Die Software-Firma Kaseya ist Opfer einer Ramsomware-Attacke geworden. Dadurch hatten weltweit Firmen Probleme, die Software von Kaseya benutzen. Die Hackergruppe mit dem Namen „REvil“ hat nun über einen Blog eine Lösegeldforderung von 70 Millionen USD veröffentlicht, die in Bitcoin bezahlt werden soll.

Der aktuelle Hack der laut verschiedener Medienberichte aus Russland stammenden Hackergruppe „REvil“ ist wohl einer der größten und folgenreichsten der Geschichte. Die Gruppe REvil hat es geschafft, in die Systeme von Kaseya einzudringen und dort eine Malware in deren Programm „VSA“ zu installieren. Wurde nun von Firmenkunden weltweit ein Update von „VSA“ durchgeführt, geschah dies inklusive der eingefügten Malware von „REvil“ heruntergeladen.

Wenn die Software mit dem infizierten Update dann auf den Rechnern und Servern der Firmen ist, kann sie die dort liegenden Daten verschlüsseln. Die Verschlüsselung ist so gut, dass nur durch die Zahlung von Lösegeld an die Hacker wieder auf die Daten zugegriffen werden kann. Die Software wird auch über IT-Dienstleister an viele weitere Unternehmen weitergegeben. Im aktuellen Fall sollen daher wohl weltweit mehr als 1000 Firmen betroffen sein.

KaseyaQuelle: Twitter

Weltweit könnten bis zu 1 Million Systeme betroffen sein. REvil fordert für einen Universalschlüssel die genannte Summe von 70 Millionen USD (59 Millionen Euro). Die schwedische Supermarktkette COOP musste durch den Hack zwischenzeitlich fast 800 Filialen schließen, da die Kassensysteme nicht mehr funktionierten. In Schweden bezahlen 95 % der Bürger mit Karte, was Schwedens digitale Bezahl-Infrastruktur dadurch noch angreifbarer macht.

Größter Hack der Geschichte? Weißes Haus ermittelt

Schon im Mai wurden die Server des größten Fleischproduzenten der Welt, JBS, und des Benzin-Pipeline-Betreibers „Colonial Pipline“ Opfer von ähnlichen Attacken. In beiden Fällen wurde Lösegeld in Form von Bitcoin an die Erpresser gezahlt. Bei einem Fall konnten amerikanische Sicherheitsbehörden jedoch einen Teil des Lösegelds wiederfinden. Wieso konnten sie denn das, wenn doch Bitcoin so anonym und sicher sein soll?

Dies ist ein Punkt, der im aktuellen Medienecho oft nicht genug erwähnt wird. Bitcoin ist dezentral, und die Transaktionen und Wallet-Adressen müssen nicht mit einem Klarnamen hinterlegt werden. Allerdings ist schon der reine Aufbau von Bitcoin mit Blockchain ein transparentes System, bei dem jede Transaktion und deren Höhe für die Ewigkeit festgehalten wird. So müssen Ermittlungsbehörden „nur“ noch herausfinden, wer welches Wallet besitzt.

Bitcoin ist nicht so anonym, wie viele denken

Natürlich gibt es Mittel und Wege, die Spur der Transaktionen zusätzlich zu verwischen, wie zum Beispiel mit sogenannten „Mixern“. Jedoch ist ein KYC, also eine Identifikation mit Ausweisdokumenten, heute bei den allermeisten Börsen und Handelsplätzen für Bitcoin obligatorisch. Ebenfalls ist es fraglich, ob wirklich Kryptowährungen wie Bitcoin der so viel bessere Weg sind, um Geld aus kriminellen Machenschaften zu bewegen.

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Schaut man sich die Menschheitsgeschichte an, war Betrug, Raub, Erpressung und Korruption immer ein Teil davon. Bitcoin und Co. gibt es jetzt seit mehr als 10 Jahren. Sind seitdem die kriminellen Geschäfte stark angestiegen? Und wenn, dann wegen Bitcoin? Wohl kaum! Wenn Menschen in Machtpositionen oder mit kriminellen Absichten Geld oder andere Werte bewegen wollten, haben sie immer Mittel und Wege gefunden.

Schaut man sich die weltweite Korruption und Steuertricks von Wohlhabenden und Unternehmen an, geschehen diese zuallermeist in US-Dollar, Euro und Yuan. Ein aktuelles Papier des World Economic Forum (WEF) deutet in seiner Grundaussage ebenfalls auf diesen Punkt hin.

WEF bestätigt Nutzen und Möglichkeiten von Kryptowährungen

Das Paper ist zwar auf Englisch, aber ist wirklich sehr lesenswert. Allein in den anfangs formulierten Hauptthesen ist zu erkennen, dass sich die Autoren der einflussreichen Stiftung wirklich tiefergehend mit Bitcoin und Co. beschäftigt haben. Sie kommen passenderweise zu dem Schluss, dass weltweit nur 1 % der Aktivität mit Kryptowährungen in illegalen Geschäften passiert.

Das traditionelle Wirtschaftssystem, was logischerweise mit staatlich regulierten Währungen arbeitet, kommt in diesem Vergleich auf 3 – 4 %.

Somit bestätigt auch die Stiftung, die vor allem für ihr jährliches Treffen von hochkarätigen Politikern und Wirtschaftsexperten in Davos bekannt ist, ebenfalls zu dem Schluss: Kryptowährungen haben in ihrer Gesamtheit die Chance, ein weltweites, offenes und transparentes Finanzsystem zu kreieren. Wenn das nicht mal bullische News sind!