Es gibt mittlerweile eine Vielzahl verschiedener Kryptowährungen. Eine wichtige Klasse sind dabei die Stablecoins, also Kryptowährungen, die einen stabilen Wert aufweisen.

Obwohl bei Stablecoins nicht auf eine Wertsteigerung spekuliert wird, wächst das Interesse an dieser Kategorie von Kryptowährungen stark an. Exemplarisch ist hier beispielsweise die Marktkapitalisierung von Tether (USDT) dargestellt:

Marktkapitalisierung von Tether (USDT) | Quelle: coinmarketcap.com

Was es mit diesem Phänomen auf sich hat, erfährst Du in diesem Artikel.

In diesem Artikel klären wir folgende Fragen
  • Was sind Stablecoins?
  • Welche Arten von Stablecoins gibt es?
  • Lohnt es sich Stablecoins zu kaufen?

Was sind Stablecoins? - Definition und Erklärung

Obwohl Stablecoins eine wichtige Rolle im Krypto-Ökosystem einnehmen, wissen viele Menschen nicht, wofür diese konzipiert worden sind. Um eine Erklärung für die Existenz von Stablecoins abgeben zu können, blicken wir zunächst auf eine einfache Definition von Stablecoins:

Stablecoins sind Kryptowährungen, die beständig in ihrem Wert sind. Der Kurs von Stablecoins ändert sich also nicht.

So einfach dies auch klingen mag: Wofür werden Stablecoins denn nun benötigt? Schließlich hoffen viele Menschen darauf, dass Sie durch ein Investment in Kryptowährungen hohe Gewinne erzielen. In den Hintergrund rückt dabei allerdings die Anwendungsebene von Kryptowährungen.

Kryptowährungen sind sehr volatil und schwanken daher stark im Wert. Inbesondere um als Zahlungsmittel genutzt werden zu können, ist dies nachteilhaft. Stablecoins sind hingegen im Kurs stabil und im Regelfall durch eine andere Währung (beispielsweise US-Dollar) im Hintergrund gedeckt.

Durch Stablecoins wird sozusagen eine Brücke zwischen Kryptowährungen und FIAT-Währungen geschaffen.

Das kombiniert die Preisstabilität von FIAT-Währungen mit den Vorteilen von Kryptowährungen, wie z. B. einem grenzenlosen Zahlungsverkehr oder Smart Contracts.

Tatsächlich ist diese Brücke eine der meistbenutzten Anwendungen in der Krypto-Szene. Der größte Stablecoin ist derweil Tether. Mit einer Marktkapitalisierung von rund 76 Milliarden US-Dollar ist USDT damit die viertgrößte Kryptowährung auf dem Markt.

Dennoch gewinnen andere Projekte mittlerweile ebenfalls höhere Marktanteile in diesem Segment. Das liegt vor allem daran, dass nahezu jede Krypto-Börse einen eigenen Stablecoin kreiert.

Was macht einen Stablecoin aus?

Im Folgenden möchten wir Dir einen Einblick über die grundlegenden Eigenschaften von Stablecoins geben. Genau wie das uns bekannte Fiat-Geld erfüllen Stablecoins drei fundamentale Aufgaben:

Medium of Exchange (Tauschmittel), das gegen Güter und Dienstleistungen getauscht werden kann.

Unit of Account (Rechnungseinheit) stellt den realen Wert einer bestimmten Einheit dar und dient somit der Vergleichbarkeit von Einheiten.

Store of Value (Wertespeicher) stellt sicher, dass die Kaufkraft langfristig beibehalten wird.

Somit ist die wichtigste Eigenschaft eines Stablecoins, dass dieser die Preisstabilität einer bestimmten FIAT-Währung repräsentiert. An dieser Stelle wirkt sich aber die Inflation der eigentlichen FIAT-Währung, und der damit einhergehende langfristige Verlust der Kaufkraft, ebenfalls auf den Stablecoin aus.

Zuletzt lag die Inflation in den USA bei 6,8 Prozent - ein Rekordwert.

Hinzu kommt bei einem Stablecoin allerdings auch noch ein weiteres Risiko: die Sicherung bzw. Deckung. Hier kommen verschiedene Konzepte zum Einsatz, wie ein Stablecoin ausgerichtet sein kann und welche Sicherheiten sich im Detail dahinter verbergen.

Welche Arten von Stablecoins gibt es?

Wir können Stablecoins in drei verschiedene Typen aufteilen. Dabei werden die Arten von Stablecoins aufgrund der zugrundeliegenden Deckung unterteilt. Welche Kategorien von Stablecoins es gibt, haben wir in den folgenden Kapiteln für Dich zusammengefasst:

Zentrale Stablecoins mit hinterlegten Sicherheiten

Die erste Kategorie bilden Stablecoins, die durch Fiat-Währungen gedeckt sind. Ein bekanntes Beispiel hierfür ist Tether (USDT).

USDT wird von dem Unternehmen Tether herausgegeben. Für jeden USDT Coin, der entsteht, wird ein US-Dollar oder ein Äquivalent hinterlegt, um die Preisstabilität zu garantieren und aufrechtzuerhalten. Dementsprechend ist ein USDT immer ein US-Dollar wert und kann jederzeit über das Unternehmen in US-Dollar getauscht werden.

Das ist die älteste Form von Stablecoins.

Das Prinzip ist relativ simpel und lässt sich ebenfalls mit anderen FIAT-Währungen durchführen. Es ist sozusagen das digitale Abbild einer FIAT-Währung.

Der Stablecoin unterliegt naturgemäß den Preisschwankungen der hinterlegten Sicherheit. Wenn also ein US-Dollar an Kaufkraft verlieren sollte, dann verliert auch das digitale Abbild gleichermaßen an Kaufkraft. Hinzu kommt aber, dass der USDT in einem anderen Markt gehandelt wird als der US-Dollar. Daher kann es in Einzelfällen zu Volatilitäten innerhalb des Stablecoins kommen.

Mit diesem einfachen Konzept hat Tether (USDT) es bereits auf Platz 3 aller Kryptowährungen geschafft und bildet mittlerweile eine der wichtigsten Säulen des Krypto Ökosystems. Ob es dem einen gefällt oder nicht, Liquidität ist wichtig und Tether (USDT) liefert diese aktuell.

Beispiele für zentrale Stablecoins mit hinterlegten Sicherheiten
  • Tether (USDT): US-Dollar
  • USD Coin (USDC): US-Dollar
  • Digix Gold Token (DGX): Gold

Die Stablecoins, die zentral herausgegeben werden, sind zu 100 Prozent unter der Kontrolle der jeweiligen Herausgeber und werden daher den dezentralen Ansprüchen im Krypto-Raum nicht gerecht.

So gab es in der Vergangenheit immer wieder Vorwürfe und Gerüchte Tether (USDT) würde beispielsweise nicht 1:1 gedeckt sein. Eine andere Anschuldigung geht sogar so weit, dass Tether den Bitcoin Bullrun 2017 maßgeblich mitbestimmt haben soll. Das geht zumindest aus einer Studie von John Griffin hervor.

Dennoch bieten diese Stablecoins eine bequeme Zwischenlösung für den Krypto-Markt, um Kryptowährungen in einen preisstabilen Coin zu tauschen. Gefahren werden dabei schnell ausgeblendet.

Dezentrale Stablecoins mit hinterlegten Sicherheiten

Die nächste Gruppe von Stablecoins sind dezentrale Stablecoins mit hinterlegten Sicherheiten. Die Sicherheiten an dieser Stelle sind keine FIAT-Währungen oder Wertpapiere, sondern andere Kryptowährungen. Hier können aber auch tokenisierte Immobilien oder Ähnliches als Sicherheit genutzt werden. Zudem wird oft nicht nur ein digitales Asset als Sicherheit genutzt, sondern gleichzeitig mehrere. Dieser Umstand variiert von Projekt zu Projekt.

Das Ziel dieser Projekte ist in den meisten Fällen einen stabilen Wert von 1 USD zu erreichen. Mittlerweile gibt es aber auch Projekte, die eine andere Strategie verfolgen. Diese wollen sich primär vom US-Dollar lösen und andere Basiseinheiten als Richtwert etablieren.

Das wohl bekannteste Beispiel für dezentrale Stablecoins mit hinterlegten Sicherheiten ist MakerDAO mit ihrem Stablecoin „DAI“. MakerDAO ermöglicht es, dass ETH (und mittlerweile viele Kryptowährungen) in einem Smart Contract gehalten (engl. locked) und dadurch eine gewisse Anzahl an DAI erstellt wird. Die ETH können folglich nicht mehr bewegt werden, bis die gleiche Anzahl an DAI, die man geliehen hat, zurückgezahlt wird. Die Sicherheit muss in einem 3:2 Verhältnis zu DAI stehen.

Stablecoins ohne hinterlegte Sicherheiten

Kommen wir nun zu der letzten Gruppe von Stablecoins: Die algorithmischen Stablecoins ohne hinterlegte Sicherheit. Diese nutzen einen Algorithmus, um eine Preisstabilität zu erreichen.

Man könnte es an dieser Stelle mit einer Zentralbank vergleichen, die die Ausgabe einer FIAT-Währung kontrolliert, damit die Kaufkraft steigt oder fällt. Daher bedient sich ein algorithmischer Stablecoin der beiden wichtigsten Faktoren – Angebot und Nachfrage. Wenn die Nachfrage steigt, sollte der Wert steigen und vice versa.

Dieses einfache Prinzip wird von algorithmischen Stablecoins genutzt, um im ersteren Fall automatisch weitere Coins auf den Markt zu bringen und der Nachfrage gerecht zu werden. In die andere Richtung funktioniert es identisch. Bei einem steigenden Angebot wird ein Teil der Coins wieder entfernt.

Das funktioniert zum Beispiel durch erhöhte Transaktionskosten, die anschließend vernichtet werden. In der Theorie sollte es dadurch möglich sein, durch dauerhafte Anpassungen von Angebot und Nachfrage, den Preis stabil zu halten. Oft wird für diese Stablecoins auch ein Preis von 1 USD angestrebt. Es gibt zwar mehrere Projekte, die diesen Ansatz verfolgen, aber der große Erfolg blieb bis jetzt aus.

Ein nennenswertes Projekt, das sich mit algorithmischen Stablecoins beschäftigt ist Terra (LUNA). Hier soll die Volatilität durch den LUNA-Token ausgelagert werden.

Stablecoins kaufen: Lohnt sich das?

Stablecoins bleiben im Wert stabil. Daher werden Stablecoins aus einem anderen Grund gekauft als konventionelle Kryptowährungen.

Viele Menschen investieren beispielsweise in Cardano (ADA) oder Polkadot (DOT), da Sie hoffen, dass sich der Wert dieser Kryptowährungen in Zukunft steigert. Das ist bei einem Stablecoin natürlich nicht im direkten Sinne möglich.

Je nachdem, durch welchen Vermögenswert Stablecoins letztendlich gedeckt sind, kannst Du auch durch den Wertzuwachs des jeweiligen Assets hinter dem Stablecoin profitieren.

Der Hauptaspekt ist jedoch ein anderer: Mit dem Wechsel in Stablecoins kannst Du auch Fiat-Währungen wie den US-Dollar oder Euro mit allen Vorteilen einer Kryptowährung transferieren. Nicht umsonst arbeiten die Zentralbanken weltweit an eigenen digitalen Zentralbankwährung (Central Bank Digital Currency, CBDC). Die Europäische Zentralbank arbeitet beispielsweise bereits am digitalen Euro.

Zudem werden Stablecoins gerne genutzt, um Gewinne mitzunehmen oder um beispielsweise Yield Farming zu betreiben. In Österreich sind Tauschgeschäfte zwischen verschiedenen Kryptowährungen ab 2022 steuerlich nicht mehr relevant. Das ist im Rahmen der ökosozialen Steuerreform beschlossen worden.

Da der Sektor rund um Decentralized Finance (DeFi) weiterhin wächst, bleiben Stablecoins von großer Bedeutung, auch wenn bei den aktuell führenden Coins durchaus ein großer Teil der Dezentralität verloren geht.

Wir können also festhalten, dass sich der Kauf von Stablecoins durchaus lohnt.

Fazit zu Stablecoins

Stablecoins sind aus dem Kryptomarkt nicht mehr wegzudenken. Während die einen Tether & Co. als das trojanische Pferd sehen, nutzen andere die Liquidität, die die tokenisierte FIAT Währung bietet. Man kann es verteufeln oder gutheißen.

Fest steht, dass die Zukunft bei diesen tokensierten Assets liegt. Die Nutzung zeigt, dass sie einen echten Use Case erfüllen. Projekte wie MakerDAO oder Compound bieten dabei ungeahnte Potenziale, die Mittelsmänner, die zentrale Stablecoins ausmachen, komplett zu dezentralisieren und somit den Platz für einen dezentralen Finanzmarkt bieten.

Wichtig ist, dass sich alles noch in einer experimentellen Phase befindet. Die Probleme und Anschuldigungen bei Tether oder die Hacks im DeFi Bereich unterstreichen diesen Umstand.

Das Risiko etwas zu nutzen, welches noch nicht zu 100 Prozent ausgereift ist, sollte nicht unterschätzt werden. Anders formuliert: Bei Nutzung dieser Services sollte man sich diese Gefahr auch immer vor Augen führen und mit Bedacht agieren.

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Häufige Fragen (FAQ) zu Stablecoins

In diesem Abschnitt geben wir Antworten auf die wichtigsten Fragen zu Stablecoins.

  • Was sind Stablecoins?

    Bei Stablecoins handelt es sich um Kryptowährungen, die im Wert stabil sind. Stablecoins geben dabei stets den Wert eines anderen Assets (beispielsweise US-Dollar oder Geld) dar.
  • Sind Stablecoins sicher?

    Stablecoins werden in der Regel durch einen Vermögenswert im Hintergrund gedeckt. Beispielsweise wird für 1 Tether (USDT) stets ein US-Dollar hinterlegt. Immer wieder kommen jedoch Zweifel auf, ob der jeweilige Stablecoin wirklich 1:1 durch einen anderen Vermögenswert gedeckt ist.
  • Wofür braucht man Stablecoins?

    Stablecoins können gut als Zahlungsmittel genutzt werden, da sie nicht der Volatilität von anderen Kryptowährungen ausgesetzt sind. Zudem sind Stablecoins vor allem in DeFi-Protokollen einsetzbar, um beispielsweise Yield Farming zu betreiben.