Bitcoin Münze auf Kante

Wie viele Bitcoins gibt es noch und wie viele BTC sind für immer verloren?

Mit Bitcoin ist der Menschheit eine Revolution gelungen – das erste freie, dezentrale und zensurresistente Geld. Dabei spielen nicht nur die bekannten Vorteile von Bitcoin eine entscheidende Rolle, sondern vor allem seine Knappheit. BTC ist nämlich auf maximal 21 Millionen Einheiten begrenzt und bietet daher, durch seine Grundeigenschaften, eine Alternative zu bekannten Wertaufbewahrungsmitteln wie Gold und anderen Edelmetallen.

Bis zum heutigen Tag wurden insgesamt 18.412.481 BTC erschaffen und in Umlauf gebracht. Die restlichen 2.587.519 BTC werden erst innerhalb der nächsten ca. 120 Jahre durch den Prozess des Minings entstehen. Dabei stellt sich aber jetzt schon die Frage, ob all die Bitcoin, die sich bereits in Umlauf befinden, wirklich zur Verfügung stehen oder bereits einige davon in der Zwischenzeit verloren gegangen sind.

In diesem Artikel wollen wir der Sache auf den Grund gehen und durch verschiedene On-Chain Daten herausfinden, wie viele Bitcoin für immer verloren gegangen sind. Viel Spaß!

Bitcoins maximale Anzahl durch Inflationsrate festgelegt

Vor über 11 Jahren wurde das Bitcoin Whitepaper zum ersten Mal veröffentlicht. Genau dort wurde auch die maximale Anzahl von 21 Millionen BTC festgelegt. Hier die magische Formel, die Bitcoin seine Knappheit verleiht:

int64 CBlock: :GetBlockValue(int64 nFees) const
{
int64 nSubsidy = 50 * COIN;
// Subsidy is cut in half every 4 years
nSubsidy >>= (nBestHigh / 210000);

return nSubsidy + nFees;
}

Hiermit wird festgelegt, dass der jeweilige Block Reward bei 50 BTC liegt und alle 210.000 Blöcke halbiert wird. Viele wissen nicht, dass es im Bitcoin Quellcode keine Überprüfung der maximalen Anzahl von 21 Millionen BTC gibt. Diese Grenze ergibt sich automatisch aus der oben genannten Funktion. Es wird somit nur überprüft, ob pro gefundenen Block nicht mehr BTC ausgegeben werden als vorgeschrieben. Demnach ist nur die Inflationsrate vorgegeben, aus der eine maximale Anzahl an BTC resultiert.

Die umlaufende Menge ist in der Realität geringer

In unserer Analyse schauen wir uns die Anzahl der BTC an, die bis zum Block 630.000 (Zeitpunkt vom 3. Halving) entstanden sind. Mit der oben genannten Formel können wir somit genau sagen, wie viele Bitcoin bis zu diesem Zeitpunkt entstanden sind.

210.000 Blöcke * 50 BTC + 210.000 Blöcke * 25 BTC + 210,000 Blöcke * 12.5 BTC = 18.375.000 BTC

Somit hätten in der Theorie bis zum 3. Halving insgesamt 18.375.000 BTC entstehen müssen. Doch in der Realität sieht es etwas anders aus. Bereits vor 8 Monaten hat einer der bekanntesten Bitcoin Entwickler Pieter Wuille darauf aufmerksam gemacht, dass die tatsächliche Anzahl der Bitcoins, die sich in Umlauf befinden, geringer ist.

Das hat uns Grund genug gegeben um der Frage nachzugehen warum das Angebot geringer ist als es sein sollte. Zudem wollen wir herausfinden wie viele Bitcoins in der Zwischenzeit möglicherweise verloren gegangen sind und wie viele nachweislich für immer weg sind. Jeder verlorene BTC verringert die umlaufende Menge, macht die beliebteste Kryptowährung noch knapper und somit die restlichen BTC wertvoller.

Nachweislich verlorene Bitcoins

Genesis Coins

Der Bitcoin Ledger (Hauptbuch) besteht aus dem sogenannten UTXO-Set. Genauer gesagt verbergen sich hinter dem Begriff „Unspent Transaction Outputs“, also nicht ausgegebene Transaktionen. Genau dieses UTXO-Set bestimmt den Status Quo des Bitcoin Ledgers. In anderen Worten: Es zeigt die Summe aller Guthaben im Bitcoin Netzwerk und somit auch die Anzahl an BTC, die sich in Umlauf befinden.

Dennoch gibt es Bitcoins, die in dem UTXO-Set nicht auftauchen und somit nachweislich für immer verloren sind. So auch der 50 BTC Block Reward aus dem Genesis-Block von Satoshi Nakatomo. Hierbei handelt es sich um den allerersten Block im Bitcoin Netzwerk. Die Belohnung in Höhe von 50 BTC ist im UTXO-Set nicht enthalten. Es ist immer noch unklar, ob es ein Versehen oder Absicht war.

Doch damit sind wir noch nicht am Ende der Fahnenstange angekommen.

Bitcoins verloren: 50 BTC

Doppelte Coinbase-Transaktionen

Weitere Verluste sind auf Basis einer fehlerhaften Handhabung von doppelten Transaktionen entstanden. Obwohl doppelte Transaktionen im Bitcoin Netzwerk als unmöglich erscheinen, ist es dennoch möglich doppelte Transaktionen zu erstellen.

Die am einfachsten zu duplizierenden Transaktionen sind die Coinbase-Transaktionen, die die ersten Transaktionen jedes Blocks sind und es dem Miner ermöglichen, seinen Block Reward zu beanspruchen. (die Firma Coinbase ist nach diesen Coinbase-Transaktionen benannt!) Das ist nur möglich, weil diese Transaktionen keine digitalen Signaturen oder Verweise auf frühere Transaktionen enthalten. Wenn ein Miner nun eine Coinbase-Transaktion erstellen würde, bei der genau der gleiche Betrag an BTC an die gleichen Adressen und mit der gleichen zusätzlichen Nonce (ein kleiner Bereich der Coinbase-Transaktion, der zur Unterstützung des Minings verwendet wird) ausgezahlt wird, wäre die Transaktion identisch.

Das geschah aber bis jetzt nur zweimal in der frühen Geschichte von Bitcoin

  • Die Transaktion d5d2..8599 war der Coinbase Output für die Blöcke 91.812 und 91.842
  • Die Transaktion e3bf…b468 war der Coinbase Output für die Blöcke 91.722 und 91.880

In beiden Fällen wurden die vorherigen Outputs durch die der identischen Transaktionen überschrieben. Das Ergebnis ist, dass die beiden überschriebenen Ausgaben nicht im UTXO-Set enthalten sind. Diese 100 BTC befinden sich nicht im Ledger von Bitcoin.

Obwohl es wie ein harmloses Versehen aussieht, identifizierte Russell O’Connor dies bereits 2012 als einen möglichen Angriffsvektor. Durch die Nutzung doppelter Transaktionen könnte ein Angreifer die früheren Transaktionen anderer Benutzer aus dem Ledger entfernen.

Als Reaktion darauf wurde 2012 das BIP-30 (Bitcoin Improvement Proposal) eingeführt, um neue doppelte Transaktionen zu verbieten, bis die Outputs der älteren Transaktion vollständig aufgebraucht sind. Die Handhabung der vorhandenen Duplikate wurde jedoch nicht geändert. Dadurch bleiben diese 100 Bitcoins für immer verloren.

Bitcoins verloren: 100 BTC

Nicht beanspruchte Belohnungen

Unter den verlorenen Bitcoins reihen sich auch einige nicht beanspruchte Block Rewards (Belohnungen) der Miner ein. Im Bitcoin Protokoll ist festgeschrieben, dass ein Miner, der einen gültigen Block findet, den dazugehörigen Block Reward und die Fees, der im Block enthaltenen Transaktionen, für sich beanspruchen kann. Jeder Full Node überprüft, ob die Miner nicht versuchen mehr für sich zu beanspruchen, als denen eigentlich zusteht. Den Full Nodes ist es jedoch egal, ob ein Miner weniger beansprucht hat als vorgesehen.

Es macht natürlich absolut keinen Sinn, dass Miner sich nur einen Teil ihrer Block Rewards krallen und den Rest einfach verwerfen. Doch genau das ist erstaunlicherweise bereits oft passiert. Das erste Mal geschah es im Mai 2011 in Block 124.724 und das letzte Mal bis jetzt in Block 564.959 Ende Februar 2019. Insgesamt sind diese Anomalien 1.221 Mal aufgetreten. Dabei sind insgesamt 28,955027063 Bitcoins auf der Strecke geblieben.

Der Grund für so viele Anomalien liegt wahrscheinlich in einer fehlerhaften Software der Miner, die zur Erstellung der Coinbase-Transaktion verwendet wurde.

Bitcoins verloren: 28,955027063 BTC

OP_RETURN Outputs

Es gibt eine spezielle Art der Outputs von Bitcoin-Transaktionen namens OP_RETURN. Sie ermöglichen es den Benutzern, Daten in die Blockchain einzubetten. Dabei wird das UTXO-Set in der Regel nicht angerührt.

Während die große Mehrheit solcher Outputs mit einem Wert von 0 Satoshis erzeugt wird, gibt es auch einige, die dafür einiges auf den Tisch gelegt haben. Insgesamt wurden 3,723039 BTC bis Block 600.000 an OP_RETURN Outputs gesendet. Diese Coins können nicht mehr ausgegeben werden und gelten als verloren.

Bitcoins verloren: 3,723039 BTC

Insgesamt sind somit nachweislich 182,678066 BTC für immer verloren. Demnach haben wir bei Block 630.000 keine 18.375.000 BTC in Umlauf gehabt, sondern nur 18.374.817,321934 BTC.

Wahrscheinlich verlorene Bitcoins

„Bogus“ Adressen

Vor der Standardisierung der OP_RETURN Outputs gab es keine leicht zugängliche, nachweisbare Möglichkeit, Bitcoins zu „vernichten“. Infolgedessen griffen Benutzer auf „Bogus Adressen“ zurück. Dabei handelt es sich um Adressen, die keinen bekannten privaten Schlüssel haben. Also auch keinen Besitzer haben.

Normalerweise wird eine Bitcoin Adresse aus der Transformation des privaten Schlüssel in einen öffentlichen Schlüssel erzeugt. Dieser Prozess macht es sehr schwierig, benutzerdefinierte Bitcoin Adressen zu erzeugen. Man muss im Grunde genommen nach einem privaten Schlüssel durch suchen (minen), deren Adresse mit dem gewünschten Präfix beginnt.

Bei „Bogus Adressen“ besteht jedoch nicht der Wunsch jemals wieder an die Coins zu kommen. Jeder kann sich eine „Bogus Adresse“ ausdenken. Diese muss kann mit einem beliebigen Präfix beginnen (muss mit dem Base58-Alphabet geschrieben werden). Die letzten Zeichen der Adresse sind jedoch zufällig.

Mittlerweile gibt es so viele „Bogus Adressen“, dass es unmöglich ist alle Adressen zu durchforsten. Hier aber eine kurze Übersicht der größten und bekanntesten:

Bitcoin größte Bogus Adressen

Allein diese drei Adressen machen 2213,19538012 BTC aus. Theoretisch sind diese Coins nicht für immer verloren – jemand könnte den dazugehörigen privaten Schlüssel finden. Die einzige bekannte Möglichkeit einen privaten Schlüssel zu finden der zu einer bestimmten Adresse gehört, besteht nur darin zufällig zu raten bis man die richtige Kombination findet (Bruteforce). 

In der Praxis ist die Wahrscheinlichkeit, dass dies in der Lebenszeit unseres Planeten geschieht, ziemlich gering. Noch letzte Woche haben wir einen Artikel zu einem kürzlich ausgeführten Brute Force Angriff geschrieben.

Bitcoin wahrscheinlich verloren: 2.213,19538012 BTC

Bugs (Fehler)

Die heutigen Bitcoin Wallets sind sozusagen das Tor in das BTC Netzwerk. Heutzutage findet man nur noch selten Fehler in ihnen. Doch das war nicht immer der Fall. Im November 2011 fiel MtGox einem Fehler in diesem Teil ihrer Software zum Opfer. Sie schickten 2.609,36304319 BTC an ein „Bogus Skript“ und wussten keinen Weg wieder an diese Coins zu kommen. Sowas kann passieren, wenn man Coins an einen „leeren“ öffentlichen Schlüssel schickt und die jeweilige Software nicht darauf programmiert ist zu erkennen, dass dies zu einem Problem führen wird.

Es gab weitere ähnliche Fehler in anderen Kryptowährungen, die die Coins unbrauchbar machten. Vor allem in Ethereum mit dem Parity-Selbstzerstörungs-Problem (513.000 ETH verloren).

Bitcoin wahrscheinlich verloren: 2609,36304319 BTC

Zombie Coins oder Satoshis Bitcoin

Oft werden auch Bitcoins als verloren angesehen, wenn sie sich seit vielen Jahren nicht mehr bewegt haben. Hier ist es aber unmöglich zu wissen, ob ihre Besitzer die Schlüssel noch haben oder nicht. Daher werden sie oft als „Zombie Coins“ bezeichnet – weder lebendig, noch tot.

Um hier dennoch nicht zu spekulativ zu werden, schauen wir uns nur die BTC an, die zuletzt bewegt wurden bevor Bitcoin an der ersten Börse gehandelt wurde (Juli 2010). Der Grund für dieses Zeitfenster ist denkbar einfach: damals hatte Bitcoin noch keinen offiziellen Preis und demnach hatten die Besitzer nur wenig Anreiz ihre Wallets ausreichend zu sichern.

Bei Block 630.000 gab es 1.496.907,88 BTC, die zuletzt vor Juli 2010 bewegt wurden. Verschiedenen Schätzungen zufolge besitzt Satoshi Nakamoto angeblich mehr als die Hälfte dieser Coins. Das liegt daran, dass Satoshi selbst in diesem Zeitraum der dominierende Miner war.

Da es bis heute schon mehrere Bitcoin Kurs Blasen gab, hätten die Coins in einer dieser Blasen bewegt werden müssen, um Gewinne mitzunehmen. Entweder haben die Besitzer also ihre Schlüssel verloren oder haben einen extrem langfristigen Zeithorizont.

Bitcoin wahrscheinlich verloren: 1.496.907,88 BTC

Belastete Coins

Bei dieser Kategorie handelt es sich um Bitcoins, die als verloren gelten oder sich zumindest vorläufig nicht mehr im Umlauf befinden. Dabei geht es hauptsächlich um gestohlene BTC. Denn diese Coins sind allen Börsen bekannt und machen es sehr schwierig bis unmöglich diese wieder in Umlauf zu bringen. Vor allem weil es sich hierbei um teilweise sehr große Beträge handelt.

In der Geschichte von Bitcoin gab es viele größere Hacks und Diebstähle, aber zwei sind hier besonders zu nennen – der Diebstahl von 80.000 BTC von MtGox im Jahr 2011 und der Diebstahl von 120.000 BTC von Bitfinex im Jahr 2016.

Bis heute wurden die gestohlenen BTC aus dem MtGox Hack nicht mehr angerührt. Der Grund, warum die Beute (im Wert von 73.000 US-Dollar zur Zeit des Diebstahls, heute 700 Millionen US-Dollar) nie ausgegeben wurde, ist unbekannt. Höchstwahrscheinlich ist der Dieb nicht mehr in der Lage auf den privaten Schlüssel zuzugreifen. Vielleicht gibt es aber auch einen ganz anderen Grund.

Im August 2016 verlor Bitfinex 119.756 BTC durch einen Hack. Bis heute sind nur sehr wenige dieser gestohlenen Coins bewegt worden. Zum Zeitpunkt des Blocks 630.000 hatten die Adressen, an die die gestohlenen Coins geschickt wurden, noch 117.091,31922097 BTC.

Gestohlene Bitcoins: 197.047,31922097 BTC

Fazit – Bitcoin ist knapper als gedacht

Bitcoin wird niemals eine umlaufende Menge von 21 Millionen BTC erreichen. Alleine die nachweislich verlorenen Bitcoin machen das unmöglich. Doch die Summe der verlorenen BTC könnte weitaus höher sein, wenn wir die verschiedenen Probleme, Fehler und andere Ereignisse im Laufe der Zeit berücksichtigen.

Die finale Berechnung sieht wie folgt aus:

  • Theoretischer Bestand bis zum Block 630.000 = 18.375.000 BTC
  • Nachweislich verlorene Bitcoins = 182,678066 BTC
  • Wahrscheinlich verlorene Bitcoins = 1.501.730,43842331 BTC
  • Gestohlene Bitcoins = 197.047,31922097 BTC

Somit kommen wir auf eine Summe von 16.676.039,6 BTC, die sich aktuell tatsächlich in Umlauf befinden. Insgesamt könnten also 1.698.960,4 Bitcoins für immer verloren sein.

Es gibt viele weitere Möglichkeiten das tatsächliche Angebot von Bitcoin zu beurteilen. Hier gibt es viel Interpretationsspielraum und demnach unterscheiden sich die Ergebnisse teilweise enorm. Daher haben wir versucht in diesem Artikel die einzelnen Faktoren herunterzubrechen, um ein realistisches Bild der Lage zu bekommen. Wir werden für euch weiterhin die verlorenen Bitcoins beobachten und euch wie immer auf dem Laufenden halten. Schaut unbedingt in unserer Wissensbibliothek vorbei! – Dort tragen wir alles Relevante zusammen, um im Bitcoin Space informiert zu bleiben.

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[Bildquelle: Shutterstock]