In Kryptowährungen inkl. Bitcoin (BTC) zu investieren, sei laut Ansicht der Frankfurter Allgemeine Zeitung (FAZ) immer noch ein „Zockergeschäft“. Denn „Digitalwährungen“ sind schließlich kein „Anlagegut“, heißt es vom Redakteur Franz Nestler. Wir wollen darauf reagieren und im Rahmen unserer journalistischen Aufklärungsverpflichtung sozusagen Erste Hilfe leisten.

Die Frankfurter Allgemeine Zeitung (FAZ) schrieb jüngst, mit letzter Aktualisierung am 13. November 2020, über Bitcoin (BTC). Das ist an sich erfreulich, wenn da nicht der fade Beigeschmack von entweder mangelhafter Recherche und/oder entsprechendem Wissen zur größten Kryptowährung der Welt wäre. Das macht aber nichts, denn wir leisten nachfolgend Erste Hilfe. Es folgt also unsere Reaktion, ja, ein Kommentar, zu den entsprechenden Artikeln mit der Richtigstellung der ausgelassen, fehlerhaften oder auch einfach nur an den Haaren herbeigezogenen „Fakten“.

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Ein Redakteur der FAZ, der sich in den Hasenbau des BTC traute

Franz Nestler ist Wirtschaftsredakteur bei der FAZ. Sein Hauptaugenmerk scheint dabei auf den „Auswirkungen des Internets auf die Finanzbranche“ und „Zukunftsthemen“ zu sein. Da passen Bitcoin (BTC) und andere Kryptowährungen doch wunderbar dazu! Und so gab sich Herr Nestler auch die Ehre und verfasste offenbar gleich zwei Artikel zu BTC. Der erste dieser beiden Artikel titelt: „Bitcoin-Rally: Erinnerung an 2017“. Ein treffender Titel irgendwie, denn der aktuelle Bitcoin Kurs ruft durch seinen Verlauf natürlich schon Erinnerungen an den Bullenmarkt 2016/2017 hervor.

Der Preis für Bitcoin steigt und steigt. Zittrige Anleger sollten sich trotzdem immer bewusst sein: Investieren in Digitalwährungen ist immer noch ein Zockergeschäft.

Lesetipp: Bitcoin (BTC): Wie die digitale Währung ein Börsenunternehmen transformierte

Doch dann fangen die Probleme an. Investitionen in „Digitalwährungen“ (inkl. BTC) seien also „immer noch ein Zockergeschäft“. Ein Zockergeschäft, in das mehr und mehr institutionelle Investoren einsteigen, zudem börsennotierte Aktienunternehmen und Wall Street Veteranen, wie bspw. Stanley Druckenmiller. Ein Casino-ähnliches Glücksspiel, in welchem MicroStrategy als internationales Börsenunternehmen seine gesamte Strategie zur Rücklagenbildung verankert. Nun, werter Herr Kollege Nestler, das dürfen Sie so sehen! Sinn ergibt das aber nur wenig, wenn wir darüber auch nur wenige Minuten nachdenken.

Schlechte Recherche und falsche Angaben bei der FAZ

Der zugegeben kurze Artikel fährt korrekterweise fort, dass der Bitcoin Kurs im Jahr 2017 seine aktuelle Höchstmarke bei knapp 20.000 USD erreichte. Auch stimmt es, dass der gegenwärtige Preisverlauf die subjektive Empfindung hervorrufen könnte, dass „die alten Rekorde schnell pulverisiert“ sein würden. Aber mit dem Anstieg von 12.000 auf 16.000 USD fehlt uns ja dann doch noch einiges zum Allzeithoch. Doch lassen wir das mal so stehen! Viel interessanter ist der nachfolgende Abschnitt!

Doch zittrige Anleger sollten sich jederzeit im Klaren darüber sein, dass Digitalwährungen kein Anlagegut sind. Man benutzt sie nicht, um seine Altersvorsorge aufzubauen. Sie sind ein reines Zockergut. Wie nachhaltig die Preisentwicklung sein wird, kann man nicht seriös vorhersagen. Zwar möchte etwa Paypal in den Handel von Digitalwährungen einsteigen […]

Digitalwährungen, wie bspw. Bitcoin (BTC), sind also „kein Anlagegut“. Werter Herr Nestler, wie bereits ausgeführt investieren einige der klügsten Investoren, sog. „Smart Money“, mit steigendem Interesse in Bitcoin (BTC) und andere Kryptowährungen. Diesen Investoren geht es sicher nicht um die „Altersvorsorge“, aber wollen wir wirklich in der Annahme bleiben, dass Smart Money und Bitcoin-Whales lediglich „zocken“? Das macht doch von hinten bis vorne keinen Sinn!

Im obigen Chart sehen wir den nativen Token von Uniswap, einer dezentralen Krypto Börse. Zu sehen ist, wie ein eingezeichneter Plan vom Preis befolgt wurde. Nachhaltige Preisentwicklungen sind also sehr wohl auf Grundlage von Chartanalyse (technischer Analyse) machbar! Das beweisen zahllose solcher Analysen jeden einzelnen Tag. Die Angaben der FAZ sind hier also weder fundamental, noch aus charttechnischer Sicht haltbar. Und die vielen Menschen, deren Leben aufgrund ihrer Investitionen in BTC regelrecht transformiert wurde, würden wohl stark gegen die Aussagen zur Altersvorsorge sprechen.

Bitcoin nur noch 16 % vor dem Allzeithoch?

Weiter führt die FAZ an, dass „wenn Bitcoin dann umso stärker abstürzt, kann der Wertverlust nicht von anderen Digitalwährungen gebremst werden“. Stimmt! Deswegen raten Anlageexperten ja auch zu diversifizierten Portfolios, die eben nicht nur Kryptowährungen beinhalten. Es macht fast den Eindruck, als würde hier versucht werden, die Fehler von Anlegern, welche auf ein einziges Pferd setzen, dem Bitcoin Kurs anzuhängen. Das ist nicht nur falsch, sondern journalistisch nicht vertretbar! Anstatt solche Angaben zu machen, hätte Aufklärung bzgl. Portfolio-Diversifizierung betrieben werden können.

Während Bitcoin noch 16 Prozent unter seinem Rekordhoch notiert, ist mit Blick auf die Martkapitalisierung der Abstand deutlich größer: Während es heute 465 Milliarden Dollar sind, waren es damals mehr als 830 Milliarden Dollar – es ist also nur 65 Prozent des damaligen Niveaus.

Und diese Aussage aus dem zweiten Artikel von der FAZ zu Bitcoin ist faktisch ebenfalls falsch. Erstens befand sich der Bitcoin Kurs bei 16.000 USD noch über 23 % von seinem Allzeithoch entfernt, noch tut die Aussage zur Marktkapitalisierung irgendwas zur Sache. Auch spielt es keine Rolle, dass 2017 „alle Digitalwährungen haussierten“ (was faktisch ebenfalls falsch ist). Bitcoin (BTC) zählt als Leitwährung der Kryptowährungen und hat eine Dominanz – bezogen auf die Marktkapitalisierung aller Kryptowährungen – von über 60 % auf einen gesamten Markt. Natürlich ziehen bei einem scharfen Anstieg die Altcoins nicht einfach mit.

Lesetipp: Was ist Bitcoin (BTC)? – Die Kryptowährung Nr. 1 verstehen

Schlusswort

Der zweite Artikel nimmt dann eine scharfe Wendung hin zum Thema Central Bank Digital Currency (CBDC), genauer dem digitalen Euro (E-Euro). Die EZB möchte demnach erst 2021 entscheiden, ob sie sich einer digitalen Gemeinschaftswährung für die EU widmen möchte. Eine solche Entwicklung wird sogar mit mehreren Jahren angegeben, wie aus einer Antwort auf eine Anfrage der FDP hervor.

Der FDP-Bundestagsabgeordneter Frank Schäffler, der die Anfrage gestellt hat, sagte dazu dieser Zeitung: „Wenn die Verordnungen weiter so ausfallen, dann geht das Thema an Europa und Deutschland vorbei. Dann findet dich Entwicklung in anderen Teilen der Welt statt.“

Das sieht der Bundestagsabgeordnete richtig. Und wenn deutsche Mainstream-Medien auch weiterhin kompetitiv um das Vertrauen ihrer Leserschaft buhlen möchten, dann sollten Artikel zu Kryptowährungen nicht nur öfter erscheinen, sondern vor allem journalistischen Standards entsprechen. Und dazu gehört neben der ordentlichen Recherche eben auch die faktische Richtigkeit der Angaben. Wir hoffen also, dass wir den werten Kolleginnen und Kollegen der FAZ helfen konnten und freuen uns auf mehr Artikel der FAZ zu Kryptowährungen, die zukünftig – so bleibt zu hoffen – mehr Substanz im Ganzen aufweisen.

Wir würden auch über mehr Dialog und Austausch mit den großen Mainstreammedien freuen! Jeder sollte das Recht besitzen objektiv und seriös über Bitcoin aufgeklärt zu werden! Wenn ihr helfen wollt, diesen Artikel zu verbreiten, könnt ihr unseren Twitter Post dazu retweeten.