Bitcoin in der Tiefe verstehen – Revolution und Aufstieg des digitalen Geldes – Teil 1

Mit dem heutigen Artikel wollen wir unsere neue Artikel-Reihe „Bitcoin in der Tiefe verstehen – Revolution und Aufstieg des digitalen Geldes“ einleiten. In dieser Reihe erwarten euch Woche für Woche interessante und spannende Insights zu Bitcoin und weiteren Bereiche, in denen die erste Kryptowährung ebenfalls eine Rolle spielt. Damit wollen wir nicht nur Anfängern helfen Bitcoin in der Tiefe besser zu verstehen, sondern auch bereits erfahrenen Krypto-Enthusiasten, die sich bis jetzt mit der ersten und wichtigsten Kryptowährung noch nicht im Detail beschäftigt haben, eine gute Basis bieten.

In dem heutigen Artikel sprechen wir über Geld. Dabei gehen wir auf die Entstehung, Entwicklung und Transformation von Geld ein und zeigen, welche Rolle Bitcoin hierbei einnimmt. Denn das Verständnis von Geld ist elementar für das Verständnis von Bitcoin.

Lesetipp: Bitcoin vs. Ethereum – Wer hat die bessere Geldpolitik?

Wie alt ist eigentlich Geld?

Diese Frage können wohl nur die wenigsten beantworten. Das ist kein Wunder, denn die Antwort auf diese Frage ist nicht so selbsterklärend wie es scheinen mag. Die meisten würden wohl sagen, dass Geld ein paar hundert Jahre als ist. Andere dass es bereits tausend oder zweitausend Jahre alt ist. Genau genommen wissen wir nicht wie alt Geld tatsächlich ist.

Bis jetzt wurde nämlich noch keine Zivilisation entdeckt, die kein Geld verwendet hat. Somit können wir sagen, dass Geld so alt ist wie die Zivilisation selbst. Geld ist älter als die Schrift, denn die ersten Hieroglyphen und Keilschriften, die die erste Form der Schrift darstellen, handeln von Geld.

Es waren Kontenbücher, um die jeweiligen Guthaben und Schulden festzuhalten. Daher liegt die Vermutung nahe, dass Geld älter als die Schrift selbst ist. Archäologische Funde, die bis in die Steinzeit zurückreichen, beweisen die Existenz von Geld in Form von Perlen, Federn und Muscheln. Hier ist mehr oder weniger der Ursprung von Geld zu finden.

Um die Natur des Geldes besser zu verstehen, ziehen wir die Ergebnisse mehrerer Studien mit Primaten hinzu. In den Studien wurde Primaten beigebracht Geld zu nutzen. Man erhoffte sich damit grundlegende Fragen zu Geld zu beantworten.

Den Primaten wurde gezeigt, dass ein bestimmter Stein gegen Bananen getauscht werden kann. Diese neue Information führte schnell dazu, dass sich Affen eine neue Taktik ausgedacht haben, um an mehr Steine und letztendlich Bananen zu kommen – Raubüberfälle. Sie verstanden, dass sie mehr Steine haben können, wenn sie einen anderen Affen zusammenschlagen und ihm die Steine wegnehmen.

Ein weitere Strategie stellte die Prostitution dar. Die Affen erkannten, dass sexuelle Gefälligkeiten mit Steinen entlohnt werden und anschließend für Bananen eingetauscht werden können. Dadurch konnten die Forscher wichtige Rückschlüsse über die Natur des Geldes ziehen.

Geld ist eine Sprache

Geld ist eine Form der Kommunikation. Es stellt auf der grundlegenden Ebene keinen direkten Wert dar, sondern repräsentiert nur die Abstraktion eines Wertes. Damit können Werte kommuniziert werden und stellen sozusagen eine Sprache dar. Demnach ist Geld nicht nur so alt wie die Sprache selbst, sondern stellt selbst eine Sprache dar.

Wir nutzen Geld für die Kommunikation, um auszudrücken, wie sehr wir eine Dienstleistung oder Produkt schätzen. Es stellt die Basis der sozialen Interaktion dar. Indem wir Werte untereinander kommunizieren, schaffen wir soziale Bindungen. Geld ist ein wichtiges soziales Konstrukt und eine der ältesten Technologien schlechthin.

Nach tausenden von Jahren stehen wir nun vor Bitcoin, einer neuen Technologie, um Werte untereinander zu kommunizieren und die Sprache des Geldes in das digitale Zeitalter zu transformieren.

Die Entwicklung des Geldes

Bevor wir aber zu Bitcoin kommen, schauen wir vorher noch auf die technologische Entwicklung des Geldes. In der Vergangenheit wurde Werte in der einfachsten Form kommuniziert. Es wurden verschiedene Dinge getauscht, deren Wert man als gleich empfunden hat. Wenn also zum Beispiel eine Kuh für 200 Kartoffeln getauscht wurde, stellt es einen Tausch dar aber kein Geld. Doch genau das waren die Anfänge, um Werte zu kommunizieren.

Nachdem nicht nur innerhalb eines Dorfes gehandelt wurde, musste man eine abstraktere Form des Geldes finden. Der erste Schritt war es etwas auszutauschen, was nicht gegessen werden kann. Dabei wurden in den frühen Anfangszeiten noch Federn, Perlen, Schmuck oder andere Dinge verwendet.

Somit war die größte Entwicklung bei Geld der Moment, als es nicht mehr um den materiellen Konsum des intrinsischen Wertes selbst ging, sondern um etwas Abstraktes, das Wert widerspiegelt. Letztendlich hat es noch viele Jahre gedauert, bis die beliebteste Form dieser Abstraktion Edelmetalle darstellten.

Vom Tauschhandel zu Edelmetalle

Edelmetalle haben sich nicht ohne Grund als Geld durchgesetzt. Denn Edelmetalle kombinieren die wichtigsten Eigenschaften von Geld:

  • es ist schwer zu finden (Seltenheit)
  • es ist knapp (die Menge an Gold auf unserem Planeten ist begrenzt)
  • leicht zu transportieren (damals im Vergleich leichter als Steine oder Muscheln)
  • einfach zu teilen (z.B. kann ein Goldstück in kleinere Teile unterteilt werden)

Zudem wurden Edelmetalle auch aufgrund ihrer Ästhetik geschätzt und als wertvoll erachtet.

Der Schritt in Richtung Edelmetalle als Geld-Standard stellte die zweite große Wandlung in der Technologie des Geldes dar. Es dauerte aber noch viele Jahre bis Edelmetalle als Geld eingeführt wurden. Die ersten Edelmetalle tauchten historisch gesehen erst zu Beginn der Agrarwirtschaft im Nahen Osten auf und wurden hauptsächlich von den Ägyptern, Griechen und Babyloniern genutzt.

Der Wandel zu Papier als Geld

Edelmetalle waren ab diesem Zeitpunkt für mehrere tausend Jahre die gängige Form von Geld. Durch die stetig wachsende Zahl der Menschen auf der Welt und die damit einhergehende stärkere soziale Interaktion, führte Edelmetalle an seine Grenzen. Edelmetalle waren schwer zu transportieren und zu teilen. Sie wurden zu unhandlich als der Handel zwischen den Menschen zunahm. Daher musste eine Lösung gefunden werden, die nicht lange auf sich warten lies.

Man brachte Edelmetalle auf eine weitere Ebene (Second Layer) . Man hinterlegte Edelmetalle, vor allem Gold, bei einer vertrauenswürdigen Person (später Banken), die dafür Schuldscheine ausgab. Dadurch war es möglich statt Gold mit Gold-Schuldscheinen zu handeln. Hier wurde nicht nur das Problem des Transportes gelöst, sondern auch der Teilbarkeit. Das funktioniert natürlich nur solange, solange man darauf vertrauen konnte, dass das hinterlegte Gold tatsächlich vorhanden ist und die Schuldscheine nicht gefälscht werden konnten.

Skepsis über die neue Form von Geld

Die technologische Evolution des Geldes brachte auch starke Skepsis mit sich. Über Jahrhunderte haben sich Menschen daran gewöhnt direkt mit Edelmetallen zu handeln. Für viele Menschen war die Erfindung des Geldes in Papierform nicht nur befremdlich, sondern höchst umstritten.

Das ist kein Wunder, wenn man den Menschen plötzlich erzählt, dass der Handel nicht mehr mit physischen Gold betrieben wird, sondern mit Papier, welches offensichtlich keinen realen Wert hat. Das war für viele undenkbar und führte zu einem hohen Vertrauensverlust. Geld war nicht mehr vertrauenslos. Man musste nun Personen und Institutionen vertrauen, die das Papier für das hinterlegte Gold ausgaben. Es dauerte ca. 400 Jahre bis Papiergeld breite Akzeptanz fand und eine große Veränderung in der Form des Geldes darstellte.

Dieses Phänomen haben wir vor nicht allzu langer Zeit wieder erlebt, als es von Papiergeld in Richtung Plastikkarten ging. Zu Beginn war die Skepsis über die neue Form des Geldes extrem groß. Die Menschen vertrauten dem neuen Geld nicht und wollten stattdessen weiterhin das beliebte Papiergeld nutzen. Doch auch hier legte sich die Skepsis über die Jahre und man erkannte gewisse Vorteile, die es zuvor nicht gab. Die Menschen gewöhnten sich schnell dran. Mittlerweile ist unsere Welt ohne Visa, Mastercard und Co. kaum vorstellbar. Hierbei handelt es sich um eine weitere große Transformation von Geld.

Von Plastik zu Bitcoin

Nun sind wir endlich bei Bitcoin angekommen. Denn Bitcoin stellt die nächste große Transformation des Geldes dar. Die radikale Veränderung, die mit BTC einhergeht, ist zu vergleichen mit dem Wechsel von Edelmetallen zu Papiergeld.

Das grundlegende Problem bei der Beschreibung von Bitcoin ist, dass wir Geld seit Jahrtausenden nur in physischer Form kennen. Das macht die Abstraktion gänzlich schwer, denn sowas wie Bitcoin gab es vor 11 Jahren noch gar nicht. Viele Leute glauben nämlich, dass es sich bei Bitcoin grundsätzlich um ein Zahlungssystem handelt und BTC lediglich eine Form des digitalen Geldes darstellt. Das klingt aber relativ unbedeutend, denn digitales Geld existiert länger als Bitcoin und wird von uns tagtäglich genutzt.

Unser Bargeld stellt nur einen Bruchteil der gesamten Geldmenge dar. Der Großteil des Geldes liegt auf Bankkonten, auf die man von überall auf der Welt zugreifen kann. Man nutzt heutzutage diese teils rein digitalen Konten, um elektronische Zahlungen durchzuführen oder zu empfangen. Das ist eine Form des digitalen Geldes und bringt das Geld auf eine weitere Ebene (Third Layer).

Bitcoin die neue Form des Geldes

Bitcoin ist aber nicht einfach ein digitales Geld. BTC ist eine fundamentale Transformation der Technologie des Geldes. Es bietet zum ersten Mal in der Geschichte eine freie, dezentrale und zensurresistente Alternative zu unserem traditionellen Geldsystem. Es wird von keiner Regierung, Zentralbank oder anderen Personen kontrolliert.

BTC braucht keinen Mittelsmann und funktioniert Peer-to-Peer. Das Bitcoin Netzwerk ist mit dem Internet zu vergleichen und zeigt absolute Neutralität. Es ist völlig egal aus welchem Land du kommst, welche Hautfarbe oder Religion du hast oder welche finanziellen Mittel dir zur Verfügung stehen. Jeder kann Bitcoin ohne Einschränkung nutzen und braucht nicht um Erlaubnis zu Fragen.

Bitcoin bringt das digitale Geld wieder zurück zu seinem Ursprung – Gold. Es stellt nicht nur zum ersten Mal echte digitale Knappheit dar, sondern teilt sich weitere Eigenschaften mit Gold. Es muss ebenfalls wie Gold in einem kostspieligen Prozess abgebaut werden (Mining). In den anderen Eigenschaften, die sich BTC mit Gold teilt, bringt die erste Kryptowährung Verbesserungen mit sich. Unter anderem sind hier folgende Punkte zu nennen:

  • höhere Knappheit (ab 2024 offiziell knapper/härter als Gold)
  • bessere Teilbarkeit
  • einfachere und schnellere Transferierbarkeit
  • einfachere Prüfung auf Echtheit
  • bessere Transparenz

BTC hat noch einen langen Weg vor sich

Bitcoin ist gerade mal 11 Jahre alt. Wenn wir nun zurück in die Geschichte der Entwicklung des Geldes schauen, dann erkennen wir schnell, dass eine große Veränderung in der Form des Geldes einen großen Umbruch mit sich bringt. Dieser braucht in der Regel viele Jahre, Jahrzehnte oder Jahrhunderte, um breite Akzeptanz zu finden. Ein große Veränderung bringt immer Skepsis mit sich, vor allem wenn es sich zum ersten Mal um kein physisches Geld handelt. Daher ist die aktuelle Skepsis der meisten Menschen in Bezug auf Bitcoin nur die Wiederholung der Geschichte und ist völlig normal.

Langfristig gesehen führt kein Weg dran vorbei, dass sich die Form des Geldes, so wie wir es heute kennen, nachhaltig verändern wird. Es gibt zwar keine Garantie, dass es letztendlich Bitcoin wird, aber die Wahrscheinlichkeit steigt mit jedem Tag, an dem BTC überlebt und durch seinen Netzwerkeffekt noch mehr an Reichweite und Akzeptanz bekommt.

Wenn du dich in den Grundzügen mit Bitcoin noch nicht auskennen solltest, dann empfehlen wir dir unseren ausführlichen „Was ist Bitcoin?„-Artikel. Hier findest du die wichtigsten Informationen über die erste und bekannteste Kryptowährung und kannst anschließend dein Wissen über BTC mit weiterführenden Artikeln vertiefen.

Wir hoffen, dass dir der Artikel gefallen hat und du einiges mitnehmen konntest. Du kannst dich bereits auf nächste Woche freuen, wo wir weiter in die Tiefen von Bitcoin eintauchen werden. Die Grundlage für diesen Artikel ist aus dem Buch „Internet of Money“ von Andreas Antonopoulos.

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[Bildquelle: Shutterstock]

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1 Kommentar

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    Elmar Rosskopp
    8. Juli , 9:24

    Perfekter Artikel. Ich glaube an Bitcoin, nicht weil ich Werbung für kryptische Währung machen möchte, sondern weil ich auch schon lange vor diesem tollen Artikel nur mit normalem Menschenverstand darauf gekommen bin – das die Zeit der Abzocke durch Banken gezählt ist. Einfach abwarten, einfach abwarten und nochmal, einfach abwarten.
    Ich freue mich schon auf die nächsten Artikel. BG Elmar

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