In den letzten Wochen und Monaten wird Decentralized Finance (DeFi) ein immer heißeres Thema im Krypto-Space. Allen voran Lending Services und dezentrale Börsen (DEX) explodieren im Volumen. Zu den Gewinnern gehört hier neben MakerDAO, Compound und Balancer vor allem Aave (LEND).

Das Lending Protokoll ist einfach zu bedienen und erlebt seit dem Rebranding und Neustart einen enormen Hype und schickt sich an die Nummer 1 im DeFi Lending Sektor zu werden. Je nach dem wann du diesen Artikel liest, ist es vielleicht auch schon passiert.

Hintergrund für den enormen Erfolg sind nicht nur die einfache Bedienoberfläche, sondern auch die Einführung von sog. „Flash Loans“, „Interest Rate Switching“ und den Umbau von LEND in ein dezentrale autonome Organisation (DAO). Ganz nach dem Beispiel führender DeFi Protokolle wie z.B. Compound.

Sollte dir bei den ganzen fremden Begriffen jetzt schwindelig werden, können wir dich beruhigen. In diesem Artikel wollen wir dir bei deinen Fragen helfen und achten darauf die teils komplizierten Begriffe so einfach wie möglich zu erklären. Außerdem zeigen wir dir in einer Kurzanleitung, wie du Aave einrichten und Zinsen verdienen kannst. Schreibe uns bei weiteren Fragen einfach einen Kommentar.

Du willst alles über DeFi wissen und nochmal bei den Basics anfangen? Dann empfehlen wir dir unseren „Was ist DeFi?“ Wissensartikel und den dazugehörigen DeFi-Rendite Vergleich, um die beste Plattform für deine Bedürfnisse zu finden.

Übersicht: Was ist Aave (LEND)

Was ist Aave (LEND)?

Viele fragen sich vielleicht gerade wofür „Aave“ eigentlich steht. Tatsächlich hat es eine Bedeutung, denn „Aave“ ist finnisch und bedeutet so viel wie „Geist / Gespenst“. Das Gespenst steht für den Schwerpunkt von Aave, eine transparente und offene Infrastruktur für dezentralisierte Finanzen zu schaffen. Vielleicht aber auch weil Aave bereits 2017 mit ETHlend indirekt das Zeitalter von Decentralized Finance einläutete und damit noch ziemlich lange alleine bzw. unsichtbar war. Erst in diesem Jahr erlebte DeFi seinen echten Durchbruch.

Nach ETHlend wurde im September 2018 wurde dann die neue Muttergesellschaft „Aave“ gestartet. Mit dem Start des Mainnets im Januar 2020 endete auch die Ära von ETHlend. Das Team wechselte samt Gründer Stani Kulechov in das neue Projekt und nur noch das Kürzel (LEND) erinnert an den alten Ethereum Lending Marktplatz.

Zusammengefasst ist Aave also ein DeFi Protokoll bzw. eine dApp mit der man Geld leihen und ausleihen kann, genau wie bei Compound. Ähnlich wie COMP stellt LEND dabei den Governance und Utility Token der Plattform dar. Die genaue Funktionsweise von Aave, wollen wir uns im nächsten Abschnitt anschauen.

Wie funktioniert Aave?

Wie bereits oben zusammengefasst kann man mit Aave Kryptowährungen auf dezentralem Weg verleihen und ausleihen. Dadurch entfällt wie bei allen DeFi Anwendungen der Mittelsmann sowie der KYC Prozess. Das Protokoll bzw. die dApp ist also für jeden mit einer Ethereum Wallet zugänglich. Wie du diesen Zugang einrichtest und was du benötigst schauen wir uns später nochmal genauer an.

Wenn du Geld verleihst hinterlegst du deine Kryptowährung in einen „Pool“ von dem andere User sich dann die Ethereum-basierten Tokens ausleihen können. Im Gegenzug erhältst du dafür Zinsen. Der Vorteil bei DeFi Lending Plattformen ist aber die ständige Erreichbarkeit, wodurch du jederzeit deine Kryptos aus dem Pool wieder abheben kannst.

Ähnlich wie ein Tagesgeldkonto nur mit sehr viel mehr Möglichkeiten, mehr Flexibilität, dezentral und auch attraktiveren Zinsen. Das sieht dann so aus:

Welche Kryptowährungen unterstützt Aave?

Aave unterstützt aktuell 19 Kryptowährungen, die sich alle je nach Angebot und Nachfrage in ihren Zinssätzen unterscheiden. Ingesamt umfasst der Aave Markt aktuell einen Gesamtwert von 585 Mio. USD, Tendenz steigend.

Zu den unterstützten Kryptowährungen zählen der Dai Stablecoin (DAI), USD coin (USDC), True USD (TUSD), Tether (USDT), Synthetix USD (sUSD), Binance USD (BUSD), Ethereum (ETH),  ETHlend (LEND), Basic Attention Token (BAT), Kyber Network (KNC), Chainlink (LINK), Decentraland (MANA), Maker (MKR), Augur (REP), Synthetix Network (SNX), Wrapped Bitcoin (wBTC), Enjin (ENJ), Ren Protocol (REN) und 0x (ZRX).

Auch hier sollen weitere dazukommen, jedoch ist zu beachten, dass nicht alle auch als Sicherheit für einen Krypto-Kredit akzeptiert werden.

Krypto Kredite

Bevor wir zu den Zinsen kommen werfen wir einen kurzen Blick auf die Krypto-Kredite bei Aave. Hier können Nutzer nach der Hinterlegung einer Sicherheit für einen variablen Zinssatz Kryptowährungen ausleihen. Dafür muss allerdings auch eine Sicherheit (Collateral) hinterlegt werden, der meist 50-75% über dem ausgeliehenen Gegenwert in USD liegt. Dies dient zum Ausfallschutz.

Wie oben beschrieben ist nicht jede angebotene Kryptowährung als Sicherheit bei Aave geeignet. Dies liegt an den teilweise starken Schwankungen der hinterlegten Assets. Am besten eignen sich daher Stablecoins wie USTD, USDC oder DAI.

Sollte die Sicherheit nicht mehr genug Gegenwert darstellen können andere User das Risiko übernehmen und die Sicherheit mit einem Rabatt erwerben. Liquidierung nennt sich das ganze und stellt ein hohes Risiko in volatilen Märkten dar. Die dezentralen Oracles von Chainlink überwachen die Preisdaten, damit es nicht zu Manipulation kommen kann.

Aave Flash Loans – Der Game Changer

„Flash Loans“ sind übersetzt „Blitzkredite“ mit denen man große Mengen an Kryptos ausleihen kann und das komplett ohne Sicherheiten. Diese Neuerung macht Aave einzigartig und für einen Laien auf technischer Ebene nur sehr schwer verständlich. Dabei ist das Prinzip sehr einfach erklärt:

Derjenige der einen Blitzkredit aufnimmt, muss diesen mit dem nächsten Ethereum Block wieder zurückzahlen. Sollte dies nicht gelingen wird jede Transaktion, die innerhalb dieser Zeitspanne stattgefunden hat abgebrochen. Dadurch benötigt man auch keine Sicherheiten, denn der Reservepool verliert keine Sicherheiten. Für jeden Blitzkredit (Flash Loan) wird eine Gebühr von 0,3% fällig, ob „erfolgreich“ oder nicht.

Aave Flash Loans

Wer braucht sowas?

Primär richten sich Flash Loans an Entwickler, die eventuell Kapital für Arbitrage Geschäfte oder zu Refinanzierungszwecken benötigen. Außerdem sind sie mittlerweile auch ein Schlüsselelement bei der Optimierung von Yield Farming auf anderen Protokollen wie z.B. Compound.

Der Code für Flash Loans wurde von Aave frei zur Verfügung gestellt und so integrieren immer mehr Applikationen diese revolutionäre Idee. Damit wird der DeFi Space nochmals effizienter aber auch ungemein komplexer. Ganz risikolos ist diese Entwicklung also nicht, dennoch bietet sie einiges an Potential und ist eines der möglichen Killer Features von Aave.

Zinssätze für Lending und Kredite

Bei Aave hat man die Möglichkeit zwischen festen und variablen Zinssätzen zu wählen, ähnlich wie bei einer Bank. Der Unterschied ist jedoch, dass die Zinssätze sich ständig anpassen und durch Angebot und Nachfrage eines bestimmten Pools zusammensetzen. Je mehr ein bestimmter Pool einer Kryptowährung also genutzt wird, desto mehr Zinsen bietet dieser Pool in der Regel.

Bei dem „festen“ Zinssatz handelt es sich um den 30 Tage Durchschnitt der bestimmten Kryptowährung. Auch hier bleibst du bei deinem Investment aber völlig flexibel, denn die Wahl zwischen festem und variablem Zinssatz kann jederzeit geändert werden. Dies kostet allerdings ETH Gas Gebühren, die aktuell auf Grund der Auslastung teilweise recht hoch sind.

Die aToken

Die Parallelen zu Compound werden auch beim Token-Modell offensichtlich, dennoch unterscheiden sich beide Protokolle auch hier in einigen Aspekten voneinander. Sobald man Kryptowährungen bei Aave hinterlegt, sei es als Verleiher oder als Sicherheit, erhält der User die protokolleigenen aTokens. Hinterlegst du also beispielsweise 1000 USDC erhältst du 1000 aUSDC.

Die aTokens verbriefen also deinen Anspruch am entsprechenden Pool der hinterlegten Währung und damit auch deinen Anteil an Zinsen, die du für das Lending erhältst. Die Zinsen sind in Echtzeit sichtbar und erhöhen sich Block für Block.

Anders als die Compound cTokens behalten die aTokens jedoch den zu Grunde liegenden Wert der hinterlegten Sicherheit (Kryptowährung). Ein aETH hat somit immer den gleichen Wert wie ein ETH. Damit erhöht sich bei hinzukommenden Zinsen einfach die Anzahl an aTokens und ein Zinseszinseffekt entsteht. Das macht die Umrechnung auch sehr einfach und nutzerfreundlich.

Der Aave (LEND) Token

Wie in der Einleitung beschrieben ist Aave ursprünglich als ETHlend (LEND) an den Start gegangen. Hintergrund war ein ICO zu 0,016 USD pro LEND Token. Ingesamt wurden 1 Mrd. LEND verkauft, bei einem Gesamtangebot von 1,3 Mrd. LEND Tokens. Das Unternehmen konnte so rund 16 Millionen USD einsammeln. Eines der wenigen Projekte, die auf die Summe Taten folgen ließen und mit Aave nun eines der besten DeFi Protokolle am Markt stellen.

23% aller Tokens gehören den Gründern bzw. dem Projekt, was immer Gefahren mit sich bringt, falls sich das Team entscheidet ihren Anteil zu verkaufen.

LEND: Utility + Governance Token

LEND ist ursprünglich ein Utility Token, der den Nutzern eine Reihe von Vorteilen einbringt. Unteranderem reduzierte Gebühren, bessere Zinssätze und andere Belohnungen. Zudem werden 80% der Plattformgebühren dafür verwendet LEND Tokens zu „verbrennen“. Hierdurch reduziert sich das Angebot an LEND sukzessive mit zunehmender Nutzung der Plattform.

Seit der Umstellung auf Aave war auch beim LEND Token ein Upgrade nötig, um das Protokoll langfristig auf eine dezentrale autonome Organisation (DAO) umzustellen. Branchenüblich erhielt LEND also auch Governance Funktionalitäten. So können Nutzer mit einer bestimmten Anzahl an Stimmrechten (LEND) Vorschläge zur Anpassung des Protokolls unterbreiten und über diese abstimmen.

In der Zukunft soll der LEND Token weitere Governance Aufgaben übernehmen und auch als eine Art Sicherheitsfonds fungieren, falls es auf der Plattform zu unerwarteten Massenliquidierungen durch böswillige Spekulation kommt. Ein interessanter Ansatz, der aktuell noch eine große Gefahr für die DeFi-Branche darstellt.

So kommt ihr an Aave (LEND)

LEND Tokens kann man nicht durch Nutzung des Protokolls verdienen und auch der verfügbare Angebot ist bereits zum Großteil auf dem Markt. Das unterscheidet LEND grundsätzlich von den anderen Lending Protokollen, macht aber auch dessen Bewertung einfacher. Am einfachsten kommt man an Aave (LEND), wenn man sie auf einer gängigen Börse erwirbt. Die beste Liquidität bietet hier aktuell Binance (10% Rabatt).

Alle weiteren technischen Details zum Aave Protokoll, wie zum Beispiel die Price Oracles, erfährst du in der Dokumentation des Projekts.

Wie kann man bei Aave Zinsen verdienen? – Die Einrichtung

Die Einrichtung von Aave (LEND) ist wirklich sehr einfach und funktioniert analog zu allen anderen DeFi Lending Protokollen. Zuerst müsst ihr euch mit https://app.aave.com/ verbinden. Dies macht ihr am einfachsten über eine Web 3.0 Wallet wie z.B. Metamask oder über euren direkt verbundenen Ledger (Hardwarewallet mit maximaler Sicherheit).

Danach geht alles sehr einfach. Nachdem ihr eure Wallet mit der dApp verbunden habt, könnt ihr auch schon loslegen und euch Kryptowährungen leihen oder welche verleihen. Dafür sucht ihr einfach eine der 19 angebotenen Kryptos aus, die ihr auf eurer Wallet habt.

Sobald ihr euch für den Zinssatz und die Bedingungen entscheiden habt könnt ihr auf „Deposit“ drücken und eure gewählte Kryptowährung bei Aave zum gewünschten Zinssatz hinterlegen. Du erhältst im Gegenzug wie oben beschrieben den entsprechenden aToken.

Aave (LEND) vs. Compound (COMP)

Wir haben im Verlauf des Artikels immer wieder die Parallelen zu Compound Finance gesucht, das auch mit Recht, denn beide Protokolle gehören zu den Top 3 DeFi-Lending Protokollen. Doch inwieweit sind sie vergleichbar und wo unterscheiden sie sich? Fassen wir es nochmal kurz zusammen.

Aave (LEND)

  • LEND = Utility + Governance Token
  • Alle gängigen Stablecoins
  • 19 Kryptowährungen
  • Flexibler Zinssatz
  • Flash Loans
  • Gebühren minimal höher
  • Kein Yield Farming (LEND)
  • Kaum Dezentralisierung

Bei Aave anmelden

Compound (COMP)

  • COMP = Governance Token
  • Alle gängigen Stablecoins
  • Yield Farming (COMP)
  • Bessere Dezentralisierung
  • Gebühren minimal niedriger
  • 8 Kryptowährungen
  • kein Festzins
  • keine Flash Loans

Bei Compound anmelden

Auf dem Papier scheint es also so, als wäre Aave von der Funktionalität her das bessere der beiden DeFi Protokolle. Jedoch muss man zugeben, dass in der Bedienung beide zwar sehr nutzerfreundlich sind, Compound jedoch hier die Nase vorn hat. Die vielen Funktionen die bei Aave als Vorteil ausgelegt werden können machen eine Bedienung eben auch häufig ein wenig komplexer.

Die Möglichkeit Yield Farming zu betreiben und zusätzlich zu seinen Zinsen auch COMP Tokens verdienen zu können ist auf der Rendite-Seite durchaus ein Vorteil für Compound. Für die Hardcore User gibt es aber mit Curve Finance auch hier eine Lösung.

Du willst alles über Compound wissen und erfahren wie du durch Yield Farming größere Renditen einfahren kannst? Dann empfehlen wir dir unsere beiden Wissensartikel „Was ist Compound (COMP)?“ und „Was ist Yield Farming?“ zu lesen und zu teilen!

Fazit

Zusammenfassend können wir festhalten, dass der aktuelle Hype rund um Aave durchaus zu recht besteht. Die hinterlegte Summe an Kryptowährungen steigt täglich auf der Plattform und schnellt von einem zum nächsten Rekordwert, so dass man glauben könnte, dass Aave bald die Nummer 1 aller Lending Protokolle werden könnte. Das „Flippening“ steht zumindest kurz bevor (oder ist bereits vollzogen).

Vor allem die Flash Loans bieten einiges an Potential für den gesamten DeFi Space und damit auch automatisch für Aave, jedoch verbergen sich hier, wie auch hinter allen anderen DeFi Protokollen, einige Gefahren.

DeFi, die Gefahren und ein Ausblick für LEND

Wir sollten auf keinen Fall außer Acht lassen, dass es sich bei Aave und anderen DeFi Projekten um Experimente handelt, die jederzeit kollabieren können. Hackangriffe sind nur ein Beweis für das Stadium in dem sich Decentralized Finance noch befindet.

Wo Gefahren und Risiken lauern gibt es aber natürlich auch Chancen, die sich aktuell durch hohe Renditen bei DeFi Protokollen äußert. Zinssätze die teilweise deutlich attraktiver sind als die des klassischen Finanzmarkts locken immer mehr Neulinge in die neuartigen Anwendungen. Von einer Massenadaption sprechen wir hier aber noch lange nicht, denn bei gerade mal 3 Mrd. USD an gelockten Werten ist es noch ein weiter Weg bis nach oben.

Aave ist mit seiner langen Geschichte und dem Enthusiasmus seines Gründers Kulechov wohl eines der spannenderen Projekte. Wir sind gespannt wie sich die Token Governance und Token-Ökonomie von Aave (LEND) weiterentwickeln wird und ob Aave auch hier neue Benchmarks setzen kann.

WICHTIG: Dieser Artikel ist keine Anlageempfehlung und ersetzt auch nicht eure eigenen Recherchen. Bitte investiert immer mit Bedacht, gerade in einem so volatilen und gefährlichen Umfeld!

Da man LEND nicht über das Protokoll erwerben kann (noch nicht), sind Binance (10% Rabatt)  oder 1inch Exchange aktuell die besten Börsen um an den Token zu kommen.