Wird Bitcoin nach PayPal auch bei Amazon einen Platz finden? Diese Frage kursiert bereits seit Wochen im Netz und führt immer wieder zu Gerüchten bezüglich einer möglichen Integration von BTC bei Amazon.

Der E-Commerce Gigant gehört zweifelsohne zu den größten und bekanntesten Unternehmen weltweit. Eine Adoption von Bitcoin würde der ersten Kryptowährung nicht nur viel mehr Aufmerksamkeit bringen, sondern vor allem BTC noch mehr als Zahlungsmittel legitimieren und etablieren.

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Bitcoin bald bei Amazon?

Bis jetzt hat es jedoch Bitcoin nicht als Zahlungsmittel bei Amazon geschafft und das Unternehmen hat sich das letzte Mal 2014 zu Bitcoin gemeldet. Damals hat sich Amazon gegen Bitcoin ausgesprochen. Doch mittlerweile hat sich viel getan und BTC hat sich im Vergleich zu 2014 enorm etabliert. Wie stehen nun die Chancen auf eine Integration von Amazon?

Vorab: es gibt keine offiziellen Aussagen von Amazon bezüglich einer möglichen Bitcoin Integration. In 2014 sagte das Unternehmen, dass BTC für eine Integration zu volatil sei, was es als gängiges Zahlungsmittel auf der Plattform kaum brauchbar macht. Zudem kommt dazu, dass Amazon die nötige Infrastruktur bereitstellen müsste, um das auf der Basis von PayPal möglich zu machen.

Mögliche Hindernisse für Amazon

Sean Roland, Produktdirektor von BitPay, sagte hierzu:

Um Bitcoin direkt als Zahlungsmethode zu nutzen, müsste Amazon Prozesse und Verfahren entwickeln, um BTC und Tausende anderer Kryptowährungen zu akzeptieren, zu halten und zu verwalten.

Zudem würde es im gleichen Schritt regulatorische Hindernisse für Amazon geben, die es erstmal zu klären gilt. Das Unternehmen müsste sich auch überlegen wie die Volatilität des Preises sich auf die Einnahmen auswirkt und wie die Kryptowährungen wieder in Fiat gewechselt werden können.

Alles Fragen, die nicht von heute auf morgen geklärt werden können. Zudem ist es aktuell nicht absehbar, ob Amazon dadurch einen Vorteil bekommt oder nur einen unnötigen Mehraufwand schafft.

Dennoch ist es jetzt schon möglich bei Amazon auf Umwegen mit Bitcoin zu bezahlen (zB. via Geschenkgutscheinen). Jedoch sind solche Dienstleistungen nicht mit einer direkten Integration zu vergleichen. Ein Unternehmen, dass einen Jahresumsatz von 280 Milliarden USD erzielt und einen Marktanteil von 47% im Einzelhandelsmarkt im E-Commerce aufweist, hat einen ganz anderen Effekt.

Skalierbarkeit von Bitcoin reicht noch nicht aus

Ein weiterer Punkt den Danny Scott, der CEO von CoinCorner, anspricht, ist die begrenzte Skalierbarkeit von Bitcoin. Das könnte das Unternehmen daran hindern, BTC zu integrieren.

Aus der Sicht des Zahlungsverkehrs ist Bitcoin noch nicht ganz bereit für diese Größenordnung.

Amazon erzielte am Prime Day 2016 schätzungsweise 636 Transaktionen pro Sekunde (TPS) – ein Rekord für das Unternehmen. Gegenwärtig kann Bitcoin nur etwa 7-14 TPS aufbringen. Das ist bei weitem nicht ausreichend, um die täglichen Transaktionen auf Amazon abzubilden. Hier sind nach wie vor Visa und Mastercard die gängigen Zahlungsmethoden, die rund 65.000 TPS verarbeiten können.

Dennoch ist Scott weiterhin optimistisch, dass Skalierungslösungen wie das Bitcoin Lightning Network alle Größenordnungen abdecken können, die BTC benötigt. Tatsächlich sogar mehr als Visa und Mastercard zusammen. Im Whitepaper vom Lightning Network heißt es, dass eine Anzahl von mehreren Millionen TPS erreicht werden kann.

Doch aktuell ist die Entwicklung von Lightning noch nicht soweit, um bei solchen Unternehmen wie Amazon großflächig zum Einsatz zu kommen. Wir befinden uns immer noch in einem sehr frühen Entwicklungsstadium. Dennoch funktioniert das Lightning Netzwerk schon heute problemlos aber es wird noch aktiv daran entwickelt und optimiert.

PayPal und Co. bringen den Coin ins Rollen

Die kürzliche Integration von Bitcoin bei PayPal in den USA hat eine enorme Nachfrage von außen nach sich gezogen. Der Gigant hat BTC damit auf das nächste Level gehoben und das Vertrauen in die erste dezentrale Kryptowährung gesteigert. Ab sofort können PayPal Nutzer in den USA Bitcoin direkt über die Plattform kaufen, verwahren und verkaufen.

Zwar sind Ein- und Auszahlungen von und auf eine eigene Wallet nicht möglich aber es ist ein großer Schritt in Richtung Mainstream. Zudem haben auch einige börsennotierte Unternehmen in den letzten Monaten bekanntgegeben, dass sie ihre Reserven zu einem Teil in Bitcoin anlegen.

Sean Rolland ist nach dieser Fülle von positiven Nachricht der Ansicht, dass die Idee, Bitcoin in irgendeiner Form zu integrieren, für andere Unternehmen immer schwieriger sein wird zu widerstehen. Man will den Absprung nicht verpassen und sicher nicht der Letzte sein.

Rolland sagte hierzu:

Die Entscheidung von PayPal, Kryptos zum Verkauf anzubieten, bedeutet, dass mehr Menschen Kryptos besitzen werden, die sie ausgeben können, insbesondere wenn der Preis von Bitcoin und anderen Coins steigt.

Händler, einschließlich Amazon, werden bereit sein wollen, Kryptos als Zahlungsmittel zu akzeptieren, um Verkäufe zu erfassen.

Zudem sagt Rolland, dass die Verkaufschancen eines Händlers auf internationalen Märkten mit einer Integration von Bitcoin gesteigert werden können. In einigen Märkten sind nämlich Kreditkarten nicht so gängig wie hier.

Es reduziert auch hohe Gebühren und erhöht die Zahlungstransparenz und -effizienz. Kryptowährungen sind wertvoll, weil sie für den weltweiten Handel mit Waren und Dienstleistungen ohne das Risiko von Betrug oder Identitätsdiebstahl verwendet wird.

Dieser Ansicht ist auch Danny Scott und fragt sich selbst gar nicht mehr, ob Bitcoin bei Amazon integriert wird, sondern wann.

Es ist nur eine Frage der Zeit, bis Amazon Bitcoin akzeptiert.

Amazon kauft Domains für Bitcoin und Kryptowährungen

Ein weiteres Indiz dafür, dass Amazon schon lange mit dem Gedanken spielt Bitcoin zu integrieren und die Entwicklung verfolgt, sind einige Domains, die sich das Unternehmen bereits 2013 und 2017 gesichert hat. In 2013 schnappte sich Amazon die Domain amazonbitcoin.com. Vier Jahre später kamen amazonethereum.com, amazoncryptocurrency.com und amazoncryptocurrencies.com dazu.

Zwar gibt es nur eine Weiterleitung von amazonbitcoin.com auf die eigentliche Hauptseite von Amazon aber es zeigt deutlich, dass sich das Unternehmen dem Potential von Bitcoin und Kryptowährungen bewusst ist. Daher sichert man sich für den Fall der Fälle eben die genannten Domains.

Scott sieht auch eine Möglichkeit, dass Amazon als Unternehmen in Bitcoin investiert. Ähnlich wie es MicroStrategy gemacht haben. Er sagte hierzu:

Das mag noch Jahre dauern, aber es wird unvermeidlich, dass globale Unternehmen in irgendeiner Form mit Bitcoin in Berührung kommen werden.

Es ist also aktuell wahrscheinlicher, dass Amazon selbst in Bitcoin investiert, als dass es BTC als Zahlungsmittel integriert. Die Funktion als Wertaufbewahrungsmittel ist mittlerweile bekannt und auch für börsennotierte Unternehmen relevant.

Doch für die Funktion als gängiges Zahlungsmittel für Millionen von Menschen ist die Technologie noch nicht weit genug. Wir stecken immer noch in der Entwicklung der Second Layer Lösungen, um die nötige Skalierbarkeit zu erreichen. Es ist nur noch eine Frage der Zeit. Es gibt keinen Weg vorbei an Bitcoin.