Bitcoin und Aktien: Wie gut passt BTC zum klassischen Finanzmarkt?

Wer im klassischen Finanzmarkt aktiv ist und mit Aktien handelt, hat häufig eine Abneigung gegenüber Kryptowährungen. Riskant, hochvolatil und ohne Wert – so klingt die Kritik vieler Investoren gegenüber Bitcoin und Co. Auf der anderen Seite hören wir von Maximalisten der Kryptowelt die Argumente, dass viele Aktien überbewertet seien, nur eine vergleichsweise geringe Rendite abwerfen und wie der aktuelle Fall von Wirecard zeigt auch nicht unbedingt sicher sind. 

Glücklicherweise liegt die Wahrheit in der Mitte und Extreme waren noch nie die beste Basis für Entscheidungen. Wir stellen uns daher in diesem Artikel die Frage, ob eine „friedliche“ Koexistenz von Bitcoin und Aktien nicht auch möglich ist?

Dazu schauen wir uns an, ob der klassische Finanzmarkt sich überhaupt mit Kryptowährungen vereinbaren lässt und wie gut die beiden Vermögenswerte zueinander passen. Wir betrachten Gründe, die für eine Kombination der beiden Vermögenswerte sprechen und warum es keine clevere Idee ist nur auf ein Pferd zu setzen.

Bitcoin und Aktien: Zwei unterschiedliche Schuhe

Direkt zum Beginn des Artikels müssen wir eine wichtige Sache festhalten: Bitcoin und Aktien sind zwei grundsätzlich unterschiedliche Anlageklassen. Kryptowährungen entsprechen per Definition bereits einer Währung. Aktien hingegen sind Unternehmensanteile und somit direkte Beteiligungen an Firmen.

Kryptowährungen und Aktien sind Oberbegriffe

Hinzu kommt die große Vielfalt innerhalb der beiden Anlageklassen. Kryptowährungen ist ein Oberbegriff, der mittlerweile mehr als 5000 einzelne Währungen umfasst, welche sich in ihren Eigenschaften teils massiv unterscheiden. Auch der Begriff der Aktien ist lediglich ein Terminus, unter welchem wir Wertpapiere bzw. Anteilsscheine von Firmen bezeichnen. In Anbetracht der Tausenden von Aktiengesellschaften auf dieser Welt gibt es eben nicht „die einzige Aktie“.

Diese grundsätzlichen Unterschiede wirken sich nun auf viele verschiedene Aspekte aus. Ein konkretes Beispiel hierfür ist die oft gestellte Frage, ob Aktien besser als Kryptowährungen sind und vice versa. Hierzu lässt sich schlicht und ergreifend keine pauschale Aussage treffen, da eine konkrete Kryptowährung mit einer konkreten Aktie verglichen werden müsste. Und selbst dann ergäbe sich absolut kein repräsentatives Bild.

Chancen und Risiken von Kryptowährungen und Aktien

Daher macht es viel mehr Sinn die Chancen und Risiken der beiden Anlageklassen zu beleuchten. Dies machen wir nun im Folgenden und schauen anschließend darauf, ob es Sinn macht die beiden Anlageklassen zu kombinieren.

Kryptowährungen Aktien
Chancen
Risiken
Chancen

Risiken

Alter:
Kryptowährungen sind eine junge Anlageklasse. Die Marktkapitalisierung des gesamten Marktes sowie einzelner Coins sind deutlicher geringer als die einzelner Aktientitel bzw. Aktienindizes. Daraus resultieren hohe Wachstumschancen bei einem positiven Verlauf des Projekts.

Alter:
Kryptowährungen sind eine junge Anlageklasse. Viele der einzelnen Coins stehen noch vor fundamentalen Herausforderungen und können keine lange Historie vorweisen. Daher herrscht eine große Unsicherheit, ob einzelne Titel noch in 5 oder 10 Jahren existieren.

Alter:
Viele Aktien sind bereits Jahrzehnte am Markt. Sie haben hohe Burggräben gebildet und in ihrer Branche eine dominierende Stellung. Die Wahrscheinlichkeit ist daher hoch, dass diese Unternehmen auch noch langfristig bestehen bleiben. Beispiel: Coca-Cola.

Alter:
Einige große Firmen haben starke hierarchische Strukturen und sind statisch organisiert. Ihnen fällt es schwer auf disruptive Innovationen zu reagieren. Im Vergleich zu Start-Ups sind sie langsam und daher anfällig für Veränderungen. Stichwort: Automobilbranche

Bewertung & Transparenz:
Im Kryptomarkt gibt es keine Bilanzen oder Abschlussberichte. Unter Umständen können einzelne Währungen daher massiv unterbewertet sein, was Chancen für risikoorientierte Anleger bietet.

Bewertung & Transparenz:
Aufgrund unzureichender Marktdaten und fehlender Bilanzen ist es extrem komplex und schwierig, den fairen Preis einer Kryptowährung beziehungsweise eines Projektes zu identifizieren.

Bewertung & Transparenz:
Aktiengesellschaften sind zu einer Bilanz verpflichtet. Sie haben messbare Ergebnisse und Vermögenswerte, auf deren Basis sich faire Kurswerte berechnen lassen. Die Transparenz ist also höher.

Bewertung & Transparenz:
Informationsasymmetrien sind kaum vorhanden. Die Mehrheit der Marktteilnehmer hat die gleichen Erkenntnisse, was zu ähnlichen Bewertungen führt. Overperformer zu erkennen, ist daher schwierig.

Diversifikation & Korrelation:
Der Kryptomarkt ist unkorreliert zu den meisten Vermögenswerten. Dazu zählt auch der Aktienmarkt. Für Anleger, die in diversifiziertes Portfolio wollen, ist dies eine Chance.

Diversifikation & Korrelation:
Innerhalb des Kryptomarkts herrscht eine hohe Korrelation und Abhängigkeit von den Preisbewegungen Bitcoins. Daher ist eine Diversifizierung innerhalb des Marktes schwer realisierbar.

Diversifikation & Korrelation:
Der Aktienmarkt bietet exzellente Möglichkeiten zu diversifizieren. Aktien aus verschiedenen Branchen und Ländern ermöglichen ein breit aufgestelltes Portfolio.

Diversifikation & Korrelation:
Auch wenn innerhalb des Aktienmarkts sehr gut diversifiziert werden kann, entsteht ein Klumpenrisiko, wenn man lediglich bei einer Anlageklasse bleibt. Dies stellt ein Risiko dar.

Volatilität:
Der Kryptomarkt weist eine enorm hohe Volatilität (Schwankung) auf. Insbesondere für Trader sind volatile Märkte sehr attraktiv. Volatile Märkte können auch Chancen für Privatanleger bieten, da sie die Basis für ein hohes Kurswachstum bilden.

Volatilität:
Aufgrund der hohen Volatilität zählen Kryptowährungen zur Klasse der Risikoinvestments. Insbesondere kurzfristig können sehr hohe Schwankungen auftreten. Die Mehrheit der Digitalwährungen eignet sich daher nicht als Wertspeicher.

Volatilität:
Der Aktienmarkt ist im Vergleich zum Kryptomarkt weniger volatil. Die Kursverläufe sind beständiger. Investoren, die eine gute Mischung aus Sicherheit und Rendite suchen, sind mit dem Aktienmarkt daher gut bedient.

Volatilität:
Wertbeständigkeit und eine geringere Volatilität heißt für Aktien ein geringeres Wachstumspotenzial. Wer also lediglich auf die Anlageklasse der Aktien setzt, kann unter Umständen mit einer hohen verpassten Rendite (Opportunitätskosten) rechnen.

Lassen sich Bitcoin und Aktien miteinander kombinieren?

Die oben stehende Tabelle hat wohl im Detail die wichtigsten Chancen und Risiken der beiden Anlageklassen aufgezeigt. Hierbei wird deutlich, dass die Chancen der einen Anlageklasse häufig den Risiken der anderen Anlageklasse entsprechen. Ein konkretes Beispiel hierfür ist das Alter:

Während Aktie mit einem hohen Alter häufig Burggräben geschaffen haben und somit eine hohe Marktdominanz haben, ist dies zugleich auch ihr Nachteil. Solche Unternehmen weisen oft hierarchische Strukturen auf, die nur langsam und träge Entscheidungen treffen. Die Gefahr daraus ist die fehlende Dynamik und das Unvermögen einiger Organisationen Innovationen und neue Produkte schnell umzusetzen. Dadurch entsteht die Gefahr durch Innovation disrumpiert zu werden.

Kryptowährungen hingegen haben häufig ein geringes Alter und die Entwicklungsteams dahinter arbeiten agil und dynamisch. Trends werden schnell erkannt, umgesetzt und ausgerollt. Der Nachteil hierbei ist jedoch oft die fehlende Erfahrung der Teams und/oder die fehlende Akzeptanz im Markt, so dass es viel mehr Zeit benötigt eine realisierte Idee der breiten Masse zugänglich zu machen.

Die Botschaft hinter diesem Vergleich soll sein, dass Bitcoin bzw. Kryptowährungen und Aktien sich gegenseitig gut ergänzen können. Durch ihre unterschiedlichen Chancen und Risiken ergibt sich ein Gesamtbild, welches breit gestreut ist und Chancen an den Stellen ergreift, an denen sie entstehen. Auf diesen letzten Punkt wollen wir nun näher eingehen.

Diversifikation durch Bitcoin und Aktien

Der nachfolgende Abschnitt fasst die wichtigsten Erkenntnisse zum Thema Diversifikation mit Bitcoin und Aktien zusammen. Wir haben vor wenigen Wochen hierzu einer der ausführlichsten finanzmathematischen Analysen im deutschsprachigen Raum verfasst. In unserem Artikel mit dem Titel Bitcoin, Gold und ETFs im Vergleich: Deshalb sollte BTC in jedes Portfolio findest du genaue Informationen zu wichtigen Kennzahlen wie der Korrelation, dem Rendite-Risiko-Verhältnis und der Zusammensetzung des optimalen Portfolios.

Zurück zum Thema: Die Kernfrage unseres Artikels ist, ob sich Bitcoin bzw. Kryptowährungen mit dem klassischen Finanzmarkt vereinbaren lassen. Unserer klare und deutliche Antwort hierzu lautet: Ja, unbedingt!

Wir sind der Meinung, dass jeder Mensch, der langfristig Vermögen aufbauen möchte unbedingt ein diversifiziertes Portfolio benötigt. Das heißt also explizit, dass wir der Meinung sind, dass Bitcoin – genauso wie Aktien – immer nur einen gewissen Teil eines Portfolios ausmachen sollte. An dieser Stelle möchten wir betonen, dass wir also weder das eine Extrem noch das andere Extrem befürworten.

Kommen wir nun zu den Gründen, weshalb wir sowohl Bitcoin als auch Aktien als sinnvoll erachten und deshalb an eine „friedliche“ Koexistenz der beiden glauben.

Korrelation von Bitcoin und Aktien

In der oben verlinkten Analyse haben wir die Korrelation von Bitcoin mit drei verschiedenen ETFs berechnet. Dabei haben wir die Langzeit-Korrelation angeschaut. Hier konnten wir feststellen, dass Bitcoin – ähnlich wie Gold – kaum korreliert zu dem klassischen Finanzmarkt ist.

Dies ist ein enormer Vorteil für Investoren, die ihr Portfolio breit streuen möchten. Fest steht, dass in diesem Jahr die Korrelation der Kryptowährung mit dem amerikanischen S&P500 deutlich zunahm. Ob es sich hierbei um ein kurzfristiges Phänomen handelt, welches durch die Coronakrise bedingt wurde oder den Beginn einer Trendwende lässt sich aktuell noch nicht sagen.

Für langfristige Investoren sind die Werte relevant, die sich aus einer längeren historischen Betrachtung ergeben. Hier können wir bei der Aussage bleiben, dass Bitcoin und Aktien weitestgehend unkorreliert sind. Daher macht Bitcoin als Teil eines diversifizierten Portfolios durchaus Sinn.

Bitcoin und Aktien: Unterschiedliche Volatilitäten

Fest steht ebenso, dass die Volatilität (=Schwankung) von Kryptowährungen höher ist als die von Aktien oder ETFs. In der oben stehenden Tabelle haben wir bereits aufgezeigt, dass sowohl eine hohe als auch eine niedrige Volatilität auf ihre eigenen Art und Weisen Chancen bieten.

Im Falle einer hohen Volatilität lassen sich auch hohe Renditen erwirtschaften, da Schwankungen notwendig sind für Kursanstiege bzw. ein Resultat daraus. Auf der anderen Seite wollen Investoren und Anleger kein Portfolio, dass täglich um zweistellige Prozentzahlen schwankt. Viele Aktien mit einer niedrigen Volatilität sind daher also eine optimale Ergänzung, da sie in Summe wahrscheinlich eine geringere Rendite abwerfen, diese aber konstanter und weniger schwankungsanfällig ist.

Rendite-Risiko-Verhältnis der beiden Anlageklassen

Im Finanzmarkt betrachtet man häufig die Rendite, die man für das eingegangene Risiko erhalten hat. Es handelt sich hierbei also um eine Art Prämie, die man erhält, wenn man riskanter als die anderen Investoren anlegt. Das Verhältnis von Rendite zu Risiko gibt dann logischerweise an, wie rentabel das eingegangene Risiko war.

Auch hier zeigt sich, dass Bitcoin in den vergangenen Jahren häufig die beste Rendite für das eingegangene Risiko hatte. In diesem Kontext wird wieder klar, weshalb wir zu einer Kombination der Anlageklassen tendieren. Jeder Investor geht zu einem gewissen Teil ein Risiko ein. Denn ohne Risiko lässt sich niemals eine Überrendite erzielen.

Die Kunst besteht jedoch darin, dass Risiko den eigenen Bedürfnissen anzupassen und dabei vor allem immer so niedrig wie möglich zu halten und parallel dazu die Rendite so hoch wie möglich zu gestalten. Sowohl unsere persönliche Meinung als auch unsere Analyse zeigen, dass eine Kombination aus Bitcoin und Aktien hier für ein gutes Verhältnis von Rendite und Risiko sorgt.

Fazit: Die Wahrheit liegt in der Mitte

Damit sind wir auch am Ende des Artikels angelangt. Fassen wir also nochmals die wichtigsten Erkenntnisse zusammen:

  • Kryptowährungen und Aktien sind unterschiedliche Anlageklassen. Sie können daher nicht einfach so miteinander verglichen werden.
  • Sowohl Kryptowährungen als auch Aktien haben spezifische Chancen und Risiken, die sich gegenseitig ergänzen.
  • Eine Kombination aus Bitcoin und Aktien sorgt für eine gute Diversifikation des Portfolios.
  • Die Korrelation sowie das Rendite-Risiko-Verhältnis sind gute Gründe für beide Vermögenswerte im Portfolio

Wir sind damit der Meinung, dass Bitcoin und Aktien eine gute Kombination darstellen. Aus finanztechnischer Perspektive können wir nur davon abraten, lediglich in Kryptowährungen zu investieren. Genauso erachten wir ein reines Investment in einzelne Aktientitel als risikoreich. Natürlich soll dies keine Handelsempfehlung darstellen, sondern lediglich unsere persönliche Meinung und Erfahrung widerspiegeln.

Besonders interessant ist deine Meinung zu diesem Thema. Wie denkst du über Kryptowährungen und Aktien als Kombination? – Lässt sich der klassische Finanzmarkt mit Bitcoin und Co. vereinbaren? Hältst du selbst eventuell Aktien und Kryptos oder bist du der Meinung, dass man von einer der beiden Anlageklassen Abstand halten sollte?

Falls du lieber Videos schaust, haben wir hier auch einen spannenden Talk für dich:

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[Bildquelle: Shutterstock]

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