Was ist Ampleforth (AMPL)? – Das Geheimnis hinter dem Stablecoin

Ampleforth (AMPL) ist einer der meistgefragten Kryptowährungen seit Beginn des DeFi-Hypes. Die wenigsten wissen allerdings, dass es sich um eine besondere Art von Stablecoin handelt, dessen Ziel eigentlich kein Kurs-Zuwachs ist, daher unterliegt AMPL augenscheinlich enormen Schwankungen. Eine neue Idee von Geld, flexibel und stabil zu gleich. Wie das geht?

Ampleforth wird nicht durch USD oder andere Assets gedeckt, sondern basiert auf einer algorithmischen Anpassung des Angebots von AMPL und bleibt dadurch „stabil“ in seiner Kaufkraft. In diesem Artikel wollen wir uns das Projekt und die komplexen Mechanismen etwas genauer anschauen, denn wenn du in AMPL investieren willst, solltest du unbedingt verstehen, wie der Stablecoin funktioniert.

Du willst alles über DeFi wissen und erfahren wie du profitieren kannst? Dann empfehlen wir dir unseren „Was ist DeFi?“ Wissensartikel und unseren DeFi Renditevergleich als optimale Grundlage und Einstieg für deine Recherchen.

Übersicht: Was ist Ampleforth (AMPL)

Was ist Ampleforth (AMPL)?

Hinter Ampleforth steckt die Idee von Evan Kuo, einem umtriebigen Berkley Absolventen, der bereits mit innovativen Ideen und Ansätzen auf sich aufmerksam machte. Motiviert durch den Tod seines Vater war es sein Ziel etwas zu erschaffen, was weit nach seinem Tod noch Bestand haben könnte: Kryptowährungen.

Anstatt das Banksystem neu erfinden zu wollen machte Kuo sich ran, das Geld neu zu erfinden. Pantera Capital, Coinbase CEO Brian Armstrong und Huobi ermöglichten ihm diesen Traum und gründeten die Ampleforth Stiftung. Ein Sammelsurium an Genies aus verschiedenen Branchen, die das Geld neu erfinden sollten.

Zusammengefasst ist AMPL der Idee von Friedrich Hayek nachempfunden, eine Währung zu erschaffen, dessen Geldmenge sich flexibel anpasst. Dies ermöglicht es die Kaufkraft gegenüber verschiedener Rohstoffe (Warenkorb) aufrechtzuerhalten. Also eine Anti-Inflation-Deflation Währung.

Wofür Ampleforth genutzt werden kann und welche Ziele sie sich setzen, schauen wir uns jetzt kurz an.

Die Use Cases und „Roadmap“

Neben Diversifizierung sieht AMPL sich vor allem im DeFi Bereich stark aufgestellt und will die größte Reservewährung für DeFi Protokolle werden. Ein Blick auf die „Roadmap“ zeigt ambitionierte Ziele, denn AMPL soll langfristig der bessere Bitcoin werden und eine Alternative zu Zentralbankgeld darstellen.

Ampleforth Use Cases

Die genaue Funktionsweise dieses „Stablecoin“ sowie die Umsetzung der Vision, schauen wir uns in den folgenden Kapiteln an.

Wie funktioniert Ampleforth?

Wie bereits erwähnt ist Ampleforth eine besondere Art von Stablecoin, der basierend auf der Nachfrage sein Angebot anpasst, um so eine stabile Kaufkraft zu gewährleisten. Die Idee stammt aus der Makroökonomie und dem Verständnis von Fiat Geld (EUR, USD, etc.) und Rohstoffen wie Gold oder Silber.

Schauen wir uns dafür erstmal eine kleine Zusammenfassung der Kerneigenschaften von AMPL an und inwieweit sich diese von anderen Währungen wie BTC, USD oder DAI unterscheiden. Danach tauchen wir in die ökonomische Idee hinter Ampleforth ein bevor wir uns anschließend der Technologie widmen, um zu verstehen, wie die Idee umgesetzt werden soll.

AMPL Kerneigenschaften im Überblick

Da sich Ampleforth mit anderen Währungen vergleicht wollen wir kurz auf die Kerneigenschaften und Hauptunterschiede zwischen AMPL, dem USD (Fiat), BTC (digitales Gold) und DAI (Stablecoin mit Cryptos als Sicherheit) eingehen.

Ampleforth Vergleich zu BTC, USD und DAI

Die Grafik zeigt deutlich, dass AMPL basierend auf den gewählten Eigenschaften, die augenscheinlich „ultimative“ Währung darstellt. Die Kerneigenschaften von Ampleforth definieren sich dabei wie folgt:

  • Algorithmisch: Die Protokollregeln sind in intelligenten Verträgen auf Ethereum verschlüsselt. Die auf Regeln basierende Politik ermöglicht vorhersehbare Aktionen und messbare Reaktionen und ist eine wirksame Kontrolle der diskretionären Geldpolitik.
  • Nicht verwässernd: Wenn jemand 1% des Netzwerks besitzt, besitzt man immer 1%. Keine Partei extrahiert Wert und es fallen keine zusätzlichen Transaktionsgebühren an.
  • Bankless („Bankenlos“): AMPL ist ein Basisgeld, es gibt keinen Begriff von Schulden oder Kredit im System.
  • Einfache Incentives: Ein einfaches System ist transparent und leicht verständlich. Das Ampleforth-Protokoll hat nur zwei Regeln für Expansion und Kontraktion und hängt ausschließlich von gewinnorientierten Akteuren auf dem Markt ab, um ein Gleichgewicht zu erreichen.
  • Non-custodial (Keine Verwahrung): Das Eigentum wird nativ auf der Blockkette verbucht. Fremde Vermögenswerte oder Sicherheiten werden nicht verwahrt.
  • Minimal Governance (Selbstregulierend): AMPL wurde so konzipiert, dass der Bedarf an Governance minimiert wird. Innerhalb der Schleife der Angebotsanpassungen gibt es keine Governance, weil es keine Zinssätze anzupassen oder Märkte auszugleichen gibt.

Die Ökonomie

Ampleforth ist inspiriert von einer Idee, die Geldmenge jederzeit an dessen Nachfrage anzupassen. Somit soll sowohl Deflation als auch Inflation verhindert werden und die Kaufkraft von AMPL bleibt erhalten. Eine ökonomische Wunschvorstellung, die nur schwer umsetzbar scheint. Um dieses besondere ökonomische Konzept zu verstehen, wollen wir uns die Ökonomie von Gold, Bitcoin und dem US-Dollar zum Vergleich nehmen.

Gold und Bitcoin

Gold und mittlerweile auch Bitcoin gelten als Wertaufbewahrungsmittel (Store of Value). Auch wenn bei BTC noch darüber diskutiert werden kann basieren beide Assets auf ähnlichen Eigenschaften, sie sind streng limitiert und weisen einen hohen Härtegrad (Stock-to-Flow Wert) auf.

Vor allem Gold gilt bereits seit Jahrhunderten als Store of Value und wurde schon in der Vergangenheit immer wieder angehäuft, wenn es in der Welt und bei der Leitwährung kriselte. Die Idee ist ganz einfach, jemand der Gold hat erhofft sich dadurch auch in Krisenzeiten seine Kaufkraft zu erhalten. Eine Idee die bisher immer gut funktioniert hat und sich auch in der aktuellen Corona- und Geldkrise wiedermal als sicherer Hafen zeigt.

Das Problem bei Gold zeigt sich aber auch unter Umständen durch eine Deflation und den dadurch abflachenden Konsum. Einer der Gründe warum der US-Dollar sich 1971 vom „Goldstandard“ entfernt hat und zu einer inflationären Währung wurde.

Lesetipp: Wenn du die Geschichte der WeltwährungenBitcoin und den Stock to Flow Wert eines Assets besser verstehen willst, empfehlen wir dir die verlinkten Artikel als weiterführende Lektüre.

Der US-Dollar

Wie wir nun verstanden haben war der US-Dollar in der Vergangenheit eine goldgedeckte Währung und damit vor Inflation geschützt. Dies wandelte sich aber durch die Abkehr vom Goldstandard und führt zu der Fiat Währung die wir heute kennen. Eine Währung die zwar die Ketten der Deflation sprengen konnte, aber damit die Türen öffnete immer weiter Geld in die Märkte zu Pumpen und zu dem Pulverfass führte, was es heute ist.

Anders als bei Gold und dem „alten“ US-Dollar ist das Angebot nun also nicht mehr begrenzt und kann jederzeit nach oben angepasst werden, um die Nachfrage nach USD zu befriedigen. Allerdings kann dieses Angebot nur nach oben angepasst werden. Ein Problem was den Fiat-Währungen in der nächsten Zukunft zum Verhängnis werden könnte.

Ampleforth (AMPL) als Lösung?

Es zeigt sich also, dass keine „Währung“ den Ansprüchen genügen kann ihr Angebot so anzupassen, dass es weder zu einer Inflation noch Deflation kommen kann. Wie wir bereits gelernt haben will Ampleforth aber genau dieses Problem lösen. Das folgende Beispiel aus dem Whitepaper soll verdeutlichen, wie das genau funktionieren kann:

Alice hat 1 AMPL in ihrer Brieftasche im Wert von 1 USD. Die Nachfrage nach AMPL steigt plötzlich an, und der Marktpreis für AMPL springt auf 2 USD.

Das Ampleforth-Protokoll passt das Angebot an, und jetzt hat Alice 2 AMPL im Wert von je 1 USD.

Das Bemerkenswerte an Ampleforth ist, dass es nicht verwässernd wirkt. Das bedeutet Alice wird immer noch den gleichen Prozentsatz des Gesamtvorrats von Ampleforth in ihrer Wallet haben, wenn sich dieser ändert.

Steigen wir nun nach dem kleinen Makroökonomischen Ausflug in die Technologie hinter Ampleforth ein. Diese ist im Vergleich zum ökonomischen Konzept, welches wir nur angerissen haben, tatsächlich leichter zu verstehen, als man denkt.

Die Technologie

Die Technologie hinter Ampleforth ist tatsächlich recht simpel im Vergleich zu vielen anderen DeFi Protokollen. Wie schon erwähnt wird das Angebot an AMPL regelmässig angepasst. Um 19 Uhr werden jeden Tag durch die Preis-Orakel von Chainlink und eigene Preis-Orakel die Daten von KuCoin und Bitfinex überprüft. Hier wird dann basierend auf dem aktuellen AMPL Preis die Rate festgelegt, mit der sich das Angebot dann über 10 Tage anpassen soll.

AMPL Angebotsanpassung

Die gewünschte Preisspanne liegt für AMPL zwischen 0,96 – 1,06 USD, basierend auf dem Refernzpreis (P) eines US-Dollar von 2019. Dies verhindert die laufende USD Inflation mit ins Protokoll zu nehmen. Der ganze Prozess nennt sich Rebase.

WICHTIG: Die Anpassung des Angebots findest direkt in deiner Wallet statt, so dass du keine Verwässerung deiner Kaufkraft erfährst.

Das AMPL Angebot – Ein Beispiel & Zusammenfassung

Am besten erklären wir es kurz an einem Beispiel:

1 USD = 1,5 AMPL (Tageskurs): Durch Erhöhung des Guthabens jeder Wallet könnte der Preis auf 1 AMPL = 1 USD angeglichen werden. Eine lineare Staffelung über 10 Tage bedeutet in diesem Fall, dass das Protokoll die AMPL Menge in deiner Wallet am ersten Tag um +50% / 10 erhöht.

Zusammenfassend kann man also festhalten, dass der Smart Contract dafür sorgt, dass das AMPL Angebot so angepasst wird, so dass 1 AMPL sich immer in der Spanne von 0,96 – 1,06 USD bewegt. Dadurch entstehen bei AMPL auch diese enormen Schwankungen aktuell, weil sich das System noch „einpendelt“ bei einer stark schwankenden Nachfrage.

Abschließend ist noch zu erwähnen das Ampleforth zwar autonom aber nicht komplett dezentral läuft. Die Ampleforth Foundation hat nach wie vor den vollen Zugriff. Das heißt, dass sie jederzeit das AMPL Angebot selbst anpassen oder sogar komplett einfrieren kann.

Für einen echten Deep Dive in Ampleforth empfehlen wir dir das „Redbook“ von AMPL, hier erfährst du jedes Detail hinter dem „Stablecoin“.

Wie kann man von AMPL profitieren?

Stellen wir uns nun die Frage, warum der „Stablecoin“ so gefragt ist? Anders formuliert: Warum steigt dessen Marktkapitalisierung so enorm. Wie kann man also mit einem Stablecoin Geld verdienen, wenn der Wert doch stabil sein soll?

Klar ist, dass AMPL enorm vom DeFi Hype profitieren konnte und dadurch enorme Aufmerksamkeit in den letzten Wochen und Monaten erhielt. Das Ergebnis ist eine steigende Nachfrage und Geldmenge.

Neben Arbitrage bietet Ampleforth durch den „Ampleforth Geyser“ eine Möglichkeit sich AMPL zu verdienen. Ähnlich wie andere DeFi Protokolle will das Projekt damit die Nutzung und Hinterlegung von AMPL belohnen und User motivieren die Kryptowährung zu nutzen.

Entstanden ist der Geyser in Zusammenarbeit mit Uniswap, dem führenden dezentralen Exchange im DeFi Sektor. Ziel ist es Liquidität auf Uniswap bereitzustellen. Als Belohnung winken weitere AMPL Tokens als Belohnung für das Bereitstellen von Liquidität von Uniswap. Dieses System kennen wir auch von Balancer (BAL).

Ein Blick auf den Ampleforth Geyser zeigt uns, dass sich dort derzeit durchaus lukrative Jahresrenditen von ca. 146% erwirtschaften:

AMPL Geyser

Diese Rendite schwankt aber natürlich mit dem derzeitigen AMPL Kurs, der noch mit der Preis-Volatilität kämpft. Die Einrichtung ist ansonsten sehr leicht. Man verbindet seine ERC20 fähige Wallet z.B. Metamask und hinterlegt seine AMPL Tokens.

Kommen wir nun zum Fazit und zu einem Ausblick zu Ampleforth.

Fazit: AMPL der ultimative Stablecoin?

Wir blicken bei Ampleforth auf einen ambitionierten und spannenden Ansatz die Idee von Geld zu revolutionieren. Durch die ständige Anpassungen der Umlaufmenge kann AMPL es schaffen einen relativ stabilen Wert zu erhalten und kann damit Deflation und Inflation gleichermaßen im Zaum halten.

Ein Blick auf die wilde Kursachterbahn bei Ampleforth lässt sich also nach dem Verständnis über das Projekt sehr gut erklären. Eine „faire“ Bewertung ist so jedoch mit Hinblick auf die auch schwankende Marktkapitalisierung kaum möglich. Diese sollte in der Summe jedoch mit steigender Nachfrage auch zulegen, genau wie die Anzahl an AMPL Coins und somit auch das eigene „Guthaben“.

Aktuell ist es aber kaum möglich den Wert stabil zu halten. Dies zeigt dementsprechend, wie schwer das Protokoll mit hoher Volatilität am Markt zu kämpfen hat. Ein Großteil der Investoren wird sich diese Frage vielleicht auch stellen, denn es gibt sicher einige die investiert haben, ohne den Mechanismus hinter AMPL zu verstehen. Doch das ist nicht das größte Problem hinter dem Projekt.

AMPL und sein größtes Problem

Augenscheinlich ist AMPL ein durchaus gelungenes Projekt. Das große Problem an der Idee ist jedoch die Tatsache, dass sie sich leicht kopieren lässt. Dies ist bei Bitcoin auf Grund des starken Netzwerkeffekts nicht mehr möglich. Ein weiterer Wermutstropfen ist die Tatsache, dass beim ICO die Investoren ein Großteil der AMPL Coins an Großinvestoren und das Team ging.

Ampleforth ICO Funds

Der Blick auf die Verteilung zeigt, dass von der initialen Token Menge der Großteil an „Investoren“ und Spekulanten gegangen ist. Auch heute zeichnet sich ein ähnliches Bild ab und AMPL wird weniger als „Stablecoin“ genutzt als ein Spekulationsobjekt zu sein. Dies beeinträchtigt und verlangsamt den eigentlichen Zweck der Kryptowährung.

Die Grafik oben verdeutlicht das größte Problem des Projekts. Rund 60% aller Tokens (oder mehr) sind in den Händen des Teams oder institutioneller Großinvestoren. Durch die Fähigkeit der „non-Dilution“ wird sich dieser Anteil auch erst dann verwässern, wenn sie etwas davon verkaufen.

Der Beta-Test

Insofern ist das langfristige Ziel der „bessere“ Bitcoin zu sein oder gar nationale Währungen abzulösen kaum erreichbar. Hinzu kommt die Tatsache, dass das Projekt komplett zentralisiert ist. Auf die volle Kontrolle über Tokens und Protokoll durch die Entwickler ist ein Risiko. Damit handelt es sich um eine gefährliche Kombination, die alles andere als eine alternative Weltwährung darstellt. Im Gegenteil: Sie bildet das heutige System an, in dem wir leben mit der Ampleforth Foundation als Zentralbank.

Zusammenfassend lässt sich also zwar einiges an Kritik äußern, auf der anderen Seite haben wir aber einen wirklich spannenden ökonomischen Ansatz mit einer neuen Idee von Geldpolitik. Welches Potential in der Idee steckt werden die kommenden Monate noch zeigen. Jedoch sollte jedem klar sein, dass wir bei AMPL, wie bei vielen anderen DeFi Anwendungen auch, in einer Beta Phase sind, in der wir die Testobjekte darstellen.

Was letzen Endes daraus wird, zeigt die Zukunft. Wir legen uns aber fest, dass es Bitcoin wohl kaum ersetzen kann.

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[Bildquelle: Shutterstock]

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