Was sind Stablecoins? – Alles über Tether (USDT) & Co.

Es gibt mittlerweile eine Vielzahl verschiedener Kryptowährungen. Eine wichtige Klasse sind dabei die Stablecoins, also Kryptowährungen, die einen stabilen Wert aufweisen. Hier wird sozusagen eine Brücke zwischen Kryptowährungen und FIAT-Währungen geschaffen. Das kombiniert die Preisstabilität von FIAT-Währungen mit den Vorteilen von Kryptowährungen, wie z.B. einem grenzenlosen Zahlungsverkehr oder Smart Contracts.

Tatsächlich ist diese Brücke eine der meistbenutzten Anwendungen in der Krypto-Szene. Stablecoins sind aus dem Ökosystem nicht mehr wegzudenken. Die wenigsten wissen allerdings, dass es neben Tether (USDT) auch noch andere Stablecoins gibt. Zusätzlich dazu gibt es vor allem aber auch verschiedene Arten und Methoden, den Wert eines Stablecoins stabil zu halten. Wir wollen euch in diesem Artikel einen kleinen Überblick über diese Welt geben. Fangen wir dafür nochmal bei den Grundlagen an.

Was macht einen Stablecoin aus?

Stablecoins erfüllen genau wie Geld drei fundamentale Aufgaben:

  • Medium of Exchange (Tauschmittel) das gegen Güter und Dienstleistungen getauscht werden kann.
  • Unit of Account (Rechnungseinheit) stellt den realen Wert einer bestimmten Einheit dar und dient somit der Vergleichbarkeit von Einheiten.
  • Store of Value (Wertespeicher) stellt sicher, dass die Kaufkraft langfristig beibehalten wird.

Somit ist die wichtigste Eigenschaft eines Stablecoins, dass dieser die Preisstabilität einer bestimmten FIAT-Währung repräsentiert. An dieser Stelle wirkt sich aber die Inflation der eigentlichen FIAT-Währung, und der damit einhergehende langfristige Verlust der Kaufkraft, ebenfalls auf den Stablecoin aus. Hinzu kommt bei einem Stablecoin allerdings auch noch ein weiteres Risiko: die Sicherung bzw. Deckung. Hier kommen verschiedene Konzepte zum Einsatz, wie ein Stablecoin ausgerichtet sein kann und welche Sicherheiten sich im Detail dahinter verbergen.

Aktuell sind drei verschiedene Arten von Stablecoins bekannt: zentrale Stablecoins mit hinterlegten Sicherheiten, dezentrale Stablecoins mit hinterlegten Sicherheiten und algorithmische Stablecoins ohne hinterlegte Sicherheiten.

 

Überblick der 3 Arten von Stablecoins

Zentrale Stablecoins mit hinterlegten Sicherheiten

Der wohl bekannteste Stablecoin bildet gleichzeitig die Speerspitze dieser Kategorie: Tether (USDT). Der USDT Coin wird von dem Unternehmen Tether herausgegeben. Für jeden USDT Coin, der entsteht, wird ein US-Dollar oder ein äquivalent hinterlegt, um die Preisstabilität zu garantieren und aufrechtzuerhalten. Dementsprechend ist ein USDT immer 1 USD wert und kann jederzeit über das Unternehmen in US-Dollar getauscht werden. Das ist die älteste Form von Stablecoins. Das Prinzip ist relativ simpel und lässt sich ebenfalls mit anderen FIAT-Währungen durchführen. Es ist sozusagen das digitale Abbild einer FIAT-Währung.

Der Stablecoin unterliegt naturgemäß den Preisschwankungen der hinterlegten Sicherheit. Wenn also ein US-Dollar an Kaufkraft verlieren sollte, dann verliert auch das digitale Abbild gleichermaßen an Kaufkraft. Hinzu kommt aber, dass der USDT in einem anderen Markt gehandelt wird als der US-Dollar. Daher kann es in Einzelfällen zu Volatilitäten innerhalb des Stablecoins kommen.

Mit diesem einfachen Konzept hat Tether (USDT) es bereits auf Platz 3 aller Kryptowährungen geschafft und bildet mittlerweile eine der wichtigsten Säulen des Krypto Ökosystems. Ob es dem einen gefällt oder nicht, Liquidität ist wichtig und Tether (USDT) liefert diese aktuell.

TrueUSD, USD Coin, GUSD, BUSD und mehr

Das Geschäft mit den Stablecoins ist so lukrativ, dass eigentlich jede Krypto Börse mittlerweile ihren eigenen Stablecoin hat. Es gibt mittlerweile viele Stablecoins, die genau dieses Konzept verfolgen. Darunter sind außer Tether (USDT) noch TrueUSD (TUSD), USD Coin (USDC) und Gemini Dollar (GUSD) zu nennen. Nichtsdestotrotz bleibt die Vormachtstellung des USDT ausnahmslos und ein echter Gegenpol konnte gegen das in der Kritik stehende Unternehmen Tether noch nicht aufgebaut werden. Libra, der Stablecoin von Facebook, könnte diesen Markt aber nochmals aufmischen.

Gold, Aktien, Wertpapiere und die Probleme

Die Sicherheiten können aber nicht nur in Form einer FIAT-Währung dargestellt werden. Ein weiterer Ansatz hierfür sind z.B. Aktien, Wertpapiere oder Edelmetalle. Demnach richtet sich der Preis eines Stablecoin, am Beispiel von Gold, nach dem Preis von Gold. Hier könnte ein Stablecoin z.B. ein Gramm Gold repräsentieren. Dabei entsteht allerdings die Schwierigkeit, dass es keine geeignete Infrastruktur gibt, um Gold ein- oder auszuzahlen. Zudem unterscheidet sich Gold in der Qualität und ist somit nicht immer gleich viel wert. Daher eignet sich diese Form nur bedingt. Eines der bekanntesten Stablecoins, die Gold als Sicherheit nutzen, ist DigixDao mit ihrem Digix Gold Token (DGX) und natürlich Tether Gold.

Die Stablecoins, die zentral herausgegeben werden, sind zu 100% unter der Kontrolle der jeweiligen Herausgeber und werden daher den dezentralen Ansprüchen im Krypto-Raum nicht gerecht. So gab es in der Vergangenheit immer wieder Vorwürfe und Gerüchte Tether (USDT) würde beispielsweise nicht 1:1 gedeckt sein. Eine andere Anschuldigung geht sogar so weit, dass Tether den Bitcoin Bullrun 2017 maßgeblich mitbestimmt haben soll.

Dennoch bieten diese Stablecoins eine bequeme Zwischenlösung für den Krypto-Markt, um Kryptowährungen in einen preisstabilen Coin zu tauschen. Gefahren werden dabei schnell ausgeblendet.

Dezentrale Stablecoins mit hinterlegten Sicherheiten

Die nächste Gruppe von Stablecoins sind dezentrale Stablecoins mit hinterlegten Sicherheiten. Die Sicherheiten an dieser Stelle sind keine FIAT-Währungen oder Wertpapiere, sondern andere Kryptowährungen. Hier können aber auch tokenisierte Immobilien oder Ähnliches als Sicherheit genutzt werden. Zudem wird oft nicht nur ein digitales Asset als Sicherheit genutzt, sondern gleichzeitig mehrere. Dieser Umstand variiert von Projekt zu Projekt.

Das Ziel dieser Projekte ist in den meisten Fällen einen stabilen Wert von 1 USD zu erreichen. Mittlerweile gibt es aber auch Projekte, die eine andere Strategie verfolgen. Diese wollen sich primär vom US-Dollar lösen und andere Basiseinheiten als Richtwert etablieren.

MakerDAO & DAI – Die Nummer 1 der dezentralen Stablecoins

Das wohl bekannteste Beispiel für dezentrale Stablecoins mit hinterlegten Sicherheiten ist MakerDAO mit ihrem Stablecoin „DAI“. MakerDAO ermöglicht es, dass ETH in einem Smart Contract gehalten (engl. locked) und dadurch eine gewisse Anzahl an DAI erstellt wird. Die ETH können folglich nicht mehr bewegt werden, bis die gleiche Anzahl an DAI, die man geliehen hat, zurückgezahlt wird. Die Sicherheit muss in einem 3:2 Verhältnis zu DAI stehen.

Das heißt, dass wir für einen Gegenwert von 300 USD in ETH gleichzeitig 200 USD in DAI bekommen würden. Folglich handelt es sich hier um das Nutzen eines „Hebels“. Wir hätten in diesem Fall temporär eine Kaufkraft von 500 USD, obwohl wir lediglich 300 USD in ETH haben. Die 200 USD müssen natürlich zu einem späteren Zeitpunkt wieder zurückgezahlt werden, um die ETH aus dem Smart Contract zu lösen. In der Zwischenzeit können wir diesen Betrag nutzen, um zB. Kryptowährungen zu kaufen. Falls der Wert der hinterlegten Sicherheit, in diesem Fall ETH, fallen sollte, ist die DAI Position nicht mehr ausreichend gedeckt und man verliert seine hinterlegten ETH.

Decentralized Finance (DeFi)

MakerDAO bietet mittlerweile aber neben Ethereum auch viele weitere Kryptowährungen an. Seit kurzer Zeit ist es sogar möglich, Bitcoin zu hinterlegen. Diese werden indirekt über sog. Wrapped Bitcoins (WBTC) auf der Ethereum Blockchain tokenisiert. Man kann dadurch mit MakerDAO indirekt seine BTC verzinsen.

Aber die Konkurrenz schläft nicht. Erst kürzlich hat Compound enorm aufgeholt und MakerDAO sogar überholen können, zumindest was die Marktkapitalisierung angeht. In der Nutzung liegt MakerDAO weiterhin an erster Stelle. Es zeigt sich aber, dass Decentralized Finance (DeFi) in aller Munde ist und das Geschäft mit der Dezentralisierung wächst.

Algorithmische Stablecoins ohne hinterlegte Sicherheiten

Kommen wir nun zu der letzten Gruppe von Stablecoins: Die algorithmischen Stablecoins ohne hinterlegte Sicherheit. Diese nutzen einen Algorithmus, um eine Preisstabilität zu erreichen. Man könnte es an dieser Stelle mit einer Zentralbank vergleichen, die die Ausgabe einer FIAT-Währung kontrolliert, damit die Kaufkraft steigt oder fällt. Daher bedient sich ein algorithmischer Stablecoin der beiden wichtigsten Faktoren – Angebot und Nachfrage. Wenn die Nachfrage steigt, sollte der Wert steigen und vice versa.

Dieses einfache Prinzip wird von algorithmischen Stablecoins genutzt, um im ersteren Fall automatisch weitere Coins auf den Markt zu bringen und der Nachfrage gerecht zu werden. In die andere Richtung funktioniert es identisch. Bei einem steigenden Angebot wird ein Teil der Coins wieder entfernt.

Das funktioniert zum Beispiel durch erhöhte Transaktionskosten, die anschließend vernichtet werden. In der Theorie sollte es dadurch möglich sein, durch dauerhafte Anpassungen von Angebot und Nachfrage, den Preis stabil zu halten. Oft wird für diese Stablecoins auch ein Preis von 1 USD angestrebt. Es gibt zwar mehrere Projekte, die diesen Ansatz verfolgen, aber der große Erfolg blieb bis jetzt aus.

Schlusswort

Stablecoins sind aus dem Kryptomarkt nicht mehr wegzudenken. Während die einen Tether & Co. als das trojanische Pferd sehen, nutzen andere die Liquidität, die die tokenisierte FIAT Währung bietet. Man kann es verteufeln oder gut heißen. Fest steht, dass die Zukunft bei diesen tokensierten Assets liegt. Die Nutzung zeigt, dass sie einen echten Use Case erfüllen. Projekte wie MakerDAO oder Compound bieten dabei ungeahnte Potenziale die Mittelsmänner, die zentrale Stablecoins ausmachen, komplette zu dezentralisieren und somit den Platz für einen dezentralen Finanzmarkt bieten. Ob wir das wollen ist eine andere Frage.

Wichtig ist, dass sich alles noch in einer experimentellen Phase befindet. Die Probleme und Anschuldigungen bei Tether oder die Hacks im DeFi Bereich unterstreichen diesen Umstand. Das Risiko etwas zu nutzen, welches noch nicht zu 100% ausgereift ist, sollte nicht unterschätzt werden. Anders formuliert: Bei Nutzung dieser Services sollte man sich diese Gefahr auch immer vor Augen führen und mit Bedacht agieren.

Hiermit endet unsere kurze Reise in die Welt der Stablecoins auch schon. Wenn du noch Anregungen hast, oder dir Inhalte fehlen, schreib es gerne in die Kommentare.

Du schaust lieber Videos als Artikel zu lesen? Dann schau auf meinem YouTube Kanal vorbei. Wenn du nichts mehr verpassen willst und nach weiteren Insights suchst, dann lohnt es sich auch unseren Telegram News & Insights Kanal zu abonnieren!

[Bildquelle: Shutterstock, CryptoMonday]

Wie sieht deine Reaktion aus?
Like1
Bullish0
Bearish0
REKT0
Lustig0
Wichtig3
HODL0
Buy Bitcoin1
Schreib uns dein Feedback