort belegte man bestimmte Personen und Institutionen mit einem Bann.

Zu Beginn schien das nur wenige Hundert bis Tausend Nutzer zu betreffen. Die Schweiz, die als besonders beliebtes Ziel russischer Investoren gilt, sperrte nach Aussagen des Finanzministeriums lediglich 223 Nutzer.

Zensur russischer Nutzer auf Krypto-Börsen nimmt zu

Dem stellvertretenden ukrainischen Ministerpräsidenten gingen die staatlichen Sanktionen jedoch nicht weit genug. Er forderte, jeden Russen von Krypto-Börsen zu verbannen.

Wiederholt kam die Möglichkeit ins Gespräch, dass Russlands staatlicher wie auch privater Sektor den wirtschaftlichen Sanktionen entkommen kann, wenn das Land stattdessen einfach Kryptowährungen verwendet.

Es ist nicht möglich, Nutzer generell davon abzuhalten, Kryptowährungen zu erwerben – diese praktische Nicht-Zensierbarkeit ist eine große Stärke. Durch die Sperrung von Konten und die Beschlagnahme russischer Wertanlagen könnte man dem gesamten Land jedoch einen schweren Schlag versetzen.

Russland entdeckte im neuen Jahr bereits den Bitcoin für sich. Eine Hinwendung zu modernen Bezahlmethoden wäre also durchaus denkbar.

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Am 1. März gab Coinbase bekannt, Russen nicht einfach aufgrund ihrer Nationalität sperren zu wollen und ging damit Hand in Hand mit dem besonders kritischen Kraken-CEO Jesse Powell. Seit heute Morgen steht aber fest: Coinbase baut seine Sanktionen gegen russische Nutzer stark aus.

Sperrt Coinbase mehr Nutzer aus Russland als notwendig?

In einer neuen Pressemitteilung macht Coinbase deutlich, dass auf der Börse von nun an ein rauer Ton herrscht. Sanktionen werden mit aller Härte durchgesetzt. Besonders auffällig ist dabei, dass man sogar Maßnahmen verhängen möchte, die gesetzlich gar nicht nötig sind.

Es heißt in der Mitteilung unter anderem:

So hat die proaktive On-Chain-Analyse von Coinbase beispielsweise mehr als 16.000 Adressen identifiziert, die möglicherweise mit iranischen Börsen in Verbindung stehen. Viele von ihnen sind noch nicht von anderen identifiziert worden. Wir haben diese Analyse genutzt, um unsere Rechtskonformität zu stärken, die Strafverfolgungsbehörden zu informieren und das Bewusstsein der gesamten Branche zu erhöhen.

Bereits im Februar warnte Powell Nutzer vor der Verwendung von zentralisierten Krypto-Börsen. Für die Strafbehörden sind diese leicht zu kontrollieren und können entsprechend einfach zu Maßnahmen gezwungen werden.

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Damals war der Freedom Convoy in Kanada der Stein des Anstoßes und ein offener Krieg zwischen Russland und der Ukraine nicht absehbar. Powell behielt recht, sieht aber eine große Gefahr im vorauseilenden Gehorsam von Börsen wie Coinbase.

Eine Blockade des Handels mit den Russen ist schlecht. Die Russen werden sich nicht erheben und einen Putsch veranstalten. Was passieren wird, ist, dass alle, die vom internationalen Handel abhängig sind – Künstler, Entwickler, Anwälte – vom Staat abhängig werden und vielleicht sogar Stellen annehmen, die die Invasion unterstützen, nur um essen zu können, so Powell.

Diese Maßnahmen verhängt Coinbase gegen Russen

Während der Erstellung eines Kundenkontos muss sich der Kunde in einem KYC-Verfahren identifizieren. Das ist auf jeder zentralisierten Krypto-Börse mit Fiat On- und Offramp nötig. Coinbase prüft dabei schwarze Listen folgender Staaten oder Institutionen:

USA, Großbritannien, Europäische Union, Vereinte Nationen, Singapur, Kanada, Japan. Coinbase sperrt aber nicht nur sanktionierte Personen, sondern jeden Nutzer, der einen Lebensmittelpunkt in einer sanktionierten Region besitzt.

Obendrein wird ein Zugriff mit einer IP-Adresse aus sanktionierten Regionen blockiert. Das betrifft beispielsweise den Iran, die Halbinsel Krim, Syrien oder Nordkorea.

Coinbase überprüft außerdem Transaktionen. Stellt man einen Zusammenhang mit gesperrten Teilnehmern fest, wird das Nutzerkonto gesperrt. In einem Vorfall aus dem Jahr 2020 sanktionierten US-Behörden drei Wallet-Adressen eines russischen Nutzers.

Coinbase nahm daraufhin eine Blockchain-Analyse vor und sperrte über 1.200 weitere Adressen. Allein heute verhängte die Börse Sanktionen gegen 25.000 Adressen, die entweder tatsächlich einen Bezug zu russischen Organisationen/Nutzern haben oder im Verdacht stehen, an illegalen Aktivitäten beteiligt zu sein.

“Digitale Vermögenswerte können im Vergleich zum traditionellen Finanzsystem unsere Möglichkeiten zur Aufdeckung und Abschreckung von Umgehungen [der Sanktionen] verbessern.”

So die Aussagen von Paul Grewal, Leiter der Rechtsabteilung der Krypto-Börse.

Privacy Coins sind in der Lage, die Analyse von Transaktionen zu verhindern und schränken die Restriktionen dadurch partiell ein.

Es ist möglich, dass die von Coinbase teils freiwillig verhängten Einschränkungen durch staatlichen Druck bald auf noch mehr Krypto-Börsen umgesetzt werden.

Ironischerweise schließt Coinbase den Text mit dem Versprechen ab, immer für das Vertrauen in die Krypto-Industrie zu arbeiten. Im Zentrum der Kryptowährungen steht jedoch die Freiheit.

Auch der FTX-Präsident Brett Harisson äußert sich zu den Sanktionen und erklärt ganz genau, welche Mittel Krypto-Börsen ergreifen:

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