Für Kryptonauten in der Türkei lässt die Angst vor einem kompletten Verbot von Bitcoin und Co. zwar nach. Doch die Angst vor strengen Regulationen bleibt. Dies wird auch bedingt durch ein neues Gesetz, welches dem Financial Crimes Investigation Board (MASAK) erlaubt über alle Krypto-Transaktionen über 10,000 Türkische Lira (ca. 1000 €) zu überwachen.

Der türkische Finanzminister Lütfi Elvan hat in einem Interview bei CNN Türk diese neue Regulierungspolitik angekündigt. Diese strengere Überwachung von Krypto Börsen sei vor allem in Reaktion auf die Schließung von zwei großen Handelsplattformen in der Türkei im April zu sehen. Dabei haben viele tausend Menschen den Zugriff auf Bitcoin und andere Kryptowährungen verloren.

Die Angst vor einem kompletten Verbot von Bitcoin und Co. ist vielleicht weg, aber die Angst vor strengen Regulationen bleibt. Vor allem auch in anderen Ländern! Denn hier besteht die Gefahr, dass Regulationen wie in der Türkei als Beispiele genommen werden, da auch andere Regierungen an (strengeren) Regulierungen interessiert sind.

Transaktionen ab 10.000 TRY künftig meldepflichtig für Krypto Börsen

In einem am gestrigen 07. Mai 2021 ausgestrahlten Interview bei CNN Türk, äußerte sich der türkische Finanzminister Elvan zu neuen Gesetzen bezüglich der angekündigten Regulationen rundum Bitcoin und Co. Dabei wird schnell klar, dass die Kontrolle und Überwachung von Transaktionen mit Krypto-Hintergrund stark zunehmen soll.

MASAK hat die vollständige Authorität zur Überwachung von Krypto Börsen […] Handelsplattformen sind nun verpflichtet ihre Daten mit der Aufsichtsbehörde zu teilen. Sie sind verantwortlich für sämtliche Auffälligkeiten auf ihren Plattformen. Sie verpflichten sich zudem jede Transaktion über 10.000 TRY in einem Handelszeitraum von 10 Tagen an MASAK zu melden.

Die Äußerung des Finanzminister hinsichtlich der neuen Regulierungen erfolgte etwa zwei Wochen nachdem die Krypto Börse Thodex plötzlich geschlossen wurde. Der Hintergrund soll ein großflächiger Betrug seitens der Handelsplattform gewesen sein. Die insgesamt fast 400.000 aktiven Nutzer der Börse verloren den Zugriff auf ihre Guthaben und stehen damit jetzt teilweise vor dem finanziellen Abgrund.

Der CEO von Thodex setzte sich laut Medienberichten mit rund 2 Mrd. USD an Kundengeldern nach Albanien ab.

Türkei will den Handel mit Bitcoin und Co. stärker kontrollieren

Die Regierung in Ankara sieht sich wegen der Größenordnung des vermeintlichen Betrugs und dem weiteren Wertverfall der türkischen Landeswährung offenbar in der Pflicht zu handeln. Das Vermögen im Land soll unter Kontrolle bleiben, ebenso wie die finanzielle Lage der Menschen. Bitcoin und Co. könnten hier ein Dorn im Auge sein. Strenge Geldpolitik ist aus der Türkei zudem bekannt.

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2016 wurde beispielsweise der internationale Zahlungsdienstleister PayPal von Geschäften in der Türkei ausgeschlossen. PayPal konnte staatliche Regulierungsvorgaben nicht erfüllen und musste deshalb seine Dienstleistungen in dem Land einstellen. Krypto Börsen könnte ein ähnliches Schicksal ereilen.

Laut dem neuen Regulierungsgesetz müssen Betreiber von Krypto Börsen jetzt dem MASAK Bericht erstatten, wenn Nutzer höhere Beträge auf ihren Seiten bewegen. Sollten sie dieser Pflicht nicht nachkommen, drohen den Handelsplattformen Konsequenzen und eine mögliche Schließung. Somit werden die Börsen dazu gezwungen, das neue Gesetz anzuwenden.

Schlusswort

Wann genau das neue Gesetz in Kraft tritt, ist noch nicht bekannt. Jedoch sagte Finanzminister Elvan, dass der Gesetzentwurf bald Präsident Erdogan zur Unterschrift vorgelegt werden soll. Die Türkei schafft mit den Regulierungen für Bitcoin und Co. also Klarheit und gesetzliche Rahmenbedingungen. Sowas ist grundlegend nicht negativ, kann sich aber negativ auswirken. Nicht nur in der Türkei ist deshalb die Angst groß.

Denn die weltweite Corona-Pandemie bringt mehrere Nationen auf der Erde in Zugzwang, was die wirtschaftliche Stabilität angeht. Eine strenge Regulation von Bitcoin und Co. in der Türkei könnten so schnell als „Vorlage“ für andere Länder gelten. Auf der anderen Seite könnten Regulationen womöglich eine Aufwertung für Bitcoin und Co. auf institutioneller Seite mit sich bringen, was langfristig bullisch wäre.