MetaMask ist für viele Nutzer das Tor zum Web3. Gerne schwören dessen Entwickler darauf, dass die Web Wallet vollends dezentralisiert ist. Tatsächlich sperrte man die Nutzer zweier Länder aus. Auch das Besitzverhältnis des Entwicklers ConsenSys wirft einige Fragen auf. Fällt MetaMask der Zensur zum Opfer?

MetaMask sperrt Nutzer aus Venezuela und dem Iran

Gestern häuften sich Meldungen wütender Nutzer auf Twitter. Der Grund: Sie konnten ihre Wertanlagen in MetaMask zwar sehen, sie aber nicht mehr verschieben. Die Wallet verwehrte ihnen einfach den Zugriff.

Nutzer aus Venezuela bemerkten, dass sie alle das gleiche Problem hatten. Zusätzlich machte sich ähnliche Kritik aus dem Iran breit. Wie die Konsole erkennen lässt, handelt es sich dabei um einen Geoblock.

MetaMask selbst entschuldigte sich kurze Zeit später für die Ausfälle. Es handele sich lediglich um falsche Einstellungen, die nun behoben seien. Ausschlaggebend dafür sei nicht MetaMask selbst, sondern Infura, die das Grundgerüst für die Web Wallet entwickelt.

Ganz im Stile des Web3 vermarktet sich MetaMask als eine dezentralisierte Anwendung. ConsenSys ist das Unternehmen hinter Infura und MetaMask. In einer Stellungnahme heißt es:

Als dezentralisierte Wallet hat MetaMask keine zentrale Autorität, an die Sie sich für Hilfe wenden können. Es ist eine Wallet ohne Fremdverwahrung: Sie besitzen Ihr Geld, solange Sie mit Ihrer geheimen Wiederherstellungsphrase Zugriff darauf haben.

Vermehrt entstand der Vorwurf, dieses Versprechen habe MetaMask gebrochen, doch ist das wirklich so?

Ist MetaMask zentralisiert oder dezentralisiert?

MetaMasks Dezentralität ist schon öfter Gegenstand von Diskussionen gewesen. Da sich Ende 2021 über 21 Millionen Nutzer auf die Web Wallet verließen, kamen große Sicherheitsbedenken auf.

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Sind Nutzerdaten durch die direkte Anbindung zum Internet besonders gefährdet? Ist MetaMask überhaupt unzensierbar? Fakt ist, dass ConsenSys noch Sommer letzten Jahres Behauptungen aufstellte, welche die Firma nun nachweislich gebrochen hat.

MetaMask wird Ihre Wallet niemals an eine staatliche Stelle übergeben und sie auch nicht einfrieren, wie es Robinhood im vergangenen Frühjahr getan hat, indem sie das GameStop-Guthaben der Nutzer einschränkten. Da MetaMask sich nicht auf eine zentrale Instanz verlässt und Gatekeeping effektiv ausschließt, eröffnet es jedem, der einen Internetanschluss hat, eine völlig neue Finanzwelt.

Als Gatekeeping bezeichnet man den Vorgang in einem System, der eine Engstelle zulässt, an welcher eine Instanz Nutzer gezielt auswählt und dadurch Zensur ermöglicht. MetaMask sollte diese Gefahr vermeiden und Zensur durch staatliche Organisationen verhindern. Der Vorfall zeigt, dass beides dennoch möglich ist.

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Die Betroffenen kommen mit Venezuela und dem Iran aus zwei Staaten, die in politischer Feindschaft zu den USA stehen. Die Hauptquartiere von ConsenSys liegen in den USA.

Mit Informationen, die eine wirkliche Dezentralität belegen, geht MetaMask sehr spärlich um. Sowohl die Anteile des Unternehmens ConsenSys, als auch die Entwicklung der Wallet sind nicht besonders dezentral.

USA: Zensur trifft auch OpenSea

Dass die Restriktionen bestimmter Nutzer der MetaMask eben kein Zufall waren, zeigt eine Sperre auf OpenSea, welche die gleichen Nutzer traf. OpenSea gab dazu bekannt, man unterliege der US-amerikanischen Jurisdiktion und müsse sich an deren Rechtsprechung halten.

Sanktionen der USA verpflichten dadurch auch Web3-Plattformen dazu, Strafen gegen bestimmte Länder zu verhängen – zu denen eben auch der Iran und Venezuela gehören. Das deutet auf eine fehlerhafte Infrastruktur hin.

Die versprochene Dezentralität gibt es nicht. Andernfalls wäre eine Zensur unmachbar. Vereinzelte Unternehmer erkannten diese Schwachstelle schon vor längerer Zeit und verwandelten ihr Unternehmen in eine DAO – beispielsweise Erik Vorhees’ Firma ShapeShift.

Verlieren Iraner und Venezuelaner ihre komplette MetaMask Wallet?

Einige Nutzer fragten sich, wie es nun für sie weitergeht. Kann MetaMask das Vermögen seiner Kunden tatsächlich einfach einfrieren? Glücklicherweise ist das nicht der Fall.

"Also sind Infura und MetaMask komplett zentralisiert und ihr kontrolliert, wer was mit den Anlagen innerhalb seiner eigenen Wallet macht - ist es das, was ihr sagt?"

Auch OpenSea kann Vermögen nicht einfach einfrieren, sondern lediglich Nutzerkonten sperren, bestimmte Adressen blockieren und Auktionen abbrechen, da sämtliche Vorgänge über eine Web Wallet wie MetaMask laufen.

MetaMask selbst lässt sich einschränken, wie spätestens jetzt offenkundig ist. Die Wertanlagen, die man von der MetaMask aus erreichen kann, lassen sich jedoch auch mit anderen Wallets erreichen. Dazu muss die geheime Seed-Phrase lediglich in einer anderen Wallet eingegeben werden.

Vorsichtiger müssen Nutzer gefährdeter Länder mit Custodial Wallets umgehen. Krypto-Börsen sperren Menschen aus betroffenen Ländern und können deren Vermögen einfrieren oder beschlagnahmen.

Ist ConsenSys in der Hand vom Ethereum-Gegner JP Morgan?

Frühere Mitarbeiter von ConsenSys erstellten einen Antrag auf die Prüfung von Vorgängen, welche sie als illegal einschätzen. Konkret geht es dabei um den Transfer von geistigem Eigentum der ConsenSys AG (CAG) und Tochtergesellschaften zur neu gegründeten ConsenSys Software Incorporated (CIS).

Zustande kam dieser Wandel durch ein Geschäft, das den Namen Project North Star trägt und von Joseph Lubin – dem Gründer von ConsenSys – mit JP Morgan eingefädelt wurde. Die US-amerikanische Bank erwarb dadurch einen erheblichen Anteil an den Marken der ConsenSys, speziell an MetaMask und Infura.

Die Sorge der ehemaligen Mitarbeiter, die zusammen über die Hälfte der CAG-Anteilseigner abbilden, ist nicht unbegründet. Wie der aktuelle Vorfall beweist, handelt es sich dabei doch um kritische Infrastruktur.

JPMorgan warnt vor Ethereum
Vor einigen Monaten erklärte die US-Bank Ethereum für überaus nützlich. Inzwischen hat sich diese Position geändert. JPMorgan warnt vor Ethereum.

Tatsächlich soll JP Morgan nun die Zukunft von ConsenSys in seiner Hand haben. Das Geschäft, das diesen Zustand überhaupt erst ermöglichte, scheint hingegen illegal gewesen zu sein. Joseph Lubin und Frithjof Weinert hatten in beiden Firmen (CAG und CIS) Führungsrollen inne.

Nach geltendem Recht sei das jedoch illegal. Das Abkommen mit JP Morgan würde dann nachträglich rückgängig gemacht. Da die vorgeschriebene jährliche Aktionärsversammlung über zwei Jahre ausgesetzt wurde, ging das Geschäft über den Tisch, ohne dass die restlichen Aktionäre überhaupt davon wussten.

Obendrein sorgt dieser Missstand dafür, dass Weinert gar nicht von den Aktionären in eine Position gewählt werden konnte, aus der er das Geschäft mit der US-Bank autorisierte.

Der Vorwurf lautet, dass die CAG faktisch liquidiert wird, was sowohl Joseph Lubin, als auch JP Morgan ein ertragreiches Geschäft ist. Die restlichen Aktionäre würden dann um ihre Anteile gebracht und gingen leer aus.

Neben der Zensur der MetaMask besteht also bei deren Entwickler ConsenSys eine imminente Gefahr der Zentralisierung. Zwei Dinge, die oft miteinander einhergehen. James Spediacci warnte alle Personen im Web3 vor derlei Vorgängen.

“Einen Tag nachdem wir erfahren haben, dass Consensys Infura/MetaMask an JP Morgan verkauft hat, beginnen sie mit der Sperrung von Ländern.”
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