Was ist eine Blockchain? – Einordnung, Eigenschaften und Use Cases

Der Begriff der Blockchain hat sich in den letzten Jahren in das Gedächtnis vieler Menschen gebrannt. Während die einen mit dem Buzzword bereits das nächste Heilsversprechen assoziieren, sehen andere in den Distributed-Ledger-Technologien (DLT) den größten Hype seit der Erfindung des Internets. Doch was ist eine Blockchain eigentlich? – Wie lässt sie sich technisch einordnen, welche Technologien stecken dahinter und in welchen Bereichen findet „die Blockchain“ bereits erste Anwendungen?

Wir möchten mit diesem Artikel eine möglichst breitflächige Basis schaffen und die gerade eben genannten Fragen klären. Dazu haben wir den Artikel in folgende Teile gegliedert:

Inhaltsverzeichnis

Einordnung: Blockchain als Emerging Technology

Bevor wir tiefer in die Materie einsteigen, möchten wir ein Gefühl für das ‚Große und Ganze‘ bekommen. Schließlich wurde der Begriff der Blockchain bzw. der Distributed-Ledger-Technologien nicht einfach aus dem Nichts erfunden. Vielmehr beschreiben sie im Konkreten die Verknüpfung bereits existenter Technologien aus der Informatik.

Die Schlüsselbegriffe, die hier fallen müssen, sind Hashfunktionen, Public/Private Key Verschlüsselung, digitale Signaturen, verteilte Datenbanken und Konsensmechanismen. Was kompliziert klingt, ist gar nicht so schwierig. Das beweisen wir euch später im Artikel.

Ziel dieses Abschnitts ist es, den Begriff der Blockchain thematisch einzuordnen. Schauen wir uns dafür zwei Grafiken an, die uns dabei helfen werden.

Der Gartner Hype Cycle zur Bewertung von Emerging Technologies

Die erste Grafik stellt den sogenannten Hype-Zyklus dar, der von der amerikanischen Firma Gartner Inc. entworfen wurde. Der Hype-Zyklus (engl. hype cycle) erklärt, welche einzelnen Phasen eine aufstrebende Technologie (engl. emerging technology) bei deren Einführung durchlaufen muss. Der Hype Cycle ist damit ein Tool, mit welchem neue Technologien bewertet werden können. Etwas einfacher formuliert: die Grafik zeigt uns die großen Mega-Trends der Zukunft auf und auch die Blockchain findet sich hier wieder.

Die 5 Phasen des Hype Cycle

  1. Der Innovationsauslöser: diese erste Phase entsteht mit dem erstmalig bekannten Durchbruch einer Technologie oder deren Projektbeginn. Für Blockchain lag der Innovationsauslöser wohl im Whitepaper von Satoshi Nakamoto.
  2. Die überzogenen Erwartungen: die Erwartungshaltung an jede neue Technologie ist hoch. Oft wird deren Potenzial überschätzt und die Erwartungen sind überzogen. Grund hierfür sind die häufig auftretenden „Kinderkrankheiten“ einer neuen Technologie.
  3. Tal der Enttäuschungen: Nach all den hohen Erwartungen und Berichten ebbt das Interesse an der Technologie plötzlich ab. Sie befindet sich im Tal der Enttäuschungen.
  4. Pfad der Erleuchtung: Nachdem die übermäßige Euphorie verflogen ist, tritt die Ratio anstelle von Emotionalität in Kraft. Die Vernunft siegt: Vorteile der Technologie werden klarer, ihre praktische Umsetzung ist nun klarer, genauso wie ihre technischen Limitierungen.
  5. Plateau der Produktivität: dieses Plateau wird erreicht, wenn die Vorteile allgemein bekannt, anerkannt und umgesetzt werden. Wie „hoch“ dieses Plateau sein wird, hängt letztendlich auch von der Akzeptanz der Technologie ab.

Nach dem aktuellsten Hype Cycle vom August 2018 hat Blockchain gerade den Gipfel der überzogenen Erwartungen durchlaufen. Damit befindet sich die Technologie nun in Richtung des Tals der Enttäuschungen bevor es von dort wieder in Richtung der Erleuchtung und Produktivität geht.

Bitkom Branchenbarometer: Wie wichtig ist Blockchain für Firmen?

Die erste Grafik zeigte uns eine allgemeine Einschätzung des aktuellen Entwicklungsstatus der Blockchain Technologie. Die zweite Grafik wird nun konkreter. Es geht um das Bitkom Branchenbarometer. Hierbei wurde die Software- und Digital-Industrie befragt, welche Trends sie zukünftig als am Relevantesten erachtet. Das Ergebnis siehst du in der nachfolgenden Grafik:

Die Blockchain Technologie ist damit eines der 10 wichtigsten zukünftigen Themen für die digitale Industrie. Die Positionierung auf Platz 7 zeigt jedoch auch, dass Blockchain von den Firmen selbst nicht als das zentralste Thema wahrgenommen wird. Andere große Buzzwords wie Cloud Computing, Internet of Things (IoT), Industrie 4.0 oder auch Big Data laufen DLTs den Rang ab.

Wir konstatieren zunächst: Blockchain ist eine aufstrebende Technologie (engl. emerging technology). Die überzogene Erwartungshaltung an die ‚Heilsversprechen‘ sind vorüber. Mehr Vernunft ist eingetroffen und das allgemeine Bewusstsein hinsichtlich der tatsächlichen Potenziale wird klarer. Die Industrie hat Blockchain & DLTs ebenso als einen der großen, zukünftigen Trends identifiziert. Es ist ein wichtiges, jedoch nicht das dominierende Thema. Bis zur Erreichung des Plateaus der Produktivität und somit dem Höhepunkt der Technologie wird jedoch noch das ein oder andere Jahr vergehen.

Doch was genau ist eigentlich gemeint, wenn wir von einer Blockchain sprechen? – Dieser Frage möchten wir uns im nachfolgenden Kapitel widmen. Wir beginnen mit einer einfachen Erklärung.

Was ist eine Blockchain? – Eine einfache Erklärung

Übersetzt man den Begriff “Blockchain” zunächst ins Deutsche, erhält man den sperrigen Begriff “Kette von Blöcken” beziehungsweise “Blockkette“. Aber was genau kann man jetzt unter dieser Blockkette verstehen?

Wir beginnen zunächst mit einigen allgemeinen Aussagen, die vor allem auch mit gängigen ‚Vorurteilen‘ aufräumen sollen: 

Der Begriff Blockchain gehört thematisch zu den Distributed-Ledger-Technologien. Sie selbst beschreibt eine permanent erweiterbare Liste von Datensätzen, die – bildlich gesprochen – wie Blöcke an einer Kette zusammengebunden werden. Welche Art von Information in den Blöcken gespeichert wird, ist zunächst unerheblich. Daher gibt es nicht “die eine Blockchain”. Damit ist der Begriff Bitcoin insbesondere nicht (!) mit dem Begriff der Blockchain gleichzusetzen. Eine Blockchain ist immer in ihrem jeweiligen Anwendungskontext zu betrachten – für welche Bereiche sich diese Technologie beispielsweise eignet, siehst du am Ende des Kapitels.

Um zu verdeutlichen, welches Problem die Blockchain löst, nehmen wir als Beispiel das Banken-und Zahlungssystem. Dieses Beispiel ist ein echter ‚Klassiker‘, da es sehr gut den Anwendungsfall einer verteilten, transparenten und fälschungssicheren Datenbank zeigt. Es beschreibt außerdem genau den Use-Case, den Satoshi Nakamoto 2008 zum ersten Mal mit Bitcoin beschrieb.

Die Blockchain als Mittel zur Übertragung von Werten wie Geld

Bisher funktionieren Banküberweisungen und (somit Transaktionen von Geld) wie folgt:

Max überweist an Petra eine festgelegte Summe an Geld. Dafür nutzt Max das Konto bei seiner Bank und überweist das Geld an Petra, die dafür ein Konto bei derselben oder einer anderen Bank benötigt. Nachdem die Überweisung bei seiner Bank eingegangen ist, wird diese bearbeitet. Ein bis zwei Werktage später erhält Petra dann das Geld von Max auf ihr Konto, wenn beide nicht bei derselben Bank sind. Natürlich ist das nicht ganz umsonst: je nach Bank zahlt Max seiner Bank etwa Kontoführungsgebühren oder trägt sogar je Überweisung Transaktionskosten. Noch teurer und zeitaufwändig wird dies, wenn Petra beispielsweise im nicht EU-Ausland wohnt.

Die nachfolgende Grafik verdeutlicht diesen Vorgang:

Ein weiterer Punkt, der enorm wichtig ist, ist die Kontrolle über dieses System. Denn die Kontrolle darüber, wer Zugang zu diesem System erhält – wer also etwa ein Konto eröffnen darf und wer nicht, sowie über das System selbst und alle beinhalteten Daten, liegen bei einer zentralen Autorität: der Bank. Anders formuliert: ohne unsere Bank sind wir ziemlich arme Schlucker. Denn wir haben keine Möglichkeit, Geld zu empfangen, es abzuheben oder anderen Personen zu versenden. Wie sollen wir aber am normalen gesellschaftlichen Leben teilhaben, wenn wir gar kein Konto besitzen würden?

Macht und Kontrolle in der Hand von einigen, wenigen Institutionen

Einige wenige Institutionen kontrollieren das gesamte System von Geld, Geldwert und Transaktionen. Wer garantiert aber, dass es innerhalb dieses zentralen Systems keine Manipulation gibt, dass etwa Bücher korrekt geführt und nicht verändert werden? Können wir darauf vertrauen, dass immer nach bestem Wissen und Gewissen gehandelt wird? Und wie sicher sind diese Systeme vor externen Cyberattacken, oder auch internen unautorisierten Zugriffen auf Daten? Schließlich geht es um das, was wir alle tagtäglich benutzen: Geld.

Die Ausgangssituation und Motivation sollte nun klar sein: wir benötigen eine Technologie, die es uns erlaubt, auch ohne dritte Personen Werte zu transferieren. Und dies muss in einer Art und Weise geschehen, die transparent, fälschungssicher und nicht diskriminierend ist. Die Blockchain.

Eine verteilte Datenbank, die transparent ist und Vertrauen herstellt

Im Kontext von Kryptowährungen ist die Blockchain nun vergleichbar mit einer verteilten Datenbank, die als großer, digitaler, dezentraler Kontoauszug fungiert. Die Art von Informationen, die gespeichert werden, sind die jeweiligen Transaktionen. Aus diesen Transaktionen lassen sich auch die ‚Kontostände‘ der einzelnen Personen berechnen.

Das schöne an einer Blockchain ist aber das Vertrauen, das sie herstellt. Vertrauen entsteht durch Algorithmen und nicht durch Menschen.

Denn mit Hilfe einer Blockchain können wir Transaktionen von A nach B schicken, ohne dass wir eine dritten Instanz, wie beispielsweise unsere Bank, brauchen. Man spricht davon, dass die Blockchain sogenannte “Intermediäre” ‘überflüssig’ macht. Sie garantiert uns, dass wir weltweit digitales Geld binnen kürzester Zeit verschicken und dabei sicher sein können, dass das digitale Geld auch nur bei der Person ankommt, an die wir es schicken möchten.

Wenn wir hier Bitcoin als Beispiel nehmen, zeigt die folgende Grafik den Prozess:

Die Bitcoin Blockchain einfach erklärt: Funktionen und Technologien

Außerdem lässt sich anhand der Blockchain und der einzelnen Blöcke zu jeder Zeit ausfindig machen, wer wie viel digitales Geld an wen geschickt hat. Daraus berechnet sich dann, wie hoch der aktuelle Kontostand von Person A oder Person B ist. Damit sind alle Veränderungen, das heißt Transaktionen, nachvollziehbar und transparent.

Da alle diese Transaktionen nun auf der Blockchain gespeichert werden sollen, entsteht so eine bestimmte Ansammlung von Transaktionen, die in einen Block ‘gepackt werden müssen’. Und so werden ‘Transaktionen gesammelt’ bis ein Block vollständig gefüllt ist.

Hashfunktionen als zentrales Element von Distributed-Ledger-Technologien

Jeder Block basiert auf sogenannten Hashfunktionen. Hierbei handelt es sich zunächst um ein mathematisches Verfahren, welches Datenblöcke einer beliebigen Länge auf eine feste Größe komprimiert. Dies mag zunächst abstrakt klingen. Hashfunktionen sind jedoch der elementare Bestandteil einer jeden Blockchain, da sie die Basis für digitale Signaturen und somit die Authentifizierung darstellen, Datenintegrität gewährleisten und Verschlüsselung ermöglichen bzw. Manipulation erschweren

Damit aus den einzelnen Blöcken nun eine Kette entsteht, wird jeder Block auf Gültigkeit überprüft und an die bisherige Kette angegliedert. Dabei enthält jeder Block einen Verweis auf seinen Vorgänger. Zur Veranschaulichung nehmen wir diese Grafik:

Es ist quasi unmöglich ein einzelnes „Glied“ innerhalb der Kette oder eine einzelne Information bzw. Transaktion nachträglich zu manipulieren, ohne die gesamte Kette zu verändern, da die Blöcke aufeinander aufbauen. So ist eine Manipulation von Daten innerhalb der Kette zwar theoretisch möglich, allerdings mit einem so hohen Aufwand verbunden, dass es praktisch unmöglich ist.

Eine kurze Zusammenfassung 

Die Blockchain ist also eine Datenbank, die Transaktionen und Informationen dezentral auf verschiedenen Rechnern beziehungsweise Knoten speichert, um so Daten besonders sicher verwalten zu können. Sie ermöglicht es uns weltweit Transaktionen durchzuführen ohne dabei auf eine dritte Person angewiesen zu sein. Kurzum: eine Blockchain schafft Vertrauen.

Im folgenden Kapitel möchten wir nochmals konkreter auf die wichtigsten Eigenschaften einer Blockchain eingehen und die daraus resultierenden vier großen Vorteile. Anschließend betrachten wir die potenziellen Anwendungsszenarien von Blockchains & DLTs und deren tatsächliche Verwendung.

Eigenschaften und Vorteile einer Blockchain

Mit dem vorherigen Kapitel sollte nun klar sein, was der Grundgedanke einer Blockchain ist. Wir haben ebenso oberflächlich einzelne Eigenschaften angesprochen: die Rede war von Vertrauen, Transparenz, Dezentralität und Manipulationssicherheit. Wir möchten die wichtigsten Eigenschaften nun zusammenfassen und abschließend die daraus resultierenden Vorteile ableiten.

Die wichtigsten Eigenschaften zusammengefasst

Dezentralität: Durch die Dezentralisierung des Netzwerkes werden alle Datensätze in einer verteilten Datenbank auf vielen Rechnern innerhalb des Netzwerks gehalten. Hierdurch kann das Transaktionsregister, also alles was innerhalb dieses Netzwerkes passiert, nicht einfach rückwirkend verändert oder entfernt werden. Denn schließlich gibt es mehrere Knotenpunkte (=Rechner), die die Datensätze halten. Um also das gesamte Netzwerk zu täuschen, müssten mindestens 51 Prozent aller Knoten im Netzwerk unter der Kontrolle einer Person stehen.

Kurzum: alles was je eingetragen wurde, kann nicht ohne die Zustimmung der Mehrheit des Netzwerks gelöscht oder verändert werden. Daher wird die Blockchain als unveränderlich bezeichnet.

Transparenz und Prüfbarkeit: Public Blockchains sind in einem hohen Maße transparent und dadurch auch für jedermann prüfbar. Denn wie bereits erwähnt, ist das Transaktionsregister öffentlich zugänglich. Die mit einem Zeitstempel datierten, aufeinanderfolgenden Transaktionen und Vorgänge sind eindeutig und nachprüfbar dokumentiert.

Achtung: dies heißt jedoch nicht, dass außenstehende direkt sehen können, wer hinter einer Transaktion steht. Durch kryptographische Mechanismen werden unsere sensiblen Daten ‚verschleiert‘, so dass Außenstehende nicht einfach erkennen können, welche echte Person die Transaktion getätigt hat.

Ausreden gibt es keine mehr: Nichtabstreitbarkeit und Eigenverantwortung

Echtzeit-Transaktionen: Transfers finden – statt bisher in Stunden oder Tagen – nahezu in Echtzeit statt. Dennoch gibt es hier deutliche Limits, so dass zentrale Netzwerke durchaus schneller sein können als dezentrale Netzwerke. Die Transaktionsgeschwindigkeit variiert außerdem von Blockchain zu Blockchain. Sie ist das Ergebnis einzelner Parameter (Blockzeit, Blockgröße, Transaktionsgröße).

Unidirektionale Transaktionen: Es gibt keine Möglichkeit Besitz zurückzuerhalten oder ein zweites Mal zu verkaufen, da diese (Transaktionen) nur in eine Richtung stattfinden, sofort abgeschlossen und dokumentiert werden. Anmerkung: mit Hilfe von Smart Contracts lassen sich dennoch Fälle konstruieren, bei denen ein gewisses Ereignis eine Rückzahlung auslöst.

Nichtabstreitbarkeit: Jeder Wert lässt sich zweifelsfrei einem Teilnehmer zuordnen, womit Unklarheiten über Ansprüche an Werten ausgeschlossen werden. Diese Zuordnung muss nicht zwangsweise personenbezogen sein. Diese Daten können auch anonym gegenüber Dritten verwendet werden.

Nicht-Pfändbarkeit: Im Vergleich zu einem normalen Bankkonto lässt sich ein ‚Konto auf der Blockchain‘ nicht einfach von einer zentralen Institution pfänden oder sperren. Zugriff hat nur derjenige, der die sogenannten Schlüssel (engl. keys) zum Konto besitzt.

Die vier zentralen Vorteile einer Blockchain in der Übersicht

An dieser Stelle wollen wir nochmal die vier größten und wichtigsten Vorteile, die eine Blockchain mit sich bringt, zusammenfassen. Anders formuliert: warum gab es einen regelrechten Hype um das Thema?

  1. Unveränderbarkeit der Daten: die Daten auf einer Blockchain sind nicht einfach veränderbar (engl. immutable). Damit entsteht eine Manipulations- bzw. Fälschungssicherheit. Aus dieser Eigenschaften resultieren bereits wichtige Anwendungsmöglichkeiten, wie beispielsweise die dezentrale, digitale Identität.
  2. Integrität und Verfügbarkeit der Daten: bei öffentlichen Blockchains sind deren Daten überall verfügbar und können von dritten Personen nachvollzogen werden. Durch Hashfunktionen entsteht ebenso die Datenintergrität.
  3. Kein Single Point of Failure: bei verteilten Datenbank mit replizierten Datensätzen gibt es keine Single Point of Failure. Der Ausfall einzelner oder mehrere Knoten führt nicht zum Gesamtausfall des Systems. Blockchains sind also robuste Systeme.
  4. Keine Intermediäre und zentrale Instanzen: Vertrauen wird durch Algorithmen geschaffen. Wir benötigen keine Intermediäre und auch keine zentrale Instanz, die unsere Daten verwaltet und speichert.

Zwischenfazit: Dezentralität, Transparenz & Vertrauen

Auf der Blockchain können Informationen jeglicher Art gespeichert werden. Diese sind nicht manipulierbar, jedoch öffentlich (auf der Blockchain) nachvollziehbar. Durch die Dezentralität bzw. verteilte Datenbank gibt es mehrere Kopien der Datensätze, nämlich auf den Rechnern der Teilnehmer. Daten können daher nicht ohne weiteres geändert oder manipuliert werden, da diese immer von mehreren Teilnehmern abgeglichen werden. Kommt es also zu einem Ausfall einzelner Knoten ist dies außerdem kein Problem.

Erfolgt die Kontoführung auf der Blockchain, hat keine zentrale Stelle Zugang auf das Konto außer der Besitzer des Kontos selbst durch seinen privaten Schlüssel. Aufgrund dessen ist ein Konto, das auf Basis der Blockchain betrieben wird, nicht pfändbar. Der Besitzer hat die alleinige Kontrolle und somit die tatsächliche Herrschaft über das Kapital.

Zum Abschluss möchten wir noch einige Use-Cases aufzeigen, bei denen der Einsatz einer Blockchain sinnvoll ist. So gibt es durchaus Branchen, in denen die Verwendung einer Blockchain-Lösung als hilfreich identifiziert wurde, da sie beispielsweise dabei hilft, Prozessabläufe effizienter zu gestalten (Stichwort: Supply Chain Management) oder Intermediäre obsolet zu machen (Stichwort: Identitätsmanagement).

Anwendungsbeispiele, Branchen und Potential von Distributed-Ledger-Technologien (DLT)

Bis zu diesem Punkt haben wir weitestgehend über die technologischen Aspekte von Blockchain gesprochen. Doch neben all der Faszination für die Technologie, sollte man nicht deren Anwendung vergessen. Dieser Abschnitt hat daher zwei wichtige Botschaften:

Die erste wichtige Botschaft lautet, dass Bitcoin und Blockchain keine Synonyme sind und die Bitcoin Blockchain lediglich ein Anwendungsbeispiel einer Blockchain darstellt. Hierbei gilt ebenso, dass Blockchain selbst nur ein Konzept von Distributed-Ledger-Technologien (DLT) darstellt. Andere Konzepte eines Distributed-Ledgers sind beispielsweise die gerichteten azyklischen Graphen (engl. directed acyclic graphs, DAG).

Die zweite Botschaft lautet, dass Blockchain kein Begriff der Zukunft ist, über den aktuell nur diskutiert wird. Nein, es ist ein Thema, das uns heute bereits betrifft, heute bereits Verwendung findet und in Zukunft noch stärker Dinge des Alltags beeinflussen wird.

Daher möchten wir dir in diesem Kapitel zunächst eine Übersicht der Branchen geben, in denen der Einsatz einer Blockchain Sinn machen kann. Anschließend geben wir zu einigen der genannten Branchen ein generelles Beispiel, wie der Use Case (=Anwendungsfall) sein kann. Und schlussendlich werden wir – jeweils in geeigneten Branchen – zeigen, inwiefern die Blockchain bereits heute Verwendung findet.

Zunächst eine grafische Übersicht der Branchen:

Im Folgenden zeigen wir dir nun, welchen Use Case die Blockchain hierbei erfüllen kann. Bei manchen Use Cases geben wir dir direkt noch aktuelle Anwendungsbeispiele:

Distributed-Ledger-Technologien und Blockchain im Einsatz

Öffentliche Verwaltung: Durch die Blockchain können Intermediäre ersetzt werden. Transaktionen können von zwei Parteien durchgeführt werden, ohne dass sie eine dritte Partei benötigen. Dies öffnet beispielsweise die Tür einer Grundbuchverwaltung (Katasterwesen) auf der Blockchain. Notare würden dadurch überflüssig werden. In Entwicklungsländern hilft eine solche transparente und nicht-manipulierbare Art und Weise auch bei der Bekämpfung von Korruption.

Identitätsmanagement: Auf Basis einer Blockchain kannst du deine eigene digitale Identität verwalten. Du kennst wahrscheinlich all die Buttons, in denen es heißt ‘Mit Facebook anmelden’ oder ‘Mit Google anmelden’. Dies ist zwar bequem, eröffnet diesen Unternehmen jedoch alle Möglichkeiten weitere Daten von dir zu sammeln. Damit gibst du Teile deiner digitalen Identität aus der Hand.

Blockchain für mehr Effizienz im Bereich globaler Lieferketten und SCM

Schifffahrtindustrie: 90 Prozent des weltweiten Gütertransports werden über die Schifffahrt abgewickelt. Hierbei kommen jedoch noch oft klassische Mittel wie ‘Stift und Papier’ zum Einsatz. Dies ist natürlich nicht nur ineffizient, sondern auch langsam und einfach zu manipulieren. Mit Hilfe einer Blockchain könnte dieses Thema automatisiert werden. Neben Zeit und Kostenersparnissen kann auch Manipulation verhindert werden. Laut einer IBM-Studie kann dadurch das weltweite Transportvolumen um 15% erhöht werden. IBM selbst ist auch ein Beispiel für eine Firma, die in vielen Branchen und Bereichen auf Blockchain setzt.

Supply Chain: Supply Chain Management (SCM) gilt schon lange in der Industrie als einer der interessantesten und sinnvollsten Use Cases der Blockchain Technologie und das nicht nur, weil in beiden Begriffen „Chain“ vorhanden ist. Traditionelles Supply Chain Management beinhaltet komplexe manuelle Berechnungen und Prozesse, die die gesamte Lieferkette immer langsamer und schwieriger machen. Dies gilt insbesondere für die Verfolgung rechtlicher Dokumente, wie ISO-Zertifizierungen, Bankkonto-informationen, Steuerbescheinigungen und Versicherungsnachweisen. Mit Hilfe der Blockchain können Prozesse automatisiert und transparenter abgebildet werden. Dies spart Zeit und somit Kosten. Egal ob Coca-Cola, IBM, Ikea oder Vodafone: alle setzen auf die Blockchain im Supply Chain Management.

Mehr Demokratie und Eigenverantwortung: Wahlen, Banken & Versicherungen

Wahlen/Abstimmungen: Laut Art. 38 des deutschen Grundgesetzes werden die Abgeordneten des Bundestages in „allgemeiner, unmittelbarer, freier, gleicher und geheimer Wahl“ gewählt. Diese Grundsätze stellen die Basis unserer Demokratie dar. Schaut man über den Tellerrand in Länder wie die USA oder Brasilien, so liest und hört man – gerade in den vergangenen Wahlen – immer wieder vom Vorwurf der Wahlmanipulation. Die daraus resultierenden Konsequenzen liegen klar auf der Hand: weniger Wahlbeteiligung, Misstrauen, das Gefühl der Ungerechtigkeit und ausufernde Gewalt oder Proteste.

Wie wäre es Wahlen abzuhalten, von denen du zu 100% sicher sein kannst, dass sie fair und transparent ablaufen? Durch kryptographische Verfahren, Dezentralität und der Gewährleistung der eigenen Privatsphäre könnte genau dieses nicht manipulative Umfeld geschaffen werden. Alle oben aufgeführten negativen Konsequenzen könnten dadurch verschwinden.

Banken: Einen Use Case der Blockchain haben wir bereits in diesem Kapitel besprochen: Zahlungen über die Blockchain. Dabei sparen wir nicht nur Zeit und Kosten, sondern brauchen auch keine Bank. Zusätzlich setzen aber auch Banken selbst auf die Blockchain, um beispielsweise Anleihen oder Optionsscheine darüber zu emittieren. Beispiele hierfür sind Santander oder auch die zweitgrößte Bank Deutschlands, die Commerzbank.

Versicherungswesen: Mit Hilfe der Blockchain und Smart Contracts lassen sich viele klassische Fälle einer Versicherung abdecken. Nehmen wir als Beispiel die AXA-Versicherung und deren Produkt ‘Fizzy’. Hierbei handelt es sich um eine Versicherung bei Flugverspätungen und -ausfällen. Sobald das Ereignis einer Verspätung oder eines Ausfalls eintrifft, wird mit Hilfe eines Smart Contracts direkt das Ereignis der Kompensationszahlung ausgelöst. Kurzum: Fizzy = blockchainbasierte Versicherung.

Was ist eine Blockchain? – Lessons Learned

Damit sind wir nun auch am Ende des Artikels angelegt. Fassen wir nochmals die Lessons Learned zusammen:

  1. Blockchain zählt zu den sogenannten Emerging Technologies. Emerging Technologies beschreibt Technologien, die gerade ‚aufstrebend‘ sind. Charakteristisch hierfür sind ein schnelles Wachstum der Technologie, eine sich etablierende wissenschaftliche Szene und Community sowie ein potenziell großer gesellschaftlicher Impact.
  2. Der Begriff der Blockchain lässt sich technisch zu den Distributed-Ledger-Technologien zuordnen.
  3. Die technischen Treiber und Technologien von Blockchain sind Hash-Funktionen, Verteilte Datenbanken, Digitale Signaturen, Public und Private Key Verschlüsselung, Merkle Trees und Konsensmechanismen zur Auflösung byzantinische Fehler.
  4. Die vier Kerneigenschaften einer Blockchain sind a) keine Single Points of Failure, b) eine nicht änderbare Datenhistorie (engl. track record), c) die Gewährleistung der Datenintegrität und -verfügbarkeit sowie d) den Verzicht auf Intermediäre bzw. dritte Parteien
  5. Es gibt verschiedene Branchen und Use-Cases für Blockchain und DLT. Die dabei häufigsten Bereiche sind FinTech, die öffentliche Verwaltung, der Mobilitäts- und Energiesektor, das Supply Chain Management oder etwa die Gesundsheitsbranche.

Was ist eine Blockchain – wir hoffen, dir diese Frage nun beantwortet zu haben. Welcher Abschnitt war für dich am informativsten? – Was wusstest du bereits und welche Dinge waren dir neu?

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[Bildquelle: Shutterstock]

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