Könnte die Krypto-Börse Coinbase von der US-Börsenaufsicht SEC verklagt werden? Über eine mögliche Anklage berichtet nun Coinbase selbst. Der Grund dafür sei das Kryptoprodukt Lend – Coinbase wirbt mit einem eigenen Lending-Projekt mit hohen Zinsen in Höhe von bis zur vier Prozent und plant das Projekt in den nächsten Monaten zu realisieren. Aktuell können sich Nutzer für das Programm bereits vorregistrieren. Die SEC ist wohl weniger angetan von der Idee der US-amerikanischen Krypto-Exchange.

Über die mögliche Anklage berichtete Coinbase-CEO Brian Armstrong in einem Blog-Beitrag. Seit sechs Monaten arbeite die Krypto-Börse laut Armstrong proaktiv mit der SEC bezüglich des Produktes zusammen.

Coinbase versuche alle regulatorischen Pflichten im Voraus zu erfüllen, um so ein lizenziertes Produkt auf den Markt zu bringen, das im Anschluss keine gesetzlichen Probleme zu befürchten hat. Armstrong erklärt, dass man sich bewusst dagegen entschieden habe, das Produkt einfach ohne Absprache auf den Markt zu bringen.

Wir hätten das Produkt einfach auf den Markt bringen können, aber wir haben uns dagegen entschieden. Das ist in unserer Branche weit von der Norm entfernt.

„Andere Kryptounternehmen haben seit Jahren Kreditprodukte auf dem Markt, und noch im letzten Monat werden neue Kreditprodukte auf den Markt gebracht. Aber Coinbase glaubt an den Wert eines offenen und substanziellen Dialogs mit unseren Aufsichtsbehörden. Also brachten wir Lend zuerst zur SEC“, so im Blog-Artikel weiter.

Die Börsenaufsicht sei vom Produkt allerdings alles andere als begeistert und versuche Coinbase daher davon abzuhalten, das Produkt auf den Markt zu bringen. Coinbase versuche die SEC davon zu überzeugen, dass die Teilnehmer des Programms nicht in das Produkt investieren, sondern in den USD Coin (USDC).

Die SEC betreibe Einschüchterungsmethoden hinter der Tür, so Brian Armstrong auf Twitter. Dennoch sei man durchaus bereit, auch den letzten Schritt bis zum Gericht zu gehen. Coinbase steht nach wie vor hinter dem Projekt.

Für Coinbase hat die Einführung von Lend oberste Priorität. Daher sei man durchaus bereit mit den Regulierungsbehörden zusammenzuarbeiten und bei berechtigter Kritik am Projekt zu arbeiten und Mängel zu beheben.

Keine Begründung seitens der SEC

Eine Begründung für die Ablehnung durch die SEC gebe es allerdings nicht. Die SEC habe Coinbase mitgeteilt, dass die Börsenaufsicht eine Anklage in Erwägung zieht, wenn die Krypto-Börse Lend auf den Markt bringen sollte. Trotz mehrfacher Nachfragen seitens Coinbase habe die SEC allerdings keine Gründe genannt, wieso das Projekt keine Zulassung erhalte.

Armstrong zeigte sich enttäuscht, da man der Bitte der SEC nachgekommen sei und vor einer Markteinführung eines neuen Projekts das Gespräch gesucht habe. Coinbase müsse sich nun entscheiden, das Projekt entweder einzustampfen – ohne den Grund hierfür zu kennen – oder eben durch die Markteinführung verklagt zu werden. Armstrong kritisiert die Kommunikation mit der SEC scharf:

Ein gesundes Regulierungsverhältnis sollte die Branche niemals ohne Erklärung in dieser Zwickmühle zurücklassen. Der Dialog ist das Herzstück einer guten Regulierung.

Die Coinbase-Aktie notiert mit einem Minus von 2,88 Prozent innerhalb der letzten 24 Stunden aktuell bei 219,50 Euro. Bei einer Anklage von Coinbase könnte der Aktienkurs drastisch fallen.

Ripple wurde bereits von der SEC angeklagt

Was es bedeutet, von der SEC angeklagt zu werden, kann Ripple Labs nämlich selbst am besten beschreiben. Am 22. Dezember versetze die Anklage der SEC die Kryptowelt nämlich in Schockstarre mit dem Vorwurf des unerlaubten Wertpapierhandels. Es geht insgesamt um eine Summe von mehr 1,3 Milliarden US-Dollar.

Auch Ripple-CEO Brad Garlinghouse bekam Wind vom Coinbase-Fall und reagierte mit einem humorvollen GIF per Tweet. Man sitze nun im gleichen Boot.

Was würde eine Anklage für den restlichen Kryptomarkt bedeuten?

Es gibt bereits zahlreiche Lending-Plattformen im Krypto-Sektor. Sollte die SEC tatsächlich gegen Coinbase vorgehen, könnte eine Welle weiterer Anklagen folgen. Es wäre unwahrscheinlich, dass die SEC nur gegen Coinbase vorgeht und Unternehmen mit ähnlichen Produkten hingegen keine Beachtung schenkt.

Coinbase ist allerdings nicht die einzige Krypto-Börse, die aktuell im Fokus der US-Börsenaufsicht ist.

Erst vor wenigen Tagen kamen Meldungen darüber auf, dass die SEC auch die dezentrale Krypto-Börse Uniswap beobachtet. Sollten hierzu ebenfalls Ermittlungen aufgenommen werden und eine Anklage vorbereitet werden, könnte die SEC mit den Anklagen gegen Coinbase, Uniswap Labs und Ripple Labs gleich drei größere Krypto-Unternehmen angreifen.

Gerade der DeFi-Bereich blüht aktuell auf, hier wäre eine Anklage der SEC gegen Uniswap ein Rückschlag.

Wie erfolgreich die SEC anschließend allerdings vor Gericht sein würde, ist eine andere Geschichte. So sorgte die Ripple-Anklage zwar zunächst für einen großen Schock und einen enormen Preisabsturz der Kryptowährung XRP, doch mittlerweile hat diese ihren Wert seit dem Absturz wieder verfünffachen können. Zudem konnte Ripple bereits Teilerfolge feiern.